Die Poller, die Händler und die Polizei

Dieser Poller soll schöner werden: Jürgen Poss, Jennifer Schaefer und Thomas Schmitt legen gemeinsam mit den Arbeitern der Firma Wöffler Hand an. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Die Trierer Händler sind sauer. In erster Linie auf potenzielle Attentäter, die den Weihnachtsfrieden stören. Und in zweiter Linie auf Teile des Sicherheitskonzeptes der Polizei. Denn erstmals kommen beim Trierer Weihnachtsmarkt massive Betonpoller zum Einsatz, deren Platzierung im ersten Anlauf für eine Menge Unmut und Ärger sorgte.

Von Rolf Lorig

Doch der Reihe nach. Das letztjährige Attentat von Berlin, bei dem ein Lastwagen bewusst in die Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt gesteuert wurde, darf sich in Trier nicht wiederholen. Ergo hatte die Polizei erneut ein Sicherheitskonzept für den Weihnachtsmarkt entwickelt. Anders als noch beim Altstadtfest, wo Schneepflüge Zufahrten blockierten, kommen bei diesem Anlass massive Betonpoller zum Einsatz.

So weit, so gut. Der Unmut bei den Händlern kam aber mit der Platzierung der Poller auf. Jennifer Schaefer, Geschäftsführerin der City Initiative Trier, hätte gerne die Position der Geschäftsleute bei den Überlegungen zum Sicherheitskonzept mit eingebracht. Nein, beantwortete sie eine entsprechende Frage des reporters, die City-Initiative sei im Vorfeld nicht involviert gewesen. Über eine Pressemitteilung sei man über die Standorte der Poller informiert worden. Diese habe man dann auch an die Betriebe verschickt.

Die Wellen der Entrüstung schlagen hoch

Doch wie konnte es dann zu dem Ärger kommen? Vor allem in der Dietrichstraße schlugen die Wellen der Entrüstung hoch. Dort setzte man den Poller vor dem Schwarzen Ochsen ab, also im Bereich der Einmündung der Dietrichstraße zum Hauptmarkt. Der begleitende Polizeiwagen schloss die dann noch vorhandene Lücke. Jürgen Poss, Inhaber des Schuhgeschäftes o magga nagga in der Dietrichstraße war entsetzt: “Das war faktisch eine Absperrung. Die Geschäfte, die sich hinter dieser Absperrung befanden, mussten um ihren Umsatz fürchten.” Ein ähnliches Bild habe sich in der Jakobstraße geboten.

Eine Befürchtung, die die übrigen Gewerbetreibenden teilten. Auch die Firmeninhaber Robert Hoffmann (Mambo-Shops) und Sonja Schwaller (Concept Store) waren von dieser Maßnahme alles andere als begeistert. “Wir hätten uns schon gewünscht, dass man im Vorfeld mit uns gesprochen und uns nicht vor vollendete Tatsachen gesetzt hätte”, sagten beide gegenüber dem reporter.

So dauerte es denn auch nicht lange, bis die Proteste der Geschäftsleute im Rathaus ankamen. Hier nahm sich Thomas Schmitt, unter anderem auch Dezernent für die Bereiche Stadtmarketing, Sicherheit und Ordnung, sofort der Sache an. Unverzüglich lud er alle Beteiligten in der vergangenen Woche zu einem Ortstermin ein. Dass die Polizei nicht dabei sein konnte, war dem Amokalarm an der Universität Trier geschuldet, der nicht nur die Ordnungshüter in Atem hielt. So kam es, dass das Treffen mit der Polizei um ein paar Tage verschoben werden musste.

Nur wenige Meter trennen den Standort des Pollers von dem der früheren Sperre vor dem Frankenturm

Dezernent Schmitt erinnert sich: “Bei dem Ortstermin in der Dietrich- und der Jakobstraße habe ich mir ein eigenes Bild gemacht. Alle beteiligten Ämter, das Ordnungs- und das Tiefbauamt und auch die Feuerwehr haben aufgrund der Situation positiv auf die Polizei eingewirkt, so dass die Poller dann nach hinten verschoben wurden.” Er sei dankbar, dass die Polizei sich kompromissbereit gezeigt habe, denn “die wollten zuerst da nichts verändern”.

