Die Globus-Frage: Macht der Stadtrat mit?

Interessiert verfolgen Ratsmitglieder und Stadtvorstand die Präsentation der Studie. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Wenn das geplante SB-Warenhaus der Firma Globus in Trier gebaut würde, wäre es eine Bereicherung für die hiesige Handelslandschaft. Dass es zu negativen Auswirkungen auf die Trierer Altstadt kommen werde, sei wegen des reduzierten Angebotes nicht zu erwarten. Zu diesem nicht ganz überraschenden Schluss kommt das Gutachten der CIMA-Beratung und Management GmbH, das am Montag Repräsentanten beider Unternehmen Trierer Kommunalpolitikern und den Medien in den Räumen der ERA vorstellten. Derweil spricht die Trierer FDP sich klar für die Ansiedlung des Globus-Marktes aus (siehe Extra).

Von Rolf Lorig

“Der Globus kommt nach Trier!” Eine Ankündigung, die seit dem Frühjahr des vergangenen Jahres die Gemüter der Menschen bewegt. Damals kaufte das saarländische Unternehmen, das laut CIMA als Nummer Zehn weit abgeschlagen hinter Mitbewerbern wie Edeka, Kaufland, Lidl, Rewe, Aldi, amazon liegt, ein Grundstück auf dem früheren Eurener Flugplatzgelände in der Niederkircher Straße. Dort, nahe des Großhandels Metro, war früher auf einer Fläche von 60.000 Quadratmetern Größe ein Logistikunternehmen angesiedelt. 40 Millionen Euro will das Unternehmen in den Aufbau des 47. Globus-Marktes mit einer Verkaufsfläche von 10.000 Quadratmetern hier investieren. Ein Grundstück, das aber einen Schönheitsfehler hat: Dort sieht der Bebauungsplan keinen Einzelhandel vor. Ein Makel, der mit etwas gutem Willen und der Fortschreibung des Bebauungsplanes beseitigt werden könnte.

Könnte. Denn gegen eine Ansiedlung sprechen sich schon seit geraumer Zeit die City-Initiative, der Einzelhandelsverband und auch die Kammern aus. So sorgt sich beispielsweise der Einzelhandelsverband angesichts des Globus-Warensortiments um die Geschäfte der Innenstadt, befürchtet dort derart große Auswirkungen, dass es zu Schließungen kommen könnte.

Stefan Ewerling, bei Globus als Leiter für Expansion und Standortplanung verantwortlich, versteht diese Sorge. Für Trier sei sie allerdings unbegründet, hält er dagegen. Grund: Zum einen sei mit 10.000 Quadratmetern die Verkaufsfläche deutlich geringer als beispielsweise beim Nachbarmarkt in Losheim. Zudem seien 65 Prozent der Fläche für den Bereich “Lebensmittel” vorgesehen. Der sogenannte “Non-Food-Bereich”, der in anderen Märkten einen großen Anteil hat, soll nach den Planungen des saarländischen Unternehmens weitaus kleiner ausfallen. “Schuhe oder Anzüge werden Sie an diesem Standort nicht finden.”

Globus stärkt Geschäfte in der Altstadt

Dafür will man aber den Wettbewerb bei den Lebensmitteln anfeuern und damit den Platzhirschen Edeka und Rewe Konkurrenz machen. “Wir wollen mit Qualität und Frische unsere Kunden anziehen”, so Ewerling. Wer diese Kunden sein sollen, daraus macht er kein Geheimnis. Denn neben den Bürgern dieser Stadt schaut Globus direkt ins Nachbarland Luxemburg, wo man Auchan, Cactus, Match & Co direkte Konkurrenz machen will: “Mit Events, einem hohen Frischegrad, Produkten aus der Region und zu wesentlich günstigeren Preisen.” Zudem könne man aufgrund eigener Erfahrungen an anderen grenznahen Standorten empirisch nachweisen, dass Kunden aus dem Ausland den Einkauf in einem Globus-Markt oftmals mit einem Besuch der Innenstadt verbinden, was zu einer Förderung der Kaufkraft Luxemburger Kunden beitrage.

Geschäftsführer Matthias Schmidt von der IHK Trier schneidet ein heikles Thema an, das den Einzelhandelsverband ebenfalls drückt: Wo denn angesichts des allgemeinen Fachkräftemangels die Mitarbeiter herkommen sollen, will er wissen. Schließlich will Globus am neuen Standort rund 350 Mitarbeiter beschäftigen.

