Dezernenten-Wahl – Thomas Schmitt Favorit der CDU?

Thomas Schmitt (CDU) will neuer Kulturdezernent in Trier werden. Foto: privat/Facebook

TRIER/SAARBRÜCKEN. Der saarländische CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Schmitt will neuer Kulturdezernent in Trier und damit Nachfolger des abgewählten Sozialdemokraten Thomas Egger werden. Schmitt bestätigte am Mittwoch die exklusiven reporter-Informationen. “Ja, es stimmt”, sagte der 43-jährige Jurist, “ich habe mich beworben und auch bereits Vorgespräche mit den Kollegen in Trier geführt.” Schon am kommenden Montag wird Schmitt seine Visitenkarte vor der CDU-Ratsfraktion abgeben – und damit vor der offiziellen Bewerberrunde am 4. März. Dass er der erklärte Favorit der Union ist, wollte er am Mittwoch im Gespräch mit dem reporter allerdings noch nicht bestätigen. “Meines Wissens nach gibt es noch keine Festlegung auf einen Kandidaten oder eine Kandidatin”, so Schmitt. Dennoch deuten alle Indizien auf den gebürtiger Saarländer hin. Im März bei der kommenden Landtagswahl im Saarland wird Schmitt nicht erneut als Kandidat für die CDU antreten.

Schmitt bringt exakt jenes Profil mit, das die hiesigen CDU-Granden um Parteichef Udo Köhler sich von ihrem Wunschkandidaten erhoffen: jung, verwaltungserfahren, kulturaffin – und mit CDU-Parteibuch ausgestattet. “Ich habe die Entwicklungen der vergangenen Monate in Trier sehr genau verfolgt”, sagt er. Auf dem Höhepunkt des Theater-Skandals war Schmitt abonnierter Leser des reporters. Als der Sozialdemokrat Egger schließlich im Dezember vergangenen Jahres abgewählt worden war, suchte Schmitt von sich aus den Kontakt zu den Trierer Parteifreunden.

Etwaige Querverbindungen hätten bei seiner Bewerbung keine Rolle gespielt. Die bestehen aber durchaus. Denn die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer war an der Universität Trier Studienkollegin von Ex-CDU-Fraktionschef Ulrich Dempfle und der aktuellen Vize-Fraktionschefin Birgit Falk. Schmitt seinerseits wird ferner eine große Nähe zu Kramp-Karrenbauer nachgesagt. “Aber das hat wirklich keine Rolle gespielt bei meiner Entscheidung”, betont der Jurist. In der CDU existiert eine inoffizielle Findungskommission der Fraktion, in der zudem auch die Ex-Granden Bernhard Kaster (Ex-Parteichef), Ulrich Dempfle (Ex-Fraktionschef), Helmut Schröer (Ex-OB) und Horst Langes (Ehrenvorsitzender) erheblichen Einfluss ausüben.

Über seine persönliche Motivation sagt Schmitt: “Für mich steht schon länger fest, dass ich wieder operativ etwas machen und Hauptverantwortung tragen will.” Sein Verzicht auf die erneute Kandidatur für den saarländischen Landtag sei unabhängig von der Entscheidung gefallen, sich in Trier zu bewerben. Wobei er mit seinen Ambitionen nicht hinter dem Berg hält: “Diese Aufgabe reizt mich sehr.” Doch bei allem Interesse will der Jurist sich einem “fairen Verfahren” stellen. “Ich weiß ja, dass es auch andere gute Bewerber gibt.”

Noch keine strategischen Überlegungen

Der 43-Jährige, hier auf dem CDU-Parteitag, ist seit 1992 Mitglied der Union. Foto: privat / Facebook

Schmitt ist seit 1992 Mitglied der CDU, studierte Jura an der Universität in Saarbrücken. Nach dem Studienabschluss wurde der Jurist Beamter im saarländischen Wirtschaftsministerium. 2004 zog er mit 31 Jahren erstmals für die CDU in den saarländischen Landtag ein. Dort arbeitet Schmitt unter anderem in den Ausschüssen für Bildung, Kultur und Medien sowie für Finanzen und Haushaltsfragen. Ferner engagiert er sich im saarländischen Landesverband der “Lesben und Schwulen in der Union” (LSU).

