“Eine Sozialpolitikerin mit großem Herz”

Die offizielle Verabschiedung von Angelika Birk erfolgt in der Sitzung des Stadtrates am kommenden Mittwoch. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Bürgermeisterin Angelika Birk hat sich am heutigen Freitag vor rund 300 Gästen im Foyer des Theaters von Weggefährten und Bürgern der Stadt verabschiedet. Oberbürgermeister Wolfram Leibe würdigte seine Stellvertreterin als eine “Sozialpolitikerin mit großem Herz für die Menschen; eine Bürgermeisterin, die mit Leidenschaft arbeitet”. Das dienstliche Miteinander sah er geprägt von “gegenseitigem Vertrauen”. Offiziell endet die Amtszeit von Angelika Birk am 14. Februar, dem Valentinstag.

Von Rolf Lorig

Die lange Menschenschlange, die am Foyereingang geduldig darauf wartete, sich von der scheidenden Bürgermeisterin verabschieden zu können, nötigte Respekt ab: “Was für eine Kulisse − das hat Stil!”, zeigte sich Oberbürgermeister Wolfram Leibe beeindruckt.

In der Tat strafte der große Zuspruch all diejenigen ab, die in den vergangenen acht Jahren wenig lobende Worte für die Bürgermeisterin gehabt hatten. Und, ja, Angelika Birk hatte in dieser Zeit auch im Stadtvorstand immer wieder mal durch streitbare und mitunter wenig schöne Auseinandersetzungen von sich reden gemacht. Nein, sie sei nicht überfordert gewesen, stellte sie am Freitag klar, sie habe in diesen Situationen nur eine andere Haltung gehabt.

So wie auch schon beim Parteitag der Grünen unterließ es Birk, vor versammeltem Publikum zu einer Generalabrechnung auszuholen. Was ihr ein weiteres Kompliment des Oberbürgermeisters einbrachte: “Die Art, wie Sie mit Ihren Niederlagen umgegangen sind, davon kann so mancher noch was lernen.”

Zum Abschied ein Ständchen von der Musikschule

Dank an Mitarbeiter und Stadtrat

Ihre Abschiedsansprache war vor allem getragen vom Dank an die Mitarbeiter und den Stadtrat, wobei sie Letzterem auch mahnende Worte mit auf den Weg gab. So warnte sie vor populistischen Überlegungen, forderte weiterhin Verlässlichkeit im sozialen Bereich ein und warb dafür, auch ihrer Nachfolgerin den Rücken zu stärken.

Zufrieden zeigte sich Birk mit der Entwicklung der von ihr geleiteten Ämter. Als sie vor acht Jahren als Bürgermeisterin angefangen habe, “fand ich ein ziemlich zerstörtes Schulamt vor, das komplett neu aufgebaut werden musste”. Wesentlichen Anteil am Gelingen habe die heutige Schulamtsleiterin Helga Schneider-Gräfer gehabt, hob die Bürgermeisterin hervor.

Positiv ist für Birk auch, dass Jugendhilfe und Schulamt in ihrer Arbeit zusammengefunden haben. Sie hoffe darauf, dass diese Entwicklung sich künftig noch vertiefen werde.

Lobende Worte hatte die Bürgermeisterin für die Arbeit des Sozialamtes, das sich immer wieder den Diskussionen habe stellen müssen. Besonders bewährt habe sich dieses Amt in der Zeit, als die Flüchtlinge kamen. “Das war für alle eine große Herausforderung, aber auch eine Bereicherung. Denn mit den Flüchtlingen kam nicht nur mehr Arbeit, da kamen auch ganz neue Ideen.” Dass inzwischen 22 ehemalige Flüchtlinge ohne die Hilfe des Jobcenters selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können, sah sie ebenfalls als einen Verdienst der im Sozialamt geleisteten Arbeit.

Ganz energisch trat die Bürgermeisterin der Behauptung entgegen, wonach der Betrieb der Stadtbibliothek jährlich rund drei Millionen Euro kosten würde. Das sei eine Zahl, die nur bei großen Umbaumaßnahmen, nicht aber im laufenden Betrieb zum Tragen komme. In aller Deutlichkeit stellte sie sich vor diese Einrichtung, in der sie die kulturelle Identität der Stadt sieht. Persönlich sei sie dankbar dafür, dass sie an der Einrichtung der Schatzkammer habe mitwirken dürfen. Wer die Stadtbibliothek infrage stelle, müsse sich darüber klar sein, dass diese keine Zweigstelle einer anderen Einrichtung sei, sondern zu Trier gehöre wie die Porta Nigra.

