Die kulinarischen Götter und die Trierer Kinder

mercure-Küchenchef Carsten Vogt und sein Team bei der Arbeit. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Es ist eine Leistungsschau der ganz besonderen Art: Seit 25 Jahren laden einmal im Jahr die besten Köche und Winzer der Region ins mercure-Hotel ein, um gemeinsam mit ihren Produkten die Bürgerstiftung Trierer Kinder zu unterstützen. Auch in diesem Jahr war das Interesse an diesem gastronomischen Highlight wieder groß. Knapp 300 Gäste folgten der Einladung, um sich in einem besonderen Ambiente kulinarisch verwöhnen zu lassen.

Ein Beitrag von Rolf Lorig

Manchmal hat man es einfach nicht in der Hand. Dass es an diesem Montagabend keine 300 Gäste waren wie geplant, war vor allem der aktuell grassierenden Grippewelle zu verdanken. Das prominenteste Opfer war die luxemburgische Sterne-Köchin Léa Linster, die ihr Kommen fest zugesagt hatte. Doch wenn auch sie selbst nicht da sein konnte – eines ihrer bekanntesten Produkte, die Madeleines, hatte sie per Kurier zu der Veranstaltung anliefern lassen.

Sie haben die Trierer Küchenparty ins Leben gerufen: Gisela und Helmut Schröer.

Großes Interesse an der Veranstaltung

Die Schlange am Eingang war lang, als Andreas Ammer, Vorstandsvorsitzender der Kulturstiftung Trier, um Punkt 19 Uhr die Türen zum Eingang des Restaurants öffnete. Seit nunmehr acht Jahren richtet die Kulturstiftung die Küchenparty aus und führt damit die Arbeit von Gisela Schröer fort. Sie, die Ehefrau des früheren Trierer Oberbürgermeisters, hatte die Idee gehabt, mit einem ganz besonderen Highlight die Förderung von Trierer Kindern zu übernehmen. Eine Idee, die ankam. Denn in den 20 Jahren ihrer Ägide konnte sie so stolze 1,2 Mio. Euro für zahlreiche Förderprojekte sammeln. 2010 übergab sie ihr Projekt an die Kulturstiftung. Jetzt können die Schröers den Abend jährlich als Ehrengäste unbeschwert genießen.

Vor 22 Jahren stand sie das erste mal bei der Küchenparty am Herd: Alexandra Weyres

Eintrittskarte kostet 135 Euro

Stichwort Gäste. Die Aussicht, bei einem Glas Wein oder Bier zehn Spitzenköche live bei der Arbeit in der Küche beobachten zu können, war jedem der Besucher 135 Euro wert. So viel kostete ein Ticket für den Abend. Im Preis enthalten war eine Küchenschürze, gestaltet von Johannes Kolz. Diese Schürze ist obligatorisch, schließlich hält man sich bei einer Küchenparty anders als bei einem “normalen” festlichen Essen genau dort auf, wo man sonst keinen Zutritt hat. Dort, wo es schon im normalen Betrieb eher eng ist, wird es dann direkt intim. Erstaunlich dabei ist, dass trotz größter Nähe eine Fröhlichkeit und Gelassenheit zu spüren ist, die den ganz besonderen Charakter der Veranstaltung ausmacht. An einem Posten war das ganz besonders spürbar: Alexandra Weyres vom Haus Mannertal in Binscheid versprühte in besonderem Maße Leichtigkeit und Charme. Sie war schon vor 22 Jahren, damals noch als Mitarbeiterin von Küchenchef Siggi Walde, der das Restaurant “Pfeffermühle” in Zurlauben betrieben hatte, mit dabei gewesen.

Sie waren die kulinarischen Götter des Abends: die Küchenchefs zusammen mit Vorstand Andreas Ammer (5. von links)

Sterne am Koch-Himmel

Der Veranstaltung ebenfalls sehr verbunden ist Triers einziger Zwei-Sterne-Koch Wolfgang Becker, dem besonders viele Gäste interessiert über die Schulter schauten und der geduldig Frage um Frage beantwortete. Nur zwei Namen, die an diesem Abend bei ihrem Tun und Handeln exemplarisch für alle Köche standen: Georg Henke (Georgs Restaurant, Trier), Wilfried Licht (Zum Wiesengrund, Besslich), Peter Schmalen (Schlemmereule, Trier), Hubert Scheid (Schloss Monaise, Trier) Fernsehkoch Marcus Plein (Altes Kelterhaus, Wintrich), und Mario Niederprüm (Weinromantikhotel Richtershof, Mülheim). Hausherr war an diesem Abend der Küchenchef des mercure-Hotels, Carsten Vogt.

Und was hatten sich diese Götter der Küche so einfallen lassen? Bei Wolfgang Becker gab es eine “kleine ibérico schweinerei” zusammen mit knusprigem risi-bisi; Georg Henke reichte Wolfsbarsch und Saltimbocca von der Jakobsmuschel auf Pastinakenkompott; bei Wilfried Licht gab es gebratene Entenstopfleber auf Fregola Sarda mit Morcheln an Portweinglace; Marcus Plein lockte mit “Hoppeldiekrabbeldielauf”, dahinter versteckten sich tierische Produkte aus dem Wald, dem Wasser und dem Land; Peter Schmalen kredenzte Steinbutt, garniert mit Erbsen, Morcheln und Beurre blanc; Carsten Vogt hielt für seine Gäste “Zweierlei vom Hirsch” bereit mit Wurzelgemüse, Topinambur und Physalis; Alexandra Weyres offerierte eine Roulade vom Perlhuhn mit Ratatouille und Bruchetta. Hubert Scheid verwöhnte mit einem Dessert Buffet und von Léa Linster gab es Crème Brulée und die bereits erwähnten Madeleines.

Edle Tropfen von den besten Winzern

Für die passenden Weine sorgten die Weingüter Becker’s, Bischöfliche Weingüter, Vereinigte Hospitien (alle Trier), Forstmeister Geltz-Ziliken (Saarburg), Reh (Schleich), Van Volxem (Wiltingen), Kirsten (Klüsserath), Paulinshof (Kesten), Pedmont (Konz-Filzen), Reichsgraf von Kesselstatt (Morscheid) und Josef Rosch (Leiwen).

Abgerundet wurde die Veranstaltung mit der Versteigerung einer Grafik von der Trierer Künstlerin Anja Streese. Ihr großformatiges Kunstwerk wurde am Ende des Abends nach einem harten Bietergefecht von den Vorstände der Volksbank Trier, Norbert Friedrich und Alfons Jochem, für 1250 Euro ersteigert.

Die Kulturstiftung unterstützt mit dem Erlös aus der Küchenparty unter anderem Stipendien, Schul- und Kita-Projekte und betreibt eine aktive Förderarbeit durch kulturelle Bildungsmaßnahmen an sozialen Brennpunkten durch Musik- und Kunstunterricht. Wie hoch der Erlös der diesjährigen Küchenparty sein wird, steht erst in einigen Wochen fest, wenn die Küchenchefs und Winzer die Rechnungen für den reinen Materialeinsatz geschickt haben. Schatzmeisterin Hiltrud Zock konnte am Ende des Abends auf eine diesbezügliche Frage nur auf das Ergebnis früherer Veranstaltungen verweisen, bei denen ein Reingewinn zwischen 5000 – 8000 Euro erzielt wurde.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Allgemein, Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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