Ein Schatz wurde entstaubt

Sie leiteten die Konservierungsarbeiten: Projektleiter Georg Breitner und Maria Carmen D’Onza. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Es war in den 1950er Jahren eine archäologische Sensation: Unter dem Boden der Konstantin Basilika fanden sich ausgedehnte Reste von Vorgängerbebauungen, die das Rheinische Landesmuseum in den Jahren 1954 – 55 freilegte. Die Funde wurden konserviert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Über 60 Jahre später war das Rheinische Landesmuseum erneut vor Ort tätig, entstaubte im Laufe eines Jahres die damaligen Ausgrabungen und machte die Fundstelle fit für die kommenden Jahrzehnte.

Bilder und Farbmarkierungen an den Wänden verdeutlichen die Bedeutungen und Dimensionen der Funde

Wenn Projektleiter Georg Breitner nach der Dauer der Arbeiten befragt wird, schüttelt er erst mit dem Kopf. Nein, sein Team war kein ganzes Jahr hier vor Ort. Die Arbeiten hätten in einem freien Zeitmanagement stattgefunden. Soll heißen, dass die Archäologen immer dann hier tätig wurden, wenn ihre übrigen Arbeiten es zuließen. Denn ein Zeitdruck habe nicht bestanden, weshalb die Kosten für die Maßnahme auch kaum 10.000 Euro ausmachten.

Visualisierte Rekonstruktionen veranschaulichen nach der Renovierung die damalige Bebauung. Neue Vitrinen zeigen ausgewählte Fundstücke. Und abgerundet wurden die Arbeiten durch eine erneuerte Farbgestaltung und überarbeitete Bauphasenpläne, die es nun noch besser ermöglichen, sich in den Räumen zu orientieren und ihre Dimensionen richtig einzuschätzen.

Unterstützt wurde Breitner bei seinen Aufgaben von Maria Carmen D’Onza, die auch heute noch unter dem Eindruck der Arbeiten und den gewonnenen Erkenntnissen steht. Die Informationen, die sie an diesem Nachmittag an die Journalisten weiterleitet, werden in Zukunft ausgewählte und speziell geschulte Gästeführer an die Interesssenten weitergeben.

Nach dem Willen der Museumsleute soll der unterirdische Bereich, der Reste von reich ausgestatteten Vorgängerbebauungen enthält, bei denen es sich um Wohnareale des ersten Jahrhunderts handelt, im Interesse der Erhaltung der Funde lediglich über speziell gebuchte Führungen zugänglich sein. Die dann bei der Trier Tourismus und Marketing GmbH (ttm) gebucht werden können. Nach den Worten von Maria Carmen D’Onza grenzen diese Wohnareale an eine etwa zwölf Meter breite Straße Nordsüdstraße an. Auf dieser habe sich bereits im 2. Jahrhundert ein 32 mal 15 Meter großer Saalbau befunden. Dieser gelte als direkter Vorläufer der späteren Empfangshalle des Kaiserpalastes. Unklar sei jedoch noch, wer hier als Vertreter der kaiserlichen Zentralgewalt in Rom residiert habe.

Vermutlich aus dem 12. Jahrhundert stammt dieser Lebensmittel-Keller, der unter den Fundamenten der Basilika angelegt wurde.

Mit der Errichtung der Palastaula als monumentales Zentrum der spätantiken Kaiserresidenz seien die Bereiche jedoch aufgegeben worden. Unter dem massiven Boden der antiken Fußbodenheizung der Palastaula blieben die Reste der früheren Gebäude bis zur Ausgrabung erhalten.

Für Pfarrer Thomas Luxa von der Evangelischen Kirchengemeinde ist diese Ausgrabung ein Schatz, der durch die nun erhaltene Pflege die ihm zustehende Aufmerksamkeit erfahren hat und der von der Darstellung und Erlebbarkeit her noch besser herausgearbeitet wurde. (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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