Der Kommentar – Es reicht!

Drei, deren Zeit definitiv abgelaufen sein muss: Kulturamtsleiter Roman Schleimer, Dezernent Thomas Egger und Intendant Karl Sibelius. Foto: Rolf Lorig

Drei, deren Zeit definitiv abgelaufen sein muss: Kulturamtsleiter Roman Schleimer, Dezernent Thomas Egger und Intendant Karl Sibelius. Foto: Rolf Lorig

Über was wird hier debattiert? Über die berühmten Peanuts? Über Kleinigkeiten? Über Nichtigkeiten? Sicher nicht. Die Vorgänge im Kulturdezernat des sozialdemokratischen Frischlings Thomas Egger, im Theater um Intendant Karl Sibelius, im Kulturamt unter Roman Schleimer bei NeroHero, die Vertuschungsversuche, die Geheimniskrämerei und die offensichtliche Verschwendungssucht von Steuergeld sind ein ausgewachsener Skandal. Kurskorrekturen, wie sie zuletzt Oberbürgermeister Wolfram Leibe in bester Absicht eingeschlagen hatte, reichen nicht mehr. Die Konsequenz kann nur lauten: Egger muss mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurücktreten, weil er die politische Verantwortung für diese Skandale trägt. Der Vertrag mit Sibelius muss zum Ende der Spielzeit aufgelöst werden. Schleimer muss sofort die Leitung des Kulturamtes entzogen werden. Im Amt selbst und bei der ttm müssen tiefgreifende Umstrukturierungen vollzogen werden. Das Finanzcontrolling des dann ehemaligen Egger-Dezernates muss ferner unverzüglich abgelöst werden. Und alle Sanierungspläne für das Theater müssen auf Eis gelegt werden, bis eine grundlegende Strukturdebatte geführt worden ist. Ein Kommentar von Eric Thielen

Das ist nicht die Zeit für Triumphe. Auch nicht für die politischen Gegner von Thomas Egger. Ganz im Gegenteil. Es ist die Zeit für Selbstkritik und schamrote Köpfe. Wie kann es sein, dass Ausschüsse und Stadtrat einen Generalintendanten mit nahezu unbegrenzten Vollmachten engagieren, ohne sich um die Vertragskonditionen zu kümmern? Wie kann es sein, dass der Kulturausschuss Vorauszahlungen für ein Projekt wie NeroHero genehmigt, die im freiwilligen Leistungsbereich jede Dimension sprengen – einschließlich des vierstelligen Honorars für den städtischen Amtsleiter Karl Sibelius? Für ein Projekt, von dem zu diesem Zeitpunkt nicht einmal bekannt war, wie es aussehen soll? Wie kann es sein, dass derselbe Ausschuss den kostspieligen Erste-Klasse-Flug eines hierzulande nahezu unbekannten spanischen Choreografen und dessen Unterbringung in einem noblen Sterne-Hotel kopfnickend absegnet, während die Mitarbeiter im Rathaus um jeden neuen Bleistift feilschen müssen?

Keiner darf glauben, er sei fein heraus

Diese Fragen müssen in der Konsequenz erlaubt sein: Welche Amateure wachen hier über die Verwendung von Steuergeld, das Trierer Unternehmen und Geschäfte als Gewerbesteuer an die Stadt abführen müssen und welches ferner über Landesmittel an die Verwaltung fließt? Welche Arroganz und Ignoranz und Gleichgültigkeit gegenüber der Arbeit der Bürgerinnen und Bürger steckt hinter dieser Art der Politik? Welche Schamlosigkeit treibt hier böse Blüten?

Ja, Thomas Egger muss gehen, weil er die politische Verantwortung für all diese Skandale trägt und weil er es nicht verstanden hat oder eben nicht verstehen wollte, sich selbst an die Spitze der Aufklärung zu setzen. Stattdessen wollte er vertuschen, verheimlichen und aussitzen. Ja, Karl Sibelius muss beurlaubt werden, weil er in seiner persönlichen Gier maßlos ist und weil er das Theater Trier durch einen Skandal nach dem anderen treibt. Ja, Roman Schleimer muss als Kulturamtsleiter sofort abgelöst werden, weil er die administrative Verantwortung für den Skandal um NeroHero trägt und das Amt unter seiner Führung offensichtlich Sodom und Gomorra gleicht. Und, ja, das Finanzcontrolling im Kulturdezernat muss unverzüglich ausgetauscht werden.


