Der Betrug

Die Tankstelle in der Ostallee ist keine Lagune, sondern ein bedrohliches Riff.

Der 28. September könnte erneut zu einem historischen Tag für Trier werden. Wie jener 12. Dezember 2016, als mit Thomas Egger erstmals in der Geschichte der Stadt ein Dezernent aus dem Amt gewählt wurde. Da allerdings ging es um hohe Politik und einen Skandal, der die politische Szene Triers bis ins Mark erschütterte. Heuer geht es um eine schnöde Tankstelle in der Ostallee, die weichen soll, weil die Stadt zumindest ansatzweise ihre bisher ausschließlich auf die motorisierte Mobilität zugeschnittene Verkehrspolitik ändern will. Bekommt Trier also erstmals in seiner Geschichte einen Bürgerentscheid, oder knickt die CDU doch noch ein? Letzteres wäre glatter Betrug, nicht nur an den Zielen der Stadtpolitik, sondern auch an jenen, die den Bürgerentscheid fordern – und letztlich auch an allen Trierern, denen die Möglichkeit gestohlen würde, selbst über Sein oder Nichtsein der sogenannten “Blauen Lagune” zu entscheiden. Ein Kommentar von Eric Thielen

Was also mag in diesen Tagen in Karl Biegel, Bertrand Adams und Michael Witzel vorgehen? Sind sie gleich Brutus, Cassius und Decimus die Verräter, vielleicht sogar die Königsmörder, weil sie es wagen, sich gegen ihren Fraktions- und Parteivorsitzenden Udo Köhler und gegen die populistische Mehrheit ihrer Fraktion zu stellen? Weil sie Gradlinigkeit und Konsequenz einfordern? Geraten wurde ihn schon, das verlautet aus CDU-Kreisen, den Ratssaal kurz vor der entscheidenden Abstimmung am 28. September zu verlassen, was zumindest bei Biegel das Blut richtig in Wallung brachte.


“Wir werden am 28. September zusammen mit anderen Fraktionen einen Antrag einbringen, der die Verwaltung beauftragt, Verhandlungen mit der BP aufzunehmen, den Pachtvertrag für die Aral-Tankstelle zu verlängern. Das ist in der Fraktion so beschlossen worden. Ob diese Verhandlungen dann zu einem positiven Ergebnis führen, ist eine andere Frage. Dem UBT-Antrag im März konnten wir nicht zustimmen, weil er zu früh kam. Deswegen hatte ich die Verweisung in den Ausschuss gefordert. Mehrheitlich war unsere Fraktion immer für die Tankstelle. Von daher sind wir auch nicht umgefallen.”
Thomas Albrecht, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion


Fraktions-Vize Thomas Albrecht, einer der Wortführer der Pro-Tankstellen-Clique in der Union, spricht nun von Fraktionsdisziplin. Ausgerechnet Albrecht, dem die verfassungswidrige Fraktionsdisziplin bei seiner Bewerbung für das Kulturdezernat selbst das Genick brach. Aber die Zeiten ändern sich schnell, sofern die Themen sich ändern – und so eben auch die Prämissen. Dann wird flugs mit juristischen Spitzfindigkeiten jongliert, wie jener, dass die Ratsentscheidung von 2011 nie vorgesehen habe, die Tankstelle zum Jahresende 2017 endgültig zu schließen.

Zugegeben: Albrecht gehörte auch 2011 zu den Befürwortern der sogenannten “Blauen Lagune”. Albrecht ist aber auch ein glühender Befürworter direkter Demokratie-Elemente. Und das ist der entscheidende Punkt. In der unendlichen Debatte um Sein oder Nichtsein der Allee-Tankstelle stehen sich unversöhnlich zwei Lager gegenüber, die ein unüberwindbarer, tiefer Graben trennt. Für die einen ist die Tanke Kult, für die anderen ein Schandfleck aus der Wirtschaftswunderzeit der 1950er Jahre, als man noch glaubte, Autos würden in nicht allzu ferner Zukunft sogar mit Atomantrieb über die Straßen rasen.