“BEST bewachter Schuhladen in Trier!!!”

Die Poller in der Jakob- und Dietrichstraße wurden schließlich verschoben. Doch in der Dietrichstraße blieb die Barriere auf halber Strecke hängen. Denn statt die Sperre vor dem Frankenturm abzustellen, platzierten ihn die Verantwortlichen vor dem Restaurant Frankenturm. Und beeinträchtigten damit die Geschäfte von Jürgen Poss, dessen Schuhgeschäft sich zwischen dem Restaurant und dem Frankenturm befindet. “Hätte man den Poller in Höhe des Frankenturms abgestellt, wo noch beim Altstadtfest der Schneepflug stand, wäre alles gut gewesen. Jetzt aber steht das Ding in Höhe des Restaurants Frankenturm und der begleitende Polizeiwagen vor unserem Schaufenster”, ärgert sich Poss. “BEST bewachter Schuhladen in Trier!!!”, titelte der Unternehmer prompt ironisch auf seiner Facebook-Seite und packte ein Foto daneben, das den Betonpoller vor dem Restaurant Frankenturm und den parkenden Polizei-Mannschaftswagen vor seinem Schaufenster zeigt.

Sonja Schwaller versteht den Ärger ihres Kollegen, kann die Entscheidung für diesen Standort ebenfalls nicht nachvollziehen: “Beim Sicherheitskonzept für das Altstadtfest hatte man einen Schneeräumer als Sperre vor dem Frankenturm abgestellt. Das hat prima funktioniert, warum nicht auch dieses Mal?” fragt sie. Und ist sich sicher: “Für die Attraktivität der Stadt sind solche Entscheidungen nicht ansprechend.”

Dezernent Thomas Schmitt zeigte sich bei einem weiteren Besuch in der Dietrichstraße nach einer Betrachtung der Situation ratlos. “Zu mehr war die Polizei nicht bereit, weil sie den Sichtkontakt zum Hauptmarkt haben wollten.” Nur – da die Straße ohne Kurve weiter geradeaus verläuft, erscheint den Betroffenen das Argument mit dem Sichtkontakt nicht nachvollziehbar.

“Die Standorte der Betonbarrieren entsprechen den Lagebeurteilungen und den Sicherheitserfordernissen”

Und wie sieht die Polizei das? “Das Sicherheitskonzept wurde sehr intensiv zwischen den verantwortlichen Behörden und Einrichtungen besprochen und weitgehend gemeinsam entwickelt. In erster Linie waren die Verantwortlichen bei der Stadtverwaltung, der Berufsfeuerwehr und der Polizei”, sagt Uwe Konz, Sprecher des Polizeipräsidiums Trier. Informationsprobleme sieht er keine, “die Öffentlichkeit wurde während eines Pressegespräches bei der Stadt Trier, unter anderem mit dem Stadtvorstand, der Feuerwehr und der Polizei, mit anschließender Pressemitteilung durch uns am 20. November 2017 informiert”.

Die Standorte der Betonbarrieren entsprächen den Lagebeurteilungen und den Sicherheitserfordernissen, die von Seiten der Polizei für den Schutz des Weihnachtsmarktes als erforderlich erachtet seien. In einzelnen Fällen, so der Sprecher und bezieht sich dabei vor allem auf die Dietrichstraße, sei der Standort “auf Intervention Betroffener noch einmal mit gemeinsamem Willen zu Einvernehmen überprüft” worden. Konz betont: “Die jetzigen Standorte sind die sicherheitserforderlichen.”

Auch in der Jakobstraße wurde der Standort der beiden Poller auf Intervention der Geschäftsleute und der Unterstützung von Dezernent Thomas Schmitt soweit verändert, dass die Straße von keiner Seite aus mehr als abgesperrt erscheint.

Den Einwand der Gewerbetreibenden, der Poller hätte auch vor dem Frankenturm aufgebaut werden können, lässt Konz so nicht gelten: “Hier ist eine Engstelle, die uns hilft, nur eine Sperre aufstellen zu müssen. Die Sicht und die Interventionsentfernung zum Hauptmarkt sind für die dort eingesetzten Polizeikräfte noch vertretbar, am unteren Ende wäre dem nicht so.”

