Der Kommentar – Ein Armutszeugnis!

Egger redete sich am Mittwochmorgen geradezu in Rage. Foto: Rolf Lorig

Egger redete sich am Mittwochmorgen geradezu in Rage. Foto: Rolf Lorig

Nero Hero ist abgesagt. Dies zur Tatsache. Der Auftritt von Kulturdezernent Thomas Egger, Amtsleiter Roman Schleimer, Paula Kolz von der ttm und Theater-Intendant Karl Sibelius am Mittwoch vor der Presse aber war ein Armutszeugnis. Einzig Hermann Lewen, Intendant des Moselmusikfestivals, machte eine gute Figur. Schuld am Tod von Nero Hero sind in Eggers Augen, der darin von Sibelius, Schleimer und auch Kolz unterstützt wurde, die bösen Grünen, die widerliche CDU und natürlich der niederträchtige reporter, der es gewagt hatte, aus nichtöffentlichen Sitzungen zu zitieren und sich nicht wie andere Medien nach Wunsch des Dezernenten in Zurückhaltung bis zur Pressekonferenz geübt hatte. Billiger geht es kaum, und Egger täte gut daran, seine eigenen Vorstellungen zu überdenken, will er die kommenden knapp zwei Jahre als Dezernent politisch überleben. Oder um es mit Schillers Wallenstein zu sagen: Das war kein Heldenstück, Oktavio! Ein Kommentar von Eric Thielen

Selten hat man Thomas Egger so emotional erlebt. Der Dezernent wurde laut, seine Stimme überschlug sich fast. Wild gestikulierte er mit den Armen. Er und Sibelius griffen Journalisten direkt und frontal an, die CDU und die Grünen bekamen in ungewohnter Art ihr Fett ab. Und das alles wegen Nero Hero? Nein, sicher nicht. Unter Klaus Jensen war Egger die unumstrittene Nummer Zwei im Stadtvorstand. Ja, er stellte den ehemaligen Oberbürgermeister sogar hin und wieder in den Schatten. Unter Wolfram Leibe spielt Egger allenfalls noch die dritte Geige. Er musste das geliebte Wirtschaftsdezernat an den neuen Stadtchef abgeben – zähneknirschend. Für einen Mann wie Egger war das nur schwer zu verkraften, auch wenn er öffentlich stets gute Miene zum für ihn bösen Spiel machte.

Sicher wartete er auch darauf, dass die CDU ihn in seiner parteilosen Zeit zum Oberbürgermeister-Kandidaten kürte. Das passierte nicht. Diese Niederlage musste er noch in der Vor-Leibe-Ära verdauen. Was folgte, war der Eintritt in die SPD − nicht ohne Hintergedanken mit Blickrichtung nach Mainz. Seither und spätestens nach dem Amtsantritt Leibes ließ die Energie Eggers, die er unbestritten einst hatte, spürbar nach. Nun aber in alle Richtungen wild um sich zu schlagen, steht nicht nur ihm, sondern der gesamten Verwaltung schlecht zu Gesicht. Stattdessen sollte er sich selbstkritisch – und seine gesamte Entourage – tief hinterfragen.

Was hatte Egger sich vorgestellt? Dass die CDU dem lieben Thomas aus der Patsche hilft, dass die Christdemokraten sich quasi von ihm hinter verschlossenen Türen am Montagabend erpressen lassen? Frei nach dem Motto: Ihr folgt mir, sonst seid ihr die Sündenböcke, wofür ich sorgen werde! Dass die Grünen sich benutzen lassen? Ja, es mag sein, dass beide Fraktionen nun die Gelegenheit nutzten, dem Sozialdemokraten Egger in die Flanke zu fallen. Das aber hat er sich selbst zuzuschreiben. Der Gipfel jedoch ist, dass Egger anscheinend davon ausgeht, Journalisten ließen sich ruhigstellen, weil er das so erwartet. Das mag in Ungarn oder Polen inzwischen funktionieren − oder in Russland. In diesem Land existiert indes immer noch die Pressefreiheit. Oder wandelt Egger nun auf den Spuren von Pegida und Co.? Professionelle Journalisten sind keine Lohnschreiber, Herr Egger!

