Durchschnittliche Arbeitslosenquote lag 2017 bei 3,7%

Sie leiten die Geschäfte der Agentur für Arbeit Trier: Heribert Wilhelmi (links) und Dirk Hannowsky. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Die gute Nachricht kommt von der Agentur für Arbeit: “Wir haben eine stabile konjunkturelle Entwicklung in der Region, die sich positiv auf den Arbeitsmarkt auswirkt,” teilte Heribert Wilhelmi, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Trier, bei der Jahrespressekonferenz mit. Damit bestätigt er für die Region die Aussage von Detlef Scheele, dem Vorstandsvorsitzenden der Bundesagentur für Arbeit in Berlin: “Der Arbeitsmarkt hat sich im Dezember 2017 sehr gut entwickelt: die Zahl der arbeitslosen Menschen ist weniger gestiegen als saisonal üblich, die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und die Nachfrage der Betriebe nach neuen Mitarbeitern steigen auf hohem Niveau weiter kräftig an.“

Bei der Jahrespressekonferenz zu den Arbeitsmarktentwicklungen wurde Heribert Wilhelmi erstmals von Dirk Hannowsky unterstützt. Der promovierte 50-jährige Diplom-Volkswirt und Diplom-Kaufmann arbeitet seit einem halben Jahr als Nachfolger von Edeltraud Nikodemus, die zum 1. Juli als Leiterin des Jobcenters nach Kaiserslautern gewechselt ist, und verantwortet seither die operative Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Trier.

Dem Bericht der beiden Führungskräfte zufolge waren 2017 im Jahresdurchschnitt pro Monat 10.567 Arbeitslose gemeldet. “Das waren 657 Personen weniger als noch im Vorjahr und bedeutet rechnerisch betrachtet ein Rückgang um 5,8 Prozent”, stellte Wilhelmi fest. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote habe bei 3,7 Prozent gelegen. “Die niedrigste monatliche Quote wurde im November 2017 mit 3,2 Prozent erreicht, das entsprach 9.302 Personen.” Zuletzt sei im Dezember die Arbeitslosigkeit dann saisonal bedingt wieder leicht angestiegen. “Die höchsten Monatsquoten lagen im Januar und Februar 2017 bei 4,4%, damals waren noch über 12.000 Arbeitslose registriert.”

Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gestiegen

Geschäftsführer Dirk Hannowsky wies darauf hin, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zum Stand 30. Juni 2017 gegenüber dem Vorjahr um 2.547 Personen auf insgesamt 172.962 angestiegen sei. Das entspreche einem Plus von 1,5 Prozent. “2016 war die Beschäftigung in der Region Trier bereits rekordverdächtig hoch. Umso bemerkenswerter ist daher der erneute Anstieg im Jahr 2017.” Trotz dieses Zuwachses an Beschäftigen scheint der Bedarf nach Arbeitskräften bei den Unternehmen noch immer nicht gedeckt zu sein. “Das erkennen wir daran, dass die Zahl der bei uns gemeldeten offenen Arbeitsstellen ebenfalls gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist“, so Hannowsky. Im Jahr 2016 seien insgesamt 15.310 Stellenangebote registriert worden. “Dieser Wert wurde im Jahr 2017 um 708 Stellen bzw. 4,6 Prozent übertroffen und lag daher bei insgesamt 16.018. Durchschnittlich waren somit pro Monat 4.832 Stellen vakant.”

Auch ältere Arbeitnehmer jenseits der 50 profitieren vom großen Fachkräftebedarf.

Die meisten Stellenangebote wurden 2017 in der Zeitarbeitsbranche registriert, insgesamt 6.320. Ebenfalls sehr gefragt waren Arbeitskräfte im Verarbeitenden Gewerbe (1.696 offene Stellen) und im Bereich des Handels (1.667 offene Stellen). Die Nachfrage in den traditionell in der Region Trier sehr starken Branchen des Gastgewerbes und des Gesundheits- und Sozialwesens ist hingegen etwas zurückgegangen. Im Gastgewerbe wurden dennoch insgesamt 1.176 und im Gesundheits- und Sozialwesen 975 offene Stellen gemeldet.

Für 2018 erwartet der Geschäftsführer eine weiterhin gute konjunkturelle Entwicklung. Die Fachkräftesicherung werde deshalb für die regionalen Unternehmen weiter in den Fokus rücken. Die Agentur für Arbeit Trier, so Hannowsky, will auch künftig verstärkt Arbeitgeber dabei unterstützen, passende Arbeitskräfte zu finden.

