“Er ist immer da, wenn es um die gute Sache geht”

Urkunde, Plakette und Scheck – es gratulieren Vizepräsidentin Ulrike Feltes und Präsident Jürgen Schlich. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Thomas Kiessling ist der diesjährige Träger des Franz-Weißebach-Preises. Mit diesem Preis zeichnet die Trierer Prinzenzunft seit 1988 Menschen aus, die neben gelebtem Humor auch sozial aktiv sein müssen. Thomas Kiessling ist damit der direkte Nachfolger von Oberbürgermeister Wolfram Leibe, der im vergangenen Jahr seinerseits der Nachfolger von Pater Aloys Hülskamp war.

Von Rolf Lorig

Mit einem Vorurteil räumte Jürgen Schlich, Präsident der Trierer Prinzenzunft, gleich auf: “Diesen Preis bekommt man nicht, weil man irgendein Amt oder eine Funktion bekleidet, dieser Preis, der dem Naturell des Namensgebers nahekommen soll, will verdient werden.” Zur Erinnerung: Noch zu Lebzeiten von Franz Weißebach (1860 – 1925)  wollte die Stadt Trier den ehemaligen Exerzierplatz am Kurfürstlichen Palais in eine Gartenanlage umbauen lassen – allerdings fehlte ihr das Geld dazu. Als reicher Privatier setzte der Mitbesitzer des Weinguts Kanzemer Berg, das heute Günter Jauch gehört, die Stadt Trier testamentarisch als Erbin ein. Allerdings gab es da einen Haken: Das Geld aus dem Verkauf seines Vermögens sollte für den Bau eines Krematoriums auf dem städtischen Friedhof verwendet werden. In dem streng katholischen Trier war das aber ein Unding. Weißebach, ein ausgemachter Schelm, wusste das natürlich genau und hatte darum einen Passus in das Testament aufgenommen, der einen Ausweg aus der verzwickten Situation wies: Sollte die Versammlung der Stadtverordneten den Bau des Krematoriums fünf Jahre lang jeweils ablehnen, könnten letztlich die Mittel für den gewünschten Volksgarten eingesetzt werden…

Mit ihrem ausdrucksstarken und wandlungsfähigen Gesang führt Shirley Winter musikalisch durch die Preisverleihung

Ein Krematorium für die Stadt

Also kam der Bau eines Krematoriums fünf Jahre hintereinander auf die Tagesordnung und wurde natürlich Jahr um Jahr immer wieder abgelehnt. Nach Ablauf der Frist erhielt die Stadt endlich ihren Palastgarten, und Franz Weißebach hatte sich mit diesem schelmischen Akt unvergesslich gemacht.

Dass Thomas Kiessling ein würdiger Preisträger ist, daran hatten am Sonntagnachmittag weder Präsident Jürgen Schlich noch die fast 100 Gäste im Festsaal der Bernard Massard-Kellerei Zweifel. Sowohl Schlich wie auch der letztjährige Preisträger Wolfram Leibe rühmten den Humor des Sängers und hoben insbesondere das ausgeprägte soziale Engagement des Tenors hervor. “Er wird sofort auf der Straße erkannt und er strahlt eines ganz besonders aus: ‘Ich bin stolz, ein Trierer zu sein'”, befand der Oberbürgermeister in seiner Laudatio. Seinen ersten Auftritt auf der Bühne habe Thomas Kiessling mit sechs Jahren gehabt, die Musik habe dem Jungen, dessen Großvater Dirigent und der Vater Organist war, von Geburt an im Blut gelegen. Der Vater habe den Wunsch des Sohnes, sich an einer Hochschule als klassischer Sänger ausbilden zu lassen, gefördert. Nach seinem Studium unterrichtete Kiessling nach den Worten des Oberbürgermeisters selbst Gesang, Ballett und Körperbildung, bis er dann als Mitglied der “Drei junge Tenöre” buchstäblich “Trier in der ganzen Welt repräsentierte”. Im Laufe der Jahre habe sich der Tenor “eine riesige Fangemeinde” aufgebaut und als Multitalent immer wieder neu erfunden.

Zwei Flaschen Oberbürgermeisterwein für Thomas Kiessling und seine Partnerin Pia.

Er hilft, wo immer er kann

Und dann kam der OB auf den Punkt zu sprechen, der ausschlaggebend für die Preisverleihung war: “Er ist immer da, wenn es um eine gute Sache geht. Er hilft, wann immer er kann, er hat ein großes Herz für seine Mitmenschen.”

Der Blick in die Runde zeigte zustimmendes Nicken bei den zahlreich anwesenden Repräsentanten der Karnevalsvereine, wo Kiessling ein ebenso gern gesehener wie regelmäßiger Gast und Mitwirkender ist, aber auch bei der Gründerin der Trierer “Nestwärme”, Petra Moske. Diesen gemeinnützigen Verein unterstützt der Trierer Tenor schon seit Jahren mit Benefizkonzerten und durch anhaltende Präsenz.

Bevor Präsident Schlich die Ehrung vornehmen konnte, gratulierte Wolfram Leibe seinem Nachfolger mit zwei Flaschen “Oberbürgermeisterwein”. Und dann war Jürgen Schlich endlich am Zug. Aus seinen Händen, unterstützt von Vizepräsidentin Ulrike Feltes, erhielt Thomas Kiessling die zum Preis gehörende Urkunde, die silberne Anstecknadel und die dazu passende silberne Plakette. Das Preisgeld in Höhe von 500 Euro reichte der Sänger gleich an Petra Moske für den Verein “Nestwärme” weiter. Und versprach der sichtlich gerührten Vorsitzenden bei der Gelegenheit auch gleich noch weitere Einnahmen. Die sollen ein großes Benefizkonzert erbringen, dessen Erlös zur Hälfte der Nestwärme zugutekommen soll. Wohin die andere Hälfte fließen wird, da wollte sich Thomas Kiessling an diesem Tag noch nicht festlegen.

Petra Moske freut sich über den Scheck des neuen Weissebach-Preisträgers.

Musikalisch bedankte er sich stimmgewaltig mit der Arie “Nessun dorma” aus der Oper Turandot von Giacomo Puccini.

Die musikalische Gestaltung der Veranstaltung oblag Hemmi Donié und Shirley Winter, die mit Schwung, Können und Freude der Preisverleihung den ihr gebührenden Rahmen verliehen.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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