Zum Thema − Theater Trier und NeroHero: Im Sumpf der Affären


Aber deswegen müssen alle anderen nicht glauben, sie seien damit fein heraus. Die CDU um die Kulturfrauen Dorothee Bohr und Elisabeth Tressel trägt an den Skandalen ebenso Mitschuld wie die SPD mit ihrem kulturpolitische Vordenker Markus Nöhl und wie die Grünen um Fraktionschefin Petra Kewes. Sie alle sitzen seit Jahren im Kulturausschuss, der offenbar mehr eine fröhliche Teerunde denn ein ernstzunehmendes Kontrollorgan ist. Sie alle sind den Ausführungen der eloquenten Selbstdarsteller Egger und Sibelius erlegen. Und das macht sie mitschuldig. Den Fraktionen des Rates und hier vor allem den Chefs von Udo Köhler (CDU) über Sven Teuber (SPD) und Christiane Probst (FWG) bis hin zu Susanne Kohrs (Linke) ist vorzuwerfen, dass sie die Kultur als lästiges und auch ungeliebtes Beiwerk der harten politischen Themen einordneten. Dabei macht gerade sie den größten Batzen im freiwilligen Leistungsbereich des städtischen Haushaltes aus. Aber über Jahre hinweg herrschte die Devise vor: Das wird schon irgendwie gut gehen!

Aufklärung und Debatte müssen Chefsache sein

Der Kommentar

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So kann man sich irren und verrechnen. Den Schaden haben nun die Triererinnen und Trierer, haben möglicherweise Vereine, gemeinnützige Institutionen und Organisationen, Initiativen in der Kinder- und Jugendhilfe. Es ist dem Oberbürgermeister dieser Stadt zu verdanken, dass das Fass ohne Boden vorerst geschlossen ist und nicht noch mehr Geld darin versenkt wird. Über 130.000 Euro sind für NeroHero bereits buchstäblich verbrannt worden − aus dem Fenster geworfen! Andernorts sollen Bürgermeister bereits für weit geringere Verschwendungen abgewählt werden. Wolfram Leibe aber ist der pflegliche und verantwortungsvolle Umgang mit dem Geld der Steuerzahler eine tägliche, dauerhafte und auch persönliche Verantwortung. Das unterscheidet ihn herausragend von vielen anderen Beschäftigten innerhalb des bürokratischen Apparates.

Vor allem die SPD ist nun gut beraten, dem Kurs ihres Oberbürgermeisters ohne Abstriche zu folgen und ferner – auch aus eigenem Interesse – ihren Dezernenten Egger zum Rücktritt aufzufordern. Nur so kann der Neuanfang in der Kulturpolitik wirklich greifen. Parteipolitische Strategien dürfen dabei keine Rolle spielen. Egger hatte sich aus persönlichem Interesse unter den Schutz der SPD begeben. Den verdient er längst nicht mehr. Die CDU aber muss unter der Federführung des Juristen Thomas Albrecht, möglichst in enger Zusammenarbeit mit dem grünen Bündnispartner, den jetzt eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen und für die lückenlose Aufklärung der Affären und Skandale sorgen – dies selbstverständlich in Kooperation mit dem Oberbürgermeister. Dass die Vertragsauflösung mit Intendant Sibelius dabei zwingend ist, versteht sich zudem von selbst.

Für alles andere gilt aktuell die klare Ansage von FDP-Chef Tobias Schneider: Phantastereien über Aus-, Umbau oder Sanierung des Kulturhauses sind so lange auf Eis zu legen, bis eine grundlegende Strukturdebatte zur hiesigen Kulturpolitik und zur Ausrichtung des Theaters geführt worden ist. Denn sonst droht der Stadt eine gesellschaftliche Zerreißprobe, wenn im Juli die Kosten in Millionenhöhe − manche sprechen von bis zu 50 Millionen Euro für die hochtrabenden Pläne − für die Sanierung bekannt werden. Wobei die Meinungshoheit innerhalb der Debatte nicht mehr den kulturpolitischen Sprechern überlassen werden darf. Diese muss ab sofort Chefsache sein! Das gilt auch für die Aufklärung der aktuellen Skandale.

