Die Bäume, die Stadt und das Hotel

Diese Bäume bereiten den beiden Hoteliers Wolfgang (links) und Helmut Pantenburg Kummer. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Die Gäste vom Hotel Petrisberg sind sich in ihrer Beurteilung einig: “Eine traumhafte Lage” oder gar “Das beste Hotel in Trier”. Dier deutsche Ableger des Portals “tripadvisor” spart ebenfalls nicht mit Lob, wenn es um die Beschreibung der Qualität des Hotels geht, das seit der zweiten Hälfte der 60er Jahre zu den beliebtesten Häusern dieser Stadt zählt. Das große Pfund des Hotels ist der unvergleichliche Blick über die Römerstadt, der seinesgleichen sucht. Doch vom unteren Hang her droht Ungemach: hoch aufragende Bäume könnten auf Dauer diesen Blick beeinträchtigen.

Ein Beitrag von Rolf Lorig

Seit etwa 1967 betreiben die beiden Brüder Helmut und Wolfgang Pantenburg das Haus als Hotel garni. “Unsere Stammgäste schätzen den traumhaften Blick, der die Geschichte der ältesten Stadt Deutschlands erleb- und nachvollziehbar macht”, weiß Hotelchef Helmut Pantenburg. Keine Frage, wer von einer Sitzecke auf den zahlreichen Balkonen der Zimmer den Blick über die Stadt schweifen lässt, genießt ein atemberaubendes Panorama, das von Zewen bis nach Paulin reicht.

Schwieriger wird es da schon, wenn man sich über die Zufahrt zum Hotel bewegt. Unterhalb des Hauses befindet sich ein Hang, der bis an die Kurfürstenstraße reicht. Auf dieser Grünfläche stehen teilweise alte Bäume, darunter viel Nadelgehölz, die hoch in den Himmel ragen. Und mit ihren Spitzen nun in die Aussicht gewachsen sind. “Dieser Bewuchs reicht bis in die 50er Jahre zurück”, erinnert sich Helmut Pantenburg.

Die alte Aufnahme zeigt, dass das Anwesen einst ein Ausflugslokal mit angeschlossenem Saalbau war, in dem die Trierer nicht nur an Karneval rauschende Feste feierten. Foto: privat

Das Versprechen des Gartenbaudirektors

Damals habe der städtische Gartenbaudirektor Gottfried Rettig die Bepflanzung angeordnet. “Natürlich haben wir mit ihm darüber gesprochen, dass diese Bäume nicht die Aussicht beeinträchtigen dürfen. Für Herrn Rettig war das auch kein Thema. Wenn die zu hoch wachsen würden, dann würde sich das städtische Amt auch darum kümmern, sagte er zu uns.” Wolfgang Pantenburg nickt bestätigend. “Dummerweise scheint es aber heute niemanden mehr bei der Stadt zu geben, der das einst gegebene Versprechen auch halten möchte”, sagt er.

Der Ärger der beiden Brüder ist groß. Im vergangenen Jahr sei ein städtischer Bediensteter vor Ort gewesen, habe sich aufgrund einer Beschwerde der beiden Hotelbetreiber ein Bild machen wollen. “Als Erstes hat er uns gesagt, dass er nur noch 14 Tage für das Amt arbeiten werde, dann stünde ein Arbeitsplatzwechsel an. Dann hat er einen Blick auf den Bewuchs geworfen und erklärt, dass er uns da nicht allzu viel Hoffnung machen könne.”

Dass der Unmut der beiden Hotelbetreiber nachvollziehbar ist, zeigt der Blick über das Gelände. In ihrer Not haben sich Wolfgang und Helmut Pantenburg nun an den “reporter” gewandt. Mit einer Anfrage an das Grünflächenamt der Stadt Trier wollten wir wissen, ob es ein Biotopmanagement für dieses Gebiet gibt und wie den beiden Hoteliers geholfen werden kann.

Bei der Stadt zeigt man sich ob der Anfrage überrascht. Ja, die Situation sei an verantwortlicher Stelle bekannt und in den letzten Jahren auch bereits mehrfach thematisiert worden, antwortet Pressesprecher Ernst Mettlach. Wir wollen wissen: “Handelt es sich hier um einen schützenswerten Baumbestand?”

Die Antwort erfordert offenbar eine etwas längere Erklärung: “Bei der Anlage handelt es sich um eine angelegte Grünanlage, im Bebauungsplan als solche gesichert, und mit der Intention zur Schaffung von grüner Infrastruktur angelegt. Einen speziellen Schutzstatus außerhalb des kartierten Biotopes hat die Grünanlage nicht. Trotzdem hat jedes Grün in der Stadt einen Wert an Sich, dieser resultiert aus den vielfältigen Wohlfahrtswirkungen von Baumbeständen und Grünanlagen in der Stadt.”

Wenn kein spezieller Schutzstatus besteht, wie kann die Stadt dann den beiden Hoteliers helfen?

Das Hotel Petrisberg, vom Weisshaus her betrachtet.

