Ein Startplatz für die Kutsche mit E-Motor gesucht

Muss mit seiner Elektrokutsche noch von der “falschen Seite” der Porta Nigra aus starten: Josef Otto und sein “Gägisch Bäbb”. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Hoch auf dem gelben Wagen quer durch Trier – seit einigen Wochen ist das eine ganz neue Möglichkeit, die Schönheiten von Deutschlands ältester Stadt hautnah zu erleben. Josef Otto hat sich einen Wunsch erfüllt und eine Kutsche gekauft. Doch nicht irgendeine Kutsche. Es ist der Nachbau eines Jagdwagens. Und diese Kutsche hat einen umweltfreundlichen Elektromotor. Damit rollt sie mit bis zu 25 km/h durch die Stadt. Wer mag, kann Josef Otto und seine Kutsche für eine Rundfahrt mieten. Rolf Lorig hat für den reporter Josef Otto bei einer seiner Ausfahrten begleitet.

Der Treffpunkt ist die Zufahrt zum mercure-Hotel “Porta Nigra”. Nahezu geräuschlos rollt die E-Kutsche vor. Die Gruppe junger Leute, die gerade eben noch teuerste Fahrzeuge der Marken Ferrari, Porsche oder Hamann fotografiert und bestaunt haben, vergessen von einer Sekunde auf die andere ihre eben noch angehimmelten automobilen Träume und richten ihre Handykameras auf die Elektro-Kutsche. “Den Blick kenne ich auch von den Fahrern dieser Supersportwagen”, lacht Otto. “Ich frage mich dann oft, was genau sie jetzt denken.”

In der Tat fällt Josef Otto mit seinem Gefährt sofort auf. Das Schöne dabei: “Bei den allermeisten Menschen steht sofort ein glückliches Lächeln im Gesicht”, sagt er. Eine Aussage, die sich in den folgenden 45 Minuten belegen bei einer Rundfahrt durch Trier lässt. Wohin wir mit “Et Gägisch Bäbb”, wie Otto seine Kutsche getauft hat, auch kommen, die Menschen schauen erst überrascht, lächeln dann, winken. Und es sind vor allem Frauen, die nicht mit Lob und anerkennenden Worten sparen, die wegen der langsamen Fahrt und des niedrigen Geräuschpegels immer gut zu verstehen sind.

Ein übersichtliches Cockpit: Die Instrumente auf der linken Seite sind nur Attrappe.

Abfahrt vom Hotel “mercure”

Nur zum Spaß hat sich der Technische Angestellte des Landesbetriebs LBB die 2011 hergestellte Kutsche nicht gekauft. Er möchte damit in seiner Freizeit Stadtrundfahrten anbieten. Ein Zusatzangebot zum Römer-Express, zu den Segways, zum Doppeldecker. Doch damit er auch von dieser Gruppe wahrgenommen würde, bedürfte es eines Standplatzes dort, wo auch die Touristen sind. Doch damit tut sich die Stadt noch schwer. Einen ersten Antrag hatte er seinerzeit bei Dezernent Thomas Egger eingereicht. Dazu ein mehrseitiges Konzept, das die Geschäftsidee veranschaulicht. “Ein Gespräch mit dem Dezernenten hat mir dieser verweigert; einen Standplatz nahe bei den Touristen habe ich auch nicht bekommen, dabei wäre der sehr wichtig für mich”, sagt Otto, der derzeit noch von der Zufahrt des Hotels “mercure”, “der wegen des Publikumsverkehrs falschen Seite der Porta Nigra”, aus starten muss.

Dem reporter liegt das Konzept vor, dem die Verwaltung nach Auffassung Ottos seinerzeit wenig Beachtung schenkte. Darin stellt Otto klar, dass er seine Kutschen – geplant sind zwei – nicht als Konkurrenz zum jetzigen Rundfahrtenangebot versteht, sondern als Ergänzung. Das liegt auf der Hand, schließlich bietet eine Kutsche nicht das Platzangebot eines Doppeldeckers oder das des Bähnchens: maximal sieben Personen, je nach Körperbau, finden hier Platz.

