Bischof: “Vielleicht wäre ich Musiklehrer geworden“

Bischof Stephan Ackermann (6. von rechts) mit Sprachschülern der Trierer Akademie für Sprachvermittlung und Integrationsförderung. Foto: Bistum Trier

TRIER. “Was denken Sie über Migranten?“ – “Woran glauben Menschen in 100 Jahren?“ und “Was ist überhaupt ein Bistum?“: Über diese und viele weitere Fragen hat Bischof Stephan Ackermann mit Sprachschülern der Trierer Akademie für Sprachvermittlung und Integrationsförderung (TASI) gesprochen. Auf Einladung der Akademie besuchte der Trierer Bischof die jungen Männer und Frauen aus den unterschiedlichen Nationen am 15. August in den Räumen der Sprachschule. Für die Sprachkursteilnehmer stehen nicht nur Grammatik und Sprachstruktur auf dem Programm, sondern auch Einblicke in die Landeskunde und Kultur Deutschlands und der Region. Deshalb lade die Akademie immer wieder Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft ein, erklärt Marc Borkam, Leiter der Akademie.

“Ich kann gut nachfühlen, wie es ist, in ein fremdes Land zu kommen, dessen Sprache man nicht spricht, um dort zu leben und zu arbeiten. Ich habe Theologie in Rom studiert und konnte die Sprache anfangs auch nicht“, sagte Ackermann bei der Begrüßung. Es gehöre auch Mut dazu, sich in der fremden Sprache auszudrücken, um ins Gespräch zu kommen und gehört zu werden. Genau dazu hatten die Sprachschüler aus China, Syrien, Ägypten, Russland oder den USA und vielen weiteren Ländern dann in ihrer Fragerunde an den Bischof Gelegenheit.

Was er über Migranten denke, wollte etwa ein junger Syrer wissen. “Ich hoffe, dass wir uns als gastfreundliches und weltoffenes Land präsentieren – daran müssen wir als gesamte Gesellschaft auch weiterhin arbeiten“, antwortete Ackermann. Auf die Frage, was die Kirche für Migranten tue und wie sie mit der Angst einiger Menschen vor Flüchtlingen umgehe, nannte Ackermann das große ehrenamtliche Engagement in den Pfarreien, die durch Patenschaften und Netzwerke Flüchtlingen und Migranten aktiv helfen, sowie die Beratungsangebote der Caritas. “Wir sind als Kirche stark bemüht, gegen Rassismus und die Angst vor dem Fremden zu arbeiten“, betonte Ackermann.

Wie die Kirche in Deutschland überhaupt strukturiert sei und was genau ein Bistum sei, wollte eine chinesische Sprachschülerin wissen, während andere interessierte, ob ein Bischof auch manchmal am Glauben zweifle. “An Gott zweifle ich nicht, nur frage ich mich natürlich auch manchmal, wie er schlimme Dinge zulassen kann“, erklärte Ackermann. Er habe sich damals für die Priesterlaufbahn entschieden, weil ihn die Botschaft Jesu gereizt habe und der Glaube schon in seiner Familie eine wichtige Rolle einnahm. Auf die Frage, was ein Alternativberuf für ihn sei, sagte Ackermann: “Vielleicht wäre ich Musiklehrer geworden.“

Am Bischofsamt gefalle ihm besonders, dass die Aufgabe so vielfältig sei und er mit so vielen Menschen in Kontakt komme. Wie der Bischof sich bei der rückläufigen Zahl der Gläubigen die Zukunft in hundert Jahren vorstelle, fragte ein muslimischer Sprachschüler. “Ich denke nicht, dass der Glaube ‘aussterben‘ wird, aber es wird wohl andere Strukturen geben müssen. Da sind wir als Kirche in der säkularen Gesellschaft herausgefordert.“

TASi-Leiter Borkam dankte dem Trierer Bischof am Ende der Veranstaltung für die persönlichen Einblicke und die Informationen zum katholischen Glaubensleben in der Region. Für die Teilnehmer seien die Veranstaltungen auch eine Bestätigung, “dass sie etwas zu sagen haben, dass ihnen jemand zuhört und sie im Land angekommen sind.“ (tr)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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