Ewerling hat die Frage erwartet, sie ist auch Teil des CIMA-Gutachtens. Deshalb redet er auch nicht lange um den heißen Brei. Wie jeder Arbeitgeber befinde sich das Unternehmen hier mit Mitbewerbern im Wettbewerb. Nur rund ein Viertel der geplanten Mitarbeiterzahl soll im Bereich der Eigenproduktion wie Bäckerei oder Metzgerei beschäftigt sein. Nur ein Teil davon seien Fachkräfte. Insgesamt gebe es 15 Berufsgruppen am Standort, in denen man den Nachwuchs auch nach und nach selbst ausbilden wolle. Nicht ohne Solz verweist der Expansionsleiter auf den hohen Zufriedenheitsgrad der Mitarbeiter, bei denen es auch kaum eine Fluktuation gebe.

Um den Arbeitsmarkt in der Region nicht zu überfordern, werde man zum Start des neuen Marktes nur mit einer Teilproduktion und entsprechender Zulieferung aus anderen Märkten beginnen und so deutlich abgemildert in die Arbeitskräftenachfrage starten.

Ratsmitglieder fragen nach

Stellen sich der Diskussion: Daniel Schreyer, Andreas Bohlen, Stefan Ewerlin (alle Globus), Jürgen Lein (CIMA) und Thomas Lüttgau (von links)

Doch das sind alles noch Fiktionen. Bevor es dazu kommen kann, muss der Stadtrat einen Aufstellungsbeschluss zur Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens beschließen. Außerdem muss parallel dazu die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord ein Raumordnungs- und Zielabweichungsverfahren einleiten. Ein langer Weg, den Fachanwalt Thomas Lüttgau genaustens erläutert: Im Idealfall für Globus könnte der Trierer Markt frühestens im zweiten Halbjahr 2021 eröffnet werden. Die Vorstellung des CIMA-Gutachtens übernimmt in der Folge CIMA-Gesellschafter Jürgen Lein.

Ratsmitglied Carl-Ludwig Centner (SPD) interessiert die Einnahmesituation: Wann die Stadt denn mit der ersten Gewerbesteuer rechnen könne? Und wer die Anbindung des Marktes an die Luxemburger Straße zahlen solle? Kurz und bündig die Antwort von Stefan Ewerling: “Die Gewerbesteuer fließt ab dem ersten Euro Umsatz.” Und zur Anbindung: “Da gilt das Verursacherprinzip. Also zahlt nicht die Stadt, sondern Globus.”

Den Eurener Ortsvorsteher Hans-Alwin Schmitz (UBT) beschäftigen gleich zwei Themen: Welche Auswirkungen hat Globus auf den Netto-Markt an der Luxemburger Straße und wie verhält es sich dann mit dem Verkehrsfluss auf der Luxemburger Straße? Ewerling räumt ein, dass bei Netto die Auswirkungen sicherlich spürbar sein werden. Allerdings unterscheide sich das Globus-Warensortiment (“Durchschnittlich 2000 Artikel bei uns kommen mit einem Radius von 40 Kilometern direkt aus der Region.”) deutlich von dem der Mitbewerber wie Aldi, Netto & Co. Eine wesentlich höhere Belastung der Luxemburger Straße sieht er nur in Grenzen: “Wenn morgens die Menschen zur Arbeit fahren, sind die Einkäufer nicht zeitgleich unterwegs. Die starten später.”

Den Arbeitgeber Globus hinterfragt Michael Frisch (AfD): Wie es um die Sozialkompetenz des Unternehmens bestellt sei? Ein Thema, das auch Petra Kewes (Grüne) beschäftigte: Ob es einen Betriebsrat gebe, und ob man mit Gewerkschaften zusammenarbeite? Für seine partnerschaftliche Unternehmenskultur und sein seit 25 Jahren bestehendes beispielhaftes Mitarbeiterbeteiligungsprogramm sei das Unternehmen bereits vom Bundesverband Mitarbeiterbeteiligung ausgezeichnet worden, erklärt Stefan Ewerling. Seit 1990 biete Globus seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit, sich an der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens zu beteiligen. “Damit ermöglicht Globus seinen Mitarbeitern, am Gewinn des Unternehmens und damit an den Ergebnissen der eigenen Arbeit zu partizipieren.” Ein Angebot, das von mehr als 50 Prozent der Beschäftigten auch genutzt werde. Und ja, es gebe auch bei Globus eigene Betriebsräte und selbstverständlich arbeite man auch mit den Gewerkschaften zusammen.

Ein ganz anderes Thema interessiert Ratsmitglied Bernhard Hügle (Grüne): Ob eine Ansiedlung des Marktes den Moselaufstieg erfordere? Natürlich würde der die Arbeit des Marktes einfacher machen, räumt Stefan Ewerling ein. Es sei allerdings nicht abzusehen, ob und wann der Moselaufstieg komme, deshalb gebe es auch keine Planungen, die darauf basierten. “Wir kommen auch ohne ihn klar.”

