Besuch bei der Digitalwirtschaft auf dem Petrisberg

Führten spannende und informative Gespräche mit den Unternehmern: Oberbürgermeister Wolfram Leibe (4. von links) und Referentin Christiane Luxem. Alle Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Als Oberbürgermeister war Wolfram Leibe in den zurückliegenden Monaten extrem gefordert. Nachdem nun in der Person von Thomas Schmitt ein Nachfolger für Thomas Egger gefunden wurde, kann sich Leibe wieder mehr Zeit für seine Aufgaben als Wirtschaftsdezernent nehmen. Am Donnerstag besuchte er zusammen mit Christiane Luxem vom Amt für Wirtschaftsentwicklung auf dem Petrisberg drei Unternehmen aus dem Bereich Digitalwirtschaft. Zwei etablierte Unternehmen und ein Start up.

Von Rolf Lorig

Es war Ende 1997, als Joachim Marder das Unternehmen ‟JAM Software‟ aus der Taufe hob. Seither ist die GmbH erfolgreich in den Bereichen Softwareentwicklung und -vertrieb tätig. Laut eigener Aussage liegt die Kernkompetenz von JAM Software in der Entwicklung von Softwarelösungen für gängige Probleme von Einzelanwendern, Entwicklern oder Unternehmen. Die Kunden kommen aus der ganzen Welt: ‟Wir entwickeln unsere Produkte erst in englischer Sprache und übersetzen sie erst später. Das kommt uns natürlich bei unserem weltweiten Auftritt zugute‟, berichtet Joachim Marder. Stolz ist er auch auf sein Vertriebssystem: ‟Die Kunden bekommen von uns eine komplette Demo-Version, die erst nach 30 Tagen freigeschaltet werden muss. Somit hat jeder Betrieb ausreichend Zeit und Gelegenheit festzustellen, ob unsere Software zu ihm passt.” Eine Idee, die offensichtlich ankommt. Denn inzwischen ist JAM Software in ein eigenes Haus umgezogen und beschäftigt 31 Mitarbeiter.

‟Kultur- und Kreativpiloten Deutschlands‟ – so darf sich das Unternehmen ‟Gentlymad UD‟ nennen. Dabei handelt es sich um keine selbstgewählte Aussage sondern um eine Namensgebung der Bundesregierung. Einmal im Jahr wird dieser Titel an Gründer und Gründerteams vergeben, die mit innovativen Geschäftsideen und Unternehmen die Zukunft der Wirtschaft und der Gesellschaft mitgestalten. Rund 700 Bewerber gab es in 2015, doch nur 32 Kreativunternehmen werden auch ausgezeichnet. ‟Gentlymad UD‟, das sind Daniel Denne, Matthias Guntrum, Wolfgang Reichardt und Stephan Wirth. Die vier Absolventen der Hochschule Trier (Mediendesign) starteten ihre Karriere mit einem Spiel um den Tod. ‟Kein Ballerspiel, sondern ein Spiel, bei dem der Mensch sich informativ mit der eigenen Sterblichkeit auseinandersetzt‟, so Matthias Guntrum gegenüber dem reporter. Im Netz findet sich auch die Intention des Unternehmens: ‟Als Kreativpiloten hoffen wir in einer einspurigen Welt der Spieleentwicklung neuartige Marketinginstrumente einsetzen zu können, um mit frischen Ideen ein breites Publikum zu erreichen.“ Will heißen, man versuchte damit auf sich aufmerksam zu machen. Was auch gelang. Große Unternehmen meldeten sich, zeigten Interesse an den Ideen der vier jungen Leute. Unterstützt von einem Praktikanten arbeiten sie im Augenblick an einem neuen Spiel, das im Mai auf den Markt kommen soll.

Die V-Kon-Media erstellt 2D- oder 3D-Darstellungen auf Basis meist schon vorhandener Daten und macht damit Karten- oder Plandarstellungen für alle Beteiligten erlebbar. ‟Als wir vor 24 Jahren haben angefangen haben, hat uns die Diskussion um die Hochmoselbrücke in die Karten gespielt‟, erinnert sich Firmengründer Oliver Krebs. Er weist darauf hin, dass insbesondere Bauvorhaben sehr oft von Unsicherheiten und falschen Vermutungen begleitet werden. ‟Indem wir den Prozess visualisieren, tragen wir zur Versachlichung der Diskussion bei.” Eine Aussage, die Wolfram Leibe sofort bestätigt. ‟Die meisten Gegner wollen nur verstehen, was dort gerade wirklich getan wird.” Befragt zu den Anfängen, kramt Krebs tief in den Erinnerungen. ‟Wir haben mit einem Rechner angefangen, der damals 250.000 D-Mark gekostet hat.” Bezahlt wurde dieser Rechner von einem privaten Investor. ‟Wir haben dann über mehrere Jahre den Rechner im wahrsten Sinne des Wortes abgearbeitet.” Heute ist die V-KON.media ein weltweit tätiges Büro, das sich auf die Visualisierung von geplanten Projekten in den Bereichen Verkehr, Hoch- und Tiefbau spezialisiert hat. Das Team besteht aus 13 Fachkräften aus den Bereichen Bauingenieurwesen, Informatik und Grafikdesign.

Leben und arbeiten im Wissenschaftspark auf dem Petrisberg

Bei seinen Gesprächen wollte Wolfram Leibe natürlich auch wissen, wo der Schuh drückt. Das waren erstaunlicherweise nur drei Themen, die aber von allen drei Unternehmen genannt wurden: Facharbeitermangel – trotz eines intensiven Miteinanders mit den Trierer Hochschulen, von dem alle gleichermaßen profitieren, die Parkplatzsituation und das schnelle Internet.

Dass die Zahl der vorhandenen Parkplätze auf dem Petrisberg nicht ausreicht, ist dem OB wohl bekannt. Es habe vor seiner Zeit schon mal Überlegungen für ein Parkhaus gegeben, jedoch rechne sich diese Lösung bei Stellplatzkosten von 100 – 150 Euro nicht. Denkbar sind für ihn weitere Parkplätze im Außenbereich, die dann von den Mitarbeitern genutzt werden könnten. Die dann frei werdenden Parkplätze könnten somit von Patienten und Kunden genutzt werden. Allerdings bedürfe es dazu noch einer Änderung des Bebauungsplanes.

Eine raschere Hilfe sieht der OB beim Thema ‟Schnelles Internet‟. Hier will er die Stadtwerke-Tochter ‟Trilan‟ einspannen. Zudem werde es bis zum Ende des Jahres neben dem Innenstadtbereich auch auf dem gesamten Petrisberg ein freies WLAN-Netz geben, kündigte der Oberbürgermeister an.


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