Nun hat der Mainzer Gesetzgeber die Elemente der direkten Bürgerbeteiligung gestärkt. Das war gut und richtig so. In Trier fand sich nach dem Beschluss des Stadtrates vom 13. März, den Tankstellen-Betrieb zu Jahresende einzustellen, eine Gruppe zusammen, die sich dagegen zur Wehr setzte. Auch das ist gutes Bürgerrecht. Diese Gruppe kämpfte und ackerte und brachte mehr als die erforderliche Anzahl an Unterschriften für ein Bürgerbegehren (Bürgerentscheid) zusammen. Davor kann man nur den Hut ziehen, und zwar selbst dann, sofern man mit dem Ziel nicht übereinstimmt. Wünschenswert wäre indes gewesen, die Trierer hätten bei wirklich wichtigen Themen – etwa der Sanierung des Theaters oder der Aufstellung der Karl-Marx-Statue – eine ähnliche Vehemenz gezeigt.

Aber es ist, wie es ist: Die Tankstelle in der Ostallee ist seit Jahren ein emotionales Thema, das viele bewegt. So weit, so gut. Alles ging und geht seinen demokratischen Gang. Der Stadtvorstand hatte sich klar positioniert, der Stadtrat entschieden – zum x-ten Mal übrigens –, Bürger gehen dagegen an. Doch nun kommt die CDU-Fraktion daher und macht aus knapp 4.500 Unterschriften den erklärten Bürgerwillen. Soll heißen: Die Christdemokraten wollen am 28. September nicht etwa dem gewünschten Bürgerentscheid zustimmen. Nein, sie wollen eine Vorlage einbringen, die den Ratsbeschluss von 2011 aufhebt und die Verwaltung beauftragt, Verhandlungen mit der BP-Deutschland aufzunehmen mit dem Ziel, den Pachtvertrag um zehn Jahre plus Option auf weitere fünf Jahre zu verlängern. Als seien 4.500 Unterzeichner die Mehrheit der Trierer und damit der Bürgerwille.


“Die Tankstelle muss weg! Wir müssen uns nicht prostituieren!
Andreas Ludwig (CDU), Baudezernent


Das ist nicht nur grober Unfug und Humbug, das ist glatter Betrug! Die Union betrügt nicht nur sich selbst. Sie betrügt die Initiatoren des Bürgerbegehrens, und sie betrügt alle Triererinnen und Trierer um die Möglichkeit, dieser unendlichen, unseligen und unwürdigen Debatte ein für alle Mal ein Ende zu machen – so oder so. Stimmen mindestens 13.000 Trierer für den Erhalt der Tankstelle, gut, dann ist es so. Dann müssen die Gegner die Kröte schlucken und die Zähne zusammenbeißen. Findet sich die Mehrheit nicht, dann ist das Thema endgültig vom Tisch. Das ist Demokratie. Die aktuelle Flatterhaftigkeit der CDU hingegen beschädigt die Demokratie, und sie beschädigt erneut den Stadtrat, dessen Ansehen wegen des Theater-Skandals ohnehin nahezu auf dem absoluten Nullpunkt angekommen ist.

Die Christdemokraten sollten sich ihren Bündnispartner als mahnendes Bespiel vor Augen halten. Das Glaubwürdigkeits-Dilemma der Grünen in dieser Legislatur begann mit ihrem Umfallen beim Drogeriemarkt auf dem Petrisberg vor annähernd drei Jahren. Erst wetterten sie – allen voran Richard Leuckefeld – gegen den Markt, dann begrüßten sie ihn plötzlich, weil das sich abzeichnende Bündnis mit der Union es so erforderte. Davon hat die Grünen-Fraktion sich bis heute nicht erholt. Insofern wird das ebenfalls ramponierte Ansehen der CDU nicht wegpoliert, wenn die Unions-Christen jetzt bei der Tankstelle mitten im Galopp die Pferde wechseln. Dabei kann man sich nur den Hals brechen!

