Anregende Gespräche, gute Musik, spannende Themen

Politik trifft Handel: Alfred Thielen, Jürgen Poss, Benno Skubsch, Katrin Werner, Katarina Barley, Georg Stephanus, Georg Kern, Thomas Schmitt und Andreas Steier (v. links). Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Es ist die Zeit der Sommerfeste: Nach dem der IHK Trier hatten nur einen Tag später nun auch der Einzelhandelsverband und die City-Initiative zum 11. Sommerfest in das Haus des Handels in der Kaiserstraße eingeladen. Allerdings war hier die Teilnehmerzahl wegen der Platzverhältnisse limitiert: Nur wer sich rechtzeitig angemeldet hatte, konnte zu den 200 Gästen des Abends gehören.

Von Rolf Lorig

Meet and great nennen Amerikaner und Engländer solche Veranstaltungen: Man trifft und man grüßt sich. Alfred Thielen, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes (EHV) Region Trier, formuliert das lieber etwas griffiger: “Politik trifft Handel.” Dazu lädt man sich Politiker aller demokratischen Parteien ein, im konkreten Fall von der Bundesjustizministerin über den Oberbürgermeister und dessen Dezernenten bis hin zu den Stadtratsmitgliedern. Wobei die Veranstalter an diesem Abend auf die SPD verzichten mussten. Denn die tagte zeitgleich in der Jugendherberge und setzte sich bereits aktiv mit dem kommenden Kommunalwahlkampf auseinander.

Kommt der Globus-Markt nach Trier oder kommt er nicht?

Es gibt bei jedem dieser Feste immer viel zu bereden. In diesem Jahr war es ein Thema, das einerseits zwar schon seit Monaten im Raum steht, doch immer noch seltsam nebulös erscheint: die geplante Ansiedlung des Globus-Marktes auf der Eurener Flur. Die Trierer CDU hat das Thema aufgegriffen und kurzfristig für den kommenden Montag im Kasino am Kornmarkt einen Diskussionsabend angesetzt. Alfred Thielen verspricht sich davon eine ganze Menge. Er hat eine klare Erwartung, die er im Flur des Hauses gegenüber einem jungen CDU-Stadtratsmitglied äußert: “Zehn Stimmen von euch gegen die Ansiedlung.” Der junge Mann versucht den Geschäftsführer zu beschwichtigen, verweist darauf, dass die Beschlussfindung ein demokratischer Vorgang ist, der nicht über Absprachen gesteuert werden kann. Doch Alfred Thielen ist das klar, schließlich ist der Mann auch Rechtsanwalt. Aber gleichzeitig ein unermüdlicher Kämpfer, der sich für die legitimen Interessen seines Einzelhandelsverbands einsetzt.

Mit leerem Magen lassen sich keine guten Gespräche führen. Doch diese Sorge war beim Sommerfest in der Kaiserstraße unbegründet.

Draußen im Freien ist das Thema ebenfalls präsent. Angeblich sollen vier Gutachten in Auftrag gegeben worden sein, wird sich hinter vorgehaltener Hand erzählt. Eines davon soll im Auftrag von “real” sein. Was seltsam anmutet, schließlich gehört dieses Unternehmen nicht unbedingt zu den inhabergeführten Unternehmen dieser Stadt und ist von der Größe her durchaus mit “Globus” vergleichbar…

Die Musik von Ulis Poplounge

Die Aufgabe der Begrüßung obliegt an diesem Abend Benno Skubsch, dem Vorsitzenden der City-Initiative Trier. Der Vorsitzende macht es kurz und schmerzlos. Der längste Teil seiner Ansprache bezieht sich auf ein Dankeschön an die fleißigen Helfer der Geschäftsstelle unter der Leitung von Jana Bouillon, die diesen Abend erst möglich gemacht haben, und auf die Mitteilung, dass das Buffet nun eröffnet sei. Dort wartet leckere Hausmannskost, die rasch ihre Abnehmer findet.

