Der Kommentar – Eine Schnapsidee!

Trier, Majusebetter!

Trier, Majusebetter!

Der wegen der widrigen Witterungsverhältnisse abgesagte Trierer Rosenmontagszug wird nun am kommenden Samstag nachgeholt werden. Er wird als Abendumzug ausgelegt sein, startet um 19.11 Uhr in Trier-Süd und endet hinter der Porta. Die Entscheidung, die von der Stadtverwaltung auf Betreiben der ATK Trier getroffen wurde, konterkariert den Sinn der Fastnacht auf eine geradezu beispiellose Art. “Am Aschermittwoch ist alles vorbei” lässt keinen Spielraum für Firlefanz jenseits des Stichtages. Was sich in den letzten Jahren vor allem am öffentlichen Weiberdonnerstag bereits zeigte, ist nun auch für den Rosenmontag bewiesen: Die Fastnacht ist längst zu einem Event der Spaß-Generation verkommen. Dass die Polizei und das Bistum Trier gute Miene zum bösen Spiel machen, ist offensichtlich der starken Lobby um ATK-Präsident Andreas Peters geschuldet. Aber auch Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) ist diesmal in seinem Anspruch, unbürokratische Lösungen zu finden, deutlich über das Ziel hinausgeschossen. Er selbst hat nun Tür und Tor für die Beliebigkeit in Trier geöffnet. Ein Kommentar von Eric Thielen

Warum heißt der Rosenmontagszug Rosenmontagszug? Weil er am Rosenmontag steigt. Nun gönnt Trier sich also einen Rosensamstag. Aber klar, warum auch nicht? Wir alle sind ja mainstream, hip, hipster, cool sowieso, unkonventionell tough. Bekloppt ließe sich hier noch anfügen.

Der Tag der Luxemburger ist verregnet? Was soll es, leisten wir uns einen neuen acht Tage später. Darf es für fünf Cent mehr sein? Bitte: Die Fronleichnamsprozession wird vom Winde verweht? Kein Problem, Trier hat die Lösung: Sie wird im August nachgeholt, wenn Sonnenschein garantiert ist! Den Machern des Zurlaubener Moselfestes gefällt die Wettervorhersage nicht? Liebe Leute, sagt einfach ab, Ihr dürft dann eine Woche später feiern, sofern die Prognosen Euch zusagen. Konzertveranstalter und Open-Air-Manager aufgepasst: In Trier ist Euer Kalender jetzt dehnbar wie ein frischer Kaugummi. Macht Euch alle keine Sorgen – das Trierer Rathaus biegt das Problem schon irgendwie, irgendwo, irgendwann gerade!

Es soll ja Menschen geben, selbst in einer laizistischen Gesellschaft, denen die Fastenzeit noch etwas bedeutet. Eine Minderheit, zugegeben. Andererseits schreiben dieser Staat und diese Stadt Veranstaltern und Clubbesitzern vor, dass von Karfreitag bis zum Ostermontag nicht getanzt werden darf, nicht einmal in geschlossenen Räumen, und dass an stillen Feiertagen keine Musik auf öffentlichen Plätzen gespielt werden darf. Nun ziehen die Narren nach dem Aschermittwoch mit Helau und Halaudi durch die Trierer Innenstadt. Passt das zusammen? Nein. Es hat seinen guten Grund, dass am Aschermittwoch alles vorbei ist.

Die Polizei muss wieder hinaus

Aber lassen wir diese Minderheit der Besinnlichen einmal außen vor. Räumen wir ein, dass die Absage für alle Ehrenamtlichen, die sich über Monate hinweg Mühe gaben, bittere Kost war, wirklich nicht einfach zu verdauen. Bleiben wir bei der Lobby der ATK, deren Vorsitzender Andreas Peters schon am Dienstag lauthals verkündete, er wünsche sich den Samstag als Nachholtermin. Und was der ATK in Trier Wunsch ist, ist der Politik offensichtlich Befehl.

