CDU-Parteitag – Von wegen Mad Max

Stabwechsel: Udo Köhler hat an Max Monzel übergeben.

TRIER. Mit geradezu staatsmännischer Attitüde hat Max Monzel am Freitagabend das Kommando bei der Trierer CDU übernommen. Der neue Kapitän übernimmt das schrägliegende Schiff der Konservativen allerdings in stürmischer See. Drei Jahre nach der von vielen Christdemokraten verschmähten Hochzeit mit den Grünen sucht die Union nach ihrem Selbstverständnis – sowohl im Binnenverhältnis der Partei als auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Monzel will den Konservativen als Nachfolger von Udo Köhler neues Selbstbewusstsein einhauchen (siehe Interview). “Wir müssen von Trier aus nicht die Welt retten”, sagte der ART-Chef unter dem lautstarken Applaus seiner Parteifreunde, “vielmehr müssen wir uns ganz konkret darum kümmern, dass es den Bürgern in unserer Stadt gut geht!” Das kam an bei den mehr als 100 Delegierten des Parteitages im IAT-Tower am Verteilerkreis.

Die schwarzen Haare frisch frisiert, ein dunkler Anzug, blank polierte schwarze Schuhe, gestreiftes Hemd, passende Krawatte und ein weißes Einstecktuch: Monzel weiß, was er der Seele seiner Parteifreunde schuldig ist. Ein wenig Old School nicht allein in der Sprache, sondern auch im Habitus und Auftreten: Das ist Balsam für die gegenwärtig in Agonie darbenden Konservativen. Der Mann mit dem Doktortitel, der unter vier Augen auch um einen deftigen Spruch nicht verlegen ist, formuliert öffentlich langsam, klar akzentuiert und ausgewogen.

Er, der Trierer Jung’, der im Norden der Stadt aufwuchs und dort auch jene Sprache des Asphalts einatmete, die im Dunstkreis von Beutelweg und Thyrsusstraße politisch nicht immer korrekt ist, weiß um seinen Ruf. Der reicht vom Bad Boy bis hin zum Mad Max der Konservativen. Doch anders als der Rächer im gleichnamigen Kultfilm der 1980er Jahre mit Oscar-Preisträger Mel Gibson in der Hauptrolle gab Monzel sich im chicen IAT-Tower moderat, versöhnlich, einladend: kein brutaler Angriff auf die Politik seines Vorgängers, keine tiefe Schlammschlacht, und vor allem keine Schüsse aus dem Hinterhalt auf die aktuelle Arbeit der Fraktion.


Zum Thema − Interview mit Max Monzel


Als alles vorbei und der Anfang für ihn als Parteichef gemacht war, wuselte der Herr über den regionalen Abfall umtriebig zwischen den Reihen umher. Hier ein fester Händedruck, dort ein aufmunternder Schulterklopfer, hier ein tiefer Blick in die Augen, dort ein gewinnendes Lächeln: Es schien so, als hätten die nach Zuspruch lechzenden Trierer Unions-Christen auf einen wie ihn nur gewartet. Oberbürgermeister wollte er nicht werden, auch nicht Bundestagsabgeordneter. Jetzt übernimmt der einflussreiche ART-Boss stattdessen die undankbare Aufgabe, die früher erfolgsverwöhnten Konservativen bis zur Kommunalwahl neu aufzustellen. Kein leichtes Unterfangen, weil die Zeit mächtig drängt. Zu schade ist Monzel sich für den Knochenjob aber nicht.

Wobei auch für ihn selbst unstrittig sein dürfte: Ein paar Zähne wird er ihnen schon ziehen müssen, jenen im schwarzen Universum, die in tradierter Überlieferung immer noch glauben, Trier sei eine Scheibe, die sich in gemächlicher Bewegung nur um den leuchtenden Unionskern drehe. Diese Epoche ist längst vorbei, endgültig. In der Arbeiterstadt Ludwigshafen konnte die SPD zu goldenen Parteizeiten einen Besenstil auf die Plakate pinseln. Auch der wäre gewählt worden. Gleiches galt in Trier – nur eben für die CDU.

“Nicht gegenseitig die Stelzen weghauen”

Sein Lieblingssatz, um sowohl die Einheit von Partei und Fraktion als auch die gemeinsame Linie unter seiner Regie zu definieren: “Nicht jeder kann sich seine eigene kleine CDU basteln.” Es ist dies so etwas wie das Monzelsche Gesetz, das er so unterfüttert: “Es gibt nicht zwei Wege, einen der Partei und einen der Fraktion. Es gibt vielmehr einen demokratischen Prozess, eine um den besten Weg ringende demokratische Diskussion, und am Ende steht ein Ergebnis, das von allen getragen werden muss.” Die Kritik an der Arbeit seines Vorgängers bringt der Absolvent der humanistischen Lehranstalt, der in Trier, Trient und Duisburg studierte, menschlich, aber trotzdem unmissverständlich rüber: “Wir können nicht regelmäßig eine Rolle rückwärts machen!”

