Ein Wissenschaftler, der keine Kofferträger brauchte

Mit seinen bewegenden Worten hatte Universitätspräsident Michael Jäckel bereits bei der Begräbnisfeier in der Basilika den Menschen Peter Schwebnkmezger gewürdigt. Bei der akademischen Gedenkfeier faste er sich zugunsten der anderen Redner kurz. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Mit einer öffentlichen akademischen Gedenkfeier gedachte die Universität Trier ihres ehemaligen Präsidenten Prof. Peter Schwenkmezger, der am 12. Juli 2018 verstorben ist. Musikalisch gestaltet vom Collegium musicum, blickten langjährige Weggefährten auf den Menschen und vierten Präsidenten der Universität Trier zurück.

Von Rolf Lorig

“Nicht erinnern, sondern vergessen ist der Grundmodus menschlichen und gesellschaftlichen Lebens. Erinnern ist die Negation des Vergessens und bedeutet in aller Regel eine Anstrengung, eine Auflehnung, ein Veto gegen die Zeit und den Lauf der Dinge.” Mit den Worten von Aleida Assmann, Trägerin des diesjährigen Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, eröffnete Universitätspräsident Prof. Michael Jäckel, Präsident der Universität Trier, die Gedenkfeier an seinen Amtsvorgänger. Diese Gedenkfeier sei keine Anstrengung und auch keine Auflehnung, vielmehr solle dieser Abend für Erinnerung und Dankbarkeit stehen, sagte Jäckel bei der Begrüßung der Gäste. Und die waren durch Repräsentanten von Stadt und des öffentlichen Lebens prominent vertreten: Oberbürgermeister Wolfram Leibe, der frühere Oberbürgermeister Helmut Schröer, IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Glockauer und HwK-Präsident Rudi Müller, um nur einige zu nennen. Jäckels besonderer Gruß aber galt der Familie seines Amtsvorgängers Peter Schwenkmezger.

Gedenkfeiern wirken zuweilen steif und formell. Nicht aber dieser Abend, in dessen Verlauf dank von sehr persönlich gehaltenen Redebeiträgen der Mensch Peter Schwenkmezger immer wieder geradezu greifbar im Raum stand. In seinem ganz persönlichen Rückblick erinnerte Michael Jäckel, dass Peter Schwenkmezger seine Habilitation zu einem Zeitpunkt abgeschlossen hatte, an dem er selbst noch studiert hatte. “Trotzdem habe ich später die daraus leicht ableitbare Altersdifferenz nie als eine Distanz erlebt.”

“Wer sich im Komfortablen wähnt, verliert sehr schnell den Willen zur Veränderung”

Für Jäckel steht fest: “Peter Schwenkmezger hat sich um die Universität Trier sehr verdient gemacht.” Die Leitung der Hochschule in einer sehr reformorientierten Phase, darin sah der Präsident bleibende Leistungen, die immer mit dem Namen Schwenkmezger verbunden seien. Für ihn ist sein Amtsvorgänger ein Vorbild: “Peter Schwenkmezger war ein akademischer Gärtner, der an der Universität vieles gepflegt und weitergegeben hat. Er wusste, dass Universitäten keine Komfortzonen sind und auch nicht zu solchen werden dürfen. Denn wer sich im Komfortablen wähnt, verliert sehr schnell den Willen zur Veränderung.” Genau diesen brauche man aktuell in ganz besonderer Weise.

Josef Peter Mertes, der Vorsitzender des Hochschulrates, beschrieb Schwenkmezger als einen Mann, der nicht abgehoben war und immer sehr gut zuhören konnte. Ein wichtiges Anliegen sei ihm neben seiner wissenschaftlichen Arbeit immer der Kontakt zu den Menschen in der Stadt gewesen. Als Präsident der Universität habe der Verstorbene stets mit Kenntnisreichtum und hoher Qualifikation, Durchsetzungsfähigkeit, Freundlichkeit und Entscheidungsfreude sowie absoluter Zuverlässigkeit zu beeindrucken gewusst. Seine Bereitschaft auf Menschen zuzugehen, ihre Anliegen und Sorgen ernst zu nehmen könne man daran messen, dass er nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb der Universität geholfen habe, wo und wann immer man auf ihn zugekommen sei. Hier erinnerte Mertes daran, dass der damalige Präsident auch viele gesellschaftliche Ehrenämter innehatte.

