“Die Kultur um Karl Marx öffnet alle Türen”

Ein gut funktionierendes Team: Baudezernent Andreas Ludwig diskutierte mit Professor Wu Weishan fachliche Dinge und Elisa Limbacher sorgte durch ihre Übersetzungen für eine klare Verständigung. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Eine Woche lang war Baudezernent Andreas Ludwig in Peking, wo er den chinesischen Künstler Professor Wu Weishan besuchte. Der Professor arbeitet aktuell an der Karl-Marx-Statue, die ab dem 5. März als offizielles Geschenk der Volksrepublik zum Karl Marx-Jahr auf dem Simeonstiftplatz zu sehen sein wird.

“nǐhǎo” – die chinesische Begrüßungsformel für “Guten Tag” hat der Baudezernent gut drauf. Aber: “Alles Weitere übersteigt meine Sprachkenntnisse”, räumt er schmunzelnd ein und macht eine Handbewegung hin zu der Frau an seiner Seite: “Ohne unsere Mitarbeiterin Elisa Limbacher, die perfekt gedolmetscht hat, hätte es schlecht ausgesehen.” Anlass für das kleine Gespräch mit Journalisten ist der Besuch in Peking sowie der Partnerstadt Xiamen.

Ganz offensichtlich steht der gelernte Architekt immer noch unter dem Eindruck der Reise. Die Skulptur sei ein gegenständlicher Marx, “der dessen Dynamik gut zum Ausdruck bringt.” Er habe “superspannende” Gespräche mit dem Künstler, aber auch mit dortigen Politikern führen können, berichtet Ludwig. Grund für die Reise war seinen Worten zufolge vor allem die Klärung von Detailfragen. Und die hätten schon bei der Wahl des verblendenden Steines für den Betonsockel begonnen. “Professor Wu wollte roten Sandstein. Im Gespräch konnte ich ihn davon überzeugen, dass Basalt der bessere Stein ist.” Als Argumentationshilfe hatte Ludwig eine Steinprobe mit nach Peking genommen und konnte den Künstler so letztlich überzeugen.

Ein anderer Punkt war die Befestigung der Statue auf dem Sockel. “Die Bronze ist mehrere Millimeter, vielleicht einen Zentimeter dick. Stabilität bekommt die Figur von einem stählernen Innenleben, das im Sockel verankert werden muss. Wie das genau aussehen wird, welche Tiefe die Ankerpunkte im Sockel brauchen und wo genau sie sitzen – das waren für den Prozess des Aufstellens wichtige und erforderliche Detailfragen.”

Kein Leichtgewicht: Karl Marx bringt etwa 2,3 Tonnen auf die Waage

Ein weiterer Punkt war die Logistik für den geplanten Versand. “Die Statue darf ja nicht zu spät eintreffen. Darum rechnen wir gut 40 Tage für den Transport. Professor Wu wird die Plastik in einen Container verpacken und auf dem Seeweg nach Rotterdam verschiffen. Von dort aus geht es per Lkw auf dem Landweg weiter.” Stolze 2,3 Tonnen wird Karl Marx wiegen, weiß der Baudezernent nun. Was für die Planer des Sockels eine nicht ganz unwichtige Information ist.

Die Ausschreibungen für den Bau des Sockels soll noch vor Weihnachten rausgehen. Die Gesamtkosten in Höhe von 70.000 Euro teilen sich die Stadt (39.000 Euro) und das chinesische Generalkonsulat (31.000 Euro). Und einmal bei den Kosten, macht Andreas Ludwig auch die Rechnung für die Reise auf: “Dank einer sparsamen Haushaltsführung sind die unter 3.000 Euro geblieben – für zwei Personen.” Konkret kosteten die Flugtickets zusammen 2.286 Euro, dazu kamen zwei Visa für zusammen 606 Euro. Der Flug nach China dauerte knapp 13 Stunden. Trotz der langen Dauer reisten die beiden Repräsentanten der Stadt nur in der Touristenklasse. Die Kosten für das Hotel habe Professor Wu übernommen, berichtet Ludwig, räumt aber ein, dass man im Gegenzug die Hotelkosten des Professors im Fall seiner Teilnahme an der Enthüllung in Trier ebenfalls übernehmen will.

Radverleihsystem und elektrische Poller

Neben dem Aufenthalt in Peking hatten Ludwig und Limbacher auch 24 Stunden Zeit für einen Besuch in der Partnerstadt Xiamen. Hier, wie auch schon zuvor in Peking, habe man durch die Person von Karl Marx eine sehr große Aufmerksamkeit erfahren. Immer wieder hätten die Menschen sie auf ihre Herkunft angesprochen. Und es sei verblüffend gewesen, wie viele Chinesen dann mitteilten, dass sie schon in Trier waren. “Die Kultur um Karl Marx hat uns alle Türen geöffnet”, so Ludwig.

Allerdings konnte er gerade aus Xiamen noch zwei interessante Erfahrungen mitbringen: “Wir haben dort ein Radverleihsystem kennengelernt, dass über eine App gesteuert wird. Damit werden wir uns noch genauer auseinandersetzen.” Und noch etwas hat der Architekt dort entdeckt: “Es war fast schon unglaublich, wie viele elektrische Poller in unserer Partnerstadt zum Einsatz kommen. Da können wir von den Chinesen noch was lernen.” Auch hier hat der Dezernent einige Erkenntnisse mitgebracht, die rasch ausgewertet werden sollen.

Begleitet wurde die Chinareise unter anderem vom Fernsehsender arte. Die Ausstrahlung des Beitrages ist laut Ludwig für den 29. April vorgesehen. (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Politik Hinterlasse einen Kommentar

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