Der Kussmund im Gästebuch der Stadt Trier

Vom OB hatte Verona Pooth als Gastgeschenk eine Petermännchen-Münze bekommen, die sie hier ATK-Präsident Andreas Peters zeigt. Foto: Presseamt der Stadt Trier

TRIER. Welche Themen interessieren die Leser ganz besonders? Eine Frage, die sich alle Redakteure Tag für Tag immer wieder aufs Neue stellen. Oberbürgermeister Wolfram Leibe könnte an dieser Stelle mit eigenen Erfahrungen weiterhelfen.

Spätestens seit Facebook kann jeder sein eigener Redakteur sein. Da macht auch der Trierer OB keine Ausnahme. Als Person von öffentlichem Interesse hat er mit seiner Seite “Wolfram Leibe – Oberbürgermeister der Stadt Trier” eine große Zahl an “Freunden”. Die er permanent mit einer großen Zahl an Posts über das öffentliche Leben eines Oberbürgermeisters informiert. Logisch, dass er nicht zuletzt deshalb immer mit einer hohen Zahl an Aufrufen rechnet. Doch der Besuch von Verona Pooth mit der Eintragung ins Gästebuch der Stadt Trier sprengte dann doch seine Erwartungen.

Hintergrund: Die Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK) wollte das Showsternchen für sein soziales Engagement in Bolivien mit dem Kaiser Augustus-Orden ehren und hatte es deshalb nach Trier eingeladen. Der damit verbundene Preis in Höhe von 5.555,55 Euro soll nach dem Willen von Verona Pooth in Bolivien für den Aufbau eines SOS-Kinderdorfes eingesetzt werden. In dem Zusammenhang gab es dann im Vorfeld der Ordensverleihung auf die Bitte der ATK hin auch einen Empfang der Stadt Trier in der Beletage des Rathauses, dem früheren Standesamt im Palais Walderdorf.

Das knapp dreiminütige Video, gedreht mit Unterstützung des Presseamtes, zeigt den medialen Rummel, der mit diesem Besuch verbunden war. Was das Video nicht zeigt: “Frau Pooth ist ein Medienprofi par excellence”, berichtete einer der Besucher dem reporter. “Sie kam in den Raum, parlierte mit dem Oberbürgermeister und ging dann wieder. Alle schauten sich ratlos an – was war geschehen?” Die Erklärung war denkbar einfach: “Das RTL-Kamerateam war davon ausgegangen, dass der Empfang im Rathaus stattfindet. Weshalb die Fernsehleute erst mit Verspätung zur Beletage kamen.” Und dort wurde dann kurzerhand alles wiederholt. Als die Kamera lief, stieg Verona Pooth lächelnd aus dem Wagen aus und ging die Treppen hoch in die Beletage, wo sie den Small Talk mit dem Oberbürgermeister ebenfalls wiederholte.

Nur als der OB seinen Gast auf den schmalen Balkon entführte, um ihr dort den traumhaften Blick auf den Dom und Liebfrauen zu zeigen, da blickte Verona Pooth kontrollierend über die Schulter zurück, ob ihr das Kamerateam denn auch hierher folgt.

Wohlwissend, dass eine Geschichte rasch langweilig wird, wenn zum Schluss nicht noch etwas folgt, hatte sie sich für den Eintrag ins Gästebuch noch etwas ausgedacht. Nach den üblichen Worten drückte sie noch einen Kussmund auf das Papier: “Das ist jetzt der Stempel dazu.”

Und das wollten viele sehen. Knapp 6000 Aufrufe weist der Zähler des Videobeitrags auf der Facebook-Seite aus. “Da kann man sehen, was die Menschen wirklich interessiert”, schmunzelte der Oberbürgermeister, zollte Verona Pooth aber seinen Respekt: “Sie ist eine Geschäftsfrau durch und durch, die genau weiß, wie Vermarktung funktioniert.” (rl)


Drucken
Erstellt am Autor Rolf Lorig in Die Reporter-Meldungen, Featured Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.