Dieser Schwenk, den die Union nun beabsichtigt, kann nur ein klassisches Eigentor werden. Es sei denn, sie begnügt sich bei der kommenden Kommunalwahl mit 4.500 Stimmen – also mit jenen, die sich derzeit für den Erhalt der Tankstelle einsetzen. Glaubwürdig und gradlinig wäre es hingegen, jetzt zu sagen: Wir stehen zum Stadtratsbeschluss von 2011, begrüßen aber den Bürgerentscheid als elementares Element der Demokratie und beugen uns schließlich dem Beschluss der Bevölkerung.

Fadenscheinige Hinweise wie jener, man wolle der Stadt die Kosten von rund 200.000 Euro für den Bürgerentscheid ersparen, sind null und nichtig. Hundertausende an Euro wirft die Stadt mit Zustimmung der CDU für Machbarkeitsstudien und Konzepte heraus, die dann in den Schubladen verstauben. Und bei der Abfindung für Ex-Theater-Intendant Karl Sibelius war auch die Union nicht zimperlich: 300.000 Euro wurden dem Österreicher hinterhergeworfen, als er Trier verließ.


“An unserer Position hat sich nichts geändert. Wir sind nach wie vor dafür, dass der Betrieb der Tankstelle zum 31. Dezember eingestellt wird, ohne Wenn und Aber. Den Bürgerentscheid begrüßen wir ausdrücklich. Wenn die CDU ihre bisherige Position jetzt ändert, dann heißt das auch, dass sie gegen den Bürgerentscheid ist.
Rainer Lehnart, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion


Dem E-Bike-Fahrer Albrecht und allen anderen Velo-Nutzern in der CDU sei zudem gesagt: Wann, wenn nicht jetzt? Der Rückbau der Aral-Tankstelle in der Ostallee – wie er übrigens schon 2004 beschlossen wurde – wird die mannigfaltigen Verkehrsprobleme Triers sicher nicht lösen. Aber er würde ein deutliches Signal dahingehend sein, endlich in der an Autos erstickenden Stadt ein Umdenken in der Mobilitätspolitik einzuleiten. Aufgemalte Radwege auf dem Alleenring sind nicht nur reines Alibi. Solche zu benutzen, ist die ganz spezielle Trierer Art, sich selbst umzubringen. Es ist schwierig genug, in den Köpfen ein Umdenken bei der Mobilität zu implementieren. Der Einsatz für eine Tankstelle konterkariert jedoch selbst die zartesten Ansätze in dieser Richtung. Wer jemals versuchte, vom Bahnhof aus mit dem Fahrrad ins Gartenfeld oder durch die Mustorstraße in die Innenstadt zu gelangen, der weiß, dass die sogenannte “Blaue Lagune” keine Lagune ist, sondern ein Riff, das bedrohlich im Wege liegt. Gegen die Velo-Fahrt zwischen Bahnhof und der Kreuzung am Gartenfeld ist selbst der Slalom auf einer Eispiste ein Kinderspiel.

Karl Biegel von der CDU hatte sich bereits im März klar gegen die Tankstelle positioniert. Foto: Rolf Lorig

Nun können die Befürworter des Bürgerentscheids und die Gegner der Tankstelle nur noch auf die altgedienten Christdemokraten Adams, Biegel und Witzel hoffen. Zwei Christdemokraten werden nach reporter-Informationen am 28. September ohnehin bei der Ratssitzung fehlen, womit die Pro-Tankstellen-Clique in der Union-Fraktion maximal mit 15 Stimmen rechnen kann, sofern Adams, Biegel und Witzel ihrer Überzeugung treu bleiben. Zusammen mit UBT, FDP, den Linken und der AfD käme die Tanke-Koalition somit auf 26 Stimmen. SPD und Grüne verfügen über 24 Stimmen. Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) wird gegen den Weiterbetrieb der Tankstelle stimmen. Unklar ist derzeit noch, wie Piratin Darja Henseler sich positioniert. Schlägt sie sich auf die Seite des Kontra-Bündnisses, käme es zum Patt. Dann wäre der Antrag auf Verlängerung des Pachtvertrages abgelehnt.

