Die reporter-Satire – Weekly Visit

Weekly Visit unseres Visitors.

Weekly Visit unseres Visitors.

Der Visitor kann diese Woche nur den Kopf schütteln. Über Asylentscheider, die gleichzeitig Hellseher sind, Angies geheimes No-Spy-Wissen, eine vatikanische Niederlage für das Universum, Fußball mit Weinberg und den starken Willen unserer Kanzlerin.

Montag

Soso. Die Welt hält für uns online einen Artikel mit dem Titel “Diese Frau sagt, wer in Deutschland Asyl bekommt” bereit. Er dreht sich um die 385 Asylentscheider in diesem Land. So weit, so gut. Dann kommen aber zwei Aussagen, die mich extrem stutzig machen. Erstens weiß die Entscheiderin offenbar häufig schon vor einer Anhörung, wem sie den Aufenthalt genehmigt und wem nicht. Zweitens entscheidet hierbei vor allem der persönliche Eindruck, auf deutsch Sympathie oder Abneigung gegenüber dem Antragssteller. Na klasse. Erstens kann man sich die Anhörung dann ja auch sparen. Wäre eine gute Revolution für unser Gerichtssystem. Der Richter weiß schon vorher, wie er entscheidet, und der Angeklagte wird halt so zum Spaß nochmal angehört. Würde uns viel Geld und Nerven sparen. Wenn wir mit Asylanten so verfahren, warum dann nicht auch mit uns selbst? Ich schlage vor, das Ganze als Gesetzesantrag in den Bundestag zu bringen. Klingt zwar bescheuert, ich bin aber sicher, dass ein solches Vorhaben ein paar Stimmen findet. Und dann: Sympathie entscheidet? Gleiches Beispiel. Der Richter denkt: “Och nö, der hat das Parfüm vom Liebhaber meiner Frau. Lebenslänglich!” Natürlich ist es nur allzu menschlich, dass auch Sympathie eine Rolle spielt. Aber dass Leben anderer darauf basieren? Da waren sie im Mittelalter manchmal humaner. Asylantrag heisst ab jetzt: “Antrag auf vormittelalterliche Behandlung.” Danke, Deutschland.

Dienstag

Der Knaller. Wir dachten doch immer, dass Angie uns mit dem kommenden No-Spy Abkommen vor der bösen NSA schützt. Nö. Denn jetzt lässt uns Spiegel-Online wissen, dass die USA in einem Aktenvermerk schon vor Monaten angekündigt hatten, einem solchen Abkommen niemals zuzustimmen. Das ist natürlich klasse. Alle nörgeln rum, unsere Politiker wären so verlogen und falsch. Dann wird der Kanzlerin genau das, sogar schwarz auf weiß, nachgewiesen, und, jetzt kommt mein fast schon berühmter Satz, was passiert? Nichts. Sie ist weiter die beliebteste Politikerin im Land. Ich bin sicher, dass dieses Modell auch in der Geschäftswelt funktioniert. Einfach dem Chef sagen: “Der Kunde unterschreibt diesen Vertrag.” Der Kunde hat aber eigentlich gar keinen Bock auf mich, meinen Chef und die ganze Firma. Egal. Ich kassiere ja schon mal meinen Bonus. Liebe Studenten, hört auf zu lernen, braucht ihr alles nicht. Einfach Angies Modell verfogen und viel Geld (in ihrem Fall Sympathien) abstauben. So kommt unser Land sicher wieder auf die Beine und die Arbeitslosenzahlen werden sich reduzieren. Versprochen.

