Ein neuer Kunstraum für Trier

TRIER. Das Fach Kunstgeschichte der Universität Trier hat seine zweite Ausstellung in den Katakomben auf Campus II eröffnet. Mit “generator 2016” soll ein neuer Raum für zeitgenössische Lichtkunst in Trier geschaffen werden. Dafür wird nach einer dauerhaften Finanzierung gesucht.

In der Ausstellung “generator 2016” gewähren die international renommierten Lichtkünstler Detlef Hartung und Georg Trenz den Besuchern noch mehr Einblicke in die Katakomben von Campus II. Erst im Frühjahr hüllte der Lichtkunst-Preisträger Mischa Kuball mit seiner Lichtinstallation flashlab den alten Heizkeller in mystisches rotes Licht.

Jetzt prangen weiße Buchstaben an den Wänden. 24 Diaprojektoren surren. Die Lichtinstallation von Hartung und Trenz lässt den Heizkeller in Textfragmenten erstrahlen. “Lorem ipsum” heißt ihr Werk. Lorem ipsum steht stellvertretend für Blindtexte. Es wird von vielen Layout-Programmen als Platzhalter oder zum Test verschiedener Schrifttypen eingesetzt. Der Sinn des Textes ist die inhaltliche Sinnlosigkeit. Das Ziel des Pseudo-Lateinischen ist, den Betrachter nicht vom Text abzulenken, sondern sich auf seine Gestaltung zu konzentrieren.

Besucher können nun erstmals in Führungen durch den Heizkeller gehen und mit Lorem ipsum die Campus-Katakomben selbst erforschen. Prof. Ulrike Gehring und Stephan Brakensiek leiten das Projekt an der Universität Trier. Gehring sieht den Kunstraum als “einzigartig für Trier”: Erstens sei er ein historischer Ort für zeitgenössische Lichtkunst und zweitens könnten hier Studierende das kuratorische Handwerk erlernen. Die Geisteswissenschaften müssten sich in diesen Zeiten öffnen, indem sie auch Berufspraxis in das Studium integrierten.

Kuratorin Andrea Diederichs hat gemeinsam mit Studierenden des Fachs Kunstgeschichte die Ausstellung konzipiert und umgesetzt. Neben der Lichtinstallation in der Heizzentrale präsentieren sich dem Besucher eine interaktive Videoinstallation von Jeongho Park, eine 61 Meter lange Tuschezeichnung von Klaus Maßem und zwei studentische Arbeiten. Eine davon beschäftigt sich mit der Aufarbeitung des historischen Ortes in Videofilmen, während sich das Werk von Diana Thomas ebenfalls mit dem Blindtext Lorem ipsum auseinandersetzt.

Die Zukunft der Ausstellungsräume ist allerdings offen. Der “generator” brauche nicht nur kulturpolitische Diskussionen, sondern eine handfeste Planung. Die Stadt Trier müsse sich den Kunstraum auch leisten wollen, erklärt Gehring. Ob weiterhin Kunst, Ideen und Wissen im “generator” produziert würden, liege nun in anderen Händen. Was ein “generator” nicht könne, sei dauerhaft Energie zu produzieren, ohne dass Brennstoff hinzugefügt werde.

Besuchszeiten

Führungen finden ab dem 3. November jeden Donnerstag von 18.30 bis 19.30 Uhr und ab dem 5. November samstags von 14 bis 15 Uhr statt; individuelle Termine nach Vereinbarung. (tr)


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Erstellt am Autor trier reporter in Die Reporter-Meldungen Hinterlasse einen Kommentar

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