Oberste Prämisse hat die Sicherheit des Weihnachtsmarktes

Andere Poller, die in der Mitte einer Straße platziert wurden, wie beispielsweise in der Jakobstraße, dienten ebenfalls mehreren Aspekten wie grundsätzliche Geeignetheit des Standortes, Lieferverkehr, Anwohnerzufahrten, Vermeidung des Eindrucks von Vollsperrungen.

Konz weiß um die Diskussionen, wirbt aber um Verständnis: “Oberste Prämisse, bei allen Zugeständnissen, Vereinbarkeiten und Rücksichtnahmen hat das Konzept für die Sicherheit des Weihnachtsmarktes.”

Das sieht man bei City-Initiative auch so und gibt sich alle Mühe, die 18 wenig attraktiven Betonpoller auch mit der Unterstützung des Trierer Weihnachtsmarktes zu verschönern. Am Donnerstag setzten Mitarbeiter der Firma Wöffler alles dran, mit roter Folie und goldenen Bandagen die grauen Ungetüme augenfälliger zu gestalten. Mit vor Ort war auch Geschäftsführerin Jennifer Schaefer. Sie richtete eine versöhnliche Botschaft an die Adresse der Polizei: “Beim ersten Mal ist es immer etwas schwieriger, die optimale Platzierung zu finden. Ich denke mir, dass es im nächsten Jahr noch wesentlich besser gelingen wird.”


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft 11 Kommentare

11 Kommentare zu Die Poller, die Händler und die Polizei

  1. Treverer

    Schneepflüge werden gerade tatsächlich woanders zu dem Zweck benötigt, zu dem sie gebaut wurden. Statt über die Poller zu jammern, sollte man sich mal fragen, warum die da stehen – und wieso das vor 2015 noch nicht nötig war…

     
    • Frauke

      Und indem man sich das fragt, werden sie überflüssig?
      Oder was wollen Sie uns mit Ihrem Kommentar mitteilen?

       
  2. Peter Buggenum

    @Treverer

    Diese Frage darf man heutzutage nicht mehr stellen, ohne direkt als rechter Hetzer diffamiert zu werden.

    Wenn vom Terror in Europa gesprochen wird, gibt es ein kleines aber nicht unwichtiges Detail zu beachten. Der Terror findet in “Westeuropa” statt. Bislang gab es keine ähnlichen Vorfälle in Polen, Ungarn, etc.

    Warum wohl?

     
    • Frauke

      Seltsame Frage. Polen und Ungarn fahren längst einen äusserst restriktiven Kurs gegen Flüchtlinge.
      Das ist in Westeuropa noch nicht der Fall. Also wird der IS alles tun, was hilft, nicht nur den vermeintlichen Gegner zu treffen, sondern auch Resentiments gegen Flüchtlinge aus islamischen Ländern zu schüren – starke Unterstützung erfährt sie dabei von Parteien wie der AfD.
      Je mehr Menschen mit islamischen Glauben, die es anders als in Polen oder Ungarn in Westeuropa in weitaus größerer Zahl gibt, angegriffen werden,so die Logik, desto anfälliger werden sie möglicherweise für IS-Propaganda.

       
      • Klaus Ritter

        Polen und Ungarn fahren ja nicht nur einen restriktiven Kurs gegen Flüchtlinge – Polen und Ungarn fahren einen restriktiven Kurs gegen die eigene Bevölkerung und das nicht zu knapp.
        Das mag den braunen Gesinnungsgenossen gefallen, vielen anderen jedoch gefällt das nicht!

         
  3. Leuckefeld

    Die meisten Anschläge gibt es nicht in Westeuropa, sondern in Syrien,dem Irak und Afghanisten. Dort sind auch die meisten Opfer zu beklagen.
    Warum keine Anschläge in Polen und Ungarn?
    Ganz einfach – die Terroristen machen diese Staaten nicht für die prekäre Lage in ihren Ländern verantwortlich. Dafür aber die USA, Russland und die führenden,westeuropäischen
    Länder. In der Terrorlogik es IS und seiner Anhänger ist doch ein Anschlag in Paris oder London wirkungsvoller, als in Warschau oder Budapest. Im übrigen: Folgt man der Logik, das dort wo die meisten Flüchtlinge sind, auch die meisten Anschläge geschehen, wäre wohl Athen oder Rom ganz oben auf der Liste.

