“Die Region braucht das Theater”

Markus Nöhl, kulturpolitischer Sprecher der Trierer SPD.

Markus Nöhl, kulturpolitischer Sprecher der Trierer SPD.

TRIER. Die SPD-Stadtratsfraktion kritisiert die jüngst vom Bund der Steuerzahler Rheinland-Pfalz vorgetragene Kritik, das Theater in Trier sei “purer Luxus”. Dazu erklärt Markus Nöhl, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Trierer Stadtrat: “Die Region Trier braucht das Theater. Kultur ist Ausdruck des Menschseins und somit unerlässlich. Das Theater übernimmt hierbei eine tragende Rolle in der Region. Es ist ein wichtiger Impulsgeber und Motor des regionalen Kulturlebens. Hauptberufliche Künstlerinnen und Künstler wirken nicht nur auf der Bühne, durch ihre nebenberufliche und ehrenamtliche Arbeit stiften sie einen großen kulturellen Mehrwert in der Region. Dies unterscheidet uns auch vom Theaterangebot Luxemburgs”, führt Nöhl aus. Dagegen fordert die Trierer AfD, die Schließung des Theaters dürfe nach der Kritik des Steuerzahlerbundes kein Tabuthema mehr sein.

“Eine Kulturstadt wie Trier, die einen Großteil ihrer Attraktivität durch ihr kulturelles Erbe und ihr Kulturleben gewinnt, ist nicht denkbar ohne ein Theaterangebot. Tourismus, Hotellerie und Einzelhandel leben hiervon. Die Forderung des Vereins, das kulturelle Leben Triers kaputt zu sparen, würde uns den Ast absägen, auf dem die Stadt sitzt. Zahlreiche Studien haben den volkswirtschaftlichen Nutzen kultureller Investitionen nachgewiesen. Die Kulturstadt Trier braucht neben seinen antiken Welterbestätten ein lebendiges Theater und eine vielfältige freie Szene”, betont der Sozialdemokrat in einer Presseerklärung vom heutigen Mittwoch

“Eine hochverschuldete Stadt wie Trier muss aber auch bei der Kultur im Rahmen ihrer Möglichkeiten arbeiten. Strukturelle Konsequenzen sind getroffen worden, das finanzielle Controlling im Theater und Kulturdezernat zu stärken. Auch weiterhin müssen wir daran arbeiten, das Drei-Sparten-Ensemble-Theater für Trier finanzierbar zu halten. Dies ist steter Auftrag an Theaterleitung, Stadtverwaltung und Rat. Aber wir sehen hier auch Land und Bund in der Verantwortung, für eine ausreichende finanzielle Ausstattung der Kommunen zu sorgen”, fordert Nöhl.

Die Aussage des Geschäftsführers des Vereins Bund der Steuerzahler René Quante, die rheinland-pfälzische Kulturpolitik müsse sich in der Theaterförderung auf das Staatstheater Mainz als Leuchtturm beschränken, lehnt Nöhl entschieden ab: “Eine rheinland-pfälzische Theaterpolitik, die sich nur auf das Staatstheater in Mainz beschränkt, geht an den Bedürfnissen des Flächenlandes vorbei. Es ist mehr als richtig, dass die Landesregierung die kommunalen Theater unterstützt und damit zu einer flächendeckenden kulturellen Versorgung in der Theaterlandschaft von Rheinland-Pfalz beiträgt.”

“Träumereien des Kulturdezernats”

“Der Tag, an dem die anderen Parteien im Stadtrat einsehen, dass das Stadttheater ein Fass ohne Boden ist, wird so schnell nicht kommen”, vermutet der stellvertretende Kreisvorsitzende der AfD, Mario Hau. “Stattdessen hat man mit der Vertragsverlängerung für Karl Sibelius bewiesen, dass eine große Mehrheit vernunftorientierten Lösungen im Wege steht. Man setzt lieber einen falschen Weg fort, als sich selbst einen Fehler einzugestehen. Nämlich den, Sibelius überhaupt nach Trier geholt zu haben. Genau diese Einsicht aber wäre dringend notwendig, um die Divergenz zwischen Kosten und Einnahmen endlich zu beheben. Das Stadttheater nutzen nur etwa zehn Prozent der Bürger, es verschlingt jedoch mehr als 40 Prozent des freiwilligen Haushalts der Stadt. Gleichzeitig spricht Intendant Sibelius von Unterfinanzierung. Im Interesse des Gemeinwohls kann das kaum sein!”

Die aktuellen Pläne zum Theater lehnt Hau ab: “Träumereien des Kulturdezernats, dem Stadttheater in seiner jetzigen Verfassung eine Verdoppelung der Grundfläche, einen Neubau oder eine teure Sanierung zu spendieren, müssen vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse als ausgeträumt gelten. Anstatt darüber nachzudenken, noch mehr Geld in den Theaterbetrieb zu pumpen, bedarf es eines klaren und zukunftsorientierten Konzepts, das den Haushalt der Stadt und damit die Steuerzahler stark entlastet.”

Für Hau sind sofortige Einsparmaßnahmen, wie beispielsweise die Schließung einer oder mehrerer Sparten, unumgänglich: “Kein anderes Amt der Stadt Trier beschäftigt so viel Personal wie das Theater. Im Hinblick auf die damit verbundenen hohen Kosten muss auch hier angesetzt werden. Gelingt es nicht, die Ausgaben deutlich zu reduzieren, muss man sich am Ende tatsächlich die Frage stellen, ob der Weiterbetrieb des Stadttheaters Sinn macht.” Komme der Tag, an dem das Stadttheater schließen müsse, gingen sehr schnell sehr viele Arbeitsplätze verloren. Dem müsse die Stadt bereits jetzt durch eigene Initiativen und Sparkonzepte begegnen.

Im Hinblick auf die Bedeutung des Theaters als Teil unserer kulturellen Tradition ist für den AfD-Politiker eine Förderung aus Steuermitteln grundsätzlich in Ordnung: “Aber dies bedeutet keineswegs, dass wir das Geld mit vollen Händen aus dem Fenster werfen, sobald es um kulturelle Dinge geht. Eine Kommune, die ohnehin schon stark verschuldet ist, kann sich eben keinen überteuerten Kulturbetrieb leisten. Auch für das Theater gelten die Grundsätze der Wirtschaftlichkeit und der gerechten Verteilung knapper Mittel. Alles andere wäre dem steuerzahlenden Bürger gegenüber nicht zu rechtfertigen.” (tr/et)


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Erstellt am Autor trier reporter in Die Reporter-Meldungen, Featured, inside54.de 1 Kommentar

Kommentar zu “Die Region braucht das Theater”

  1. Stephan Jäger

    „…Aber wir sehen hier auch Land und Bund in der Verantwortung, für eine ausreichende finanzielle Ausstattung der Kommunen zu sorgen”“

    Vielleicht liegt es aber auch gerade „in der Verantwortung“ eines (ebenfalls finanziell nicht auf Rosen gebetteten) Landes, ein Auge darauf zu haben, ob mit bereitgestellten Mitteln verantwortungsvoll umgegangen wird…

    …und ein Provinztheater, in dem in Endlosschleife „Des Kaisers neue Kleider“ aufgeführt wird, so lange nicht zu fördern, bis die Dinge dort wieder vom Kopf auf die Füße gestellt sind.

     

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