Ein hörendes Herz schlägt nicht mehr

Für die damalige Kultusministerin Doris Ahnen war Präsident Peter Schwenkmezger “der Mann der leisen Töne”, der aber, wenn es um die Interessen der Universität Trier ging, immer beharrlich an seinen Forderungen festgehalten habe. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Am Montag, 23. Juli, wurde Professor Dr. Peter Schwenkmezger, der frühere Präsident der Universität Trier, im engsten Familien- und Freundeskreis auf dem Tarforster Friedhof beigesetzt. Die Trierer Bevölkerung konnte sich von dem im Alter von 71 Jahren verstorbenen Psychologen im Rahmen einer Gedenkfeier, würdig gestaltet vom Trierer Konzertchor, in der Basilika verabschieden. Eine Möglichkeit, die mehrere hundert Menschen, unter ihnen auch Bischof Stephan Ackermann, der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Konrad Wolf und Schwenkmezgers Nachfolger im Amt, Michael Jäckel, nutzten. Die Leitung der Gedenkfeier lag in den Händen von Pfarrer Reinhardt Müller.

Von Rolf Lorig

Wer war der Mensch Peter Schwenkmezger? Dieser Frage näherten sich Pfarrer Müller und Präsident Jäckel auf unterschiedliche Weise. Während Michael Jäckel dabei auf ein langjähriges gemeinsames Berufsleben an der Universität zurückgreifen konnte, das auch durch eine persönliche Freundschaft untermauert war, musste sich der Theologe bei den persönlichen Erinnerungen auf seelsorgerische Begegnungen im Krankenhaus stützen, die naturgemäß von der Zahl her geringer waren, nicht aber in der Intensität: “Mir sind insbesondere zwei Dinge in Erinnerung geblieben: seine fast schon unsägliche Geduld im Umgang mit seiner Krankheit und das Strahlen, das auf seinem Gesicht lag, wenn er von seinen Enkelkindern erzählt hat.” Er habe den Verstorbenen als einen warmherzigen Menschen erlebt, der das Leben, die Musik – Peter Schwenkmezger war auch Mitglied im Trierer Konzertchor – und ganz besonders die Menschen liebte. Aus Gesprächen mit den Angehörigen wisse er, so Pfarrer Müller, dass der frühere Präsident nach seinem Ruhestand auch ehrenamtlich in der Telefonseelsorge mitwirkte, wo er seine hohe Fachkompetenz einbringen konnte.

Kulturelle Vielfalt war Peter Schwenkmezger immer ein besonderes Anliegen.

“Er kannte dieses besondere Haus, die Universität, vom Keller bis in das Dachgeschoss.”

Für Michael Jäckel war Peter Schwenkmezger der Inbegriff des modernen General Managers: “Er kannte dieses besondere Haus, die Universität, vom Keller bis in das Dachgeschoss. Vom Gärtner, der den Park pflegte, bis zum Institutsdirektor, der sich Sorgen um seinen Etat machte. Er kam früh und er ging spät.”

Peter Schwenkmezger habe die Universität mit einem besonderen Gespür für das Machbare und das Illusionäre wahrgenommen. “Er lenkte und prägte die Universität in einer reformintensiven Phase, die zugleich durch ein deutliches Wachstum der Studierendenzahl gekennzeichnet war. Ein Wechsel von Begeisterung und Sorge war fast alltäglich.” In einem Interview habe er einmal gesagt, dass man als Universitätspräsident keine Bataillone habe, Individualität präge nicht nur das Amt, sondern auch die Universität. Weshalb es immer auf ein geschicktes Taktieren ankomme.

Doch das Taktieren alleine reiche dabei natürlich nicht aus, so Jäckel. Für Peter Schwenkmezger habe die Stärke der Universität immer in der Einheit von Forschung und Lehre gelegen. “Das universitäre Wirken war ihm wichtig, aber auch die gesellschaftliche Mitgestaltung.”

“Er engagierte sich für das Wohl der Patienten, wartete selbst aber vergeblich auf dieses Wohl.”

Diese Mitwirkung habe Schwenkmezger gerne betrieben. Als Chorsänger im Trierer Konzertchor sei er sehr geschätzt gewesen, als ehrenamtlicher Helfer der Telefonseelsorge Trier habe er in schwierigen Lebenssituationen Beistand geleistet. Zudem sei er lange Jahre als psychologischer Berater Mitglied der Lebendorgan-Spendenkommission der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz gewesen. Sichtlich bewegt stellte Michael Jäckel fest: “Er engagierte sich für das Wohl der Patienten, wartete selbst aber vergeblich auf dieses Wohl.”

Eine schwere Erkrankung habe ihn nur wenige Jahre nach seiner Verabschiedung aus dem Berufsleben zunehmend aus dem Alltag gedrängt und ihn zunehmend am Wandern, Reisen, und an Aufenthalten in der Natur gehindert. “Nach und nach konnte er nicht mehr all die Dinge tun, die er schon immer gern getan hatte”, erinnerte sich Jäckel.

Er kannte seine Universität vom Dach bis zum Keller mit allen dort arbeitenden Menschen: Peter Schwenkmezger am Fenster seines Arbeitszimmers.

Der Wunsch von König Salomon

Mit brechender Stimme erinnerte der Universitätsräsident zum Schluss noch einmal an den 31. August 2011, als Peter Schwenkmezger nach mehr als elf Jahren Amtszeit verabschiedet wurde. “Der damalige Vizepräsident Thomas Raab wählte eine Geschichte aus dem Alten Testament, um eine besondere Eigenschaft des scheidenden Präsidenten zu beschreiben. Er schilderte den Wunsch des jungen Königs Salomon, dass Gott ihm zur Erfüllung seiner Aufgaben ein hörendes Herz schenken möge.” Mit Peter Schwenkmezger habe die Universität Trier eine bedeutende Persönlichkeit, einen echten Kollegen und Freund verloren.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft 1 Kommentar

Kommentar zu Ein hörendes Herz schlägt nicht mehr

  1. Gundolf Bartmann

    Liebe Trierreporter,
    Wie schon bei dem ersten Beitrag kurz nach dem Tod von Prof. Schwenkmezger, versteht es der Autor Rolf Lorig in einfühlsamer Weise und Verbundenheit das Wesentliche des Wirkens und Wesens der „öffentlichen“ Person Prof.Dr. Schwenkmezger mit dem Besonderen des Menschen, so wie wir ihn auch kennen und schätzen lernen durften, zu verbinden.
    Vielen Dank für diese Beiträge und die so wertvollen Fotos , die offenbar in innerer Beziehung verfasst, produziert und achtsam ausgewählt wurden.

    Gundolf Bartmann

     

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