     
  4. Klaus Ritter

    http://www.sueddeutsche.de/politik/terrorismus-wer-die-welt-terrorisiert-1.2743880
    Ist zwar nicht ganz aktuell, aber geeignet, um Klarheit zu schaffen.
    Aber die Frage von Treverer is einfach zu blöd…..

     
  5. Aufwachen!

    Die Islamisten und Andere glauben, dass der Westen an allem Schuld ist, weil die westlichen Medien permanent in die Welt hinaus posaunen, dass der Westen an allem Schuld ist.

    Ohne diese irrationale masochistische Selbstbezichtigung gäbe es weder eine Rechtfertigung für den Terror noch für die als “Flucht” getarnte opportunistische Massenmigration.

    Der umfangreichen Helferindustrie bräche ihr Markt weg und die vor Jahrhunderten vom Westen wissenschaftlich und ökonomisch abgehängten Gesellschaften müssten ihre selbstverschuldeten Probleme selber lösen.

    [vereinfacht, zugespitzt]

     
  6. Peter Buggenum

    @Ritter

    Hier ging es explizit um terroristische islamisch geprägte Bedrohung in Europa! Paris, Berlin, Barcelona, London etc. In diesem Zusammenhang ist ihr Link zu einer veralteten weltweiten Statistik nutzlos.

    Korrekt ist, dass der lobenswerte restriktive Kurs der Osteuropäer die eigene Bevölkerung schützt. Genau so sollte das sein, denn eine Regierung sollte zuerst die Interessen und die Sicherheit der EIGENEN Bevölkerung gewährleisten.

    Seit einigen Jahren haben wir hier die groteske Situation, dass unsere Grenzen ungeschützt sind und jeder (auch Terrorist) unkontrolliert ins Land kann und die Behörden noch nicht einmal wissen (wollen?), wer hier in das Land reinkommt. Stattdessen verwandeln sich jetzt Weihnachtsmärkte und Volksfeste in Hochsicherheitstrakts.

    Das mag Zeitgenossen wie Ihnen, dem grünen Leuckefeld oder Frauke gefallen, vielen gefällt das eben nicht.

     
  7. Peter Buggenum

    @Leuckefeld Zitat: ” wäre wohl Athen oder Rom ganz oben auf der Liste ”

    Athen leidet doch schon lange darunter. Hier ein Artikel von 2009, der anschaulich die Reaktionen der friedliebendend Schutzsuchenden beschreibt, wenn “vermeintlich” der Prophet beleidigt wurde.

    https://www.welt.de/politik/article3787359/Muslime-liefern-sich-in-Athen-Schlacht-mit-Polizei.html

    Für Journalisten und Satiriker kann das noch viel schlimmer ausgehen.-> Charlie Hebo

    Die islamistischen Attentäter haben sich gezielt eine Zeitschrift als Ziel gesucht, die mit ihrer Haltung für die Meinungsfreiheit eingetreten ist, immer wieder druckte sie Mohammed-Karikaturen und ließ sich durch Drohungen nicht einschüchtern. Ergebnis: Dann wurden die Ungläubigen halt abgeschlachtet.

    Das finden Sie in Osteuropa nicht!

    Erinnern Sie sich noch an den Libanon der 60er Jahre. Ein prosperierendes stabiles Land. Die Gründe für die Entwicklung zu den heutigen Verhältnissen finden Sie hier anschaulich dargestellt:

    https://www.youtube.com/watch?v=Sj7iKHf1U-w

    Anscheinend wiederholt sich die Geschichte, diesmal bei uns.

     
  8. Klaus Ritter

    ….weil es in Polen keine solche satirische Zeitschrift gibt. Da hat die polnische Regierung schon für gesorgt!
    Sollten wir uns Ihrer Meinung nach den Mund verbieten lassen?
    Und soweit ich mich erinnern kann, haben damals die Falangisten den Libanon mit Terror überzogen, christliche Falangisten!

     

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