“Wir werden dort keine neuen Bäume pflanzen”

Mettlach lenkt ein: “Wir halten es für sinnvoll und richtig, den Baumbestand rund um den Serpentinenweg am Petrisberg aufzulockern. Wir werden daher keine neuen Bäume dort pflanzen und versuchen, einzelne schwächere Bäume und unterständiges Gehölz dort zu entfernen. Dies sind langfristig angelegte Maßnahmen. Aus naturschutzrechtlicher und baumfachlicher Sicht ist es nicht möglich, die ganze Fläche zu roden. Bereits eine zu starke Entnahme von Bäumen kann zu einer Destabilisierung des ganzen Bestands führen und ist deshalb schon aus Verkehrssicherheitsgründen nicht möglich”, lautet die Antwort.

Wir fragen nach: “Könnte man besonders hoch gewachsene Bäume nicht einfach ‘gipfeln’?”

Der Pressesprecher verneint: “Die Bäume zu ‘gipfeln’, also die Kronen zu kappen, ist nicht möglich, dies würde den Baumbestand zerstören. Wir richten uns bei der Pflege unserer Bäume nach dem aktuellen Stand der Technik sowie den gängigen, anerkannten Regeln der Branche. Demnach führt eine Kappung der Bäume mittelfristig zum Absterben der Bäume und begünstigt das Eindringen von Krankheitserregern, die schon kurzfristig die Stand- und Bruchsicherheit des Baumes gefährden.”

Worauf Mettlach ebenfalls hinweist: Das Amt für Bodenmanagement ist nur für einen Teil des Grund und Bodens verantwortlich. Teile dieser Fläche sind verpachtet, zudem ist im Bereich des Serpentinenwegs ein Biotop nach den Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes eingezeichnet.

Antworten, die Helmut Pantenburg nicht zufriedenstellen können. Als Hotelier hätte er sich mehr Verständnis und Unterstützung für die Situation des Hotels erhofft: “Irgendwie scheint man sich nicht so richtig bewegen zu wollen. Dabei sollte der wirtschaftliche Aspekt, also die Bereitstellung von attraktivem Wohnraum für die Besucher dieser Stadt, doch auch in die Überlegungen mit einfließen.”


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft 6 Kommentare

6 Kommentare zu Die Bäume, die Stadt und das Hotel

  1. Björn Faust

    Es ist schon beindruckend, durch welche Maßnahmen und Begründungen die Stadt Trier es schafft, seine Gäste und Besucher zu verkraulen. Erst war es die Bettensteuer und jetzt sind es sogar einige Bäume, die einem Hotelier die Existenz zerstören könnte und somit der Stadt ihre Einnahmen.
    Ich nenne sowas ” systematische Selbstzerstörung “

     
  2. EinBürger

    Der Artikel zeigt auf, wie wenig flexibel und hilfsbereit sich die Stadt Trier ihren Bürgern gegenüber zeigt. Alle Bürger und Besucher der Stadt können nachvollziehen, wenn Sie den Blick vom Aussichtspunkt Sickingerstr genießen, dass die Hoteliers ein ernsthaftes Interesse am ungetrübten Ausblick haben. Die Wettbewerbsfähigkeit und der wirtschaftliche Erfolg des Hotelbetriebs sind zweifelsohne auch im Gesamtinteresse der Bürger. Dennoch wundert man sich, dass die Initiative der Hoteliers ins Leere läuft. Eine Lösung scheint nicht in Sicht. Falls die Maßnahmen aus Sicht der Stadtverwaltung einfach zu teuer wären, könnte man den Hoteliers ja immer noch eine Beteiligung an den Kosten vorschlagen. Der Einsatz des Reporters in allen Ehren wird eher wenig erreichen, da in unserer Gesellschaft wie bei jeder kleinsten Terminvergabe Einschleimen angesagt ist. Zweifelsohne ist es woanders noch viel schlimmer. Das hilft dem vernünftigen Bürger, der nicht nur rein egoistisch handelt, leider nicht weiter.
    Gleiches wiederholt sich hundertfach im Jahr in Trier, wenn Bürger die Initiative ergreifen, um zum Beispiel Störungen des Allgemeinwohls durch Müll, Lärm oder Falschparker zu beseitigen. Wer vor dem Hintergrund der Verschmutzungen durch Grillen am Petrisberg und im Palastgarten von der Verwaltung aufgeklärt wird, dass dies im Sinne des Allgemeinwohls geschieht, dem verschlägt es die Sprache. Warum sollte das Handeln von Menschen, die nicht willens oder zu blöd sind einen Mülleimer zu benutzen in der Stadt toleriert werden? Alt-Bürger und Neu-Bürger die ihre Stadt lieb haben, würden in der Stadtverwaltung gerne Trierer sehen, die etwas für die Bürger und die Stadt verbessern möchten. Handelnde Personen die ihre Interessen eher in der Stadt Schweich oder auf den angrenzenden Dörfern haben können mit Baumwipfeln und Dreck auf der Straße und in der Umwelt sicher einfacher leben.