Das war schon beim Alkoholverbot am Weiberdonnerstag so, das ist jetzt wieder so. Bistum Trier und Polizei machen gute Miene zum bösen Spiel. Schon auf der Pressekonferenz zum Sicherheitskonzept rund um Fastnacht war Polizeipräsident Lothar Schömann anzumerken, dass ihm ein zeitlich begrenztes Alkoholverbot durchaus recht wäre. Doch auch Bistum und Polizei wollen in der öffentlichen Wahrnehmung nicht mit dem schwarzen Peter als Spielverderber dastehen.

Nun müssen Schömanns Männer und Frauen also wieder hinaus, noch dazu bei einem Abendumzug in Dunkelheit, bei dem kaum etwas kontrollierbar ist. Absurder, abstruser, ja, unverantwortlicher geht es nicht mehr. Zum Glück, so lässt sich nur konstatieren, ist Trier über die tollen Tagen verhältnismäßig ruhig geblieben. Das ist der unermüdlichen Arbeit und der hohen Präsenz aller Einsatzkräfte von Polizei über Feuerwehr bis hin zu den medizinischen Abteilungen zu verdanken – und eben nicht Veranstaltern wie der ATK, die nur egoistische Interessen verfolgen.

Vor wenigen Tagen postete ein Trierer Journalist auf seinem Facebook-Account, die Polizei “gehe auf dem Zahnfleisch”. Das Zitat stammt von Rainer Wendt, dem Chef der Polizeigewerkschaft, der seine Kritik auf einer Veranstaltung der Trierer CDU geäußert hatte. Nun nimmt die ATK zusammen mit dem willigen Erfüllungsgehilfen Rathaus die Polizei vier Tage nach dem Straßenkarneval erneut in die Pflicht. Auch wenn Wendts Äußerung in ihrer überspitzten Form als Wahlkampfhilfe für Julia Klöckner angesehen werden darf, so bleibt doch eines festzuhalten: Die Einsatzkräfte, die heuer in der allgemeinen Lage fraglos extrem beansprucht werden, sind nicht das private Sicherheitsunternehmen der Stadt oder jenes der Lobbyisten von der ATK.

Eine neue Zeitrechnung?

Dieser Rosensamstagszug durch Trier wird kein Fastnachts-, sondern ein Partyzug der Generation Hipster und Chillen. Und wer glaubt, dass um 22 Uhr Nachtruhe herrscht, sollte ob seiner Naivität mit Bauklötzen in der Kinderecke spielen. Denn auch hier gilt: Nicht die ATK oder die Stadt werden die gewünschte Nachtruhe durchsetzen müssen, sondern die Männer und Frauen aus Schömanns Präsidium. Ganz abgesehen davon, dass die Polizei nun ihr Sicherheitskonzept erneut überarbeiten und anpassen muss.

Bei Sportveranstaltungen und Großevents wird zu recht kritisiert, dass die Polizei auf Kosten der Steuerzahler mit einem Großaufgebot für Sicherheit und Ordnung sorgen muss. Bei den Narren wird das als selbstverständlich hingenommen und die Polizei kritiklos als verlängerter Arm der Karnevalszunft angesehen. Verkehrte Welt, auch in Trier.

Der Kommentar.

Der Kommentar.

Doch damit nicht genug: Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ordnungsamtes und der Straßenreinigung werden am Wochenende wieder unterwegs sein müssen. Denn wer macht den Dreck am Sonntagmorgen weg? Andreas Peters und seine Mannschaft? Sicher nicht. Die werden um diese Uhrzeit höchstens ihren Rosensonntagskater auskurieren. Auf der Straße werden frühmorgens die Männer und Frauen der Stadtverwaltung sein, anstatt mit ihren Familien beim Sonntagsfrühstück zu sitzen.