Also will er daran arbeiten, “dass wir wahrnehmbar sind, dass wir klar herausarbeiten, für was die CDU in Trier steht, dass wir nicht nach dem Motto verfahren, wir lavieren uns schon irgendwie durch, und dass wir uns untereinander nicht am Zeug flicken”. Auch “Spaß und Freude” will Monzel den Konservativen zurückbringen. “Und dazu gehört selbstverständlich, dass wir uns nicht gegenseitig die Stelzen wegschlagen!” Auf jene, “die nur in der CDU sind, weil sie sich persönlich etwas davon erhoffen”, will er verzichten. “Wir sind eine Laienspielgruppe, und daran wird sich im Ehrenamt auch nichts ändern.”

95 Ja-Stimmen konnten Philipp Bett, Charlotte Thul und Bernd Michels für den neuen Parteichef auszählen.

Etwas mehr als ein Jahr bleibt dem neuen Hoffnungsträger der Konservativen, das schrägliegende CDU-Schiff aufzurichten. Bei der Kommunalwahl im Frühjahr 2019 will er die Union “mindestens wieder so stark machen, wie wir jetzt sind”. Noch ist die CDU die stärkste Fraktion im Rat. Noch. Die Schlappe bei der Oberbügermeister- und die krachende Niederlage bei der Landtagswahl, die unter den Parteichefs Bernhard Kaster und Udo Köhler verschmerzt werden mussten, sind für Monzel kein Thema mehr. Er kann mit 95 Ja- und nur sieben Nein-Stimmen bei seinem neuen Kurs auf die Rückendeckung des Parteitages bauen.

Ob unter Monzels Regie das Bündnis zwischen CDU und Grünen im Stadtrat fortgesetzt wird, ist derzeit noch offen (siehe Interview). Köhler hatte die Zusammenarbeit mit dem grünen Partner in seinem Rechenschaftsbericht jedenfalls ausdrücklich gelobt: “Das funktioniert in allen Punkten hervorragend!” Auch Landrat Günther Schartz, der den Parteitag leitete, sah keinen Grund, das Bündnis zu beenden: “Die CDU bestimmt die Politik im Stadtrat zusammen mit den Grünen, und wir haben mit Andreas Ludwig und Thomas Schmitt jetzt zwei Spitzen in der Stadtregierung.” Seinen Verzicht auf die erneute Kandidatur begründete Köhler am Freitagabend noch einmal mit dem Hinweis auf das “immense Pensum, das von mir als Berufstätiger einfach nicht zu stemmen ist”. Der Plan war ohnehin ein anderer: Köhler wollte in den Landtag und die städtische CDU dann als Berufspolitiker führen. “Aber das hat ja leider nicht geklappt!” (et)

Extra

Stellvertreter Monzels sind künftig Udo Köhler (99 Ja- und sechs Nein-Stimmen), Elisabeth Tressel (88/13) und Thorsten Wollscheid (97/7). Jörg Reifenberg (101/4) übernahm das Amt des Schatzmeisters von Monzel. Jutta Albrecht, die von der Frauen-Union als vierte Bewerberin für einen der drei Stellvertreterposten nominiert worden war, zog ihre Kandidatur in einer persönlichen Erklärung zurück. Die Beisitzer im Präsidium sind: Dorothee Bohr (72 Stimmen), Eva-Maria Jeibmann (46), Bernd Kettern (61), Markus Leineweber (74), Robert Mäling, (38), Matthias Melchisedech (70), Hesham M-Said (47), Sarah Rau (48), Güllü Temizsoy (60) und Charlotte Thul (58).

Aktuell hat die Trierer CDU 873 Mitglieder. Im Dezember 2016 waren es 870 Mitglieder, ein Jahr zuvor noch 906. “Die Tendenz ist wieder leicht positiv”, hatte der neue Parteichef Max Monzel noch als Schatzmeister gesagt. Die Bilanz 2015 wurde mit einem Plus von 20.000 Euro abgeschlossen, die für 2016 mit einem Überschuss von 18.000 Euro. “Finanziell sind wir für den Kommunalwahlkampf gut aufgestellt”, so Monzel. (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Politik Hinterlasse einen Kommentar

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