Dezernentenwahl – Schinker gegen Schmitt

Die Juristin und Kulturmanagerin Judith Schinker will Kulturdezernentin in Trier werden. Foto: privat

TRIER. Außer Spesen nichts gewesen: Wie vom reporter vorab berichtet, gehen CDU und Grüne mit einem gemeinsamen Kandidaten in die Dezernentenwahl am kommenden Mittwoch. Der Saarländer Thomas Schmitt soll nach dem Willen der schwarz-grünen Koalition neuer Kulturdezernent in Trier werden. Das bestätigten am späten Montagabend CDU-Parteichef Udo Köhler und der Fraktionsvize der Grünen, Reiner Marz. Die faustdicke Überraschung ist, dass SPD, Linke, FDP und die Piratin eine gemeinsame Gegenkandidatin aufbieten. Judith Schinker, Juristin, Kulturmanagerin und aktuell Rektorin der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden soll nach exklusiven reporter-Informationen den Christdemokraten Schmitt schlagen. Sie wird am Mittwoch gegen den Kandidaten von CDU und Grünen antreten. Schinker ist parteilos. Unklar ist derzeit noch die Rolle der Unabhängigen Bürgervertretung Trier (UBT), die sich nach reporter-Informationen am Montagabend nicht auf einen Kandidaten festlegen wollte.

Laut Köhler legte die CDU-Fraktion sich am Montagabend “in einer geheimen Probeabstimmung einstimmig” auf Schmitt fest. Dies geschah nach reporter-Informationen allerdings erst im letzten von insgesamt drei Wahlgängen. Auch bei den Grünen fiel das Votum laut Marz einstimmig aus. Damit folgt die Koalition aus CDU und Grünen den Vorgaben des Bündnisvertrages: Die Union erhält die Nachfolge von Thomas Egger (SPD), die Grünen im Herbst die von Angelika Birk (Grüne).

Mit der studierten Kulturmanagerin und Juristin Judith Schinker hat die SPD nun ein überraschendes Ass aus dem Ärmel gezaubert. Die 1969 in Kiel geborene Juristin ist derzeit Rektorin der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden. Zuvor arbeitete sie bei der Orchesterakademie der Berliner Philharmoniker (Assistentin der Geschäftsführung), den Brandenburgischen Sommerkonzerten (Projektmanagement), war für die Gesamtkoordination des trinationalen Jugendkulturfestivals Freiburg/Basel/Mulhouse, für das Veranstaltungsmanagement der “Freunde der Hamburger Kunsthalle” sowie für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Kultur-Forum Dresden verantwortlich. Es folgte die Koordination des Hochschul-Sinfonieorchesters und der Kammermusik an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden. Von Mai 2012 bis August 2015 war Judith Schinker Prorektorin für Lehre und Studium. Seit September 2015 ist sie Rektorin der Hochschule.

SPD-Fraktions- und Parteichef Sven Teuber sagte am späten Montagabend gegenüber dem reporter: “Judith Schinker ist unsere Kandidatin.” Unterstützt werden die Genossen von der FDP, den Linken und Piratin Darja Henseler, die Schinker ebenfalls als Kandidatin auf den Schild hoben. “Judith Schinker hat die ausgewiesene Kompetenz, das Kulturdezernat zukunftsorientiert zu führen”, so Teuber. Nach weiteren reporter-Informationen soll Schinker sich in der Vorstellungsrunde am Samstag hervorragend und äußerst sachkundig präsentiert haben.

Thomas Schmitt ist wie erwartet gemeinsamer Kandidat von CDU und Grünen. Foto: Facebook / Thomas Schmitt

Bis zum Sonntagnachmittag deutete sich ferner an, dass auch die UBT sich dem gemeinsamen Oppositions-Bündnis aus SPD, Linken, FDP und Piratin anschließen wird. Doch im Laufe des heutigen Montags setzte bei den Unabhängigen ein Umdenken ein. “Wir haben die Abstimmung freigegeben”, betonte Fraktionschefin Christiane Probst am späten Abend gegenüber dem reporter. “Jeder soll in der Wahlkabine ausschließlich nach seinem Gewissen entscheiden.” Im Laufe des Abends hatte CDU-Chef Köhler nach reporter-Informationen mehrmals versucht, Druck auf die UBT auszuüben, weil die schwarz-grüne Koalition wohl auch fremde Stimmen braucht. Und auch die SPD wollte die Unabhängigen auf ihre Seite ziehen. “Wir lassen uns aber nicht instrumentalisieren”, so Probst, “weder für das eine noch das andere Lager.”