Dass in Trier gerade in der Kulturpolitik eine Mammutaufgabe auf ihn wartet, sollte er als Favorit der Union ins Rennen gehen, dessen ist Schmitt sich bewusst. “Das wird keine einfache Geschichte, aber ich traue mir das zu.” Positiv habe er registriert, dass Oberbürgermeister Wolfram Leibe bei der angeschlagenen ttm klare Pflöcke eingeschlagen und mit Norbert Käthler einen Profi als Geschäftsführer verpflichtet habe. “Ich will jetzt nicht ins Detail gehen, weil ich meine Ideen und Vorstellungen erst der CDU-Fraktion unterbreiten möchte”, sagt er am Mittwoch gegenüber dem reporter, “aber es gibt sicher viel zu tun in Trier.”

Strategisch auf das nächste Ziel hin denkt Schmitt nach eigener Aussage nicht. Die OB-Kandidatur in fünf Jahren ist für ihn (noch) kein Thema. Innerhalb der politischen Szene ist es jedoch ein offenes Geheimnis, dass die hiesige CDU einen Kandidaten mit Perspektive sucht, der 2022 für die Union ins Rennen um den Chefsessel im Rathaus geht. Dann wäre Schmitt, der im April seinen 44. Geburtstag feiert, 49 Jahre jung – und somit im besten Alter. “Aber das war in allen Gesprächen mit den Trierer Parteifreunden wirklich nie ein Thema”, versichert er.

Sollte die CDU sich für Schmitt entscheiden, geht der Jurist als Favorit in die Wahl am 8. März. Denn laut Bündnisvertrag der Union mit den Grünen steht den Christdemokraten das Vorgriffsrecht für die Egger-Nachfolge zu. Die Grünen können allerdings von ihrem Vetorecht Gebrauch machen, sollte ihnen der CDU-Kandidat nicht zusagen. Im Gegenzug für die Wahl des Unions-Favoriten garantiert die CDU den Grünen die Nachfolge von Bürgermeisterin Angelika Birk, die laut geheimer Zusatzklausel im Bündnisvertrag keine zweite Amtszeit erhält. Birks Nachfolger wird im Herbst gewählt werden.

Auch CDU-Chef Udo Köhler bestätigte am frühen Mittwochabend Schmitts Bewerbung gegenüber dem reporter. Eine Entscheidung für den Parteifreund aus dem Saarland sei aber noch nicht gefallen. “Das Verfahren ist nach wie vor offen”, so Köhler, “aber richtig ist, dass Thomas Schmitt sich am Montag bei der Fraktion vorstellen wird.” (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Dossier Theater, Featured, Politik 18 Kommentare

18 Kommentare zu Dezernenten-Wahl – Thomas Schmitt Favorit der CDU?

  1. Mücke

    “Abonnierter Leser des Reporters” – damit weist er ja eine noch bessere Qualifikation als Nix auf
    😉

     
  2. Joachim Baron

    Interessanter Kandidat und mit deutlich größerer Perspektive als die bisher bekannten. Fragt sich nur, ob er für Trier genug Stehvermögen mitbringt.

     
  3. Melanie Meyer

    Hm, ich habe zunächst auch gedacht, interessanter Kandidat. Dann habe ich mal im Internet nachgesehen. Im Aussschreibungstext war eine 5jährige Führungserfahrung gefordert. Er war Oberregierungsrat im Ministerium, das ist die 2 unterste Stufe, die man dort haben kann. Im Internet findet man auch keine besonderen Initiativen, die er angestoßen hat, außer so eine Sache wegen Grubensicherheit. Hier soll doch nur wieder ein CDU-Aparatschik gut versorgt werden.

     
    • Er fehlte

      Erst lesen, dann schreiben: “Er war Oberregierungsrat im Ministerium, das ist die 2 unterste Stufe, die man dort haben kann.” Fast, ja, aber zweit unterste im höheren Dienst!

