Die Zahl der Arbeitslosen ist weiter gesunken

Sie sehen eine gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt: Heribert Wilhelmi, Chef der Agentur für Arbeit Trier, und seine Stellvertreterin Stefanie Adam. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Die Arbeitsmarktbedingungen sind optimal: Im Jahresverlauf 2018 betrug die Arbeitslosenquote in der Stadt Trier 4,3 Prozent, in den benachbarten Landkreisen schwankte sie zwischen 2,5 und 3,5 Prozent.Nach Aussage von Heribert Wilhelmi, in Trier der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, ist im vergangenen Jahr – bezogen auf die gesamte Region – die Zahl der Arbeitslosen wie bereits im Jahr 2017 weiter gesunken. Im Durchschnitt befanden sich 9.418 Menschen in Arbeitslosigkeit. Im Vergleich zu 2017 sind dies 1.149 Arbeitslose weniger und ein prozentualer Rückgang von 10,9 Prozent. “Die Arbeitslosenquote ist von 3,7 Prozent auf 3,2 Prozent gesunken”, fasste der Vorsitzende zusammen.

Anlass für die Betrachtung war die jährliche Auftaktpressekonferenz, bei der Wilhelmi zusammen mit seiner Stellvertreterin Stefanie Adam zum einen die aktuelle Entwicklung skizzierte und zum anderen die Anstrengungen seines Hauses zur weiteren Entschärfung der Arbeitslosigkeit bekannt gab. Trotz der niedrigen Prozentzahl – Volkswirtschaftler sprechen bei einer Arbeitslosenquote von 3 bis 3,2 Prozent von einer Vollbeschäftigung – will Wilhelmi diesen Begriff nicht in den Mund nehmen. “Vollbeschäftigung hätten wir, wenn alle unsere Klienten in Brot und Arbeit wären. Und das ist bei 9.418 Menschen eben nicht der Fall.” Dennoch freut ihn die Entwicklung: “Wir haben einen Rückgang bei der Zahl der Arbeitslosen, wie wir ihn so noch nicht verzeichnet haben.” Mit den Zahlen des vergangenen Jahres liege man noch unter denen des Jahres 2009, das als das Jahr der Weltwirtschaftskrise die bis dato heile Arbeitswelt erschütterte.

Der Rückgang der Arbeitslosen in 2018 ist in fast allen Personengruppen zu beobachten. So waren 5.154 Männer arbeitslos, 633 Männer bzw. 10,9 Prozent weniger als noch 2017. Bei den Frauen lag der Rückgang von 4.780 auf 4.264 bei 516 Frauen und 10,8 Prozent. Nach dem fluchtbedingten Anstieg der arbeitslosen Ausländer in den vorherigen Jahren, sinkt der Bestand der deutschen und ausländischen Arbeitslosen in 2018 prozentual in ähnlichem Umfang. 2018 verringerte sich der Bestand der deutschen Arbeitslosen um 11,0 Prozent und der, der ausländischen Arbeitslosen um 10,2 Prozent. Das ist ein Rückgang von 914 arbeitslosen Deutschen auf nun 7.391 Personen sowie 230 Ausländern auf 2.014 Personen. Auch konnten 89 mehr Schwerbehinderte in 2018 ihre Arbeitslosigkeit beenden als noch im Jahr zuvor. 2017 waren es 743 arbeitslose Schwerbehinderte, in 2018 lag die Zahl bei 654.

Die Zahlen belegen die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Grafik: Agentur für Arbeit

“Region Trier ist gut aufgestellt”

Wilhelmi zeigte sich verhalten optimistisch, dass der positive Trend anhalten wird: “Die Region Trier ist nach wie vor gut aufgestellt und der Arbeitsmarkt ist weiter aufnahmefähig.” Zudem sei der Arbeitsmarkt weiterhin stabil und es bestehe eine hohe Nachfrage an Arbeitskräften. “Unser Ziel für das neue Jahr ist es, durch gezielte Unterstützung den Arbeitslosen neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen.“

Stefanie Adam, die in der Geschäftsführung für das operative Geschehen verantwortlich zeichnet, macht eine Personengruppe jedoch Sorge. Arbeitslose ohne Berufsabschluss haben es zunehmend schwerer, wieder in ein festes Beschäftigungsverhältnis zu kommen. Nach ihren Worten waren im Berichtszeitraum 4.491 Menschen ohne Berufsabschluss arbeitslos. Hier meldete sie einen Anstieg um 181 Personen. Dem gegenüber seien in 2018 durchschnittlich 4.132 Menschen mit einer Berufsausbildung arbeitslos gewesen. Nur bei etwa 20 Prozent der offenen Stellen sei die Berufsausbildung nicht relevant. “Ohne entsprechende berufliche Qualifikationen ist es immer schwieriger den Weg aus der Arbeitslosigkeit zu finden.“