Die sauberste Lösung wäre indes: Der Rat beschließt mit großer Mehrheit, im Dezember die Triererinnen und Trierer zu Sein oder Nichtsein der Tankstelle abstimmen zu lassen. Damit wäre nicht nur allen – Befürwortern wie Gegnern – gedient. Es wäre auch ein Gewinn für die demokratische Kultur in dieser Stadt. Und der angeschlagene Stadtrat könnte zumindest etwas an Reputation zurückgewinnen.


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Meinung, Politik 14 Kommentare

14 Kommentare zu Der Betrug

  1. Sascha

    “Fadenscheinige Hinweise wie jener, man wolle der Stadt die Kosten von rund 200.000 Euro für den Bürgerentscheid ersparen, sind null und nichtig. Hundertausende an Euro wirft die Stadt mit Zustimmung der CDU für Machbarkeitsstudien und Konzepte heraus, die dann in den Schubladen verstauben. Und bei der Abfindung für Ex-Theater-Intendant Karl Sibelius war auch die Union nicht zimperlich: 300.000 Euro wurden dem Österreicher hinterhergeworfen, als er Trier verließ.”

    Nein, da widerspreche ich.
    Natürlich wurde an vielen Stellen das Geld mit beiden Händen sinnlos aus dem Fenster geworfen.
    Aber das ist kein Argument es an anderer Stelle erneut zu tun.
    Was war das für ein Aufschrei als ein Stadtratsmitglied (ich weiß nicht mehr wer) mit dem Satz kam: “Das Geld ist doch da.”

    Man könnte mit einem positiven Beschluss zum Erhalt der Tankstelle der Stadt viel mehr Geld sparen:
    -230.000€ für den Bürgerentscheid
    -90.000€ (da ist sicher noch Luft nach oben)an jährlicher Pacht und noch dazu die Gewerbesteuer für die Tanke
    -und die Kosten für den Neubau/Umbau (den Rückbau bezahlt ja wohl BP) und den jährlichen Unterhalt kann man sich auch sparen.

    Das sind in spätestens 3 Jahren über eine halbe Million Euro die die Stadt entweder weniger ausgibt oder mehr einnimmt, also unter dem Strich mehr hat.

    Und da BP ja ohnehin umbauen will, kann man bestimmt auch mit denen reden das ein Radweg in den Umbau mit integriert wird.

    Die Stadt Trier ist so pleite das hier einfach die finanzielle Vernunft siegen muss.

     
    • V. Clemens

      Was spricht den dagegen der BP ein anderes Grundstück in der Nähe zukommen zu lassen? Nächstes Jahr verlässt der SWT-Betriebshof die Ostallee.
      Oder das Gelände an der Kürenzerstraße( ehem. Moselbahn-Werkstatt) ?Sogar direkt an am neuen geplanten Hauptverkehrsweg mit Anbindung in alle Richtungen und für Kraftfahrzeuge zentral schnell erreichbar.
      Und Wohnbebauung ist auch viel weiter weg.