       
      • Kein CDU Fan aber

        ….bisschen mehr als Grubensicherheit.

        seit 1992 Mitglied der CDU und der Jungen Union
        1994-1998 Kreisvorsitzender der Jungen Union, Kreisverband Saarlouis
        seit 2000 stv. Kreisvorsitzender der CDU, Kreisverband Saarlouis
        seit 2004 stv. Vorsitzender des Kreischorverbandes Saarlouis
        seit 2004 Mitglied des Landtages des Saarlandes

        seit 2004 Kulturpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion
        seit 2004 Vizepräsident des Saarländischen Chorverbandes
        seit 2006 Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbands Nalbach

        seit 2009 Mitglied im Gemeinderat Nalbach
        seit 2011 stv. Vorsitzender der Landesakademie für musisch-kulturelle Bildung e.V.

        seit 2012 Vorsitzender des Ausschusses für Bildung, Kultur und Medien
        seit 2012 Sprecher der CDU-Landtagsfraktion für Wissenschaft, Forschung und Technologie
        seit 2013 Vorsitzender des Landesfachausschusses Bildung der CDU Saar
        seit 2014 Mitglied im Beirat des CEUS an der Universität des Saarlandes
        seit 2014 Mitglied im Bundesfachausschuss Bildung der CDU Deutschlands
        seit 2015 ordentliches Mitglied des Rundfunkrathttp://www.cdu-fraktion-saar.de/content/pages/schmitt.htmes

         
  4. Seb Nathem

    Immerhin ist er homosexuell. Fuer die Weltbuerger_innen im Rat steht das automatisch fuer kulturaffin. Da kann nichts mehr schiefgehen – Glueckwunsch, Herr Schmitt!

     
  5. Stephan Jäger

    „Schmitt bringt exakt jenes Profil mit, das die hiesigen CDU-Granden um Parteichef Udo Köhler sich von ihrem Wunschkandidaten erhoffen: [bla blubb] – und mit CDU-Parteibuch ausgestattet.“

    Mein Gott! Wird es der Trierer CDU je möglich sein, zugunsten der in der Sache für die Stadt besten Entscheidung einmal über den Parteibuch-Schatten zu springen?

     
    • Deine Gott

      Lieber Stephan,

      höre auf deine Mitmenschen zu verurteilen nur, weil sie ein Parteibuch haben. Es gibt auch welche bei denen Kompetenz trotz Parteibuch vorhanden ist.
      Um konkret auf deine Frage zu antworten:
      Ja, es wird ihr möglich sein. Aber bitte vergesse nicht auch Loyalität und politische Erfahrung gehören zum Kompetenzspektrum eines jeden Bewerbers.

      Mit freundlichen Grüßen von Wolke 7,
      Dein Gott

       
      • Stephan Jäger

        „Aber bitte vergesse nicht auch Loyalität und politische Erfahrung…“

        Ach ja? Wenn die „üblichen verdächtigen“ Parteibuch-Krämerseelen in der Trierer Union spätestens aus der Personalie KT eines gelernt haben könnten, dann, dass selbst das „richtige“ Parteibuch eines gewiss NICHT ist: Ein Garant für die Gefügigkeit und „Linientreue“, die sie sich vermutlich davon erwarten.

        Es ist also – wie sich gezeigt hat – durchaus drin, dass man sich da jemanden ins Haus holt, der am Ende „undankbar“ genug ist, Entscheidungen einfach so zu treffen, wie sie ihm aufgrund seiner Fachkompetenz (deretwegen ihn ja vielleicht der Ein- oder Andere dann doch AUCH gewählt hat) gut und richtig erscheinen…

        …völlig unabhängig davon, wie die Trierer Unionsfraktion (und deren ungewähglte Hintermänner) dazu stehen.

         
        • Stephan Jäger

          Ach so, …und ich „verurteile“ keine Mitmenschen wegen ihres Parteibuchs. Nicht einmal solche, die so unhöflich sind, mich mit meinem Namen anzusprechen ohne den Ihren zu nennen. Ich wüsste nicht, wo in meinem (recht kurzen) Kommentar ich das getan hätte.