     
  3. Peter Binsfeld

    @ EinBürger:
    “Das hilft dem vernünftigen Bürger, der nicht nur rein egoistisch handelt, leider nicht weiter.”
    Ja, natürlich, die Hotelbetreiber haben ja nur, ganz uneigennützig, das Wohl der Stadt Trier, ihren Ruhm, ihren Glanz und ihre Herrlichkeit im Sinn. Keine Rede davon, dass es ihnen um ihr Geschäft geht!

    Wohlgemerkt: Dass sie mit dem Hotel Geld verdienen möchten ist völlig legitim, bringt Steuergeld etc.

    Aber bestimmt findet sich auch ein Gastwirt, der den Palastgarten in einen Biergarten umwandeln will, und auf dem Domfreihof könnte man noch ein schönes Hotelhochhaus bauen! Und warum regen Sie sich über Falschparker auf, die wollen doch einkaufen, das freut die Geschäftsleute!

    Will heißen: Man kann halt nicht mal schnell den ganzen Hang roden, nur weil jemand ein (durchaus berechtigtes) Geschäftsinteresse hat. Aber natürlich, ich weiß schon : Jeder Unternehmer in Trier ist pleite, weil da irgendwo Bäume stehen, herrjeh!

     
  4. Dumpes

    Ich versteh das Problem nicht, man sieht die Mariensäule doch einwandfrei!?

     
  5. EinBürger

    @Peter Binsfeld, ich stimme Ihnen voll zu, der wirtschaftliche Erfolg des Hotelbetriebs liegt wohl im Interesse der Hoteliers, das hab ich ja auch eingangs beschrieben. Aber wer weiß, wie reich die Herren schon in Wirklichkeit sind. Vielleicht geht es denen auch in erster Linie nur darum das Hotel und die Schönheit langfristig zu erhalten. Ich habe das Anwesen persönlich noch nicht besucht und kenne die Hoteliers nicht. Alleine im Vorbeigehen habe ich jedoch das wundervoll gestaltete Tor bestaunen können, das eindrucksvoll verdeutlicht, dass es den Hoteliers nicht allein darum geht jeden Pfennig auf die hohe Kante zu legen. Zudem kann man regelmäßig sehen, dass Scharen an Gärtnern das Gelände und die Böschung sauber und in Ordnung halten. Hier wird viel Aufwand betrieben und es geht schon um Arbeitsplätze. Das kann man etwa mit dem Wein Style Hotel im Avelertal nicht vergleichen. Und wenn ich mir die beiden rüstigen Herren auf dem Foto anschaue und mitbekomme, dass sie sich an den Reporter wenden müssen, um in Trier Gehör zu finden, kann ich zum einen Herzblut erkennen und zum anderen kann ich auch als kleiner Mann das Anliegen der Hoteliers gut verstehen. Mit dem Blick für das Schöne und für die Umwelt gibt es sicher heimische Laubbäume, die im Hang und mit Biotop für frische Luft für die Stadt sorgen könnten anstatt der ursprünglich in kälteren Gefilden wachsenden Nadelhölzer. Und wie gesagt, wenn der Stadt das Geld fehlt, sollte man diskutieren, ob sich die Hoteliers an den Kosten beteiligen, um eine zeitnahe Lösung zu finden.

    Wer es glaubt oder nicht, die Hoteliers haben oben an ein Versprechen der Stadt Trier erinnert.

    Auch wenn die Interessen mancher Geschäftsleute in Trier oder in Trier tätigen Großunternehmen sicher nicht im Einklang mit dem Interesse der Bürger und des kleinen Mannes stehen – hier stimme ich Ihnen voll zu – in Bezug auf die Falschparker meine ich nicht Einkaufsgäste angesprochen zu haben. Schauen Sie etwa in Alt-Kürenz vor und nach der Schule, im Gartenfeld und sonntags am Viehmarkt – hier wird nicht eingekauft, hier können Sie puren Egoismus erkennen. Oder sie können gerne mal um halb 11 um die Innenstadt fahren, da sind sie froh, wenn nicht alle Spuren und Gehwege von DHL und Konsorten zugeparkt sind. Die Stadt zeigt sich hier wenig offen die Anregungen der Bürger oder die geltenden Regeln durchzusetzen. Man hat den Eindruck, dass man in der Stadtverwaltung seine Ruhe haben möchte. Die wissen da schon am besten Bescheid, was richtig und möglich ist. Eine Maske auf der Homepage der Stadtverwaltung, die den Bürger einlädt, Vorschläge zu machen und den Umsetzungsstand von Anregungen transparent dokumentiert, wäre sehr hilfreich für die Weiterentwicklung der Stadt, ohne dass die Stadt sich in Unkosten stürzen würde.

     
  6. Peter Binsfeld

    @ Ein Bürger

    Ja, wir sind da ganz einer Meinung! Nur das mit dem Versprechen sehe ich etwas kritischer: Wer wem, wann, was versprochen hat, kann man nach 60 Jahren wohl kaum mehr belegen solange es keine Unterlagen mehr darüber gibt….

     

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