       
  2. Petra Geiger

    @Grundsätzlich haben Sie sicher Recht, was die finanzielle Lage der Stadt Trier angeht. Wenn aber die Frage, ob man einen Bürgerentscheid abhalten muss am Geld scheitert, kann man dieses Instrument angesichts der klammen Situation der Kommunen gleich aus dem Gesetz streichen. So gesehen könnte man auch die teure Bundestagswahl ausfallen lassen, zumal das Ergebnis nach jetzigem Stand ohnehin wieder das alte ist… im Ernst: Demokratie kann nicht am Geld scheitern – in Zeiten, in denen Herr Schäuble nicht mehr weiß, wohin mit dem Überschuss. Dass davon nichts bei den Städten ankommt, ist bekannt, aber der Druck von dieser Seite hält sich aus parteipolitischen Gründen in ganz Deutschland in Grenzen!

     
    • V. Clemens

      Bügerentscheide finde ich im Prinzip gut.
      Ich finde es nur traurig das jetzt der erste abgehalten wird für einen Minisupermarkt mit angeschlossenem Benzinverkauf anstatt z.b. für besseren ÖPNV, bessere Schulen oder mehr bezahlbaren Wohnraum. Das ist traurig.

       
  3. paddy

    Wiedereinmal offenbart ein Debattenbeitrag eine bedauerliche Unkenntnis des Kommunalrechts: Niemand wird gegen die Durchführung des Bürgerentscheids stimmen. Zunächst muss der Stadtrat die Zulässigkeit des Begehrens beschließen, dabei bleibt ihm im vorliegnden Fall offenbar keine andere Möglichkeit als ja zu sagen. Und das wird dann sicherlich auch die CDU-Fraktion tun. Anschließend kommt es zum Entscheid, wenn nicht (kurz gesagt) das Begehren aufgegriffen wird, was die CDU offenbar im Schilde führt. Wenn Sie, Herr Thielen, also dort oben schreiben, die CDU stimme dem Bürgerbegehren nicht zu, so ist das gelinde gesagt eine verkürzte Darstellung.

     
  4. Helge Rieder

    Mit der Pacht von BP kann man ja dann einiges verbessern. Zumindest z.B. ein paar Kleinigkeiten an Schulen in Ordnung bringen

     
  5. gertrud s.

    Wir brauchen jeden Cent – die Stadt ist Pleite ! Jegliche Steuereinnahme ist zu erhalten und zu fördern ! ob nun optisch schön oder nicht – da gibt es unendlich viel schlimmeres in dieser Stadt- all die Brachen und überall das Graffiti und Geschmiere an schönen Gebäuden. Thema : Radweg und Bäumchen pflanzen auf dem Ring .Hätte man nicht überall in der Innenstadt alle Bäume gefällt – aus welchen Gründen auch immer -hätte man die 3 Bäume dort auch nicht nötig . Und : wenn schon ´´Grünring ´´, dann auch bitte durchgängig alle Parkplätze im Ring der Südallee gleich mit entfernen und auch dort Bäumchen pflanzen .
    Thema : Nachtverkauf . Hätten wir endlich Spätis oder Büdchen , wie in anderen Bundesländern oder einen Bahnhof mit Läden wenigstens bis Mitternacht geöffnet ( DER -samt Vorplatz und Bahnanbindung – ist immer noch rottig ) hätten wir dort auch keine Spätkäufer . Als Einkaufsstadt verliert Trier sowieso immer weiter an Attraktivität – selbst Bitburg und Wittlich rüsten hoch – die Luxemburger bleiben sowieso immer mehr weg – neue Tempel schiessen dort aus dem Boden – alle Marken sind vertreten , Sonntags ständig offen ( hier 4 x im Jahr …und dann jammert man gegen den Onlinehandel …mittelalterlich )- von den Dauerbaustellen hier mal abgesehen . Hier scheint man nur auf ´´alt Bewährtes´´ zu setzen – also dann lassen wir besser alles wie es ist – Auf ein langes Leben Du Blaue Lagune !

     
    • Holger Schmitt

      Sie haben völlig recht, liebe Frau Gertrud S.