          Was ich allerdings tatsächlich nicht so toll finde, sind Menschen, die nicht in der Lage sind, über ihren Partei-Tellerrand hinaus zu schauen.

           
  6. Volker Zemmer

    Man sollte jetzt bitte nicht vorschnell urteilen und vor allem nicht vorverurteilen. Ein bisschen frischer Wind von außen tut der Stadt nach der ganzen Sch*** in den letzten Monaten sicher nicht schlecht. Die Vita von Herrn Schmitt liest sich interessant und er dürfte auch ein interessanter Mann sein. Das Parteibuch ist mir egal, Hauptsache er bringt Kompetenz mit.

     
  7. Sascha

    Über seine persönliche Motivation sagt Schmitt: “Für mich steht schon länger fest, dass ich wieder operativ etwas machen und Hauptverantwortung tragen will.”

    Und nochmal:
    Das ist kein Dezernat zum üben!
    Interessant vielleicht, aber mehr auch nicht.
    Sch…egal was für ein Parteibuch er hat.

    Ferner engagiert er sich im saarländischen Landesverband der “Lesben und Schwulen in der Union” (LSU).

    Das ist dann um die Grünen zu beruhigen?
    Jedenfalls sagt das nichts über seine Fähigkeiten in dem geforderten Profil aus.
    Weder positiv noch negativ bevor mir hier sonst was unterstellt wird.

     
    • LPL

      Ferner engagiert er sich im saarländischen <>

      Mir wird schlecht bei so einer Aussage. Es ist eine Frechheit so eine Aussage zu tätigen. Wir leben im Jahr 2017 und ich kann sie beruhigen, selbst bei den Grünen diskriminiert man nicht mehr nach sexueller Orientierung.

       
      • Sascha

        Mein Gott, muss man hinter jede Bemerkung die nicht gemeint ist einen Smiley setzen?
        Wennn es um Themen der trierer Lokalpolitik geht sollte man Ironie und Sarkasmus fließend sprechen.
        Mir ist völlig schnuppe ob jemand Männlein oder Weiblein oder beides liebt.

        Zur Kompetenz sagt es numal gar nichts aus.
        Da ist in beiden LAger Inkompetenz vorhanden, siehe dazu die letzten Dezernetnen und Intendanten.

         
  8. stefan

    Interessant ist doch die “inoffizielle” Findungskommission der Fraktion, in der die ganzen EXe (EX steht hier auch für Experte im Parteiklüngel)mitmischen. Was soll denn da gutes raus kommen.

     
  9. Lola

    Bitte auch die Tiefenprüfung ansetzen. Ein Kanditat ohne Parteibuch wäre ohnehin die beste Wahl. Verpflichtet nur der Allgemeinheit, dem Recht, der Kunst und seinem Gewissen. Konnte man vom Vorgänger nicht direkt sagen……

     
  10. Kevin

    Und welche Verwaltungs-Erfahrungen hat der vom trier-reporter (bzw. Herrn Eich) hochgelobte Herr Nix vorzuweisen? Wenn man sich mit dessen Biographie beschäftigt, scheint dieser ein optimaler Intendant für das Trierer Theater zu sein.
    Sicherlich gibt es unter den Bewerbern auch weitere kompetente Leute, die aus sicherer Anstellung heraus ihre Bewerbung nicht an die große Glocke hängen – und öffentliche Stimmungsmache vielleicht auch gar nicht nötig haben.
    Nach den bisherigen Erfahrungen benötigt die Stadt Trier als Kulturdezernenten (oder Kulturdezernentin) weder einen kreativen Charismatiker noch einen nur in Parteigremien bewährten guten Redenschwinger. Gefragt ist ein Mensch, der Ordnung in verkrustete Verwaltungsstrukturen bringen kann, Machbares erkennt und umsetzt, Respekt und Geschick gegenüber der Öffentlichkeit und dem Stadtrat zeigt.

     
  11. Dr. Norbert Fischer

    Sibelius reloaded…..

     

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