Damit sich Trier auch im Start-up-Bereich weiterentwickelt

Ist als Business Angel immer auf der Suche nach neuen interessanten Start-ups: Matthias Frost. Hier präsentiert er die App von Go Crush. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Was ist ein Business Angel? Die Antwort klingt einfach: Jemand, der sich sowohl mit Kapital als auch mit Know-how an jungen, innovativen Start-ups beteiligt. Das können erfahrene Unternehmer, aber auch Leitende Angestellte mit langjähriger Business-Erfahrung sein, die idealerweise auch über ein sehr starkes Netzwerk verfügen. Der bei Trier lebende ehemalige leitende Angestellte Matthias Frost ist einer davon. Was ihn antreibt? “Mein Anliegen ist, dass sich Trier auch im Start-up-Bereich weiterentwickelt. Da ist die Moselstadt noch sehr ‘verschlafen’! Man braucht die Community und aktive Menschen, die neue Ideen anschieben und weiterverfolgen.”

Rolf Lorig hat sich für den reporter mit Matthias Frost getroffen und mit ihm über die Arbeit der Business Angels gesprochen.

Nach einer Schätzung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim gibt es in Deutschland derzeit etwa 7500 Business Angels. Auch in Rheinland-Pfalz sind die Business Angel in einem Verein organisiert. Doch was genau machen diese Menschen?

Wenn ein Start-up den Betrieb aufnimmt, sind viele angehende Jungunternehmer besonders in der Anfangsphase oft froh, wenn sie Rat und Tat eines Business Angels in Anspruch nehmen können. Dazu gehört auch das Trierer Start-up “Fashiontale” im Gründerzentrum auf dem Petrisberg, das seit dem 1. Januar dieses Jahres als GbR besteht und nun seit etwa sechs Wochen offiziell am Markt ist. Der Betriebswirt Philipp Ihl und die angehende Modedesignerin Sabrina Molter hatten die Idee für eine neue Geschäftsidee, mit der sie insbesondere junge Leute ansprechen wollen. Gezielt wenden sich die beiden Jungunternehmer an Influencer. Das sind Menschen wie beispielsweise Lena Gehrke oder Stefanie Giesinger, die ihr Leben mehr oder weniger gläsern gestalten und über eigene Blogs oder Kanäle wie YouTube und Instagram unterschiedlich viele Anhänger, neudeutsch Follower genannt, haben. Diese Influencer beeinflussen ihre Followers ganz gezielt, geben ihnen Tipps zu allen Dingen des Lebens. Sie entscheiden über ihre Kanäle mit darüber, welches Restaurant gerade hip ist, welches Wellness-Angebot man momentan nutzen sollte oder aber welche Garderobe aktuell angesagt ist. Und dazu gehört, dass dabei die jeweiligen Produkte in den verschiedenen Clips nicht nur namentlich benannt, sondern auch noch genauestens besprochen werden.

Das Start-up Fashiontale und die Influencer

Logisch, dass die jeweiligen Firmen, die von dieser Werbung profitieren, sich auch entsprechend entgegenkommend zeigen. Je nach Marktmacht – ausschlaggebend ist hier die Zahl der Follower – statten beispielsweise die Modehersteller die jeweiligen Influencer kostenlos aus. Ist die Zahl der Follower besonders hoch, fließt abgesichert über entsprechende Verträge auch Bargeld. Der anhaltende Garderobennachschub führt dazu, dass irgendwann die Kleiderschränke überquellen. Fashiontale wendet sich nun an diese Meinungsmacher und verkauft für sie die nicht mehr benötigten Kleidungsstücke über das Netz an die Follower. Über mangelnde Nachfrage, sowohl bei den Influencern wie auch bei den Followers,  können sich Sabrina Molter und Philipp Ihl dabei nicht beklagen. Für ihre nicht geringe Arbeit – jedes einzelne Kleidungsstück muss begutachtet, beschrieben, fotografiert und nach dem Kauf versendet werden, bekommen die beiden Jungunternehmer vom Influencer 20 Prozent des Erlöses. “Mit unserer Dienstleistung haben wir dieser Gruppe ein neues Feld erschlossen, früher mussten sie ihre Sachen selbst auf dem Flohmarkt verkaufen”, berichtet Philipp Ihl. Nicht alles sind Sachen, die bereits getragen wurden. “Etwa 30 Prozent der uns zugesandten Artikel sind noch original verpackt und etikettiert.”

Die Herausforderungen, die ein junges Start-up bewältigen muss, sind groß. Bei Philipp Ihl und Sabrina Molter war es das Thema IT, das einiges an Kopfzerbrechen bereitete. Hilfe erhielten sie unter anderem von Matthias Frost, der durch sein Netzwerk genau die richtigen Spezialisten an der Hand hatte. “Business Angels arbeiten oft mit jungen Unternehmen kurz nach oder sogar noch vor ihrer Gründung. Also zu einem Zeitpunkt, wo sich alles noch im Entstehen befindet, wo das Start-up noch weit von der ersten Ausschüttung entfernt ist”, erklärt Matthias Frost und macht damit den Unterschied zu Investoren deutlich, die beispielsweise in der Vox-Sendung “Höhle der Löwen” nur in junge Unternehmen investieren, die schon bald erste Gewinne ausweisen können. Ein weiterer Unterschied: Business Angels helfen mit der aktiven Hilfestellung und dem dazu passenden Knowhow.

