‟Eine grandiose Idee, die auch der Stadt gut tut‟

Freuen sich über das große Interesse an der Ausstellung: Rainer Breuer von édition trèves, Josef Hammen und Oberbürgermeister  Wolfram Leibe. Fotos: Rolf Lorig

Freuen sich über das große Interesse an der Ausstellung: Rainer Breuer von édition trèves, Josef Hammen und Oberbürgermeister Wolfram Leibe. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Ein Oberbürgermeister muss nahezu alles können. Krisen bewältigen, Kultur managen, durch Ausstellungen führen. Für Wolfram Leibe kein Problem: Am Freitag führte er rund 70 Kunst- und Trier-Interessierte durch die Ausstellung von Josef Hammen: “Trier – Szenen einer Stadt”. Auf 366 Bildern im Format 20 x 20 cm hat der Maler und Illustrator aus Trierweiler Motive aus allen Teilen der Stadt eingefangen – jeden Tag eine neue Szene.

Wer sie noch nicht gesehen hat, sollte sich ranhalten: Am Sonntag endet die Ausstellung von Josef Hammen in der Tufa. Drei Tage vor der Finissage löste Oberbürgermeister Wolfram Leibe hier ein Versprechen ein, das er Rainer Breuer vom veranstaltenden Kunstverein  édition trèves gegeben hatte, weil er zusammen mit Baudezernent Andreas Ludwig nicht an der Vernissage hatte teilnehmen können. ‟Jeden Tag ein neues Bild von dieser Stadt malen, da muss man erst mal drauf kommen.” Für Leibe ist das eine “grandiose Idee”, die auch der Stadt gut tue, sagt er gegenüber dem reporter. Weshalb er auch gerne die Schirmherrschaft übernommen habe.

Das wiederum war für Susanne Hammen, die Ehefrau des Künstlers, ‟eine Riesenfreude‟. Während des gesamten vergangenen Jahres hat die Kommunikationsdesignerin ihrem Mann bei der täglichen Arbeit in der gemeinsamen Agentur den Rücken freigehalten. Dass die Idee des Daily Paintings auf eine derart hohe Zustimmung gestoßen ist, schürt ihre Begeisterung. Besonders aber freut sie sich, dass viele junge Menschen die verschiedenen Einzel- und auch die Schlussausstellung besucht haben: ‟Junge Leute bis 30 findet man eigentlich sonst kaum auf Ausstellungen.” Dass diese die Aktion toll fanden, beweisen Eintragungen im Gästebuch: ‟Coole Bilder‟; “Trier ist einfach toll‟ oder aber auch ‟‟Die Bilder sind schöner als Trier selbst‟…

“Wer die Stadt regiert, sollte sie auch kennen”

Die Idee sowohl den Oberbürgermeister wie auch den Baudezernenten als Führer durch die Ausstellung zu gewinnen, hatte Rainer Breuer. ‟Beide konnten an dem Abend der Vernissage nicht kommen, da die KG ‟Heuschreck‟ sie zeitgleich zu Senatoren machte‟, erinnert er sich. Da wäre ihm der Gedanke gekommen, die Führungen durch die Ausstellung ein Stück auszubauen. ‟Wir hatten ohnehin zwei Termine angesetzt, bei denen zwei Stadtführer die Gäste durch die Ausstellung begleiten. Was also lag näher, als zusätzlich auch noch zwei Stadtlenker zu verpflichten? Denn wer die Stadt regiert, sollte sie auch kennen.”

Gesagt, getan. Sowohl Andreas Ludwig wie auch Wolfram Leibe sagten sofort zu. Während Andreas Ludwig seine Gäste mit den Augen des Architekten und Baudezernenten durch die Ausstellung führte, ließ Wolfram Leibe seine Gruppe an teils persönlichen, teil dienstlichen Erinnerungen teilhaben. Seinen Rundgang begann er am Karl-Marx Haus und berichtete dabei von den Aufregungen rund um die geplante Karl-Marx-Statue. Weiter ging es zum Hauptbahnhof, wo die Gestaltung des Vorplatzes und die Frage der Toiletten Themen der Leibe’schen Erinnerungen waren. Wobei der Busbahnhof Vorfreude beim OB auslöste: ‟Von dort aus werden schon bald drei Elektrobusse im Linienverkehr unterwegs sein.”

Ein Bild für den Schirmherrn vom Künstler (rechts). In der Mitte Rainer Breuer.

Ein Bild für den Schirmherrn vom Künstler (rechts). In der Mitte Rainer Breuer.

Die nächste Station war die Tufa, die beim Oberbürgermeister eigene Erinnerungen wachrief. Aus der Sicht des Stadtchefs war hier ein Lob erforderlich: ‟Großartig, was hier sowohl vom Tufa-Verein wie auch von der Geschäftsführerin Teneka Beckers geleistet wurde.” Was Tufa-Gründungsmitglied Rainer Breuer sogleich zu dem Hinweis veranlasste, dass die Tufa angesichts von 70.000 Besuchern jährlich längst aus allen Fugen platzt und dass man dringend weiteren Raum benötige.

Weiter ging es zum Domfreihof. Den Platanenstreit kannte Leibe nur aus Erzählungen seines Vor-Vorgängers Helmut Schröer, wusste er zu berichten. Sein Blick richtet sich aber in die nähere Zukunft, wenn in der Zeit vom 12. bis 14. Juni an dieser Stelle die Special Olympics ausgerichtet werden. Auch hier schwang in seinen Erzählungen eine deutlich spürbare Vorfreude auf das kommende Ereignis mit.

Der Wolkenhimmel und das Radwegenetz

Was hat ein Wolkenhimmel mit Trier zu tun? Eigentlich nichts. Es sei denn, der Maler hat darauf auch noch ein Verkehrsschild eingefügt, das auf einen Radweg hinweist. Für den Oberbürgermeister eine willkommene Gelegenheit, den anwesenden Bürgern der Stadt einen Überblick über den Stand der Radwegeplanungen zu geben.

Bauliche Themen beherrschten auch die nächste Station, das Moselufer von Zurlauben. Die Ertüchtigung des Hochwasserdamms sei so gut gelaufen, dass man trotz des eisigen Wetters nur eine Woche im Rückstand sei. So gehe er davon aus, dass man im Mai zusammen mit den hier ansässigen Gastronomen das Frühjahr einläuten könne.

Weitere Stationen waren das Theater auf dem Augustinerhof (‟Besonders die Illuminale hat durch die Beleuchtung die tolle Architektur betont‟), wo der OB detailreich von dem Auswahlverfahren des neuen Generalmusikdirektors berichtete und der Hauptmarkt, den Josef Hammen als Weihnachtsmarkt (‟Einer der schönsten in Deutschland‟) in Szene gesetzt hatte. Hier lobte der OB die Zusammenarbeit mit dem Familienunternehmen Bruch, das Ende des Jahres auch den kommenden Sterntaler-Markt an der Porta Nigra (‟Ein Kleinod, das junge Leute hier auf die Beine gestellt haben‟) durch moderne Lichttechnik noch mehr verbinden und fördern will.

Die letzte Station des Rundganges war der Petrisberg, der durch seine moderne Architektur unter Beweis stelle, ‟dass Trier kein Museum ist.” Nicht ohne Stolz wies der Oberbürgermeister darauf hin, dass Trier vom Altersdurchschnitt her die jüngste Großstadt in Rheinland-Pfalz ist. Gerade deshalb müsse man den Gedanken einer modernen Stadt weiterleben, meinte der OB und schloss mit der Bitte: ‟Unterstützen Sie alle uns doch beim Flächennutzungsplan.” (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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