      Ich würde sogar noch weiter gehen: die einzige Möglichkeit der Pleitestadt Trier “Steuereinnahmen zu erhalten und zu fördern”, wäre auf dem Kornmarkt, dem Domfreihof, dem Stockplatz und dem Viehmarkt das Parken wieder zuzulassen. Trier braucht jeden Cent und die Trierer Geschäfte ihre Kunden. Bäume, Grünflächen und Verweilzonen für Fußgänger und erst recht Radwege braucht doch wirklich Niemand!

      Ich finde es auch gut, dass Tankstellen nicht an die Lohntarife des Einzelhandels gebunden sind und nur durch die geringen Löhne der Nachtverkauf für den Tankstellenpächter lukrativ betrieben werden kann. Es ist doch fantastisch, dass auf diese Weise ein fairer Wettbewerb unterbunden wird. Ansonsten würde am Ende im Bahnhofsbereich ein Späti eröffnen und dieser “alt-bewährten” und baulich schönen Tankstelle mitten in der “Denkmalzone Alleenring” Konkurrenz bereiten.

      Sie wissen genauso wie ich, dass schon jetzt das Ladenöffnungsgesetz einem Späti im Bahnhofsbereich nichts entegen steht.

      Ich bewundere Ihr konsequentes Denken: was schon immer häßlich war, soll noch lange häßlich bleiben. In diesem Sinne: “Auf ein langes Leben Du Blaue Lagune!”

       
  6. Stephan Jäger

    „Als Einkaufsstadt verliert Trier sowieso immer weiter an Attraktivität – selbst Bitburg und Wittlich rüsten hoch – die Luxemburger bleiben sowieso immer mehr weg – neue Tempel schiessen dort aus dem Boden – alle Marken sind vertreten.“

    Wenn die „Attraktivität“ einer Einkaufsstadt sich für Sie auschließlich in den „vertretenen Marken“ und der best(und billigst)möglichen Erreichbarkeit mit dem Auto manifestiert, dann sind Sie vermutlich tatsächlich mit Bitburg oder Wittlich besser bedient…also, wenn Sie sich unbedingt ins Auto setzen möchten.

    Wenn es mir nur darum geht, Artikel X zum Preis Y zu bekommen, regele ich das übers Internet. Der Preis wird in beinahe jedem Fall deutlich unter dem liegen, was Händler, gleich, ob in Trier, Bitburg oder Wittlich, leisten können. Und der Paketbote bringt den Kram direkt zu mir nachhause…zu Versandkosten, die wohl ebenfalls deutlich unter dem Aufwand (Benzin, Zeitverlust, Parkgebühren…) liegen, den der Einkauf mit sich brächte.

    Was für mich den Unterschied zwischen dem bloßen mich in den Besitz von Dingen bringen und EINKAUFEN, also „die Attraktivität einer Einkafsstadt“, ausmacht, ist ihr individueller Charme. Plätze, Grünflächen, Cafés, Straßen wie die Neustraße, in denen es Spaß macht, zu Fuß(!) zu bummeln und zu entdecken, kurz: Verweilqualität. Ich habe (im Gegensatz zu Ihnen) das Gefühl, dass speziell „die Luxemburger“ (die nicht gar so sehr auf jeden Cent schauen wie das hierzulande üblich ist) das an Trier sehr wohl zu schätzen wissen. Die gesichts- und geschichtslosen Blechwüsten Bitburg und Wittlich, die nicht viel mehr zu bieten haben als billiges Parken? Naja…

    Ach ja, und die „welchen Gründe auch immer“ für das Fällen zahlreicher Bäume in der Innenstadt in jüngerer Vergangenheit sind schnell erklärt: Vor einigen Jahren ist einer davon umgefallen und hat dabei eine Passantin getötet und einen weiteren Passanten schwer verletzt. Danach ist dann alles gefällt oder radikal zurückgeschnitten worden, was auch nur potenziell als gefährlich eingestuft wurde. Nicht schön, aber da geht dann eben die Sicherheit vor.

