“Die Wirtschaft ist tolerant und vielfältig”

Gut gelaunte Gäste aus Politik und Wirtschaft kann Präsident Peter Arian beim 10. Sommerfest der IHK Trier willkommen heißen. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Es war ein kleines Jubiläum: In diesem Jahr richtete die Industrie und Handelskammer Trier schon zum zehnten Mal ihr Sommerfest aus. Eine Veranstaltung, die nach wie vor gut in die Zeit passt: Etwa 280 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung hatten mit ihrer Anmeldung ihr Kommen signalisiert.

Für den reporter war Rolf Lorig unter den Gästen

Wochenlang war das Wetter kein Thema gewesen. Und dann das: Ausgerechnet am Veranstaltungstag melden die Meteorologen Gewitter, einige sprechen gar von Unwettern. Doch die Macher des IHK-Sommerfestes behalten einen klaren Kopf: “Wir setzen auf Redundanz, haben drinnen und draußen eingedeckt”, lacht Pressesprecher Sebastian Klipp, “das Wetter wird unseren Gästen nichts anhaben.”

Und die wissen offenbar schon im Vorfeld, dass das Fest nicht ins Wasser fallen wird. Alles was Rang und Namen hat, ist an diesem Abend vertreten: Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Bundesjustizministerin Katarina Barley, Universitätspräsident Michael Jäckel, Oberbürgermeister Wolfram Leibe, um an dieser Stelle nur einige zu nennen. Dazu etliche Bundestags- und Landtagsabgeordnete, Dezernenten der Stadt, Behördenchefs, Präsidenten der unterschiedlichsten Vereinigungen und, und, und…

Begeistern mit flotter, aber völlig unprätentiös dargebotener Musik: Die Couchies aus Berlin.

Es gibt viele Gesprächsthemen

IHK-Präsident Peter Adrian ist angesichts von so großem Zuspruch sichtlich zufrieden. Es gebe viele Themen, die den Unternehmern unter den Nägeln brennen würden, die man ruhig und ausgiebig mit den Politikern diskutieren wolle, sagt er mit Blick auf die Ministerpräsidentin. Die nimmt in ihrem Grußwort das Gesagte auf, schmunzelt fast schon ein wenig. Die Themen seien im Grunde doch in jedem Jahr gleich, meint sie und benennt als Beispiele die Bereiche schnelles Internet, Beschäftigung und Verkehrswege. “Ich sehe da nicht nur Wolken am Himmel”, meint sie. Bei der Beschäftigung stehe Rheinland-Pfalz sehr gut da – so wenige Erwerbslose habe es schon sehr lange nicht mehr gegeben. Malu Dreyer weiß genau, wo die Protagonisten zu suchen sind: “Mein Dank gilt dem Mittelstand. Sie sind die, die unser Land nach vorne bringen und die Prosperität im Lande anschieben.”

Das Thema Breitbandverkabelung sieht die Ministerpräsidentin auf einem sehr guten Weg. Etwa 80 Prozent der Bevölkerung könne auf eine Verbindung mit 50 Mbit/s zugreifen. Der Ausbau schreite voran: “Wir strengen uns an und machen dabei große Fortschritte.”

Auch der Tourismus beschäftigt die Regierung: “2017 hatten wir fast 10 Mio. Gäste und 25,2 Mio. Übernachtungen”, zählt die Ministerpräsidentin auf. Und richtet den Blick auf die Gastronomie. Die stehe vor besonderen Herausforderungen, sei aber auch der bisherige Garant für den Erfolg. Um diesen Erfolg zu stärken und zu festigen, arbeite der Landtag eng mit der Enquete-Kommission und den Kammern zusammen. Eine Möglichkeit zur Hilfestellung sieht Dreyer in dem Fachkräftezuwanderungsgesetz: “Daran arbeiten wir mit Hochtouren.” Sie könne und wolle nicht einsehen, dass Menschen, die man hier haben wolle, derzeit noch abgeschoben werden.

“In der Sprache verschiebt sich sehr viel zum Negativen hin”

Und noch etwas beschäftigt die Politikerin: “Die unangemessene Flüchtlingsdebatte.” Sie registriere, dass sich im Bereich der Sprache sehr viel zum Negativen hin verschiebe. “Da waren wir in unserer Gesellschaft schon mal viel weiter.”

Der Begriff Political Correctness sei zwar angestaubt, “aber er steht für eine diskriminierungsfreie Sprache.” Die Gesellschaft dürfe nicht dulden, dass diskriminierende Begriffe gebraucht werden. Alle seien aufgerufen korrigierend einzugreifen, wenn Begriffe gebraucht würden, die nicht korrekt seien. Die Wirtschaft sieht die Ministerpräsidentin dabei in einer vorbildlichen Rolle: “Die Wirtschaft ist tolerant und vielfältig.”

Hier legt der Meister selbst Hand mit an: Sternekoch Harald Rüssel.

Spaß und gute Unterhaltung ist eine der Erfolgssäulen des IHK-Sommerfestes. Eine Domäne des Mosel Musikfestivals. Seit der ersten Veranstaltung ist das Festival Partner der IHK, engagiert Künstler, die dem besonderen Anspruch gerecht werden. In diesem Jahr kündigt Intendant Tobias Scharfenberger die “Couchies” an. Eine Berliner Formation, die er bei einer Fachmesse in Freiburg gesehen und erlebt hat. Dass das eine gute Wahl war, zeigt das gut halbstündige Konzert des Trios, das völlig relaxt sein Publikum mit einem nicht alltäglichen musikalischen Mix vom ersten Moment an mitnimmt und so passend auf den eigentlichen Teil des Abends, der Kommunikation und dem Netzwerken, einstimmt.

