Bei Marcel’s bekommen Lernbehinderte eine Chance

Für die erfolgreiche Inklusion behinderter Auszubildender zeichnet die Agentur für Arbeit Marcel Pfeil und seine Frau Sandra Pfeil-Berger aus. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Im Restaurant “Marcel’s” im Gartenfeld haben auch Menschen mit einer Behinderung Chancen auf einen Arbeitsplatz. Wiederholt haben Marcel Pfeil und seine Frau Sandra Pfeil-Berger lernbehinderte Jugendliche mit viel Vertrauen und Hilfe bei der Berufsausbildung eine Chance gegeben. Für dieses Engagement erhielt das Ehepaar nun das “Inklusionszertifikat 2018” der Agentur für Arbeit Trier.

Von Rolf Lorig

In den beiden vergangenen Tagen war das SWR-Kamerateam fast schon Stammgast bei “Marcel’s”. Mitten im Küchenbetrieb stand Wolfgang Schütz mit seiner Kamera wie ein Fels in der Brandung. Um ihn herum klapperten Töpfe, Wasserdampf stieg nach oben, überall wurde routiniert geschnippelt, verfeinert und abgeschmeckt. Der junge Mann, dem die Aufmerksamkeit des Kameramanns gilt, ist der 18-jährige Dominik. Seit August ist er Kochazubi bei den Pfeils und freut sich darüber, dass er diese Chance auf eine Berufsausbildung bekommen hat.

Marcel Pfeil betreibt mit seiner Frau Sandra seit fünf Jahren das Lokal. Aus einer einfachen Kneipe hat er ein Restaurant gemacht, das in Trier in aller Munde ist. Wer hier speisen will, sollte rechtzeitig einen Tisch reservieren. Der Erfolg hat den Chef aber nicht abheben lassen. Denn vor einigen Jahren gab er erstmals einem lernbehinderten Jugendlichen eine Chance. “Damals rief das Haus Elisabeth bei mir an und fragte nach, ob ich einen Praktikumsplatz für einen Jugendlichen hätte”, erinnert sich Marcel Pfeil. Er sagte zu und der Jugendliche stellte sich so gut an, dass Pfeil ihm eine Ausbildung zum Beikoch anbot. Und auch hier wusste der Jugendliche derart zu begeistern, dass eine vollwertige Kochausbildung daraus entstand.

Und in diesem Jahr stand nun Dominik auf der Matte. Nach intensiven Gesprächen mit dem Jugendlichen und den Betreuern von der Agentur für Arbeit willigte das Ehepaar Pfeil erneut ein und stellte ihm den gewünschten Ausbildungsplatz zur Verfügung. “Natürlich braucht der junge Mann unsere Unterstützung, gemeinsam mit der Agentur für Arbeit bekommt er hier Nachhilfe für die Theorie”, sagt Pfeil. Die Mühe aber würde sich lohnen: “In der Schule kommt er mit und schreibt auch gute Noten.” Das Ehepaar ist sich sicher: “Wir werden es auch in diesem Fall schaffen, dass Dominik ein guter Koch wird.”

Heribert Wilhelmi, Chef der Agentur für Arbeit Trier, ist begeistert vom Einsatz des Ehepaares und den daraus resultierenden Ergebnissen. Bei einer Pressekonferenz, bei der es eigentlich um die Vorstellung der aktuellen Arbeitsmarktzahlen ging, verliehen er und Heidrun Schulz, die Leiterin der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland Marcel und Sandra Pfeil das “Inklusionszertifikat 2018” der Agentur für Arbeit Trier. “Das vorbildliche Engagement von Herrn Pfeil in Kombination mit den Förderprogrammen, die Arbeitgebern und Auszubildenden zur Verfügung stehen, macht es möglich, dass Menschen mit Handicap erfolgreich ins Berufsleben starten können und durch eine hochwertige Ausbildung gute Perspektiven für ihre Zukunft erhalten”, betonte Wilhelmi.

Heidrun Schulz verwies auf die Woche für Menschen mit Behinderungen, die vom 3. bis 7. Dezember stattfindet. Dieser Tag solle die Situation von Menschen mit Behinderungen ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Das Motto der Agentur für Arbeit laute dabei: “Inklusion am Arbeitsplatz – gemeinsam verschieden sein – eine Chance für die Fachkräftesicherung.” Für Schulz steht fest, dass es lohnt, in diese Menschen zu investieren: “Unsere geschulten Berater helfen den Unternehmen bei ihrer Aufgabe, lassen sie damit nicht alleine. Die Risiken für die Unternehmen sind deshalb sehr gering.”

Übrigens geht die Trierer Agentur für Arbeit hier mit gutem Beispiel voran: Dort beträgt die Quote bei den Menschen mit Behinderung stolze 12,1 Prozent. Laut Heidrun Schulz gibt es angesichts dieses Engagements im Land mit einem Anteil von 4,1 Prozent noch einen großen Nachholbedarf. Wobei diese Zahl schon gar nicht so schlecht ist, liegt die vom Bund gewünschte Zahl doch bei 5 Prozent.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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