Gut 300 Besucher waren gekommen, um Bürgermeisterin Angelika Birk im Foyer des Theaters zu verabschieden.

Angelika Birk und das kommunale Bildungsmanagement 

Ein Bereich, der der Bürgermeisterin ebenfalls besonders am Herzen liegt, ist das kommunale Bildungsmanagement. Lobende Worte für die Zusammenarbeit mit der Bürgermeisterin trug Caroline Thielen-Reffgen vor. Mehrere Schwerpunkte, die man gemeinsam erarbeitet habe, seien von der Landesregierung als Blaupause für die dortige Arbeit übernommen worden. Mit Angelika Birk als Bildungsdezernentin habe das kommunale Bildungsmanagement in Trier viel erreichen können, stellte die Rednerin fest. Als ein Beispiel stellte sie die Veranstaltung “StadtLesen” heraus, die sich längst größter Beliebtheit erfreue und Jahr für Jahr viele Menschen zu den Büchern auf den Domfreihof ziehe.

Ein weiteres positives Beispiel für das Wirken der Dezernentin sah Thielen-Reffgen in der Bildungsstrategie “MINT – Lernen in Trier“, die unter der Leitung der Bürgermeisterin aufgebaut wurde. Auch hier habe das Land die geleistete Arbeit als Blaupause übernommen. Als Dank für das Engagement zeichnete der Initiativkreis MINT Angelika Birk als Trier-Botschafterin aus. Die dazu gehörende Urkunde überreichte Amtsleiter Rudolf Fries.

Es gab noch mehrere Worte des Dankes an diesem Morgen, darunter auch von der Städtischen Karl-Berg-Musikschule und auch vom Theater. Entsprechend gerührt zeigte sich die scheidende Politikerin, die in einigen Monaten nach Lübeck umsiedeln will. Damit sie dort die Zeit in Trier nicht vergisst, daran soll sie ein Foto des Stadtvorstandes erinnern, das ihr Oberbürgermeister Wolfram Leibe neben einem persönlichen Schreiben überreichte. Wobei das Präsent die so Beschenkte doch ins Grübeln brachte und die Frage aufwarf, wohin sie das Bild hängen solle, schließlich müsse sie sich künftig mit einer kleineren Wohnung bescheiden. Sie werde schon den richtigen Platz finden, meinte der OB und fügte die Hoffnung an, dass dieser Platz sich nicht im intimsten Raum finden möge…


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Politik 3 Kommentare

3 Kommentare zu “Eine Sozialpolitikerin mit großem Herz”

  1. Hans Maier

    Fürchterlich, diese Selbsbeweihräucherung. Jeder einfache Mitarbeiter würde mit diesen Leistungen kurz vor der Entlassung stehen. In diesen Etagen werden selbst für den größten Mist noch lobende Worte gefunden.

     
  2. W. Iejetzt

    “In der Tat strafte der große Zuspruch all diejenigen ab, die in den vergangenen acht Jahren wenig lobende Worte für die Bürgermeisterin gehabt hatten.” Wieso das? Einige kamen wohl echt gerne, aber viele mussten wohl kommen, andere wollten vielleicht das Spektakel sehen!? Also finde es auch ein wenig befremdlich, wie unkritisch die Amtszeit hier beleuchtet wird. Da gab es mehr als ein Ausrutscher! Ohne Frau Helga Schneider-Gräfer hätte sie wohl im Bereich Schulentwicklungskonzept auch nichts auf die Reihe bekommen. “Die Art, wie Sie mit Ihren Niederlagen umgegangen sind, davon kann so mancher noch was lernen.” Ach war wohl doch nicht alles so rosig, wie!? Ja, da kann man wirklich lernen, wie man sich trotzdem im Amt hält, oder wie ist das gemeint?

     
  3. Rainer Landele

    “Ja, da kann man wirklich lernen, wie man sich trotzdem im Amt hält, oder wie ist das gemeint?”

    verstehen sie es wirklich nicht, wie es von herrn leibe gemeint ist?

     

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