Während sich die Gäste durch das reichhaltige Angebot kämpfen, beschallt Ulis Poplounge das Geschehen. Es ist das bittere Los der Musiker, dass ihre Kunst an einem solchen Abend nicht die Beachtung findet, die sie verdient. Denn insbesondere die Stimme von Rosita Kerren ist schon alleine eine Verführung…

Unter den Gästen fällt einer auf, der wohl als Behördenleiter, nicht aber als Einzelhändler bekannt ist: Heribert Wilhelmi, Leiter der Agentur für Arbeit in Trier. Was hat ihn zu diesem Besuch veranlasst? “Zwanglose Veranstaltungen wie diese in einem sehr schönen Ambiente geben die Möglichkeit, mit geschäftlichen Netzwerkpartnern auch mal andere Themen zu diskutieren. Bei normalen Geschäftsterminen geht es immer um ein zielorientiertes Ergebnis, hier kann man auch mal ganz einfach die Gedanken schweifen lassen und sich zwanglos austauschen, was auch zu klaren Ergebnissen führen kann.” Nein, versichert Wilhelmi lächelnd auf eine entsprechende Frage, berufliche Gespräche nach Feierabend seien für ihn kein Problem: “Das weiß ich ja schon, wenn ich mich zu der Veranstaltung anmelde. Die Freizeit, die ich an einem solchen Abend hier investiere, ist es mir wert. Eben weil es so viel Informationen zwischen den Zeilen gibt. Es ist ein Invest, das sich lohnt und das auch Spaß macht.”

“Wir wollten etwas für unsere Stadt schaffen.”

Ein Mann ist an diesem Abend an nahezu jedem Platz zu finden. Georg Kern ist immer noch ein gesuchter Gesprächspartner. Schließlich ist er auch der Ehrenvorsitzende der City-Initiative. Vor etwa 25 Jahren war er der Gründer der Vorläufer-Organisation, der Trierer Werbegemeinschaft. Damals habe man gar kein Geld gehabt, solch ein Fest zu machen, sagt er: “Wir waren im Aufbau, da hat jeder mit angepackt, wir wollten etwas für unsere Stadt schaffen.” Das ganze Umland habe Gewerbevereine gehabt, “Trier hatte nix.” Der Rest der Geschichte ist bekannt: Die Stadt Trier kam mit ins Boot und die City-Initiative wuchs, dass eines Tages der Punkt erreicht war, das laufende Geschäft in hauptamtliche Hände zu übergeben. Das Engagement von Georg Kern dankte ihm die Initiative mit dem Ehrenvorsitz.

Parteiübergreifende Gesprächsrunden sind bei diesem Sommerfest durchaus erwünscht.

Doch wie kam es nun zu dem Sommerfest? EHV-Geschäftsführer Alfred Thielen erinnert sich: “Wir waren zu jener Zeit des Öfteren vom damaligen Bundestagsabgeordneten Bernhard Kaster (CDU) in Berlin zum Sommerfest eingeladen. Er sagte uns, dass wir so etwas auch in Trier machen sollten.”

Gesagt, getan. Das Fest kam an und hat seitdem seinen festen Platz im Kalender. In diesem Jahr wäre es zum zwölften Mal veranstaltet worden, “aber vor zwei Jahren gab es die Entschärfung der Fliegerbombe in der Innenstadt, da musste das Fest kurzfristig ausfallen”, erinnert sich Schatzmeister Jürgen Poss.

Sind eigentlich alle Anwesende an diesem Abend auch Mitglieder der City-Initiative? Jürgen Poss verneint. Zwar hat die City-Initiative etwa 180 Mitglieder, doch längst nicht jedes EHV-Mitglied gehört auch der City-Initiative an. Für den Schatzmeister, aber auch für den Ehrenvorsitzenden, ist das ein Unding. “Die Trittbrettfahrer sind ganz besonders schmerzhaft”, stellt Gerorg Kern klar. “Wenn die Initiative Aktionen durchführt, davon profitieren alle. Eben auch die Nicht-Mitglieder.” Deswegen habe man als Verband darauf hingewirkt, dass das LEAB-Gesetz (Landesentwicklungs-Aufbaugesetz) ins Leben gerufen wurde. Dieses Gesetz sieht vor, dass eine Maßnahme von allen finanziert werden muss, wenn 15 Prozent sich dafür ausgesprochen haben. Anders als in anderen Bundesländern sei dieses Gesetz in Rheinland-Pfalz handwerklich so miserabel vorbereitet worden, dass man es bisher nicht umsetzen könne, seufzt der Ehrenvorsitzende. Jetzt müsse nachgebessert werden, damit es endlich auch zur Anwendung kommen könne. Kern ist sich sicher: “Wenn ich für eine Stadt vernünftige Angebote entwickeln will, kostet das auch Geld. Und da ist neben den Gewerbetreibenden, die sich bislang verweigern, auch die Stadtkasse gefordert. Die müsste statt der 65.000 Euro jährlich mindestens 200.000 Euro einzahlen.”

Wie gesagt, es gibt an diesem Abend eine Menge zu bereden zwischen Politik und Wirtschaft. Gut, dass für dieses Fest keine Ladenschlusszeit gilt. Denn gute und ergebnisorientierte Gespräche brauchen nun mal Zeit…


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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