Die Akte Marx: War Karl Marx ein Plagiator?

Stephan Brakensiek hat sich auf seine ganz eigene Art und Weise mit Karl Marx auseinandergesetzt. Das Ergebnis ist ein ebenso lesenswerter wie unterhaltsamer Krimi. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Denkt man an das Buch “Das Kapital”, erscheint sofort ein Name vor dem geistigen Auge: Karl Marx. Er hat zweifellos dem Werk seinen Stempel aufgedrückt, aber Friedrich Engels, der nach dem Tod von Marx dessen Werk fortführte und basierend auf den Notizen und Manuskripten des Trierers “Das Kapital” mit zwei Folgebänden komplettierte, hatte somit ebenfalls einen sehr großen Anteil an diesem literarischen Meilenstein. Doch was wäre, wenn es einen dritten Autor gegeben hätte? Dem sogar die eigentliche Urheberschaft zuzuschreiben wäre? Ein interessanter Gedanke, den der an der Universität Trier arbeitende Kustos der graphischen Sammlung, Stephan Brakensiek, zu einem ebenso spannenden wie lesenswerten Kriminalroman mit regionaler Färbung verarbeitet hat.

Von Rolf Lorig

Es war das perfekte Timing: Genau passend zum aktuellen Zeitgeschehen ist “Die Akte Marx” im Kölner Emons Verlag erschienen. Es ist das erste Buch, das der im nahen Hochwald lebende Akademiker alleine veröffentlicht hat. Und um direkt den möglicherweise jetzt auftauchenden Befürchtungen die Grundlage zu nehmen: Es ist kein wissenschaftliches Buch, es basiert auf reiner Fiktion. Und auch der Schreibstil ist für jedermann geeignet – obwohl der Autor seine wissenschaftliche Herkunft nicht verleugnen will, bedient er sich doch einer frischen und unprätentiösen Sprache, die zum Lesen einlädt und die Leser auch bis zum Ende an das Buch bindet.

Was das Buch besonders auszeichnet, ist sein in Trier spielender Handlungsstrang. Wer in dieser Stadt lebt und sich auskennt, wird die Ermittlungen von Kommissar Ferschweiler und seine Assistenten de Boer noch intensiver miterleben. Gerade, weil viele Örtlichkeiten auch als Handlungsträger fungieren. Die detailgenaue Erzählweise löst sofort das Kino im Kopf aus. Beispielsweise wenn die beiden Kriminalisten im Zuge ihrer Recherchen das Rheinische Landesmuseum oder das Karl-Marx-Museum besuchen. Oder aber wenn der Fachmann für Karl-Marx-Dokumente, Luis Lütgenau, beschrieben wird, dann sieht das geistige Auge eine ganz bestimmte Trierer Person, die von den Medien besonders gerne als Double des großen Philosophen genommen wird.

Quasi so ganz nebenbei wird dem Leser aber auch noch echtes Wissen vermittelt. Man erfährt einiges über die Arbeitsweise von den Mitarbeitern in den Museen, erhält Einblicke über den Verbleib des geistigen Nachlasses von Marx und Engels, auch das dunkle Kapitel “NS-Beutekunst” bleibt nicht ausgespart.

Gut ein halbes Jahr hat Stephan Brakensiek für sein Buch recherchiert, ein weiteres halbes Jahr dauerte das eigentliche Schreiben. Zum Krimischreiben kam er über einen Wettbewerb, an dem er sich zusammen mit einer Kollegin – es war Sabine Schneider – aus einer Bierlaune heraus beteiligte. Das Manuskript der beiden Autoren landete auf Anhieb auf dem zweiten Platz. Also machte sich das Duo ans Werk und dann erschien im Emons Verlag erst “Schöne Tote im alten Schlachthof” und anschließend “Im Schatten der Wallfahrt”.

Und was ist jetzt für die Zukunft geplant? Stephan Brakensiek lacht. “Meine Frau sagt immer, Dir gehen die Ideen nicht aus”, sagt er. Angesichts seiner Liebe zum gedruckten Wort, Bücher gehören für den promovierten Kunsthistoriker zum täglichen Geschäft, gibt es daran keinen Zweifel. Man wird sich mit Sicherheit auf weitere Krimi-Fälle in der Region Trier aus seiner Feder freuen können.

Die Akte Marx, Emons Verlag, 256 Seiten, 11,30 Euro. In allen Trierer Buchhandlungen.


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