Für den Christdemokraten Thomas Albrecht ist die Hoffnung darauf, neuer Kulturdezernent der Stadt zu werden, seit heute beendet. Der Trierer Oberstaatsanwalt war allerdings von Beginn an chancenlos, da die CDU-Spitze sich bereits frühzeitig auf Schmitt festgelegt hatte. Wie Albrecht am Mittwoch im Rat abstimmen wird, ist derzeit noch fraglich. Das gilt auch für Stadträtin Jutta Albrecht.

Die AfD kann sich nach gesicherten reporter-Informationen ebenfalls vorstellen, Schinker zu wählen. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es aber noch nicht. Eine Vorentscheidung ist heute aber keineswegs gefallen. Denn für den Mittwoch deutet sich ein echter Politkrimi an, wenn die parteilose Kulturmanagerin Schinker gegen Schmitt, den Favoriten von CDU und Grünen, antreten wird. Beiden Kandidaten werden 15 Minuten für ihre persönliche Präsentation vor dem Rat eingeräumt. (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Dossier Theater, Featured, Politik 23 Kommentare

23 Kommentare zu Dezernentenwahl – Schinker gegen Schmitt

  1. Rainer Landele

    tja, schöne aufzählung der stationen und (hoffentlich auch) qualifiaktionen von frau schinker. wenn daran doch nur nicht wieder offenbar werden würde, dass die aufgabenbereiche der dezernate endlich entzehrt gehören. oder anders: wo ist eierlegende wollmilchsau?

    albrecht als staatsanwalt für recht & ordnung – frau schinker für kultur & gedöns? das daraus strukturelle probleme für die stadt entstehen, will man ja nicht wahrhaben…

    als zweites: m.e. sollte man das verfahren zur dezernentenfindung ändern, vor allem transparenter gestalten. damit nicht bei jeder wahl immer wieder die sau durchs dorf getrieben werden kann, dass sei ja alles so abgekatert, hinterzimmer, undemokratisch, schwatzbude. werden wir in zwei jahren ja wieder erleben, diese aufführung…

    also, das amerikanische modell: wer ein öffentliches amt bekleiden will, muss sich auf offen bewerben. inklusive öffentlich lesbarer bewerbungen und öffentlicher bewerbungsgespräche. dann ist hoffentlich endlich schluss mit VT und einseitigen unterstützungserklärungen.

    denn: wie kann es sein, personen zu unterstützen, deren bewerbungen & perfomance bei den gesprächen man gar nicht kennt?

    was z.b. hat herrn nix mehr qualifiziert, als jetzt frau schinker? wir wissen es schlicht nicht, wer besser ist. aber herr nix hat kontakte zur presse genutzt. ist das ein zeichen von qualifikation zum amt?

     
  2. Joachim Baron

    Na also, geht doch. Applaus dafür. Wichtig finde ich die Vokabel “parteilos”. Scheinbar sind ein paar in Trier doch lernfähig, auch mit “Parteibuch”. Wenn die UBT Frau Schinker nicht mitwählt, dann ist denen nicht mehr zu helfen.

     
  3. Volker Zemmer

    Das kann ja wirklich spannend werden. Frau Schinker klingt mal so richtig nach grüner Utopie, weil Frau, parteilos und auch noch erfolgreich. Also müssten ihr doch mindestens 3 Stimmen von den Grünen sicher sein. Oder werden die nun ihren eigenen Prinzipien untreu, da es um den eigenen Posten geht, wenn Frau Birk geht?

     
    • Volker Zemmer

      Ach ja, vergessen: Wieviele Frauen sind nochmal in der Fraktion der CDU? Für die müsste das doch eine Selbstverständlichkeit sein auch Frau Schinker zu wählen.

       
  4. Janosch

    Bin begeistert, echt jetzt!!!

     
  5. Hans Maier

    Alle übrigen Fraktionen für Frau Schinker plus ein paar Abweichler, das wäre mal schön.
    Der Vorschlag etwas weiter oben, ein paar Frauen der Grünen, die anders abstimmen könnten, interessant. Hoffentlich wird es ganz spannend.
    Mich würde eine Niederlage der Verantwortungsgemeinschaft freuen.