Dieser Situation will die Agentur für Arbeit mithilfe von geförderten Weiterbildungen, auch schon vor Eintritt einer möglichen Arbeitslosigkeit, begegnen. Die Unterstützung und Förderung von geringer qualifizierten Personen sei deshalb einer der Hauptaugenmerke bei den Agenturen für Arbeit und Jobcentern in der Region. “Denn wenn jemand ohne Berufsausbildung arbeitslos ist, ist die Tendenz zu längeren Arbeitslosigkeitsdauern höher als bei den ausgebildeten Personen. Im Zuge des neuen Qualifizierungschancengesetzes, das mit Januar 2019 in Kraft tritt, werden dabei neue Möglichkeiten, auch an der Schnittstelle der Agenturen und Jobcenter zu den Betrieben geschaffen”, sagt die Geschäftsführerin. Ihren Aussagen zufolge unterstützte die Agentur für Arbeit Trier im Berichtszeitraum 1.435 Förderungen im Bereich der beruflichen weiterbildung und investierte knapp 3,4 Mio. Euro in diese Maßnahmen. Bei der Weiterbildung von geringqualifizierten und in einem Arbeitsverhältnis stehenden Arbeitnehmern förderte die Agentur 202 neue Fälle; Arbeitnehmer und Arbeitgeber wurden hier mit knapp zwei Mio. Euro gefördert.

Der Blick auf die Entwicklung der Langzeitarbeitslosen, also Arbeitslosen, die länger als ein Jahr arbeitslos sind, zeigt, dass es immer häufiger gelingt auch Personen mit teils schwierigeren Lebenslagen einen Wiedereinstieg in die Arbeitswelt zu ermöglichen. Von den ehemals 2837 Langzeitarbeitslosen in 2017 verblieben in 2018 nur durchschnittlich 2.369 in einer länger anhaltenden Arbeitslosigkeit, das ist ein Rückgang von 16,5 Prozent. Auch für das Jahr 2019 ergeben sich für diese Personengruppe durch das sogenannte Teilhabechancengesetzt neue Möglichkeiten Wege auf den Arbeitsmarkt zu finden.

Symbolfoto: Succo

Problem Fachkräftemangel

Die Anzahl der bei der Agentur für Arbeit Trier gemeldeten offenen Stellen, aus denen die Arbeitslosen unter anderem ihre Angebote auswählen können, lag auch 2018 auf einem konstant hohen Niveau von durchschnittlich 4.883, auch wenn die Unternehmen in den Monaten des Jahres 2018 mit 14.121 zu 16.018 in 2017 weniger neue Stellen meldeten als im Jahr zuvor. Die meisten offenen Stellen sind in der Arbeitnehmerüberlassung gefolgt vom verarbeitenden Gewerbe, dem Handel und dem Gastgewerbe zu finden. Auch wenn der Großteil der Stellen sofort zu besetzen war, dauert es nicht zuletzt wegen des steigenden Bedarfs an Fachräften immer länger, bis ein geeigneter Mitarbeiter gefunden werden kann. Im Jahr 2017 konnte nach durchschnittlich 132 Tagen eine erfolgreiche Suche vermeldet werden, in 2018 waren es schon 143 Tage. Mehr als ein Viertel der Stellen sind sogar länger als sechs Monate unbesetzt. Am schwierigsten zu besetzen sind dabei die Arbeitsstellen, die sich an Fachkräfte mit Berufsausbildung richten.

Für Adam und Wilhelmi steht deshalb fest, dass insbesondere die Qualifizierung von Menschen ohne Berufsausbildung in Zusammenarbeit mit potenziellen Arbeitgebern vorangetrieben werden muss. Für beide Seiten bedeute das eine klassische win-win-Situation: “Die Arbeitgeber können mit unserer Hilfe und Unterstützung so genau den Mitarbeiter bekommen, der dringend benötigt wird. Und die Menschen, die unser Angebot der Qualifizierung annehmen, haben damit die allerbesten Chancen auf eine dauerhafte Einstellung”, unterstreicht Heribert Wilhelmi. (-flo-)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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