Das 70. Olewiger Weinfest – Tradition und Moderne

Zum Krönungsabend kommen traditionell fast alle Wein-Majestäten aus der gesamten Region nach Olewig. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Gerade ist das Zurlaubener Heimatfest zu Ende gegangen. Zehntausende haben dort und zuvor beim Altstadtfest ausgiebig open air gefeiert. Doch die Zeit der Freiluftpartys ist damit noch nicht zu Ende. Die Vereinigung der Olewiger Winzer steht bereit: Traditionell richtet sie am ersten Wochenende im August das Olewiger Weifest aus. In diesem Jahr wird es das 70. Weinfest sein. Grund genug für ein Gespräch mit Peter Terges und Geschäftsführer Franz Kick, der mit einer kurzen Unterbrechung der Vereinigung nun schon seit zehn Jahren hilfreich zur Seite steht.

Ein Beitrag von Rolf Lorig

Welches Getränk steht für die Moselstadt Trier? Früher war das keine Frage. Die meisten hatten davon eine klare Vorstellung: “Der Wein.” Doch startet man heute erneut eine kleine Umfrage, fällt das Ergebnis völlig unterschiedlich aus. Denn neben dem Wein denken viele an Bier oder Viez. Die Zeiten ändern sich eben.

Gut, dass das Trier-Olewiger Weinfest, wie die Veranstaltung offiziell heißt, von Menschen ausgerichtet wird, die zwar eine starke Verbindung zur Tradition haben, sich der Moderne aber nicht verschließen. Das zeigte sich beispielsweise, als die Olewiger Winzer 2016 die Syrerin Ninorta I. zur Trierer Weinkönigin wählten. Oder im vergangenen Jahr, als die Sinologin Bärbel I. die Nachfolge von Ninorta antrat. Zwei Beispiele, die für die Weltaufgeschlossenheit der traditionsbewussten Winzer stehen.

Sie stoßen auf das Gelingen des kommenden Weinfestes an: Franz Kick und Peter Terges (von links).

Mit Melanie Welsch kommt erstmals eine Schirmherrin

Wobei die Tradition nach wie vor hochgehalten wird. Denn seit nunmehr 70 Jahren feiern die Olewiger mit Zehntausenden von Nah und Fern ihren Wein. Originale wie der singende Kellermeister Horst Schmidt gehören ebenso mit dazu wie die Musikvereine und die unvermeidlichen Honoratioren. Doch auch die Moderne hat hier ihren festen Platz. Angefangen bei der Schirmherrin. Richtig gelesen, in diesem Jahr ist das erstmals eine Frau. “Daran habe ich schon seit Jahren gearbeitet”, sagt Winzer Peter Terges, der für viele Motor und Gesicht des Festes ist. Melanie Welsch heißt die kommende Schirmherrin, die ab der Krönungsfeier am Mittwoch, 1. August, ihr Amt übernehmen wird. Als Regionaldirektorin arbeitet sie für die Volksbank Trier.

Katja Leiendecker ist die kommende Trier-Olewiger Weinkönigin. Foto: Michael Oberbillig

Stichwort Krönungsfeier: Das ist dann auch der Tag, an dem die noch amtierende Weinkönigin Bärbel Ellwanger ihre Krone an Nachfolgerin Katja Leiendecker übergeben wird. Die 22-jährige Lehramtsstudentin hat übrigens einen stadtbekannten Vater: Lothar Leiendecker, er war in den 70er Jahren Torschützenkönig der Eintracht und ist der jüngerer Bruder des Trierer Originals Helmut Leiendecker.

Wein-Majestäten aus der gesamten Region

Tradition und Moderne – wie wollen die Olewiger Winzer ihr Fest feiern? “Vor allem gemütlich und fröhlich”, lacht Geschäftsführer Franz Kick. Dass die Krönungsfeier im Klostergarten bereits mittwochs erfolgt, ist eine Errungenschaft der Moderne. Früher fand die erst samstags im Festzelt statt. Und es ist Tradition, dass fast alle Wein-Majestäten aus der umliegenden Region – einschließlich Luxemburg – zur Krönungsfeier kommen, was in Summe mehrere Bänke vor der Bühne füllt. In diesem Jahr werden es besonders viele Majestäten sein. Denn Geschäftsführer Franz Kick hat auch alle noch lebenden früheren Olewiger Weinköniginnen der vergangenen sieben Jahrzehnte zur Feier eingeladen. Die älteste dürfte dabei laut Kick mit Anfang 90 Magdalene Faber, geb. Schieben sein. Sie repräsentierte 1950 den Olewiger Wein und lebt heute im Nachbarstadtteil Irsch.