Das alles nur, damit Peters und die ATK ihren Willen bekommen, um so die Sponsoren zu beruhigen und zufriedenzustellen. Ein Rosenmontagszug, der als Freiluftveranstaltung immer von einer Absage bedroht ist, wurde gestrichen – so bitter das für alle ehrenamtlichen Trierer Fastnachter auch gewesen sein mag. Im kommenden Jahr steigt der nächste. Aber vielleicht erleben wir ja alle in Trier nun eine neue Zeitrechnung. Schwarz ist weiß, und weiß ist schwarz. Weihnachten steigt im Februar, weil an Heiligabend kein Schnee liegt, Ostern im Sommer, weil es im April zu kalt war. Nichts ist mehr unmöglich.

Denn die Verwaltung setzt sich mit dieser Entscheidung ohne Not und ohne Sinn der Beliebigkeit aus. So viel Standhaftigkeit hätte man erwarten dürfen: dem Druck der ATK trotzen und dem Ansinnen ein klares Nein entgegenstellen – im Sinne der Gleichbehandlung, aber auch im Interesse aller Einsatzkräfte von der Polizei bis zur Stadtverwaltung. So lässt sich nur konstatieren: Das, wertes Rathaus, war eine törichte Schnapsidee. Trier, Majusebetter!


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Meinung 17 Kommentare

17 Kommentare zu Der Kommentar – Eine Schnapsidee!

  1. Michael Frisch

    Lieber Herr Thielen,
    so sehr ich mich in den letzten Wochen über manchen Ihrer Kommentare geärgert habe, so sehr muss ich Ihnen diesmal zustimmen. Ins Schwarze getroffen!

     
  2. Melanie Schwabe

    Endlich mal einer, der dem Karnevalkartell Contra gibt. Die sind ja in Trier wie eine heilige Kuh, vor allem bei der unserer lieben Tageszeitung. Seilschaften ohne Ende und wer was dagegen sagt, ist der Böse.

     
  3. Fred Feuerstein

    Trierer Filz wie er leibt und lebt (oder singt und lacht?). Man kennt einen der einen kennt der wieder einen kennt. Als wenn einer von diesen roten Nasen dies aus Spaß an der Freude und Menschenliebe machen würde! In die ATK rein, da gibt es Aufträge für die eigenen Firmen und jede Menge Beziehungen, mit denen sich gute Geschäfte machen lassen. Und wehe, man spurt nicht so wie die Hohen Herren es wollen …

     
    • R.Roos

      Oh ja. Bei mancher Sitzung wird später an der Bar mehr Umsätze generiert als auf Messen. Und bei der Zahl der öfft.Aufträge die verteilt werden würde der Landesrechnungshof Amok laufen

       
  4. Julian

    Das Grundgesetz im Fasching: Je mehr Fastnachter, desto spaßbefreiter!

     
  5. Susanne Decker

    “In einer langen Krisensitzung einigen sich Karneval, Handel, Stadt und Polizei auf einen neuen Termin” ist zu heute zu lesen in “unserer” Tageszeitung. Allein schon die Art der Nennung der Beteiligten lässt tief blicken, wer bei dieser Krisensitzung das Heft in der Hand hatte. Aber der eigentliche Skandal: stundenlange Krisensitzung wegen eines abgesagten Rosenmontagszugs?! Geht’s noch??? Gibt es keine anderen, dringenderen Themen, mit denen sich das Rathaus einen ganzen Nachmittag zu befassen hat – marode Wohnungen in Trier-West, kaputte Turnhallen, die Liste ließe sich sicherlich noch erheblich erweitern. Sorry, aber da hat sich die Stadtführung doch ganz erheblich ins närrische Bockshorn jagen lassen. Ich weiß, Narren verstehen, wenn es um sie und ihre Interessen geht, keinen Spaß. Aber die Stadtverwaltung hätte sich trotzdem nicht zum Narren machen lassen müssen!!

     
  6. Dietmar Marx

    Überall werden die politischen Veranstaltungen zum Aschermittwoch gecancelt und die Flaggen auf Halbmast gesetzt aus Respekt vor den Opfern des Zugunglücks und Trier will mit einem nachgeholten “Rosenmontagszug” feiern. Ist nicht euer Ernst von ATK und Stadtverwaltung? Schämt euch!