     
  6. Sascha

    Wenn ich der Meinung wäre das Herr Schmitt über alle Maßen geeignet wäre für den Job, wäre ich froh wenn das Schwarz-Grüne-Bündnis sich durchsetzen würde.
    Da vom Lebenslauf her Frau Schinker m.M.n. aber besser für diesen Posten geeignet ist, wäre ich sehr froh über eine Niederlage von der Grünen CDU.
    Auch um, das gebe ich zu, ein paar Personen von ihrem hohen Ross zu heben.

    “Wir haben die Abstimmung freigegeben”, betonte Fraktionschefin Christiane Probst am späten Abend gegenüber dem reporter. “Jeder soll in der Wahlkabine ausschließlich nach seinem Gewissen entscheiden.”
    Und was passiert mit Fraktionsmitgliedern die immer nach ihrem Gewissen abstimmen?
    Auch wenn es von der Meinung der Fraktionsführung abweicht?
    So sollten Abstimmungen immer laufen!

     
  7. Herold

    Frau Schenker hat keine Erfahrungen mit dem Poilitikbetrieb und den kommunalen Verwaltungstrukturen. Sie würde zwischen den komplizierten Gemengenlagen Feuerwache, Theater, Ordnungsamt, öffentlichem Shitstorm usw. zermahlen. Ihre Nominierung ist eine Trotzhandlung der SPD.

     
  8. Stephan Jäger

    „Die faustdicke Überraschung ist, dass SPD, Linke, FDP und die Piratin eine gemeinsame Gegenkandidatin aufbieten.“

    Ja, dass man auch in Trier mal in der Lage ist, für einen Moment zu vergessen, dass es doch eigentlich nur darum geht, „den Anderen“ eins auszuwischen, oder man sich durch einen überzeugenden Auftritt gar von einer vorgefassten Position abbringen lässt, ist/wäre in der Tat „eine faustdicke Überraschung“! Aber der Herr Maier holt uns mit seinem „Mich würde eine Niederlage der Verantwortungsgemeinschaft freuen.“ ja gleich wieder auf den Boden der heimischen Tatsachen zurück.

    Immerhin ist die SPD dann, auch wenn es noch so „naheliegend“ war, doch nicht plötzlich mit dem, gegenüber fachlich tatsächlich qualifizierten Leuten, für den Posten – sorry – beim besten Willen ungeeigneten Unionskandidaten Albrecht um die Ecke gekommen und man ist nicht versucht, einen Entmündigungsantrag gegen den gesamten Rat zu stellen.

    Der UBMFWGT sei allerdings gesagt: Es geht hier nicht darum, sich „instrumentalisieren“-, sondern darum, sich an vor dem Auswahlverfahren getroffenen eigenen Aussagen messen zu lassen. Und die Frage, welcher der beiden Kandidaten, oder, besser gesagt, welche Kandidatin, zu diesen besser passt, ist nun mal recht einfach zu beantworten.

    Ansonsten bleibt eigentlich nur, Rainer Landele zuzustimmen: Schön wäre ein (auch für die Bürger) wesentlich offeneres Auswahlverfahren. Es würde endlich die großen Zampanos der Union, die Trier, quasi posthum, um ein Haar einen Oberbürgermeister beschert hätten, den sich in der momentanen Situation niemand, der klaren Verstandes ist, auch nur vorstellen mag, dahin verdammen, wo sie hin gehören: Auf’s Altenteil.

     
    • Hans Maier

      Wenn Sie sich durch meine eigene Meinung angesprochen fühlen, dann ist das so. Das aber zu verallgemeinern, muss auch nicht sein. Können Sie auch mal was schreiben, ohne ständig andere anzugreifen?
      Mich würde es freuen, das reicht doch. Dahinter steckt, dass ich die Führungsarbeit der CDU schwach finde und das Angebiedere der Grünen, die ich früher selber mal gewählt habe, schlecht finde. Nur weil der nächste Posten dann grün besetzt werden kann, falls die Gemeinschaft so lange überlebt.

       
      • Stephan Jäger

        Was ich sagen wollte, Herr Maier, ist, dass es mich „freut“ wenn wir einen guten Kultur- und Ordnungsdezernenten bekommen. Und nicht, wenn, wer auch immer, eine Niederlage erleidet.