Es ist hohe Zeit dafür! Oder um im Theater-Genre zu bleiben: All das war und ist kein Heldenstück, werte Kommunalpolitiker!


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Dossier Theater, Featured, Meinung 14 Kommentare

14 Kommentare zu Der Kommentar – Es reicht!

  1. Spekulatius

    Das Theater ist seit Jahr und Tag eine heilige Kuh in Trier. Insofern mag das Wirken von Karl Sibelius im Nachhinein als segensreich betrachtet werden – als ein Ende mit Schrecken. Wobei ich Stoßrichtung und Programm gar nicht großartig kritisieren möchte: Insbesondere auf dem Musical-Sektor gab es durchaus interessante Ansätze. Und was orgiastisches Blankziehen betrifft – meine Güte, das sollte spätestens seit Pasolini nun wirklich keine Aufreger mehr sein.

    Die Fragestellungen sind indes tiefgreifender. Wer, außer den Beschäftigten und dem ein oder anderen Abonnenten, kommt explizit des Theaters wegen nach Trier? Wer wird Trier fliehen, so es denn kein Theater mehr gäbe? Ist das Theater als Standortfaktor wirklich unverzichtbar? Ist das Theater als Kulturstätte unverzichtbar, oder repräsentiert es vielmehr, gerade in Trier, den Ansatz einer “Kultur von oben”? Wäre es nicht sinnvoller, mit weniger Aufwand mehr Wirkung zu erzielen, wenn ein Bruchteil der für den Betrieb des Theaters erforderlichen Subventionen in die freie Kulturszene fließen würde?

    Wäre eine offene Begegnugsstätte mit einer frei bespielbaren Open-Air-Bühne in einer kleinen Parklandschaft nicht attraktiver als ein grobschlächtiger Klotz, der in Ausführung und Dimensionen die Schwerfälligkeit tradierter Strukturen schlagend versinnbildlicht?

     
    • Gerhard Müller

      Genau diese Fragen stellten sich die Bürger hier im Landkreis Rottal-Inn, nachdem Herr Sibelius die Intendanz übernahm, sich das Defizit erhöhte und weniger Menschen zu den Vorstellungen kamen. Kultur findet nämlich nicht nur auf Theaterbühnen statt. Kultur ist vielfältig und gehört genauso vielfältig gefördert, allerdings im Rahmen des möglichen. Warum und weshalb eine Stadt wie Trier sich genaus einfältig bei der Intendantenwahl verhält, wie niederbayrische Kreistagsmitglieder und einer Landrätin deren Qualifikation darin bestand ihren aus dem Amt gejagten Ehemann zu beerben, ist ein Rätsel, das uns die Politik öfter stellt.

       
  2. Schniddi

    Einer der besten Kommentare, welche ich seit Jahren gelesen habe. Endlich spricht mal einer klar aus, was die meisten denken (oder aus Angst nur zu denken wagen).

     
  3. Rainer Landele

    @schniddi

    1. woher wissen sie, was die meisten denken? das ohr so sehr am hirn des volkes?

    2. warum sollte man angst haben, sowas zu denken? oder gar zu sagen?

     
    • Anna Majewski

      Weil besonders im Westen die Angst um den eigenen Posten, den Arbeitsplatz, das geliebte Geld alles beherrschend ist. Bei kritischen Äußerungen gegenüber Vorgesetzten usw. fliegt derjenige zuerst, der nicht die Fr…..hält. Auch besteht die Angst, mit kritischen oder nicht mainstreamkonformen Meinungen in irgendeine Ecke gestellt zu werden. Die Belegschaft hat mit Sicherheit Maulkorb bzw Loyalitätszwang. Die Kritik kam ja schon längst von einer “bösen” nativen Gruppe. Kaum einer wagte sich da öffentlich zuzustimmen. Nur als Beispiel. Angst beherrscht den Menschen, wenn es um den eigenen Arbeitsplatz geht.

       
  4. Immer breit

    @RL: aus Angst, man könnte sonst gefoltert werden…oder noch schlimmeres..die Gedankenpolizei schläft nicht.