Der Kommentar.

Der Kommentar.

Dabei hatte er alle Möglichkeiten. Er hätte nach den beiden Krisensitzungen von Freitag kurzfristig zum Pressetermin einladen können. Er hätte den Termin auch noch für den Samstagmorgen ansetzen können. Ja, er hätte dann vielleicht auf einen halben Wochenendtag verzichten müssen. Aber das darf von einem Dezernenten bei einem derart brisanten Thema mit politischer Sprengkraft durchaus erwartet werden. Und er hätte vor allem nicht der CDU, und damit auch den Grünen, nach dem durchaus konstruktiven Krisengespräch von Freitag am Montagabend die Pistole auf die Brust setzen dürfen. So etwas rächt sich, weil keine Fraktion sich das gefallen lässt.

Stattdessen schieben alle, von Egger bis zu Sibelius, nun der bösen Journaille, der CDU und den Grünen die Schuld in die Schuhe. Kehren vor der eigenen Haustüre wäre allerdings angebrachter. Denn es bleibt dabei: Die Organisation war mangelhaft, das Konzept unausgegoren, die Vermarktung ungenügend, Fehler über Fehler, Nachlässigkeiten über Nachlässigkeiten. Egger hat einen gültigen Stadtratsbeschluss, und wäre er selbst vom Konzept völlig überzeugt, hätte er die Veranstaltung trotz der Kritik durchziehen können – ob nun am Ende 30.000 oder 50.000 Euro in der Kasse fehlen.

Nun zu behaupten, Nero Hero müsse abgesagt werden, weil dem Projekt die politische Unterstützung weggebrochen sei, ist fadenscheinig und zudem überaus durchsichtig. Andere sollen als Sündenbock für das eigene Versagen abgestempelt werden. Nero Hero wurde abgesagt, weil das Projekt nicht stimmig ist, weil es nicht passt, weil es untergegangen wäre. So viel Ehrlichkeit hätte Egger sich am Mittwoch gönnen sollen. Dann wäre er auch halbwegs unbeschädigt aus der Nummer herausgekommen.

Doch dafür hätte Egger die Fehler bei sich, vor allem aber bei seinem Intendanten und seinen Mitarbeitern vom Kulturamt und der ttm suchen müssen. Nicht der Überbringer der schlechten Botschaft oder die Kritiker sind die Bösen, sondern die Verursacher. Auch wenn Thomas Egger das gerne anders sehen möchte. Nero Hero abzusagen, war die richtige Entscheidung. Zumindest das ist dem Dezernenten jetzt gutzuschreiben. Wobei die Gründe andere sind, als sie von Egger am Mittwoch vorgebracht wurden. Aber das tut jetzt nichts mehr zur Sache. Punkt.


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Meinung 12 Kommentare

12 Kommentare zu Der Kommentar – Ein Armutszeugnis!

  1. Olli

    Die Diva Egger ist beleidigt! Böse Welt, das . . .

     
    • Markus Thelen

      Herr Egger hat seine Ämter nicht im Griff, das ist das ganze Problem. Theater, Ordnungsamt, Kulturamt, überall tanzt man ihm auf der Nase rum. Feuerwehr bekommt er auch nicht gebacken. Nur lieb und nett reicht halt nicht.

       
  2. Volker Zemmer

    Lt. Volksfreund wurde nicht mal ein Antrag für den Zuschuss vom Land gestellt. Da fällt mir nur ein Filmzitat ein: Was für Idioten arbeiten hier? Nur die allerbesten!

     
  3. Peter

    Es mag sein, dass der “reporter” hier etwas böse war.
    Es mag sein, dass Egger beleidigt sein darf…

    Aber:
    Wenn ich eine Veranstaltung mit 400 TEUR Budget plane und 3-4 Monate vorher 30 karten verkauft sind (170 hat ja alleine die stammkundschaft von Leven gebucht), noch keine Werbung läuft, noch nirgendwo irgendwas davon steht, noch keine Flyer ausgeteilt sind…. noch nichts…

    “plötzlich” ein Sponsor doch nicht mehr will…

    dann frage ich mich auch: Wer arbeitet dort?