Das Reich von Harald Rüssel

Die Erinnerung von Ministerpräsidentin Dreyer (“Im vergangenen Jahr haben wir furchtbar geschwitzt”) wiederholt sich zum Glück nicht. Der Himmel ist zwar bewölkt, doch es ist trocken bei etwa 22 Grad Celsius.

Draußen, vor dem Tagungszentrum, hat Sternekoch Harald Rüssel sein Reich aufgebaut. Der Duft von Saibling auf Kartoffelpüree oder Kalbstafelspitz mit einem Graupen-Risotto, Wurzelgemüse und einer Pfifferlingssauce verfehlt seine Wirkung nicht. Rasch bilden sich an der Essenausgabe lange Warteschlangen, die ersten Themen machen schon die Runde. Für die passenden Getränke sorgen die vier Weingüter Hubert Bollig (Wintrich), Weingut Wützberg – vorm. Weingut Dr. Siemes – aus Serrig; Weingut Ludger Veit aus Osann-Monzel und Classisches Weingut Hoffranzen aus Mehring. Und die Biertrinker bewirtet die Bitburger Brauerei.

 

Extra: Wie war das damals?

Seit zehn Jahren gibt es das IHK-Sommerfest. Wer erinnert sich noch an die Anfänge? Hermann Lewen, der frühere Intendant des Mosel Musikfestivals, muss da nicht lange überlegen: “Damals hatten wir den Klavierkabarettisten Armin Fischer als “Der Mann am Klavier” engagiert. Einen wesentlichen Unterschied zum heutigen Fest kann er nicht feststellen: “In angenehmer Atmosphäre beim Small Talk kann man hier mehr auf den Weg bringen, als es sich manchmal in trockenen Amtsstuben anschieben lässt.”

Auch der frühere Eintracht-Vorstand Harry Thiele erinnert sich noch sehr gut an das erste Fest. Damals war er noch der Vorsitzende der Vereinigung Trierer Unternehmer (VTU): “Unser Neujahrsempfang war schon ein besonderes gesellschaftliches Erlebnis. Die Kammer wollte und konnte da nicht mit der gleichen Veranstaltung konkurrieren. Und so entstand das Sommerfest. Das Konzept war und ist stimmig: Keine langen offiziellen Reden, stattdessen gute Unterhaltung und viel Freiraum für ein zwangloses Zusammensein, bei dem wunderbar Kontakte geknüpft werden können.”

Bei angenehmen Temperaturen gemeinsam essen und trinken und dabei neue Kontakte knüpfen – das IHK-Sommerfest bietet den perfekten Rahmen.

Ein wenig Wehmut beschleicht Handwerkskammerpräsident Rudi Müller schon, wenn er sich den Rahmen des Festes anschaut. Nein, antwortet er dann aber doch entschieden, eine Konkurrenzveranstaltung wolle die HWK nicht aufziehen, da fehle es der kleinsten Handwerkskammer auch an den finanziellen Mitteln. Zudem gebe es dafür aber auch keine Notwendigkeit, schließlich gebe es in Trier eine vorbildlich gute Zusammenarbeit der beiden Kammern – “und das ist längst nicht selbstverständlich, wenn man sich da mal in anderen Städten umschaut.”

Vor zehn Jahren war Klaus Jensen noch der Oberbürgermeister der Stadt Trier. Oh ja, lacht er, er erinnere sich noch sehr gut an das erste Fest: “Ich habe da unglaublich viele Gespräche geführt, schließlich war ich sehr stark daran interessiert, die Menschen kennenzulernen und mich mit ihnen auszutauschen. Ich habe dabei so viel gesprochen, dass ich fast nichts mehr zu essen bekommen habe.”

Für Dezernent Thomas Schmitt ist es erst das zweite Fest, angekommen ist er aber schon längst. Ganz so viele neue Erstkontakte muss er nicht mehr knüpfen, entspannt sucht er das Gespräch auch mit den Kollegen aus der Politik, die nicht seiner Partei angehören. Was ihm besonders gefällt? “Der künstlerische Teil der Veranstaltung und der wunderbar ungezwungene Rahmen für gute Gespräche.”

Stellt sich die Frage, ob Politiker nicht genervt sind, wenn sie auch am Feierabend politische Gespräche führen müssen. Die Bundestagsabgeordnete der Linken, Katrin Werner, verneint das. Im Gegenteil, betont sie, schließlich erfahre sie auch Kritik an der Arbeit der Regierungsparteien, die man dann als Anhaltspunkt in die eigene Oppositionsarbeit einfließen lassen könne. Zudem gebe es aber auch viele andre Themen im Gespräch mit Unternehmern – beispielsweise das Thema Betriebsrat…

Einer, der da keine Berührungsängste hat, ist der Bitburger Ralf Britten. Er trägt an diesem Abend auf zwei Schultern: als Geschäftsführer des Kulturzentrums “Trifolion” in Echternach und als Präsident der Deutsch-Luxemburgischen Wirtschaftsinitiative (DLWI). Britten ist an diesem Abend ein gefragter Gesprächspartner, führt die DLWI – sie arbeitet eng mit der IHK zusammen – doch luxemburgische und deutsche Unternehmer zusammen und gibt ihnen eine Stimme in der europäischen Grenzregion. Für Britten hat dieses Sommerfest alleine schon deshalb einen festen Platz in seinem Kalender.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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