Flüchtlinge am Arbeitsmarkt

Laut Heribert Wilhelmi machte sich die Flüchtlingssituation auch 2017 auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Dem Bericht zufolge waren im Jahresschnitt pro Monat 2.243 Menschen ausländischer Herkunft arbeitslos gemeldet, 221 mehr als 2016 durchschnittlich. Jedoch beobachtete die Arbeitsagentur, dass “der Höchststand an gemeldeten Personen ausländischer Herkunft und auch an Personen aus Asylherkunftsländern bereits im Januar 2017 erreicht war. Damals waren 2.734 Ausländer arbeitslos, 1.058 davon aus Asylherkunftsländern. Bis Dezember sind diese Zahlen auf 2019, bzw. auf 756 gefallen.“ Als Asylherkunftsländer werden Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien bezeichnet. “Die Unternehmen sind zunehmend bereit, auch dieser Gruppe eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu geben”, stellte Heribert Wilhelmi fest.

Mit innovativen Ideen Fachkräfte gewinnen

Auf Basis der Entwicklungen im Jahr 2017 richten die Leiter der Arbeitsagentur Trier den Blick jedoch schon nach vorne. “Auf Grund der Situation auf dem regionalen Arbeitsmarkt ist es unsere Hauptaufgabe, möglichst viele Personen, die gewisse Handicaps bei der Arbeitsplatzsuche mitbringen, fit zu machen, um die offenen Arbeitsstellen zu besetzen.“ Daher lägen auf dem Abbau und der Prävention von Langzeitarbeitslosigkeit, der Steigerung der Erwerbsbeteiligung von schwerbehinderten Menschen und auf der weiteren Integration von geflüchteten Personen die Hauptaugenmerke der Agentur im Jahr 2018. Hierbei nimmt Wilhelmi die regionalen Unternehmen mit ins Boot. “Arbeitgeber müssen sich darauf einstellen, dass gesuchte Fachkräfte nicht mehr ohne weiteres auf dem Arbeitsmarkt vorhanden sind. Mein Appell lautet also, sich auf alternative Besetzungsstrategien einzulassen und sich von unserem Arbeitgeber-Service beraten zu lassen, wie offene Stellen am besten besetzt werden könnten. Oftmals gibt es beispielsweise die Möglichkeit, ungelernte Arbeitslose mit Unterstützung der Arbeitsagentur zu Fachkräften weiterzubilden.“ Auch die Beratung von Jugendlichen bei der beruflichen Orientierung bleibt ein Schwerpunkt bei den Aktivitäten der Arbeitsagentur. “Damit helfen wir bei der Gewinnung der Fachkräfte von Morgen“, so Wilhelmi. Von einem flächendeckenden Fachkräftemangel will der Chef der Trierer Arbeitsagentur aber nicht sprechen: “Es gibt viele Betriebe, die sich mit innovativen Ideen auf dem Fachkräftemarkt bewegen und dort deshalb auch ihren Bedarf decken können.”

Knapp 31.000 Rheinland-Pfälzer gehen in Luxemburg ihrer Arbeit nach. Quelle: Agentur für Arbeit

Blick in die Region

Die Agentur für Arbeit Trier deckt eine Region ab, die sowohl die Stadt, als auch die vier Landkreise Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm, Trier-Saarburg und Vulkaneifel umfasst. Trotz der insgesamt guten konjunkturellen Lage lassen sich gewisse Unterschiede zwischen diesen Kreisen erkennen. Am niedrigsten waren die Arbeitslosenquoten in den Kreisen Trier-Saarburg und Bitburg-Prüm. Im Jahresdurchschnitt lagen sie bei 3,0 Prozent. Im Eifelkreis entsprach dies einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um 0,1 Prozentpunkte, in Trier Saarburg einem Rückgang von sogar 0,3 Prozentpunkte.

Der Kreis Bernkastel-Wittlich verzeichnete im vergangenen Jahr eine durchschnittliche Arbeitslosigkeit von 3,5 Prozent, der Vulkaneifelkreis eine von 4,3 Prozent. In beiden Kreisen ging die Quote daher um 0,2 Prozentpunkte zurück. Am höchsten ist die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt in der Stadt Trier gewesen, sie lag bei 5,1 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr ist das aber ein sehr deutlicher Rückgang um 0,6 Prozent. (rl/tr)


Drucken
Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.