Mittwoch

Niederlage? Fragt sich nur, für wen? Foto: latintimes

Niederlage? Fragt sich nur, für wen? Foto: latintimes

Pietro Parolin klingt zunächst wie ein spanischer Paella-Bräter, ist aber leider Kardinalstaatssekretär im Vatikan. Der Mann wird von mir fortan nur “Die Parole” genannt. Seine Eltern werden sich bei dem Namen etwas gedacht haben, vielleicht haben sie auch schon gewusst, dass der Filius irgendwann mal so richtig einen raushaut, wie zum Beispiel: Das irische Ja zur Homo-Ehe ist eine “Niederlage für die Menschheit”. Erstens Parole, bist du eine Niederlage für das Universum. Wer so etwas sagt, lebt entweder noch in der Zeit der Hexenverbrennung oder ihm bekommt die römische Hitze nicht. Wie wär’s, wenn wir die ganzen Pädophilen in euren Reihen, die Kreuzzüge oder die Hexenverbrennung mal als Niederlage für die Menschheit bezeichnen? Oh, da würden der Parole aber die Fusilli im Hals stecken bleiben. Obwohl diese Dinge weitaus größere Niederlagen für die Menschheit sind als ein paar Pineschlucker, die jetzt eben auch den Typen, der gerade im Pub neben ihnen umgefallen ist heiraten dürfen. Die Nummer ist so daneben, dass einem da gar nichts mehr einfällt außer: Setzen, sechs, nichts kapiert. Respekt vor den anderen, Stoff erste Klasse. Dahin sollte man ihn zurück schicken, obwohl, könnte gefährlich werden. Sie verstehen schon.

Donnerstag

Ein Weinberg als Kapitän einer Fußballmannschaft? Genauer gesagt ein Markus Weinberg. Wenn die Mannschaft dann noch 1. FC Bundestag heisst, dann kann man seine Lachmuskeln wohl kaum zusammenreißen. Weinberg fordert, dass Sepp Blatter, Präsident der FIFA, gestürzt werden muss. Grundsätzlich ja keine schlechte Idee. Aber warum kommt man erst dann drauf, wenn das Kind sowieso schon in den Brunnen gefallen ist und wir alle wissen, was in Katar tagtäglich abläuft? Komisch. Nun gut, vielleicht war Weinberg, als die Korruptionsaffäre los ging ja, passend zu seinem Namen, mit Riesling beschäftigt. Dann sei es ihm aus Alkoholikersicht verziehen. Man muss aber absolut besoffen sein, um so jemanden wie Blatter überhaupt für gut geheißen zu haben. Vielleicht hat er auch Angst, dass der 1. FC Bundestag jetzt nicht mehr bei der WM mitkicken darf. Oder so ähnlich. Ob er jemals einen Pokal holen wird, bleibt fraglich, obwohl sich der FC mit Kicken auskennt. Zumindest mit dem Kicken des politischen Gegners. Toooooooooor.

Freitag

“Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg”, sagt Angela Merkel anlässlich des Besuchs des britischen Premierministers David Cameron. Gilt wohl nur dann, wenn es nicht anders geht. Oder ist etwa kein Wille zum No-Spy-Abkommen oder zur Aufklärung der BND-Affäre da? Doch, aber auch erst, wenn’s nicht anders geht. Momentan gehts noch anders. Glaubt Merkel. Und leider auch die Mehrheit der Deutschen. Willenskraft versetzt Berge, heisst es. In Angies Fall aber nur Worte. Kein Wunder, die Ueckermark ist ziemlich flach, und in den Alpen kennt sich unsere Kanzlerin noch nicht so gut aus. Das kann man ja ändern. Ich verordne ihr einen Urlaub auf der Zugspitze. Oder noch besser: Der Bundestag wird in den Alpen neu gebaut. Kostet zwar ein Schweinegeld, aber bei der Menge an Kohle, die wir Jahr für Jahr für sinnlose Projekte verballern, ist dies denke ich eine gute Investition. Vielleicht wird’s ja da oben dann kühl genug für Merkel, um einige Dinge mal anzugehen. Ich würde es ihr wünschen. Von ganzem Herzen und mit meiner ungebrochenen Willenskraft.

Einen willensstarken Sonntag wünscht euch
The Visitor ML


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Erstellt am Autor trier reporter in Featured, Meinung Hinterlasse einen Kommentar

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