Das Weinglas, aus dem am Krönungsabend getrunken wird, ist wiederum ein Glas der Moderne. Was nicht zuletzt auch die aufgedruckten modernen Portraits der beiden 200-jährigen “Geburtstagskinder” Karl Marx und Friedrich Wilhelm Raiffeisen (Zeichner: Johannes Kolz) sowie das Logo des Sponsors Volksbank bekunden. Und da das Jubiläumsjahr auch die Tradition bedienen wird, kommen am “sozialen Tag” – das ist der bislang veranstaltungsfreie Donnerstag, an dem es besonders zivile Preise und auch Wein-Überraschungen geben wird, laut Peter Terges die alten Säntis-Becher zum Einsatz, die auch heute noch ihre Freunde haben.

Tradition hat zudem das große Feuerwerk am Freitagabend um 23 Uhr, für das schon seit langen Jahren wie auch beim Zurlaubener Heimatfest Feuerwerkweltmeister Steffes-Ollig verantwortlich zeichnet. In diesem Jahr schießen die Feuerwerker ihr Pyrospektakel von einer Fläche unterhalb der ehemaligen Wetterstation ab. Der Grund für den Ortswechsel: “Wir hoffen, dass von diesem Ort aus alle Gäste das Feuerwerk gleich gut sehen können”, erläutert Franz Kick.

Auch hier Tradition und Moderne: die beiden kleinen Säntis-Becher und das moderne Weinglas

500-Liter-Fässer sollen künftig mehr Frauen an den Start bringen

Spaß und Spannung gibt es am Sonntag, 5. August, nachmittags beim Fassrollen. Da haben sich Terges und Kick zusammen mit den übrigen Winzern etwas Neues einfallen lassen: erstmals kommen 500-Literfässer zum Einsatz. “Nachdem im vergangenen Jahr auch unsere damalige Bundesfamilienministerin Katarina Barley an den Start gegangen ist, erhoffen wir uns mit dem Einsatz von kleineren Fässern nicht nur einen neuen Akzent, sondern auch die Teilnahme von weiteren Frauen.” Und noch etwas wünschen sich die Organisatoren: “Dass auch die Trierer Kommunalpolitik Teams an den Start schicken wird.” Ein Grund dafür fällt Peter Terges sofort ein: “Schließlich haben wir im kommenden Jahr Kommunalwahlen”, meint er mit einem verschmitzten Lächeln.

Zwei Wünsche hat der umtriebige Winzer zum Schluss: “Tolles Wetter, das uns viele Gäste bringen wird, und zufriedene Standbetreiber am Ende des Weinfestes.” Und noch etwas brennt ihm unter den Nägeln: “Bedanken möchte ich mich bei allen Winzern und Unternehmen, die maßgeblich zum Erfolg des Festes beitragen. Mein besonderer Dank aber gilt unserem Geschäftsführer Franz Kick, ohne dessen Engagement die vielfältigen Vorbereitungen gar nicht möglich wären.”

 

Sie machen mit

Das Olewiger Weinfest wird von der Vereinigung der Olewiger Winzer ausgerichtet. Mitgliedsbetriebe sind das Weingut Georg Fritz von Nell; Weingut St. Annenhof, Margret Oberbillig und das Weingut Peter Terges. Darüber hinaus beteiligen sich auch das Weingut Deutschherrenhof, die Weinstube Herbert Oberbillig (Inhaber Peter Oberbillig) und Klaus Tonkaboni vom Hotel Blesius Garten.

