25 Jahre Haus Tobias in Trier-Quint

Gespräch am Rande der Veranstaltung: Bruder Markus Leineweber, Caritasdirektor Bernd Kettern, Leiterin Susanne Fuchs und Orofessor Norbert Leinen. Foto: Chrisoph Friedrich

TRIER. Seit 25 Jahren gibt es die Kita “Haus Tobias” im Stadtteil Quint. Für den Caritasverband Trier ist das mehr als eine normale Kita. Denn bereits 1993, ein Jahr vor der UNESCO-Erklärung zur Pädagogik für besondere Bedürfnisse, war das Haus Tobias die erste Kindertagesstätte in Trier, die sich der integrativen Erziehung widmete. Rund 140 Gäste, betreut von den Auszubildenden des Berufsbildungszentrums Haus Elisabeth aus Mehring, feierten nun die Einrichtung in Trier-Quint als Vorreiter und Vorbild für integrative Pädagogik in der Region Trier. Den Auftakt der Feierlichkeiten bildete eine Foto-Vernissage. Susanne Fuchs, Leiterin der Kindertagesstätte, führte in die Ausstellung ein.

In Ihren Grußworten würdigten Triers Bürgermeisterin Elvira Garbes und Caritasdirektor Bernd Kettern die Kindertageseinrichtung als einen Ort, der Vertrauen und Zuversicht vermittelt. Hier würden Kinder neue Fähigkeiten entdecken und Eltern gemeinsam mit den Mitarbeitern weiterdenken, sich gemeinsam sorgen und freuen.

Was die hier geleistete erfolgreiche Integrationsarbeit für die Region Region und die aktuelle Debatte um Inklusion im Bildungssystem bedeutet, erläuterte Professor Norbert Heinen von der Pädagogischen Fakultät der Universität Köln in seinem Vortrag “Das Bildungsziel der kulturellen Teilhabe”. Er erinnerte daran, dass sich ein Bewusstsein für einen prinzipiellen Bildungsbedarf eines jeden Kindes erst in den letzten Jahrzehnten langsam etabliert hat. Die Einrichtung von Förderschulen in den 1960er Jahren als Ergänzung zum pragmatischen dreigliedrigen Schulsystem war demnach ein erster Schritt.

Heute sei unser Schulsystem durchlässiger, die Didaktik weiterentwickelt, Lehrinhalte flexibler und man werde den berechtigten individuellen Ansprüche der einzelnen Kinder und Jugendlichen in einem viel umfassenderen Sinn gerecht. Die weitere Öffnung der Kindertagesstätten und Schulen sei da nur folgerichtig. Die Diskussion um die Inklusion sei deshalb weniger eine prinzipielle Infragestellung, als vielmehr die Frage nach der geeigneten Umsetzung: Wie soll Inklusion gelingen? Ist die Aufgabe vielleicht zu groß? Schadet sie den Kindern selbst?

In seinen Ausführungen erläuterte der Redner den gesellschaftlichen Auftrag hinter der Inklusion am Beispiel der Bildungsfähigkeit bei sehr schwerer Behinderung und der Bildungschancen, die sich in der wichtigen täglichen Interaktion während der Pflege ergeben. Hier werde die Artikulation von Bedürfnissen durch das Kind gefördert und damit seine Kommunikationsfähigkeit und Selbstbestimmung. Pflege könne so dem allgemeinen Ziel von Bildung als Befähigung zur kulturellen Teilhabe gerecht werden.

Eine praktische Anleitung zur Inklusion lieferte Professor Heinen damit nicht. Was ihm eindrücklich gelang, war die Darstellung des gesamten Spektrums von der Elitenförderung bis zur Heilpädagogik. Ein weites Feld mit sehr spezifischen Herausforderungen und Fragen, für deren Bewältigung heute noch niemand eine Antwort habe. Eine geeignete Methode gebe es jedoch, die man im Haus Tobias erleben könne. Für Heinen steht außerfrage, dass es sich immer lohne zu beginnen und so Erfahrungen zu sammeln. Schließlich lasse sich eine erfolgreiche Praxis auf neue Anwendungsbereiche ausdehnen.

Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde durch das Markus Stoll Trio. (tr)


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Erstellt am Autor trier reporter in Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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