Mit seinen musikalischen Darbietungen gab das Collegium Musicum der Universität Trier unter der Leitung von Mariano Chiacchiarini den passenden würdigen Rahmen.

“Ein Humanist der besten Sorte”

“Wenn wir dem Tod einen Sinn geben können, ist es leichter ihn zu ertragen.” Prof. Michaela Brohm-Badry, Dekanin des Fachbereichs I, machte keinen Hehl daraus, wie sehr sie der Tod ihres früheren Präsidenten auch heute noch erschüttert. “Er war humorvoll und lustig, dabei von einer tiefen Sensibilität; ein echter Kollege und Freund, den Menschen zugewandt. Ein Humanist der besten Sorte.” Und: “Er stärkte die Selbstwirksamkeitserwartung Anderer.” Auch wenn der Mensch nun tot sei, es bleibe seine menschliche Wärme. Sein Leben müsse als ein Appell verstanden werden: “Seid den Menschen zugewandt.”

Neben Professorenkollegen erinnerte auch eine ehemalige Doktorandin an Peter Schwenkmezger. Die Psychologin Petra Hank hatte den Verstorbenen in unterschiedlichen Rollen erlebt: als Lehrender, Abteilungschef, Wissenschaftler, Hochschulpolitiker, Mentor und als Freund. Beeindruckt habe mit vielen Eigenschaften. Hier hob die Psychologin seine Authentizität, seine Leidenschaft zur Wissenschaft und insbesondere zur Psychologie, seinen demokratischen Führungsstil sowie seine von Vernunft und von Verantwortung getragene Handlungsweise hervor. “Seine Mitarbeiter standen immer hinter ihm und fühlten sich ihrem Fach und der gesamten Universität gegenüber zugehörig.” Nicht umsonst habe die Akademie der Wissenschaften und Literatur Mainz Peter Schwenkmezger 2005 mit der Leibniz-Medaille für seine wissenschaftliche Arbeit ausgezeichnet.

Als Führungskraft habe ihn auch ausgezeichnet, dass Kollegen, die einzig ihre Karriere an der Hochschule im Blick hatten, ihm zuwider waren. “Er war ein Wissenschaftler durch und durch ohne Eitelkeiten, dessen Lebenswerk auch weiterhin für die Wissenschaft von hoher Bedeutung ist.”

“Ihm gebührt der höchste Respekt!”

Der vorletzte Redner war Prof. Conny H. Antoni, der ehemalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie. Er bezeichnete Peter Schwenkmezger als “ein Mann des Ausgleichs”, der aber in seiner Funktion als Präsident zuallererst immer das Interesse der Universität im Auge hatte. “Da wurde zuweilen hart miteinander gerungen, aber es wurden immer faire Lösungen gefunden.” Antoni erinnerte daran, dass Schwenkmezger auch mehrere psychologische Publikationen ins Leben gerufen habe, “da er um den Wert von Strukturen wusste.” In seiner Zeit als Dekan im Fachbereich Psychologie habe er sehr gute Grundlagen erarbeitet, auf denen der Fachbereich seine Arbeit aufbauen konnte. Sein Fazit: “Ihm gebührt der höchste Respekt!”

Als ehemaliger Vizepräsident der Universität Trier war es dann an Lothar Schmidt, den Abschluss zu gestalten. Der emeritierte Professor hatte wie auch Peter Schwenkmezger einst in Tübingen studiert, weshalb man sich schon seit 45 Jahren kannte. Ihn verbinden viele Erinnerungen an einen fröhlichen, humorvollen und warmherzigen Menschen, dessen hohe ethische Maßstäbe und liberalen Einstellungen er sehr geschätzt habe. “Er brauchte keine Taschenträger. Auch die erhaltenen Ehrungen haben ihn erfreulicherweise nicht abheben lassen.” Peter Schwenkmezger habe stets das Positive im Menschen gesehen. Und selbst in schwierigen Situationen habe er selten geklagt, aber viel öfter sich um eine positive Sicht der Dinge bemüht. “Er war ein Mensch, der genau hinschauen konnte, der dabei oft Dinge entdeckte, die anderen verborgen blieben.”


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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