“Denn die Kultur führt die Gesellschaft zusammen”

Ein virtuoser Künstler und großer Menschenfreund: Der ungarische Gitarrist Ferenc Snétberger. Fotos: Rolf Lorig

Trier. Der ungarische Gitarrist Ferenc Snétberger hat am Donnerstagabend im Robert-Schuman-Haus den JTi Trier Jazz Award erhalten. Die Auszeichnung war Teil der Konzertreihe des Mosel Musikfestivals und wurde dem Musiker für dessen musikalisches Schaffen, aber auch für seine Arbeit mit ungarischen Kindern, deren Eltern sich keine musikalische Ausbildung leisten können, zuerkannt. Der renommierte Preis ist mit 7500 Euro dotiert und wurde zum neunten Mal vergeben. Für den ungarischen Gitarristen ist es der erste Preis, den er bislang in Deutschland erhalten hat.

Immer, wenn Uli Beckerhoff nach Trier kommt, ist es für den international bekannten Jazztrompeter und Musikprofessor “ein bisschen wie nach Hause kommen.” Vor über 40 Jahren gastierte er zum ersten Mal beim Jazzclub in Trier, der Moselstadt ist er über all die Jahre durch Konzerte und persönliche Kontakte verbunden geblieben. An diesem Abend ist er als Mitglied der Jury vor Ort, die alljährlich unter den Musikern in der nationalen und internationalen Szene den jeweiligen Preisträger aussucht.

Wenn der Bremer Beckerhoff zurückblickt, kann er auf eine exquisite Liste verweisen: Marylin Mazur (2010) Oliver Strauch (2011), Toots Thielemans (2012 – verstorben 2016), Pascal Schumacher (2013), Stefano Bollani (2014), Nicole Johänntges (2015), Iiro Rantala (2016) und Markus Stockhausen (2017). Wobei Beckerhoff auch schon den Namen des zehnten Preisträgers kennt, den aber noch nicht verraten will.

Und nun ist auch Ferenc Snétberger Teil dieser exklusiven Preisträgergruppe. Dass hier zwei Namen zueinander passen, werden aufmerksame Besucher rasch festgestellt haben, traten doch die beiden Musiker Markus Stockhausen und Ferenc Snétberger schon 1999 als Duo auf.

Uli Beckerhoff hat ein Faible für die älteste Stadt Deutschlands.

Brauchen Unternehmen mit Sinn für Kultur

Dem Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe, der in Begleitung von Bürgermeisterin Elvira Garbes und Baudezernent Andreas Ludwig auf den Markusberg gekommen war, oblag es, an diesem Abend den Preis offiziell zu überreichen. Was er gerne tat, zuvor aber noch ein Wort des Dankes an das Unternehmen JTi richtete, dem in Trier als größter privater Arbeitgeber eine besondere Rolle zukommt. Eine Zivilgesellschaft brauche nicht nur Arbeitsplätze, Straßen und Gebäude, sie brauche auch Unternehmen mit Sinn für Kultur, betonte das Stadtoberhaupt. Denn die Förderung der Kultur führe die Gesellschaft auf den unterschiedlichsten Ebenen zusammen.

Gemeinsam mit JTi-Mitarbeiter Michael Hack (Mitte) übergibt OB Leibe den Preis an Ferenc Snétberger.

Von vielen Stilrichtungen geprägt

Ferenc Snétberger ist ein stiller Star. Das liegt nicht nur an seinem Instrument, der akustischen Gitarre, die per se die leiseren Töne bevorzugt. Es ist auch ein Teil seiner künstlerischen Botschaft. Denn Snétberger liegt nichts daran, hell auflodernde akustische Feuer zu entfachen. Sein Licht ist das von innen, eine Erforschung des Klangs, nachhaltig in der Beschäftigung mit dem Material, persönlich in der Umsetzung der einzelnen Ereignisse.

Geboren 1957 in Nordungarn als jüngster Sohn einer Musikerfamilie, lernte er klassische Gitarre als Jugendlicher und Jazz am Béla-Bartók-Konservatorium in Budapest. Sein Weg führte ihn über Bands wie das Stendhal-Trio in die Welt, von 1988 an wurde Berlin seine zweite Heimat. Formationen mit Gleichgesinnten wie Arild Andersen, David Friedman oder auch Vorjahres-Preisträger Markus Stockhausen führten ihn in viele Stilgefilde, über die Klassik und die Improvisation bis hin zu Filmmusiken. Zentral blieb dabei neben brasilianischen oder auch spanischen Rhythmen aber die Roma-Tradition seiner Heimat, die er auf vielfältige Weise als Komponist und Interpret verarbeitet.

Beim Preisträgerkonzert wird Ferenc Snétberger von Phil Donken (Bass) und seinem Bruder Toni Snétberger (Drums) begleitet.

Seine Aufmerksamkeit gilt der Jugend

Das betrifft nicht nur die Musik selbst, sondern auch Snébergers soziales und kulturelles Engagement. Im Jahr 2011 eröffnete er das Snétberger Music Talent Center in seiner ungarischen Heimat, eine internationale Musikschule für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche überwiegend aus den Sinti- und Roma-Minderheiten. Bereits ein knappes Jahrzehnt zuvor war er zum Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Salgótarján ernannt worden, im Jahr 2004 erhielt er den ungarischen Verdienstorden, gefolgt vom Franz-Liszt-Preis (2005) und dem Kossuth-Preis (2014), der höchsten ungarischen Auszeichnung für Kunst und Kultur.

Es sind wichtige Ehrungen, die ihn aber nicht von seiner eigentlichen Berufung ablenken. Denn noch immer arbeitet Ferenc Snétberger kontinuierlich daran, seine Fähigkeiten des umfassenden künstlerischen Ausdrucks an der Gitarre zu erweitern. Sein musikalisches Lebenswerk ist ein beeindruckendes Projekt, für das der stille Star Ferenc Snétberger an diesem Abend den JTi Trier Jazz Award 2018 erhielt. (flo/tr)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft 2 Kommentare

2 Kommentare zu “Denn die Kultur führt die Gesellschaft zusammen”

  1. Michael Grundhöfer

    der Link zum Snetberger Music Talent Center

     
    • Rolf Lorig

      Hallo, Herr Grundhöfer,
      was wollen Sie mir sagen, was ist mit dem Link? Dass er funktioniert, davon habe ich mich an mehreren Geräten überzeugt.
      Freundliche Grüße, Rolf Lorig

       

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