Und das sagt die Stadtverwaltung

Doch warum wurde ihm ein Standplatz in der Simeonstraße verweigert? Der reporter hat bei Ernst Mettlach, Pressesprecher der Stadt Trier, nachgefragt. “Generell handelt es sich bei der Simeonstraße auf Höhe des Porta-Nigra-Platzes um einen Knotenpunkt, der durch Busse, Radfahrer und den Lieferverkehr sowie bestehende touristische Angebote bereits jetzt überlastet ist. Ein weiteres Sonderverkehrsmittel – und das wäre die Kutsche – ist hier nicht mehr vertretbar. Zudem sieht das Mobilitätskonzept vor, dass der Personennahverkehr und alle Kraftfahrzeuge, mit Ausnahme des Lieferverkehrs, von diesem Standort weg verlagert werden.

“Auf der Höhe der alten Fußgängerunterführung vor dem Hotel Christoffel ist dieser Bereich stark von Fußgängern frequentiert, weil sich hier die Überwege zur Paulinstraße und zur Porta Nigra befinden, hier gibt es bereits jetzt Platzprobleme. Hinzu kommen unser Radverkehrskonzept, das vorsieht, diesen Bereich für den Radverkehr nutzbar zu machen sowie bauliche Probleme: Weil der Bürgersteig dort sehr hoch ist, ist er generell nicht von Kraftfahrzeugen befahrbar”, sagt Mettlach.

Der Pressesprecher legt Wert darauf, dass die Stadtverwaltung “jedes Angebot, das zur Steigerung der touristischen Attraktivität Triers beiträgt”, ausdrücklich begrüßt. Aber “es gelten für alle Anbieter in diesem Bereich die gleichen gesetzlichen Rahmenbedingungen, wir müssen jedoch auch die jeweils aktuelle Verkehrssituation berücksichtigen”.

Für die “Elektrische Kutsche” hat sich Otto eine hübsche Route einfallen lassen: starten soll sie an der Porta Nigra, dann soll sie über die Christophstraße in die Rindertanzstraße einbiegen, durch die Koch- und Deworastraße in die Dominikanerstraße, vorbei am Museum am Dom zum Bischof-Stein-Platz. Vom Domviertel soll es zum Roten Turm auf die Mustorstraße gehen. Über die Meerkatz und Liebfrauenstraße noch einmal zum Dom und Liebfrauenkirche, dann zurück zum Kornmarkt. Die Gangolffkirche, Basilika, Stadtbibliothek, Kaiserthermen, Synagoge, Thermenmuseum, Karl-Marx-Haus, Johannisstraße, Böhmerkloster, Gericht, Sektkellerei und Frankenturm sind weitere Etappen, bis die Fahrt wieder vor der Porta Nigra endet. Soweit die Planung.

Die Strecke hat Josef Otto mit Bedacht ausgesucht: “Mit meiner Kutsche behindere ich so nicht den fließenden Verkehr, kann dank des Elektromotors und eines Bundesgesetzes die Busspur nutzen und ich habe für die aus- und einsteigenden Fahrgäste wegen der Größe der Kutsche nur einen geringen Platzbedarf.”

Ein Bild, das Touristen und Einheimische gleichermaßen begeistert.

900 Busse nutzen täglich die Busspur

Aber auch hier gestaltet sich die Situation nicht ganz so einfach. “Das Elektromobilitätsgesetz (EmoG) sieht in § 3 Abs. 4 vor, elektrisch betriebene Fahrzeuge zu privilegieren. Ob Elektroautos mit E-Kennzeichen Busspuren nutzen dürfen, liegt aber im Ermessen der zuständigen Behörde. Im EmoG steht, dass die oben genannten Privilegien lediglich möglich sind, aber nicht zwangsläufig gelten müssen”, antwortet Ernst Mettlach. “Die in Trier eingerichteten Sonderfahrspuren für Busse dienen der Beschleunigung des Personennahverkehrs an Knotenpunkten. Wie wichtig diese Spuren sind, zeigt die Verkehrsdichte: So fahren an den von Herrn Otto beantragten Stellen teils 900 Busse am Tag über diese Spuren. Ihre Funktionsfähigkeit hängt dabei ganz wesentlich davon ab, dass sie völlig frei von Autos sind, wie es auch in der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung erläutert ist. Hier ist auch zu beachten, dass das Fahrzeug von Herrn Otto mit 25 Km/h wesentlich langsamer ist als ein Stadtbus und somit die Funktion einer ÖPNV – Beschleunigungsspur aufheben würde. Die Stadtbusse wären folglich gezwungen, auf die Fahrspur des Individualverkehrs auszuweichen. Wir wollen mit den Busspuren den Nahverkehr stärken und dadurch den Verkehr entlasten.”

