Das große Versprechen von Freiheit

Professor Hartmut Zoppke (2. von rechts) stellt Corinna Rüffer, Thorsten Kretzer und Anton Hofreiter den Aeris vor. Beide Fotos: Rolf Lorig

Professor Hartmut Zoppke (2. von rechts) stellt Corinna Rüffer, Thorsten Kretzer und Anton Hofreiter den Aeris vor. Beide Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Prominenter Besuch an der Hochschule Trier: Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, war eigens nach Trier gekommen, um sich knapp zwei Stunden lang in Begleitung der Trierer Bundestagsabgeordneten Corinna Rüffer und Landtagskandidat Thorsten Kretzer an der Hochschule die Aktivitäten des proTRon-Teams anzuschauen. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von rund 50 Studenten und sieben Professoren, die seit Jahren mit großem Erfolg aktuelle und zukünftige Problemstellungen aus dem Umfeld der Fahrzeugindustrie aufgreifen und dafür in Lehre und Forschung innovative Lösungen erarbeiten. Dazu gehört auch die Forschung nach Möglichkeiten zur Reduzierung von Ruß und Stickoxid im Abgas.

Von Rolf Lorig

Anton Hofreiter gibt sich keinen Illusionen hin. "In dünn besiedelten Räumen wird das Auto nur schwer zu ersetzen sein", sagt er. Und er weiß auch: "Auto − das ist für viele Menschen das große Versprechen von Freiheit." Seine Gesprächspartner, Studenten und Professoren der Hochschule Trier, nicken bestätigend. Auch sie sind sich der Situation sehr wohl bewusst. Was sie mit Anton Hofreiter vereint, ist der gemeinsame Glaube, dass es mit dem Automobilbau nicht endlos so weitergehen kann: “Mit jedem neuen Modell werden die Autos schwerer und PS-stärker", bestätigt Professor Hartmut Zoppke.

Dass es auch anders gehen könnte, versucht das proTRon-Team der Hochschule Trier seit 2006 zu beweisen. Zwei Fahrzeuge hat das Team bereits auf die Räder gestellt. Mit dem ersten, einer fahrenden Zigarre nicht unähnlich, kam man 2012 beim Shell Eco Marathon in Rotterdam auf den zweiten Platz. Dabei handelt es sich um einen Wettbewerb, an dem selbst konstruierte Fahrzeuge teilnehmen können. Sieger wird, wer den geringsten Kraftstoffverbrauch hat.

Gerne hätte sich Hofreiter das Auto genauer angeschaut. Doch augenblicklich ist der Wagen Teil einer Ausstellung und kommt danach als Dauer-Leihgabe ins Deutschen Museum. Für den gebürtigen Bayern Hofreiter wird es demnach nicht allzu schwer sein, das Trierer Auto nach Belieben in München bewundern zu können. Für ihren Gast haben die Studenten aber den Aeris bereitgestellt. Das ist die zweite Entwicklung des proTRon-Teams. Im Gegensatz zur "Zigarre", die von einer Brennstoffzelle angetrieben wurde, besitzt der Aeris zwei Elektromotoren und einen Akku, der von fahrzeugeigenen Solarzellen auch während der Fahrt geladen wird. Mit diesem Fahrzeug konnte sich das Hochschulteam beim Shell Eco Marathon in Lausitz den ersten Platz erkämpfen.

Wieviel Auto braucht der Mensch? Professor Hartmut Zoppke (3. von rechts) im Gespräch mit Thorsten Kretzer, Anton Hofreiter und Corinna Rüffers.

Wieviel Auto braucht der Mensch? Professor Hartmut Zoppke (3. von rechts) im Gespräch mit Thorsten Kretzer, Anton Hofreiter und Corinna Rüffers.

Aktuell wird aber mit Volldampf am dritten Modell, dem Evolution, gearbeitet. Dabei handelt es sich um einen 2+2-Sitzer, der als Nahverkehrsfahrzeug zur Anwendung kommen soll. “Mit einer Mindestreichweite von 100 Kilometern ist er für den stadtnahen Pendlerverkehr und kürzere Überlandstrecken konzipiert“, erläutert Projektleiter Daniel Schmiech. Dank einer konsequenten Leichtbautechnik soll der Wagen inklusive des Akkus nur 550 Kilogramm schwer werden. “Unser Konzept ist relativ radikal, weil wir alles an Zubehör erst einmal in Frage stellen“, sagt Professor Zoppke. Was hier auch für die Fenster gilt: “Muss man die Fenster voll öffnen oder genügt auch eine Klappe?“

Stolz ist das Entwicklerteam auf die innovative Sicherheitszelle aus faserverstärktem Kunststoff in Monocoque-Bauweise. Statt Kohlefasern kommen überwiegend nachwachsende Rohstoffe zum Einsatz. Ein weiterer Unterschied zu den beiden Vorgänger-Fahrzeugen: “Wir wollen den Evolution bis zur Serienreife entwickeln“, sagt Daniel Schmiech. Und da horcht Anton Hofreiter auf. Ob man denn mit der Automobilindustrie in Kontakt stehe, will er wissen. Professor Zoppke winkt ab: Ja, es gebe Kontakte, bestätigt er. Aber er selbst räumt dem Evolution derzeit keine Chancen ein. Man dürfe der Autoindustrie nicht alleine den schwarzen Peter dafür geben, dass Autos immer schwerer und luxuriöser werden. Der Wunsch nach mehr Stärke und Luxus sei in den Köpfen der meisten Menschen fest verankert.

Ein Auto wie der proTRon Evolution gehe aber den anderen Weg und verzichte auf die allermeisten Annehmlichkeiten. "Erst wenn sich dieses Denken ändert, hat ein Auto wie das unsere eine echte Chance", weiß er. (rl)

Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Politik Hinterlasse einen Kommentar

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