     
  5. Dominik Herreschel

    @Rainer Landele
    1. woher wissen Sie eigentlich immer, was die meisten denken?
    2. Sie haben doch immer Angst, sowas zu denken oder zu sagen.
    3. Lieber Rainer, vielleicht einfach mal die Klappe halten, wäre auch mal eine Maßnahme und würde den meisten hier, glaube ich, auch gefallen. Immer nur uralte Spd Thesen hier abfeiern ist halt heute zu wenig!

     
    • Rainer Landele

      nicht bei einem der drei punkte verstehe ich, was sie meinen und wie sie bei mir genau darauf kommen. *ratlos* außer: wenn es sie stört, dass und was ich hier schreibe, dann motiviert mich dies. danke!

       
  6. Freud

    Die meisten Trierer stehen zu ihrem Stadttheater – auch wenn der Intendant in der Schußlinie steht.

    Es ist bei den sozialen Medien wie hier bei den Kommentaren beim trier-reporter:

    Die lauten und pöbelnden Nörgler, Weltversteher, Altparteienhasser und Besserwisser geilen sich aneinander auf und glauben sich in der Mehrheit. Das ist jedoch ein Irrglaube!

     
    • Spekulatius

      Ja, wie wäre es dann, wenn die “meisten Trierer”, die zu ihrem Stadttheater stehen, die Chose in privater Trägerschaft übernehmen? Bei, sagen wir mal, 58.000 Personen (=”die meisten”) und einer jährlichen Subvention von ca. 15 Millionen Euro wären das pro Kopf pro Monat etwa 21,50 – ein wenig mehr, als das gebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche TV. Das ist für Kultur doch kein zu hoher Preis, oder nicht? Oder sind die “meisten Trierer” gar nicht so viele?

      Jetzt wedeln Sie bitte nicht mit irgendwelchen Unterschriften auf openPetition – schließlich ist das mit den sozialen Medien so eine Sache, gelle?

       
    • Anna Majewski

      Herr Freud, dass weiterer dringender Handlungsbedarf in Sachen Theater auch personell besteht, sehen Sie aber hoffentlich auch. Ein “Weiter so” darf es im Interesse der Allgemeinheit nicht geben und es müssen die Verursacher des bisher eingetreten wirtschaftlichen Schadens zur Verantwortung gezogen werden. Und…Schön, dass die Trier weiterhin zu ihrem Theater stehen. Das soll in keiner Weise herabgewürdigt werden. Kritische Stimmen als Nörgler, Pöbler usw. zu verunglimpfen, damit wäre ich vorsichtig. Die künstlerischen Leistungen und das Engagement der MitarbeiterInnen zieht wohl kaum einer in Zweifel. Nur der Kopf stinkt gewaltig.

       
  7. Besserwisser

    @ Freud: es wurden auch in diesem Forum schon konstruktive Vorschläge gemacht, wie man auch in Trier Kultur betreiben kann.
    Nur Nörgler, ohne solche Ansätze, sind hier genau so fehl am Platze, wie diejenigen, die sie sich in Ihrer Phantasie vorstellen.
    Es mag sein, dass die Mehrheit für etwas oder gegen etwas ist. Heraus finden wird man es hier sowieso nicht. Ich kenne einige, die sind für den Erhalt, einige sind dagegen. Eine Mehrheit kann ich daraus nicht ableiten.
    Ich wüßte auch keinen geeigneten Weg, wie man das heraus finden kann.
    Aber die Zahlen sprechen zumindest dafür, dass man den bisher beschrittenen Weg nicht weiter führen darf.

     
    • Anna Majewski

      Nörgeln muss erlaubt sein bei diesen Schadenssummen…..Ich sehe hier auch konstruktive Vorschläge und außerdem wurden für Lösungsansätze zur Entwicklung des Theaters und der Kultur in Trier schon zig 1000de für teure Profigutachten ausgegeben…auch entwickelte der Herr Egger Visionspapiere für die Kultur in Trier bis Mitte des nächsten Jahrzehnts….Alles nur Papierkram, wbezahlt und verschwunden in Schubladen?

       
  8. Besserwisser

    Wann wird. eigentlich das Amtsenthebungsverfahren eingeleitet? Drei Dillettanten, die nur Kosten verursachen.

     

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