        Dass ich, beispielhaft für eine leider ebenso typische wie wenig sympathische und allgemein nicht allzu hilfreiche Trierer Wesensart ausgerechnet ein Zitat von Ihnen gewählt habe, liegt daran, dass Sie sich eben in dafür beispielhafter Weise geäußert haben. Es geht nicht „gegen Sie persönlich“. Ich kenne Sie ja überhaupt nicht. Und Ihre Meinung sei Ihnen gegönnt. Es muss ja niemand außer Ihnen damit glücklich werden.

         
        • Hans Maier

          Dann habe ich das missverstanden bzw. falsch aufgefasst und behaupte das Gegenteil. Danke für die Erklärung.

           
  9. Leuckefeld

    Herr Schmitt hat bei seinem Vostellungespräch durch Fachwissen und strategisches Denken überzeugt. Er hatte zu vielen Trierer Problemen Detailwissen und entwickelte Lösungsansätze.
    Auch menschlich vermittelte er den Eindruck, das er für den Posten geeignet ist.
    Sollen wir ihn jetzt nicht wählen, weil er ein CDU-Parteibuch hat?

     
    • Marco Berweiler

      Hätten Sie ihn denn morgen auch gewählt, wenn er ein SPD-Parteibuch hätte und so etwas im Bündnisvertrag nicht vorgesehen ist?

       
  10. Bär

    Ja, jetzt können die Grünen Frauen mal zeigen, wie sehr sie für die Gleichberechtigung der Frauen wirklich eintreten, oder ob Sie ihre Machtgier mal wieder über ihre Prinzipien stellen!

     
    • Rainer Landele

      ach, sie sind ernsthaft für die quote? oder nur mal jetzt, so aus taktischen gründen?

       
      • Bär

        ja sonst hieß ich ja nicht Bär, ne!

         
      • Volker Zemmer

        Wenn man eine Quote vertritt, dann muss man sich auch dran halten, und nicht dann, wenn’s einem passt, Herr Landele.

         
        • Rainer Landele

          quote bei nur einem posten hat es noch nie gegeben. zur zeit haben die grünen immerhin die einzige frau im stadtvorstand. die aber auch nicht wegen der quote…

          aber man sieht mal wieder, der mensch saugt sich die argumente aus den fingern, die irgendwie(!) passen. wäre jetzt herr nix von der spd nominiert wurden, was dann? ich bin mir ziemlich sicher, das geschlecht hat keine rolle gespielt bei der auswahl…waren ja nicht nur hochbegabte dabei, heißt: die auswahl war ja schon arg dezimiert am ende. fünf von 37?

           
  11. Parteilos

    “Wichtig finde ich die Vokabel “parteilos”.” Ich weiß nicht, dieses AfD-Sprech und Denken. Jahrzehntelang wurde der deutsche Aufschwung und unser heutiger Wohlstand von Parteipolitikern politisch geleistet. Ich mein, ich geh auch nicht zum Metzger mit meinem Auto, und sag ihm, ach du hast von Autos keine Ahnung, da kannst Du mein Auto bestimmt besser flicken als der Automechaniker, der macht nämlich jetzt Würstchen in seiner Werkstatt!? Es ist verwunderlich, wie sich solch ein verqueres Denken durchsetzt, nein ich will keinen Fachmann, ich nehm mir lieber den Metzger für mein Auto!

     
  12. Schmiddi

    Man kann nur hoffen, dass Frau Schinker gewinnt, damit die Mischpoke aus Schwarzen und Grünen endlich fertig hat. Millionen hat uns diese “Unverantwortungsgemeinschaft” gekostet, wie beim Theater, zum Schaden der Stadt, z.B. auch Schule Egbert.

     
  13. Alexander Kellersch

    Es ist gut und wichtig, dass es zur Wahl des saarländischen Abgeordneten mit Frau Schinker nun eine überzeugende Alternative gibt.

    Auch wenn im grün-schwarzen Koalitionsvertrag das Parteiverhalten in Personalfragen schon geregelt wurde (und das Mehrheitsbündnis sich auf einen anderen Kandidaten geeignet hat), ist es ein Zeichen eines guten demokratischen Verständnisses, dass Frau Schinker dennoch antritt. Alternativen zu benennen gehört zu den Aufgaben einer Opposition, dem sind SPD, Linke, FDP und Piratin nachgekommen.

    Wichtig ist, dass mit der Entscheidung morgen die Unruhe um das Dezernat endet und die vielfältigen Herausforderungen angegangen werden können.

     

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