Sie verkaufen die Klamotten der Influencer: über ihr Portal “Fashiontale”: Sabrina Molter und Philipp Ihl, hier mit Matthias Frost.

Idee und Menschen müssen passen

Natürlich prüft Matthias Frost das jeweilige Start-up mit seinen Menschen und der dahinterstehenden Idee genau, bevor er mit Geld und tätiger Hilfe einsteigt. “Die Idee muss ebenso passen wie die Menschen, die dahinterstehen”, sagt er.

Frost wuchs in Thüringen auf, studierte in Ingenieurwissenschaften in Kiew und arbeitete später für eine General Motors-Tochter in Rüsselsheim, die auch Opel sowie den verschiedenen Telekommunikations-Unternehmen zuarbeitete. Später wechselte er nach Luxemburg und war in vielen Ländern der Welt, darunter auch in Indien, “durchaus erfolgreich” tätig.
Irgendwann aber kam dann der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung. Auch wollte er möglichst oft bei etwas Neuem mit dabei zu sein und möglichst aktiv mitgestalten. Also meldete er sich bei den Business Angels in Rheinland-Pfalz an. Von Oberbillig aus agiert er in einem Umkreis von ca. 200 Kilometern, “das ist ein Radius, dem man mit dem Auto in einem Tag gut abdecken kann”, sagt er.

Frost hat bereits in mehrere Projekte, darunter auch in “Fashiontale” investiert. Zwei Start-ups – Go Crush und Freachly – hält er für besonders erfolgversprechend. Nach eigener Aussage versteht sich Freachly als Marketing-Plattform, auf der Social-Media-Influencer Angebote von Restaurants, Hotels, Fashion und Online-Stores (Freachly-Partner) finden und dafür ihre Erlebnisse bei den Partnern in den sozialen Netzwerken teilen. Welche Möglichkeiten sich da bieten, lässt der Partner-Bereich erahnen, wo die teilnehmenden Unternehmen ihre kostenlosen Leistungen vorstellen.

Eine neue Form des Kennenlernens

Auch Go Crush ist interessant, hier geht es um eine neue Form des Kennenlernens. Über die App finden sich die Menschen und kommen dann im richtigen Leben entweder zu zweit, zu viert, zu sechst in Restaurants oder Bars oder auch bei einem organisierten Event wie einer Weinverkostung zusammen. “Alle Teilnehmer haben nur ein Kurzprofil und ein Foto und können vor dem Treffen in der realen Welt nicht schreiben”, sagt Frost. Wer hier mitmachen wolle, habe gar keine Gelegenheit, Potemkin’sche Dörfer aufzubauen. “Go Crush ist ein Zwischending zwischen Dating-App und einer Kennenlern-App, um neue Freunde zu entdecken “, erläutert der Business Angel. Insbesondere bei Frauen komme diese App sehr gut an: “Bei den Verabredungen an Vierertischen oder Sechsertischen gibt es immer nur zwei Möglichkeiten: entweder man hat eine reine gleichgeschlechtliche Runde oder aber einen Mix von 50:50. Das Beste dabei ist die Transparenz, es gibt keine Geheimnisse, wer an der Runde teilnimmt. Jeder, dem die Besetzung des Tisches gefällt, kann sich unter der genannten Vorgabe einwählen, bis die Runde komplett ist. Dadurch haben Frauen einfach ein sichereres Gefühl bei einem Treffen”, stellt Frost klar. Ein Anliegen der Gründer ist es auch, der Vereinsamung entgegenzutreten und die Leute weg von den Smartphones in das reale Leben zu holen. Was nicht nur für junge Leute, sondern für fast alle Altersgruppen gilt.

Beide Portale laufen nach Aussage von Matthias Frost sehr gut und wachsen seinen Worten zufolge ständig. Noch findet sich das Gros der Mitglieder in Großstädten wie Berlin oder Frankfurt. Aber auch die kleineren Städte wie Trier seien auf dem Vormarsch, stellt Frost zufrieden fest. Wobei es für ihn durchaus Sinn macht, das Augenmerk auch auf andere Städte zu richten: “Jeder fährt mal nach Berlin oder Frankfurt. Statt den Abend dann im Hotel alleine zu verbringen, macht es doch Sinn, sich über die App umzuschauen, wo sich nette Menschen an diesem Abend treffen.”

Für die User ist die Teilnahme kostenlos. Die teilnehmenden Hotels, Bars oder Restaurants überweisen einen kleinen Anteil der Zeche an die App, die davon ihre Kosten deckt. Frost weiß, dass in dieser Anfangsphase noch nicht das große Geld zu verdienen ist. Deshalb arbeiten die Entwickler der Plattformen auch kontinuierlich an Verbesserungen, um den Teilnehmerkreis permanent zu steigern und die Profitabilität zu erhöhen.

Und welche Rolle spielt die Universitäts- und Hochschulstadt Trier bei den Start-ups? Frost ist sich sicher, dass es gerade wegen des in Trier vorhandenem Potenzials, an dem die beiden Hochschulen nicht unbeteiligt sind, noch etliche weitere interessante Start-ups gibt, wo Business Angel helfend tätig werden können. Womit sich der Kreis zu seiner eingangs getätigten Aussage, schließt. Es braucht noch einige aktive Menschen wie ihn, die in der Moselmetropole neue Ideen anschieben und weiterverfolgen.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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