Damit es nicht zu einer Energiearmut kommt

Zufrieden mit der Auftaktsitzung des Lenkungskreises zeigt sich Bürgermeisterin Angelika Birk (3. von links). Foto: Rolf Lorig

TRIER. Schon seit geraumer Zeit gibt es das Bündnis ‟Aktiv gegen Armut‟. Jetzt sind Caritas, Stadt und weitere Organisationen und Firmen einen Schritt weitergegangen: Am Donnerstag wurde unter der Schirmherrschaft von Sozialdezernentin und Bürgermeisterin Angelika Birk der Lenkungskreis gegen Energiearmut ins Leben gerufen.

Die Liste der Teilnehmer ist lang und prominent besetzt: Hans-Werner Meyer, Leiter des Sozialamtes, ist ebenso dabei wie sein Kollege vom Jugendamt, Carsten Lang. Das Jobcenter Trier ist durch Marita Wallrich und Erwin Britz vertreten, die Wohnungsbaugesellschaft WOGEBE durch ihren Geschäftsführer Herbert Schacherer, die gbt durch Stefan Ahrling. Auch der Bürgerservice macht mit, ebenso die SWT, die Verbraucherzentrale, die Energieagentur Region Trier, sowie der Caritasverband durch gleich mehrere Entscheidungsträger. ‟Für uns ist es wichtig, dass wir in dem Lenkungskreis Menschen mit Entscheidungsbefugnis und -kompetenz haben‟, betont Angelika Birk. Die Vielfalt der Institutionen begründet sie damit, dass Energiearmut im Lebensalltag der Betroffenen auch unterschiedliche Aspekte umfasst: Umgang mit Mahnverfahren, Leben in einer Wohnung mit Stromsperre, sanierungswürdige Heizungs- und Warmwassersysteme, schlechte finanzielle Möglichkeiten um auf neue energiesparende Technik umzurüsten, Unverständnis von Jahresverbrauchsabrechnungen sowie generelle Unkenntnis im Umgang mit Energie.

Thomas Kiewel von den SWT legt Wert darauf, dass die Situation in Trier längst nicht mit dem dramatischen Bericht der Bundesnetzagentur vergleichbar ist. Danach gab es in 2015 bundesweit 359.000 Sperrungen von Stromzählern und 6,3 Mio. Androhungen einer Sperrung. In der Stadt Trier gab es laut den SWT im gleichen Zeitraum 500 Sperrungen und zwischen 750 – 850 Androhungen einer Sperre.

Caritasdirektor Bernd Kettern warnt davor, den Blick hier nur auf eine bestimmte Gruppe zu richten. Die Menschen, die zu den Beratungseinrichtungen der Caritas kämen, würden den Querschnitt der Gesellschaft repräsentieren. Hans Weinreuter, Leiter der Verbraucherzentrale, stimmt dem zu. Wer sich hilfesuchend dorthin wende, wisse um die technische und juristische Kompetenz der Einrichtung. Dass es lohnt, rechtzeitig bei einer der Einrichtungen vorzusprechen, unterstreicht Gerd Aigeltinger vom Deutschen Caritasverband. Hier hat man einen sogenannten Stromspar-Check entwickelt. ‟Wer den bei sich zuhause anwendet, kann bis zu 150 Euro jährlich sparen.”

Die Idee dieses Stromspar-Checks findet das Jobcenter so interessant, dass es Arbeitssuchende in enger Zusammenarbeit mit der Verbraucherberatung entsprechend schult und über diese Tätigkeit versucht, sie dem Arbeitsmarkt wieder zuzuführen. Laut Erwin Britz sei das bisher schon in vier Fällen gelungen.

Eine Dienstleistung ganz anderer Art bieten die Wohnungsbaugesellschaft WOGEBE und der Bürgerservice an. Für ein neues Objekt, das die Wohnungsbaugesellschaft aktuell realisiert, ist man dabei, mit den Stadtwerken ganz spezielle Tarife zu vereinbaren, die dann den Mietern zugute kommen. Der Bürgerservice sucht Flüchtlingsfamilien in ihren Haushalten auf. ‟Die Menschen wissen oft nicht, dass Wohnen in Deutschland anders ist als in ihren Herkunftsländern‟, berichtet Gregor Schäfer. Um den Menschen das verständlich zu machen, erfolge das Beratungsgespräch immer in der jeweiligen Landessprache. Einen ähnlichen Weg verfolgt die Energieagentur Region Trier. Laut Achim Hill ist man mit der vorhandenen technischen Fachkompetenz bei  Schulungen dabei, prüfe die Sinnhaftigkeit von einzelnen Stromsparmaßnahmen und begleite diese Aktionen mit einem zusätzlichen Monitoring.

Für Bernd Kettern ist klar, dass man dem Problem der Energiearmut nicht mit einem Patentrezept zuleibe rücken kann. ‟Es ist die Politik der kleinen Schritte. Wir müssen den Menschen klarmachen was es bedeutet, wenn 24 Stunden am Tag an den Geräten die Stand-by-Lampen leuchten. Erst wenn sich das in den Köpfen verankert hat, erfolgt auch eine Umstellung der Gewohnheiten.”

Drei Arbeitskreise werden künftig die Arbeit des Lenkungskreises unterstützen: ‟Raus aus der Schuldenfalle‟, ‟Zukunftsorientierte und kostengünstige Lösungen bei Sanierung und Neubau‟ und ‟Werbung für die Beratungsangebote der Energiearmutsfachleute‟. Laut Angelika Birk arbeiten diese drei Arbeitskreise eigenständig und werden zweimal im Jahr dem Lenkungskreis Bericht erstatten. (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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