Die Menschen anfangs des letzten Jahrhunderts

Bei Birgit Möller-Scherf dürfen die Kinder ihr eigenes Getreide mahlen und aus dem Mehl Stangenbrot backen. Fotos: Rolf Lorig

Bei Birgit Möller-Scherf dürfen die Kinder ihr eigenes Getreide mahlen und aus dem Mehl Stangenbrot backen. Fotos: Rolf Lorig

KONZ-ROSCHEID. Der Kindertag gehört seit Jahren zum festen Programmpunkt im Veranstaltungskalender des Freilichtmuseums Roscheider Hof. Auch am heutigen Sonntag war der Kindertag das erklärte Ziel von vielen Familien mit Kindern.

Von Rolf Lorig

Das rythmische Klopfen im Hunsrückdorf verrät: Die Schmiede ist in Betrieb. Für viele Kinder, aber auch für manche Eltern wartet hier ein echtes Erlebnis. Denn wann hat man schon mal die Möglichkeit zu beobachten, wie ein Stück rotglühender Stahl eine neue Form annimmt?

Über 60 Brote haben Hermann und Beatrix Philippi beim Kindertag gebacken.

Über 60 Brote haben Hermann und Beatrix Philippi beim Kindertag gebacken.

Heiß geht es auch ein paar Meter weiter im Backhaus zu. Hier arbeitet Bäcker Hermann Philippi mit seiner Frau Beatrix. Bereits um sechs Uhr in der Früh war der Bäcker schon vor Ort. Seine erste Aufgabe des Tages war, den Ofen auf Temperatur zu bringen. Den Sauerteig für über 60 Brote hat er schon am Dienstag angesetzt. Seit über 15 Jahren engagiert sich Hermann Philippi mit seiner Kunst hier im Freilichtmuseum. Was kaum jemand weiß: Nach seiner Gesellenprüfung musste sich der Bäcker einen neuen Beruf suchen. Eine Mehlallergie verhinderte eine weitere Berufsausübung. Heute aber hat er keine Probleme mehr damit. Seine Erklärung: ‟Das Mehl ist heute ein anderes als früher.”

Für das Freilichtmuseum ist Herman Philippi ein Glücksfall: Seine Brote duften so köstlich, dass sie im Handumdrehen verkauft sind. Die meisten der Kunden kennen das Brot, kommen extra früh an das Backhaus, um auch ja einen Laib mit nach Hause nehmen zu können.

Brot ist auch das Thema bei Birgit Möller-Scherf. Sechs Kilo Getreide hat sie mitgebracht. Die Kinder können es mit einer Handmühle mahlen und kneten unter ihrer Anleitung einen  Teig daraus. Der kommt schließlich auf die Spitze eines Stockes und wird über offenem Feuer geröstet.

Frieda Klaeser mit Brüderchen Johann und Mutter Viola

Frieda Klaeser mit Brüderchen Johann und Mutter Viola

Der Kindertag soll den Kleinen aber nicht nur die Leckereien nahebringen. Er soll den Kindern vor allem auch den Alltag der Menschen anfangs des letzten Jahrhunderts zeigen. Dazu gehört auch das Fertigen von Murmeln aus Ton. Elena Willkomm zeigt den Kindern, wie das geht. Der siebenjährige Alexander hört wissbegierig zu und greift dann zum Ton. Mit geschickten Fingern reißt er kleine Klümpchen ab und formt diese zwischen seinen reibenden Händen zu kleinen Kugeln. Am besten gefällt ihm, dass er diese auch einfärben kann. ‟Blau‟ sei seine Lieblingsfarbe, erklärt er, ehe er seine Aufmerksamkeit wieder der kleinen Produktion zuwendet. Nach und nach legt er die kleinen Kugeln in ein Bett aus Alufolie. Das verschließt er dann und bringt es zu einer Feuerstelle, in der die Kugeln dann gebrannt werden.

Aus Fynn wird Batman

Aus Fynn wird Batman

Unweit davon lockt zeitgenössische Kunst: Kinder sitzen auf einer Bank und wenden ihre Gesichter jungen Frauen zu. Die haben spitze Pinsel, malen bunte Figuren in die Gesichter der Kinder. Frieda ist eine davon. Zusammen mit ihrem Bruder Johann und ihren Eltern Viola und Christoph Klaeser sind sie aus Kell am See gekommen. Für sie ist der Besuch des Freilichtmuseums nichts Neues, sie kommen schon seit einigen Jahren zu den unterschiedlichen Veranstaltungen. Das gilt auch für Sabrina und Pierre Münster, die auf Roscheid wohnen und damit eine ungleich kürzere Anreise hatten. Beiden Familien gefällt, dass die Kinder sich in dieser Umgebung frei entfalten und so viel Neues entdecken können.

Hermann Kramp, der Geschäftsführer des Freilichtmuseums, ist wie bei allen Veranstaltungen auch an diesem Tag präsent. Er ist zufrieden mit dem Wetter, weiß, dass ihm die sommerlichen Temperaturen viele Besucher bescheren werden. In diesem Jahr habe der Kindertag einige Neuerungen, berichtet er. Dazu gehört eine Märchentante, die Gelegenheit zum Volkstanz und auch die Möglichkeit, sich einmal selbst am Spinnrad ausprobieren zu können.

Noch während Hermann Kramp erzählt, zieht ein süßlicher Duft an den Nasen vorbei. Im Backhaus nutzt Hermann Philippi die Nachwärme des Ofens für die Herstellung von frischem Streuselkuchen. Die ersten Kunden stehen bereits wartend an der Kasse….


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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