    Wenn Bilder nicht so viel täuschen würden: das Bild von der Pressekonferenz und den dort sitzenden Stützen der Stadt und Hoffnungsträger der Marketingabteilung, würde Bände füllen.

    Bei dem Dorflauf/Volkslauf/Gemeindefest/Karnevalsclub sind Monate, wenn nicht Jahre zu vor die Flyer fertig, die Werbung läuft, man lädt persönlich Leute ein, hält die Sache im Gespräch. Sponsoren sind da und nicht nur lose Zusagen, sondern Verträge!

    Schmeisst alle raus und übergebt an Profis!

     
  4. Rainer Landele

    also, ein wenig dreist finde ich ja den kurs, den grünen und der cdu die verantwortung zuzuschieben schon. wäre herr egger nicht spd mitglied, dann sähe die erklärung von nöhl und spd bestimmt anders aus. UND vor allem muss man die frage stellen: wo war denn die unterstützung des OB für seinen dezernenten? öffentlich war nix wahr zu nehmen – das wird wohl ein größerer grund gewesen sein, die sache zu canceln, als die kritik von staatsratfraktionen. gerade wenn geschlossenheit eingefordert wird, ist die fehlende unterstützung durch den spd-OB wohl gravierender…

     
    • Amelie Ströhmann

      Das ist für mich den wichtigste Punkt: Herr Leibe schweigt und dies ist bezeichnend. Der OB hätte sich bestimmt längst vor Thomas Egger gestellt, hätte er NeroHero gewollt!

       
  5. HWL

    Man kann dem Trier-Reporter nur Tausendfach dankbar sein, daß er das Thema früh genug aufgegriffen hat. Wer auch nur Teile des so genannten künstlerischen “Konzepts” kennt kann nur die Hände über dem Kopf zusammen schlagen: Eine echte Katastrophe ! Jetzt ist das Gemecker über die Kritiker und angeblichen Kulturbanausen groß; aber die gleichen Leute hätte ich mal gerne gesehen, wenn das Ding gefloppt wäre. Dann wäre das Geschrei gross gewesen: Warum habt ihr das nicht früher gestoppt!!! Mit einem nackten Nero und Müllbeuteln über den Tänzern und nassgespritzten Zuschauern hätte es gefloppt. Wenn Herr Egger in sich reinhört, weiss er das selber. Gott sei dank!

     
  6. Joachim Baron

    So ist’s Herr Landele. Niemand bei der Stadt wollte den Quark, als man gesehen hat, was dort geboten werden soll, auch Thomas Egger eigentlich nicht.

     
  7. Rainer Landele

    wie jetzt? sind es nun doch künstlerische gründe, warum die sache starb? ein paar mehr erläuterungen wären gut. ich jedenfalls habe null ahnung, was da “geboten” werden sollte…

     
    • Joachim Baron

      Ich glaube, dass viele Faktoren eine Rolle gespielt haben. Wäre man zu 100% von der “Kunst” überzeugt gewesen, hätte man die Sache wie Herr Thielen richtig schreibt auch durchgezogen, egal wie die Politik sich dazu stellt oder ob nachher ein paar Euro fehlen. Die Sache war von Anfang an eine Totgeburt.

       
  8. Susanne Decker

    Wenn es um künstlerische Konzepte geht, heißt es immer gleich von den vermeintlich intellektuellen Künstlern, das sei Helene Fischer oder Musikantenstadtl-Niveau. Ich bin mir aber sicher, dass es eben zwischen Musikantenstadl und abgedrehtem Regietheater durchaus noch etwas geben muss!
    Ganz ohne Plastikpenisse oder mit Farbbeuteln bespritzten Zuschauern….
    Ist vielleicht nur etwas mühsamer, diese Ebene zu finden!

     
    • Stephan Jäger

      …wobei ja „Plastikpenisse oder mit Farbbeuteln bespritzte Zuschauer“, nur, weil sie Plastikpenisse oder mit Farbbeuteln bespritzte Zuschauer sind, nicht automatisch und zwingend über „Helene Fischer oder Musikantenstadtl-Niveau“ hinauskommen.

       

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