     
  7. J. Kasel

    Was ich mich schon seit Jahren frage: Wir der Volksfreund eigentlich für seine Werbung für Fasching in Trier bezahlt? Man könnte es meinen.

     
    • Jupp

      Die kommen überall für lau rein und kriegen auch für lau zu essen und zu trinken. Es gibt ein paar Spezialisten in dem Haus die sind ganz närrisch dadrauf!!!

       
    • Ernst Neger

      Der TV ist großer Teil vom Filz in Trier. Man muss sich doch nur mal angucken, wo der überall mitmischt, von ‘Der TV präsentiert’, bis hin zum Premiummedienpartner. Da sollen dann unvoreingenommene Berichte rauskommen? In bestimmt keinem Unternehmen in Trier werden die Mitarbeiter/innen so schlecht behandelt wie beim Volksfreund, wo oft nicht mal der Mindestlohn bezahlt wird. Da traut sich nur keinen dran. Herr Thielen hat als EX-TVler auch keinen Mut mal in das Wespennest zu stechen.

       
      • Stephan Jäger

        Ja, schade!

        …zumal es doch – gegen halbwegs angemessene Entlohnung – am Arbeitsmarkt ohne Weiteres Leute gibt, die der deutschen Sprache in Wort und Schrift mächtig sind.

        So gilt halt:
        If you pay peanuts, you get monkeys.

         
      • Jürgen Seiwerth

        In 40 Jahren habe ich nicht erlebt, dass der TV etwas negatives über die Fasnacht geschrieben hätte. Wer bezahöt das alles, wo gehen die Spsonorengelder hin, wieviel Geld schießt der Steuerzahler da zu?
        Dafür durfte man vor kurzem einen riesigen Artikel darüber lesen, dass ein Promi (Günther Jauch?) einen Fastnachtsorden verliehen bekommen hat. Ich wiederhole: Einen Fasnachtsorden!!!!!
        Wenn irgendwo Tausend Euro gespendet werden für gute Zwecke ist dem TV das keine Zeile wert, aber wenn ein Promi einen Fastnachtsorden bekommt, rückt die ganze Redaktion aus. Und die Politik macht dieses lächerliche Spiel auch noch mit!

         
        • Jupp

          Macht da nicht einer vom TV auch immer den Grüssaugust auf den Kappensitzungen??

           
  8. Thomas N.

    Zitat aus dem Kommentar: ″’Am Aschermittwoch ist alles vorbei’ lässt keinen Spielraum für Firlefanz jenseits des Stichtages.”

    Der Bezug auf die Fastenzeit ist -strenggenommen- nicht richtig, der Rosensamstagsumzug (oder wie auch immer er heißt) findet _nicht_ in der Fastenzeit statt.
    Zur Erklärung: Die Fastenzeit umfasst 40 Tage von Aschermittwoch bis Ostern, dazu kommen sechs Sonntage in dieser Zeit. Diese sechs Sonntage sind keine Fastentage.
    Ein Sonntag fängt bei der römisch-katholischen Kirche am Samstagabend um 18 Uhr an. Das bedeutet: Was am Stamstagabend passiert, findet nicht während der Fastentage statt. Das Argument mit der Fastenzeit ist damit meines Erachtens hinfällig.

     
    • Benny

      Wieder was gelernt. Kannte das nur ähnlich aus dem jüdischen… die Katholiken, feiern dann allerdings nicht 24 Stunden sondern 30, geil 😀

       
  9. Jupp

    Am Samstag soll es schneien; das wäre das richtige Wetter für den Blödsinn .

     
  10. Bernd Weirich

    In meinen Augen eine völlig überstürzte und unsinnige Aktion der Stadt und aller Beteiligten, die wie blinder Aktionismus aussieht. Man hätte sich bis zum Frühling Zeit lassen sollen und dann vielleicht einen schönen “Maizug” organisieren sollen mit bunten Wagenund allem was dazugehört. Diesen Schnellschuss kann ich nicht verstehen. Herr Thielen hat Recht: Es ist eine Schnapsidee!

     

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