     
    • Sascha

      Ich stimme in allen Punkten zu, außer der Neustraße: Dort einkaufen zu gehen, ist ein Slalomlauf um (falsch und verbotenerweise) parkende Autos. Fahrradabstellanlagen sind nie nutzbar, weil immer von Autos verstellt. In der Neustraße war ich aus diesem Grund schon seit Jahren nicht mehr in irgendeinem Laden.

       
  7. Graf Zahl

    “Wenn es mir nur darum geht, Artikel X zum Preis Y zu bekommen, regele ich das übers Internet. Der Preis wird in beinahe jedem Fall deutlich unter dem liegen, was Händler, gleich, ob in Trier, Bitburg oder Wittlich, leisten können. Und der Paketbote bringt den Kram direkt zu mir nachhause…zu Versandkosten, die wohl ebenfalls deutlich unter dem Aufwand (Benzin, Zeitverlust, Parkgebühren…) liegen, den der Einkauf mit sich brächte.” Wieder mal zu kurz gesprungen, Herr Jäger, es lebe das Monopol und Monotonie! Arbeitsplätze in der Stadt, Gewerbeeinnahmen für die Stadt, was juckt mich das!? Und wenn Amazon oder wär auch immer das Monopol , alle anderen Geschäfte zugemacht haben, glauben Sie mir, dann werden sie die Preise anziehen. Und fragen Sie sich mal, warum es bei Amazon und Co. so billig ist! Nicht nur wegen der großen Menge! Anderen vorwerfen, dass Sie mit dem Auto fahren, aber selbst lokale Arbeitsplätze für Trierer Bürger vernichten, überspitzt formuliert.

     
    • Holger Schmitt

      Werter Graf Zahl,

      für die Arbeitsplätze ist zunächst der Arbeitgeber verantwortlich. Bei der “Tankstelle Ostallee” haben sich Aral und der Pächter jahrelang nicht um den Erhalt der dortigen Arbeitsplätze bemüht. Sonst hätten sie schon längst einen Alternativstandorten gefunden oder frühzeitig mit der Stadt bzgl. möglicher Verlängerung des Pachtvertrages Kontakt aufgenommen.

      Überspitzt formuliert: Aral kümmert sich einen Dreck um die Sorgen und Zukunft ihrer Angestellten. Vielleicht hat Aral (wieder) auf die Kraft der sozialen Netzwerke gesetzt. Betrieben von Menschen, die Lebensmittel nur für die nächsten 4 Stunden einkaufen und nicht wissen, dass man Bier und Tiefkühlpizzen auch auf Vorrat kaufen kann.

       
      • Graf Zahl

        Ich habe weder von der Tankstelle noch von Aral gesprochen, Herr Schmitt! Bitte lesen Sie es nochmal! Ja und alle anderen sind doof, verstehe! Denke gerade an Loriot als pensionierter Einkäufer, der hat auch palettenweise Senf eingekauft, weil dann ein Glas billiger war, mach ich seitdem auch so, ehrlich! Mein Keller ist voller Senfgläser.

         
    • Stephan Jäger

      Ach „Herr Zahl“, mir reicht es einfach, wackere Recken des Proletariats wie Sie um mich zu wissen, die ihren nächsten Flachbildfernseher gerne bei „Ich bin doch blöd“ am Bahnhof zum eineinhalbfachen Preis kaufen, um Trier und die Welt zu retten.

      Sie haben es nicht verstanden. Mein Einwand richtete sich eher gegen die „Marken“-Malls und Konsumtempel auf der grünen Wiese, das Bitburg/Wittlich-Modell, die nur mit Preis und Parkplätzen punkten können. Den Preiskampf werden die nicht gewinnen können. Und weniger monoton als Amazon sind die auch nicht.

      In Innenstädten wie der von Trier kommt es auf andere Sachen an, wenn man Leute dort hinbekommen will, die DANN auch kaufen. Das schreib ich aber jetzt nicht noch einmal.

       

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