Auf der Suche nach bezahlbaren Ladenlokalen

Nick Waters (2. von links) stellt Thorsten Kretzer, Simone Peter und Corinna Rüffer (von links) seine geniale Geschäftsidee vor. Foto: Rolf Lorig

Nick Waters (2. von links) stellt Thorsten Kretzer, Simone Peter und Corinna Rüffer (von links) seine geniale Geschäftsidee vor. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Besuch an der Basis: Simone Peter, Bundesvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen, besuchte in Begleitung von Parteifreundin Corinna Rüffers (MdB) zwei Geschäfte in der Trierer Saarstraße. Es war keine Shopping-Tour, sondern Teil der “Graswurzelbewegung“. So nennt Stadtratsmitglied und Landtagskandidat Thorsten Kretzer diese Besuche, bei denen die Politiker das direkte Gespräch mit Geschäftsinhabern suchen. In diesem Fall waren es Nick Waters, Inhaber des Lautsprecherherstellers Rocketz, sowie Johannes und Hong Truong vom Textilprinter Hong and Friends.

Von Rolf Lorig

“Schön grün ist es hier“, freut sich Simone Peter, als sie das Rocketz betritt. Nick Waters, ein junger Engländer, lacht und stellt dem Besuch gleich sein Produkt vor, das er innerhalb weniger Jahre gemeinsam mit Studenten entwickelt hat: Lautsprecher, gefertigt aus Lebensmitteleimern, dazu eine clevere Elektronik und Autoradio-Lautsprecher. Angesteuert werden die mobilen Soundsysteme über Bluetooth, die Stromversorgung läuft über Akkus. “Die junge Generation ist mit MP3-Playern aufgewachsen, die haben eine Party draußen auf der Wiese nie kennengelernt.“ Seit seine leichten, doch sehr volumenstarken Boxen auf dem Markt sind, hat sich das geändert. “Meine Kunden kommen und leihen sich die Boxen für die Party am Wochenende“, erzählt er und gibt eine akustische Kostprobe.

Die Chefin der Grünen ist vom Klang überrascht: “Das hätte ich vor ein paar Monaten wissen sollen, als ich meinen 50. Geburtstag gefeiert habe“, lacht sie. Angelockt von der Musik kommt Nachbar Johannes Truong. In der Hand hält er einen Kaffeepott. Er weiß nichts von dem Besuch, wollte eigentlich nur auf einen kurzen Plausch reinschauen. “Das ist typisch für das kreative Element in dieser Straße, hier gibt es ein starkes Miteinander“, erklärt Corinna Rüffer ihrer Vorsitzenden.

Thorsten Kretzer nutzt die Gelegenheit und fragt, was die Politik denn tun könne, um junge Start up-Unternehmen zu unterstützen. Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: “Woran es in Trier immer mangelt, das sind Ladenlokale zu bezahlbaren Preisen“, weiß Waters. Er selbst hat Glück gehabt, kennt jedoch genügend junge Leute, die innerhalb der Stadtmauern auf der Suche sind. Thorsten Kretzer fällt die Skaterhalle ein: “Da gibt es eine ganze freie Etage.“ Rüffer nickt, sie denkt an die Paulinstraße. “An dem Thema sollten wir unbedingt dran bleiben, da steckt im wahrsten Sinne des Wortes viel Musik drin.“

Johannes Truang (links) betreibt mit intelligenten Prints textile Kommunikation. Hier zeigt er Simone Peter und Corinna Rüffer ein T-Shirt. Foto: Rolf Lorig

Johannes Truang (links) betreibt mit intelligenten Prints textile Kommunikation. Hier zeigt er Simone Peter und Corinna Rüffer ein T-Shirt. Foto: Rolf Lorig

Bezahlbarer Wohn- und Arbeitsraum in Trier, dieses Thema interessiert auch Peter. Sie denkt an die derzeitige Flüchtlingssituation. Kretzer und Rüffer geben ihr einen aktuellen Überblick. Neben der Unterbringung der Menschen ist der Zugang zu Sprachintegrationskursen und die Überführung der Menschen in die Arbeit ein wichtiges Anliegen von Peter. Für sie ist es ein Unding, dass junge nordafrikanische Männer bis zu zwei Jahren warten müssen, bis sie ihren Bescheid erhalten und in dieser Zeit keinen Zugang zu Sprachkursen haben. Dieser Zustand müsse schnellstens beseitigt werden.

Aus diesem Grund sei es wichtig, mehr Fachkräfte für die Bearbeitung der Anträge, aber auch mehr Lehrer und Polizisten einzustellen. “In der Beschleunigung der Vorgänge und in der Sprachintegration findet sich die beste Prävention gegen Gewalt und Extremismus.“

Bedenklich findet die Parteichefin die Emotionalisierung im aktuellen Wahlkampf. “Beim Thema Flüchtlinge gehen die Vorbehalte gegen alles, was hier fremd erscheint und nicht in das Gesellschaftsbild der rechten Köpfe passt.“ Mit dem Aufbau der AfD habe sich eine gefährliche Spirale entwickelt, in der sich Parteien wie CDU und vor allem CSU genötigt fühlten, rechten Tendenzen nachzugeben. Natürlich müsse man über alle Themen diskutieren, hier aber bedürfe es einer sachlichen Auseinandersetzung, um die Menschen nicht weiter zu verunsichern. (rl)

Zur Person

Simone Peter führt seit Oktober 2013 gemeinsam mit Cem Özdemir die Bundespartei von ündnis90/Die Grünen. Sie wurde im November erneut in ihrem Amt bestätigt. Sie kam 1965 in Querschied an der Saar zur Welt und wuchs in der Stahl- und Hüttenstadt Dillingen/Saar auf. Peter studierte Biologie an der Uni des Saarlandes und promovierte in Kooperation mit Forschungsinstituten im Dreiländereck Saar-Lor-Lux über Gewässerökologie. Nach dem Studium arbeitete sie als Chefredakteurin der Zeitschrift “Solarzeitalter – Politik und Ökonomie Erneuerbarer Energien” in Bonn, baute 2004 die “Agentur für Erneuerbare Energien” in Berlin auf und war deren erste Geschäftsführerin. Bevor sie zur Bundesvorsitzenden von ündnis90/Die Grünen im Jahr 2013 gewählt wurde, fungierte sie von 2009 bis 2012 als Ministerin für Umwelt, Energie, Verkehr, Landesplanung, Denkmalschutz, Forsten und Ökolandbau des Saarlandes in den Kabinetten Müller und Kramp-Karrenbauer. Danach war sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende sowie parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion im Saarländischen Landtag. (rl)

Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Politik 1 Kommentar

Kommentar zu Auf der Suche nach bezahlbaren Ladenlokalen

  1. Kirstin

    Komischer Beitrag, der Überschrift “Auf der Suche nach bezahlbaren Ladenlokalen” denkt man es geht vornehmlich ernsthaft günstigere Bedingungen für die Wirtschaft, dann stellt sich aber schnell heraus, es ist nur eine Info über Frau Peters, sonst nichts.

    Schade, Infos über den lokalen Landtags-Kandidaten wären da sicherlich hilfreicher gewesen und eine echte Diskussion über die in der Überschrift angekündigte Problematik erst recht.

     

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