Um die kleineren Edeka- und Nahkauf-Märkte im nahen Umfeld sorgt sich Udo Köhler (CDU). Hier verweist der Globus-Repräsentant aber auf die Tatsache, dass man nicht vergessen dürfe, dass Edeka von der Größe her die Nummer Eins bei den Mitbewerbern sei.

Ein klares Bekenntnis zum Standort Trier kam auf die Frage von Tobias Schneider (FDP), wie man sich denn verhalte, wenn der Standort in der Niederkircher Straße keine politische Zustimmung erfahre. Ob man sich dann im Umland umschauen werde? “Wir bauen auf den Dialog, denn wir wollen nach Trier und wir wollen auch die Luxemburger Kunden”, so die Antwort. Dass auch die Trierer und Luxemburger Bürger den Globus-Markt wollten, weist Globus-Regionalleiter Andreas Bohlen anhand des CIMA-Gutachtens (“Über 80 Prozent der Befragten sind dafür”) und der überaus regen Kommunikation auf den sozialen Kanälen nach.

Mit einer eindringlichen Bitte an die in großer Zahl anwesenden Stadträte schließt Stefan Ewerling den Abend, der sich angesichts der teilweise erbittert geführten Debatte im Vorfeld durch eine wohltuende Sachlichkeit ausgezeichnet hat: “Wir bewerben uns um die Zulassung einer Prüfung und bitten um die Einleitung der notwendigen Verfahren.”

Extra: FDP für Globus-Markt

“Ein Vollsortimentmarkt in der Dimension und mit einem modernen Konzept, wie von Globus angestrebt, bietet viele Chancen für Arbeitsplätze und eine Weiterentwicklung des Einzelhandels in Trier. Als Trierer FDP stehen wir daher klar dafür dieses Vorhaben von Seiten der Stadt positiv zu begleiten”, betont FDP-Chef Tobias Schneider. “Es ist verständlich, dass Vertreter des Trierer Einzelhandels einem solchen Vorhaben reserviert begegnen. Wir sehen unsere Aufgabe als Stadträte aber nicht darin, hiesige Unternehmen vor eventueller Konkurrenz zu schützen, sondern im Sinne der Bürger und damit auch der Verbraucher zu handeln. Und hier sehen wir, dass Globus eine gute Ergänzung für die Einzelhandelslandschaft in Trier als Großstadt sein kann.”

Die stellvertretende FDP-Kreisvorsitzende und Stadträtin Katharina Haßler ergänzt: “Wir haben mit vielen Bürgerinnen und Bürgern gesprochen, und da war die Haltung nahezu ausnahmslos ganz eindeutig – die Trierer wollen einen Globus-Markt. Viele fahren jetzt bereits nach Losheim und freuen sich nun darauf, auch hier vor Ort bei Globus einkaufen zu können. Es ist doch eine Auszeichnung für Trier, wenn Unternehmen in dieser Größenordnung nach Trier kommen und hier investieren wollen. Warum sollten wir das verhindern?”

Die Liberalen führen zudem, mit Blick auf die Ablehnung der Globus-Ansiedlung durch CDU und Grüne in den letzten Tagen, ein historisches Beispiel zur Unterstützung ihrer Position an. “Wir dürfen hier nicht die gleiche Entwicklung zulassen, wie damals bei Möbel Martin”, kritisiert Schneider. “Dort hat man in den 90er Jahren in Trier die Türe zugemacht, und Möbel Martin ist dann stattdessen nach Konz gegangen. Und heute wächst das Möbelzentrum direkt vor Triers Haustür stetig, weil am Ende eben die Kunden entscheiden. Ich hoffe sehr, dass CDU und Grüne daher hier nicht erneut eine Entwicklung im Sinne der Stadt verhindern. Trier soll weiter wachsen, und dazu gehört eben auch der Einzelhandel.” (tr)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Politik 1 Kommentar

Kommentar zu Die Globus-Frage: Macht der Stadtrat mit?

  1. Leuckefeld

    Ein kleine Korrektur: Trier hat Möbel Martin nicht die Trier zugemacht. Vielmehr hat Konz
    dieser Firma erheblich günstiger Ansiedlungskonditionen gewährt. Dabei konnt und wollte Trier nicht mithalten.
    Die Grünen haben sich zwar auf einer Mitgliederversammlung gegen die Ansiedlung ausgesprochen. Dies geschah aber auf eine sehr dünnen Dateninformation.
    Sie Stadtratsfraktion hat noch keine Entscheidung getroffen. Sie wird das Gutachten der Stadtverwaltung und den Vorschlag zur Fortschreibung des Einzelhandeslkonzeptes abwarten.
    Richard Leuckefeld

     

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