Er war bescheiden und kraftvoll, klar und konsequent

Bischöfe, Geistliche und eine große Gemeinde verabschiedeten sich am Dienstag von Weihbischof Leo Schwarz. Foto: Helmut Thewalt

TRIER. Leo Schwarz zuzuhören, das hieß, die eigene kleine Welt weiten zu lassen hin auf den großen Horizont des Lebens und des Glaubens. So hat Bischof Stephan Ackermann den emeritierten Trierer Weihbischof Leo Schwarz am 4. Dezember im Trierer Dom gewürdigt. In seiner Predigt im Sterbeamt sprach Ackermann über das “bewegte und bewegende“ Leben des am 26. November verstorbenen Weihbischofs.

Leo Schwarz habe die Menschen “mit der Größe des Lebens in Berührung gebracht, indem er von der Würde des Lebens sprach und dem Großen, zu dem Menschen fähig sind“. Diese Größe des menschlichen Lebens habe er immer zusammen gesehen mit der Größe der christlichen und biblischen Botschaft. Dazu passe die Lesung des Tages, die die neue Welt Gottes verheißt, in der in der ganzen Schöpfung Gerechtigkeit und Friede herrscht. “Aus dieser Vision heraus hat Leo Schwarz gelebt. Für diese Vision hat er als Mensch, als Priester und Bischof gearbeitet.“ Ackermann erinnerte daran, dass Leo Schwarz schon lange, bevor Papst Franziskus der ganzen Kirche eine verstärkte Aufmerksamkeit für die Armen verordnet habe, schon gemahnt habe: ‘Vergesst die Armen nicht!’ Dabei habe er zwar zuerst die materiell Armen im Sinn gehabt, aber auch alle, die nicht “in der ersten Reihe des Lebens stehen: Menschen, die benachteiligt sind, Kranke, Menschen mit Behinderung, Alte, aber immer wieder auch die Kinder“.

Gleichzeitig habe Leo Schwarz immer gewusst, dass es bei allem eigenen Einsatz am Ende “auf das ankomme, was wir aus eigener Kraft nicht zu geben vermögen, was nur Gott selbst geben kann“. Deshalb habe Schwarz die Sakramente so hoch geschätzt. “Auf ihre Kraft hat er vertraut, hat keine Gelegenheit ausgelassen, sie möglichst vielen Menschen zu erschließen“, ob in Firmung oder Beichte. Er habe aus dem Sakrament der Eucharistie gelebt. “Wir beten für Dich, dass Du, rastloser Apostel des Evangeliums, auf der Wanderschaft Deines Lebens nun das Haus gefunden hast, wo nicht nur irgendein ‘Mann des Friedens‘ wohnt und Dir die Tür öffnet, sondern der Herr der Friedens selbst: Jesus Christus.“

Bischof Ricardo Centellas, der Vorsitzende der Bolivianischen Bischofskonferenz, dankte im Namen der bolivianischen Partnerkirche Weihbischof Schwarz “für ein Leben, dass Du ganz dem Reich Gottes gewidmet hast“ in dem Bestreben, da zu sein für die Armen und für die, die am Rand stehen. Weihbischof Schwarz habe stets dazu ermutigt, für die menschliche Würde einzutreten und für das Gemeinwohl zu arbeiten. In seinem Sinne “werden wir weiterpilgern, dem Reich Gottes entgegen“.

Auch Papst Franziskus würdigte Weihbischof Schwarz: “Bescheiden und kraftvoll, klar und konsequent, Gott und den Menschen zugewandt verkündete er die Frohe Botschaft.“ Der Papst vereine sich mit den Gläubigen der Diözese Trier im Gebet, heißt es in einem Schreiben von Pietro Kardinal Parolin, Staatssekretär des Papstes, das Dompropst Werner Rössel am Ende des Gottesdienstes verlas.

Konzelebranten waren neben Dompropst Werner Rössel, Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg und den Trierer Weihbischöfen Robert Brahm, Franz Josef Gebert und Jörg Michael Peters auch die Bischöfe von Limburg, Georg Bätzing, und Aachen, Helmut Dieser, die aus dem Bistum Trier stammen. Außerdem konzelebrierten neben Bischof Centellas unter anderem Erzbischof Edmundo Abastoflor (La Paz/Bolivien), sowie die Hauptgeschäftsführer der Hilfswerke, denen Weihbischof Schwarz besonders verbunden war, Msgr. Pirmin Spiegel (Misereor), Christian Hartl (Renovabis) und P. Michael Heinz SVD (Adveniat).

Im Anschluss an den Gottesdienst wurde Weihbischof Schwarz in der Pauluskapelle des Domkreuzgangs beigesetzt. Die musikalische Gestaltung des Requiems und der Beisetzung hatten Sängerinnen und Sängern des Trierer Domchores und des Kathedraljugendchores Trier, eine Schola mit Regionalkantoren des Bistums, Domorganist Josef Still, Ulrich Krupp an der Chororgel, Domkantorin Christina Elting unter der Gesamtleitung von Domkapellmeister Professor Thomas Kiefer übernommen.

Leo Schwarz wurde 1931 in Braunweiler im Kreis Bad Kreuznach geboren und 1960 zum Priester geweiht. Von 1962 bis 1970 arbeitete er als Seelsorger in Bolivien. Von 1976 bis 1982 war er Hauptgeschäftsführer des Bischöflichen Hilfswerks “Misereor“. 1982 wurde er zum Weihbischof im Bistum Trier ernannt. Er baute die Aktion “Renovabis“, die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa, mit auf und war zehn Jahre Vorsitzender der Deutschen Kommission der kirchlichen Friedensorganisation “Justitia et Pax“. 2005 wurde er Präsident der Europäischen Kommissionen “Justitia et Pax“.
2006 nahm Papst Benedikt XVI. das Rücktrittsgesuch von Weihbischof Schwarz an. In seinem Ruhestand hatte Weihbischof Schwarz weiterhin in der Seelsorge gearbeitet und war abwechselnd in Bolivien und im Bistum Trier tätig. Er starb am Morgen des 26. November in Trier. Weitere Informationen, Porträts und Nachrufe sind unter diesem Link zu finden.

Das zweite Sterbeamt wird am Samstag, 5. Januar, um 9 Uhr im Hohen Dom zu Trier gefeiert. (tr)


Drucken
Erstellt am Autor trier reporter in Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.