Andockstation für die junge Kreativszene

Kisten, Kissen, ein Sofa und einen Ventilator - mehr braucht Till Thurner nicht für sein Stück "finnisch". Fotos: Rolf Lorig

Kisten, Kissen, ein Sofa und einen Ventilator – mehr braucht Till Thurner nicht für sein Stück “finnisch”. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Klappe, die zweite: Am Samstag hatte das Trierer Projekt ‟HerzStück‟ seine zweite Premiere. Rund 750 Menschen waren im Januar im Exzellenzhaus dabei, als das gemeinnützige Künstlerkollektiv ‟Bühne 1‟ sein ‟HerzStück‟ dort erstmals der Öffentlichkeit präsentierte. Und nun der zweite Anlauf in der Europäischen Kunstakademie.

Auf das Trierer Publikum ist Verlass. Als Michael Gubenko und Kuratorin Isabel Arnold den Abend offiziell eröffnen, hat sich bereits ein stattliches Publikum in der Kunsthalle versammelt. Weiß gekleidete junge Damen, die Performance-Gruppe ‟So nah‟, stehen bereit, wollen die Menschen an einem roten Faden durch die Räume führen.

Angenehm überrascht von der guten Resonanz und dem Interesse an junger Kunst zeigt sich in ihrer Begrüßung Kuratorin Isabel Arnold. Michael Gubenko, künstlerischer Leiter des Projekts, zeigt sich felsenfest davon überzeugt, dass sich auch ein erneuter Besuch lohnt: ‟Hier haben wir völlig andere Räumlichkeiten, da entsteht ein ganz anderer Eindruck.” Dass sich so viele junge Künstler hier einbringen, darauf ist Gubenko stolz. Er verweist auf die Zusammenarbeit mit den Trierer Hochschulen und führt als Beispiel in der laufenden Ausstellung das Projekt ‟Walldrobe‟ an: ‟Eine von zwei Tänzerinnen performativ bespielte Textilinstallation von Johanna Henn, die hier ihr Masterprojekt aus dem Fachbereich Modedesign einbringt.”

Vor Sibelius gab es eine Zusammenarbeit mit dem Theater

Rund 40 Teilnehmer hat die Ausstellung, berichtet Gubenko im Gespräch mit dem reporter. ‟Wir sehen unser Projekt als Andockstation für die junge Kreativszene‟, sagt er. HerzStück ist nicht das erste Projekt von ‟Bühne 1‟. Seit 2008 ist die Gruppe aktiv, vor der Ära Sibelius gab es auch eine Zusammenarbeit mit dem Stadttheater. Vom Grundsatz her würde Gubenko die gerne fortführen. ‟Vorausgesetzt, der neue Intendant oder die neue Intendantin wäre daran interessiert.”

Ein Mitglied der Performance-Gruppe "So nah". Licht spielt in der Ausstellung eine große Rolle: farbige Illuminationen in abgedunkelten Räumen sorgen für eine relaxte Stimmung.

Ein Mitglied der Performance-Gruppe “So nah”. Licht spielt in der Ausstellung eine große Rolle: farbige Illuminationen in abgedunkelten Räumen sorgen für eine relaxte Stimmung.

Doch was hat es nun mit dem ‟HerzStück‟ auf sich? ‟Es geht um zwei Probleme bei der zwischenmenschlichen Verständigung‟, erläutert der künstlerische Leiter. ‟Wie können zwei Menschen zueinander finden? Wie funktioniert das menschliche Zwischen- oder Gegeneinander? Und was hindert die Menschen, einander näher zu kommen?”

Diesem übergeordneten Thema widmet sich die Ausstellung, die in ihrer Ausführung disziplinübergreifend ausgelegt ist. Die Spannbreite reicht hier von Musik über Schauspieltheater bis hin zu Installationen und Videogame-Design. So viel sei an dieser Stelle verraten: Der Crossover-Mix der unterschiedlichsten Kunstarten führt zu immer neuen Begegnungen des Zuschauers mit seinem tiefsten inneren Ich…

Obwohl die Ausstellung geführt ist, kann sich jeder Besucher dennoch frei bewegen. Zumindest theoretisch. Denn wenn in Raum eins das Ein-Single-Stück ‟finnisch‟ von Martin Heckmanns zur Aufführung gelangt, bindet diese Darbietung die Besucher an ihren Platz. Grandios dabei die vorgetragenen Monologe von Till Thurner. Wobei, so ganz solo muss Thurner nicht agieren, er wird unterstützt von Sina Leineweber und Juliane Lang.

Kein Wunder, dass diese Aufführung die Menschen fesselt. Geht es dabei doch um die Einsamkeit und die Angst vor einem Kontakt mit einer Postbotin, bei dem insgeheim gehegte Wünsche Wirklichkeit werden könnten…

Wann der Besucher kommt und wann er geht, entscheidet er oder sie ganz alleine. Der Aufbau der Ausstellung gibt alle erdenklichen Freiräume. Wer richtig viel Zeit mitbringt, kann hier ohne Probleme vier Stunden verweilen. ‟Das bringt dann aber auch die Begegnung mit vielen kleinen Erlebnissen, die zum Teil einmalig sind‟, verspricht Michael Gubenko.

Die von der Trierer Kulturstiftung und der Landesstiftung für Kultur geförderte Ausstellung ist in der Europäischen Kunstakademie noch am Sonntag, 5. Februar, von 18 – 22 Uhr zu sehen. (rl)


Drucken
Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Kultur Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.