 

Extra: Musik auf der Festwiese

Freitag 3.August, 19 Uhr                 “Ceremonia”

Die fünfköpfige Formation, bestehend aus Eli Salehi, Jochen Müller, Michael Newen, Oliver Marmann und Carlo Fullana, verleiht bekannten Rock, Pop Hits bis hin zu 60er Rock ’n Roll Musik auf ihre eigene Art und Weise den Songs eine eigene Klasse und Sound. Handgemachte Livemusik mit viel Leidenschaft zur Musik.

Freitag 3. August, 21 Uhr                “Tonsport”

Das ist Leistungssport auf höchstem Niveau. Vier trainierte Jungs, die ihre Sportgeräte spielend beherrschen. Sie fühlen sich in allen Genres zu Hause und fürchten weder Soul noch Rock, weder Reggae noch Pop. Das Team ist klein, aber fein: Pianist Kai Werth und Gitarrist Kai Sonnhalter bilden im Sturm ein gesangsstarkes Front-Duo, das links außen von Alex Merzkirch am Bass und aus dem Sechzehner heraus von Daniel Schild an den Drums getragen wird. Dabei spielen sie sich gekonnt die Bälle zu, sowohl musikalisch als auch verbal – und nehmen sich nie allzu ernst. Denn Ernst darf nicht mitspielen. Dieser Meinung sind übrigens auch die Jungs von PUR, mit denen TONSPORT 2013 und 2016 als Supportband unterwegs waren und sind.

Samstag 4. August, 18.30 Uhr      “Timeless”

Timeless muss man nicht mehr vorstellen. Sie sind immer wieder einmal Gast in Olewig. Sie sind mit einem musikalisch modifizierten Programm zu Gast.

Samstag 4. August, 21 Uhr            “Wallstreet”

Sie gehören zu den erfolgreichsten und beliebtesten Coverbands Belgiens, ihr musikalisches Entertainment gehört zur Extraklasse – und das seit der ersten Stunde. Alles begann im Jahr 1987, als sich sieben talentierte Musiker zusammentaten, um gemeinsam die Bühnen dieser Welt zu erobern. Ein Plan, der schnell aufgehen sollte. Denn schon zu Beginn konnte die Eventband auf 70 Auftritte pro Jahr zurückblicken – Tendenz steigend.

Sonntag 5.August, 17 Uhr            “Modern Musik School”

                            19:30 Uhr          “Keep Groovin & the Suredreams”

Ja, es gibt sie noch: Musik von Hand gemacht. Und Musiker, die den Begriff “Music is my first love“ nicht nur zelebrieren, sondern ihn immer wieder aufs Neue auf der Bühne zum Leben erwecken.

Montag 6. August, 17.30 Uhr       “Musikallians Alte Kamereren Lund Schweden”

Geboten wird Unterhaltungsmusik für Jung bis Alt. Bei den Auftritten gibt es nicht nur Musik, sondern auch kleine Tanz- und humorvolle Theatereinlagen. Beim deutschen Publikum ist die Formation beliebt. Zu ihrem Repertoire gehören Märsche, Jazzsongs, Schlager und Pop, Tango und Discomusik.

Montag 6. August, 19 Uhr              “Männer”

Deutschsprachige Musik ist derzeit so angesagt wie noch nie. Die Charts werden von deutschen Künstlern dominiert. Neben vielen jungen Talenten stehen aber vor allem “alte” Bekannte wie Grönemeyer, Westernhagen und vor allem Udo Lindenberg vor einem neuen Hoch ihrer Karriere. Genau der richtige Zeitpunkt, um das Thema der deutschsprachigen Musik aufzugreifen und regional in einer Coverband zu vertreten. (tr)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Allgemein, Featured, Gesellschaft 3 Kommentare

3 Kommentare zu Das 70. Olewiger Weinfest – Tradition und Moderne

  1. Norbert Friedrich

    Glückwunsch! Toller Bericht über ein schönes und traditionsreiches Weinfest! Ein großer Dank an die Organisatoren!

     
  2. Franz Kick

    Toller Beitrag, nur hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen. Das Feuerwerk ist nicht am Samstag, sondern traditionell am Freitagabend wie immer um 23:00 Uhr.
    Franz Kick, Gesch. Führer Trier Olewiger Winzer

     
    • Rolf Lorig

      Danke für den Hinweis, Herr Kick. Der Fehler wurde korrigiert.

       

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