Doch warum bekommt Josef Otto keine Genehmigung, mit seiner langsamen Kutsche durch das Domviertel zu fahren?

“Die Straßen im Domviertel (Banthusstraße, Große Eulenpfütz, Kleine Eulenpfütz) sind aus gutem Grund Anliegerstraßen. Diese kleinen Gassen sind eng, unübersichtlich und es gibt dort nicht überall Gehwege, so dass Anwohner teilweise direkt aus der Haustür auf die Straße treten. Weil das so ist, können diese Straßen nur sehr eingeschränkt und von Anliegern befahren werden. Hier macht es keinerlei Unterschied, ob das Fahrzeug von einem Elektromotor betrieben wird oder von einem Verbrennungsmotor, die bauliche und verkehrliche Situation des Bereichs macht ihn für zusätzlichen Verkehr völlig ungeeignet, das gilt auch für touristischen Verkehr durch Elektrofahrzeuge.”

Also ist die Situation festgefahren? Die Deutlichkeit der Antworten lässt darauf schließen. Das wiederum will Ernst Mettlach so nicht stehen lassen. Natürlich sei man immer an Gesprächen interessiert, die für beide Seiten zu einem befriedigenden Schluss führen würden, signalisiert der städtische Pressesprecher. Joesf Otto, der an seine Idee der elektrischen Kutsche auch weiter fest glaubt, will dieses Angebot annehmen. “Es wäre schön, wenn ich meine Idee auch mal detailliert – vielleicht in Verbindung mit einer Rundfahrt – dem zuständigen Dezernenten vortragen könnte.” Bis dahin wird “Et Gägisch Bäbb” weiterhin von der Porta Nigra aus unterwegs sein – wenn auch von der falschen Seite…

 

Extra

Die nostalgische Rundfahrt durch das historische Trier wird aktuell freitags ab 14 UIhr und samstags und sonntags ganztägig angeboten. Es gibt es keine festen Abfahrtzeiten. Unter der Rufnummer 0179 / 420 64 63 müssen zuvor mit Josef Otto Termine vereinbart werden.

Neben den touristischen Fahrten bietet Otto seine Kutsche aber auch für Hochzeitstermine und sonstige Anlässe an. (-flo-)


Drucken
Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft 3 Kommentare

3 Kommentare zu Ein Startplatz für die Kutsche mit E-Motor gesucht

  1. Billen Werner

    Ich bin der Meinung das so eine Attraktion ganz gewiss eine Bereicherung für unsere Stadt Trier wäre.
    An einem Stellplatz ( Porta oder Palasgarten usw ) oder gar an der Route dürfte solch eine Idee nicht scheitern !!!!
    So ein Projekt darf aus Willkür nicht sterben.

     
  2. Peter Binsfeld

    Nun, Willkür wäre es, wenn man hier einfach eine Genehmigung erteilen würde und für alle anderen nicht. Die Idee ist ja originell, aber letztlich steckt auch der Wunsch dahinter damit Geld zu verdienen. Das ist ja auch durchaus legitim, aber für Gewerbe gelten nun mal Regeln…

     
  3. Sascha

    Sehr interessant, was von der Stadt getan wird, um ein bis zwei Fahrzeuge, die den Bedarf an Rundfahrten sinnvoll ergänzen, zu verhindern.
    “Weil der Bürgersteig dort [an der Porta Nigra] sehr hoch ist, ist er generell nicht von Kraftfahrzeugen befahrbar”. Interessant, so sehe ich dort regelmäßig Falschparker an der Stelle, wo eigentlich der Fuß/Radweg entlangführt.
    Ebenso lächerlich ist die Argumentation, dass die Straßen im Domviertel Anliegerstraßen sind. Ich empfehle den Verantwortlichen mal, vor allem Samstags den Bischof Stein Platz, den Domfreihof oder die Straße “Hinter dem Dom” aufzusuchen. Das ist nämlich mehr ein kostenloser Hort für Falschparker als ein Platz oder gar eine Fußgängerzone.
    Die ganze Geschichte ist mal wieder typisch Trier: gegen Falschparker wird seit Jahrzehnten nichts getan, aber wenn jemand eine gute Idee hat, legt man Steine in den Weg. Die Falschparker stehen aber weiter fröhlich in der Fußgängerzone um den Dom herum.

     

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.