“Es gibt viele Geschichten über Trier zu erzählen”

Mit dem zweiten Band der “Trierer Geschichten” stellt der frühere Oberbürgermeister Helmut Schröer sein fünftes Buch seit 2007 vor. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Wenn es um die jüngere Trierer Geschichte geht, kommt man an einem Mann nicht vorbei. Helmut Schöer, eigentlich “ne kölsche Jung”, hat über lange Jahre hinweg die Kommunalpolitik dieser Stadt mitgestaltet und auch geprägt. Von 1977 bis 2007 war er Wirtschaftsdezernent, Bürgermeister und Oberbürgermeister dieser Stadt. Seine Erinnerungen an diese Zeit hat Helmut Schröer bislang in vier Büchern festgehalten. Am Donnerstag, 20. September, stellt er um 18 Uhr im Lesesaal der Stadtbibliothek sein fünftes Buch, den zweiten Band der “Trierer Geschichten” vor. Die Präsentation ist öffentlich und kostet keinen Eintritt.

Für den reporter hat Rolf Lorig im Vorfeld mit Helmut Schröer gesprochen.

Noch zu Dienstzeiten hatte Helmut Schröer unter Journalisten einen Spitznamen: Mister Omnipräsent. Wohin man zur Berichterstattung auch kam, er war schon da. Wer nun glaubte, das würde sich im Ruhestand ändern, der irrte. Zwar ist der frühere Oberbürgermeister nur noch höchst selten bei offiziellen Anlässen dabei. Dafür aber ist er Lehrbeauftragter für Kommunalökonomie an der Uni, hat seit 2007 vier Bücher veröffentlicht, ist Vorsitzender des Freundeskreises der Uni Trier, engagiert sich in St. Matthias und ist Ausbildungsbotschafter der Handwerkskammer – wo nimmt er die Zeit für all diese Aktivitäten her? Helmut Schröer lacht, zuckt mit den Schultern. “Alles eine Frage der Einteilung”, meint er und greift dann zum Bücherstapel, den er sich für das Gespräch zuhause zurechtgelegt hat. “Es gibt so viele Geschichten über Trier zu erzählen, man muss sich nur dransetzen.”

Doch was treibt ihn um, wo liegt seine Motivation? Vermisst er den Auftritt in der Öffentlichkeit? “Weshalb?”, lautet seine rhetorische Gegenfrage. “Muss ich noch etwas beweisen?” Nein, antwortet er gleich darauf selbst, das sicher nicht. Was ihn antreibt, das sind die Menschen, die er täglich beim Gang durch Trier trifft. Die ihn ansprechen, die neue Hintergründe aus der Vergangenheit erfahren wollen: “Wie das Flutlicht ins Moselstadion gekommen ist; warum die Luxemburger uns das teure Geschenk zur Landesgartenschau gemacht haben und vieles mehr.” Auf etwas legt er besonderen Wert: “Hier geht es nicht um Politik, nicht um Personen. Es geht immer um die damit verbundenen Geschichten.”

Vor knapp zwei Jahren, am 10. November, hatte Schröer sein erstes Buch “Trierer Geschichten” im Lesesaal der Stadtbibliothek vorgestellt. Das Interesse war groß, vielen Besuchern schwante, dass das möglicherweise ein interessantes Weihnachtsgeschenk sein könnte. Und da der Paulinus-Verlag, in dem bislang alle Bücher des früheren Stadtoberhauptes erschienen sind, mehr als nur eine Lesung wollte, hatte man kurzerhand den Trierer Unipräsidenten Michael Jäckel als Gesprächspartner für den Autor eingeladen. Was eine gute Entscheidung war. Hier ein Rückblick auf die damalige Berichterstattung des reporters: “Für beide keine leichte Sache: Schließlich sollte sich Helmut Schröer bei seinen Antworten doch möglichst kurzfassen und Michael Jäckel seinerseits darauf achten, dass er bei dem gewohnten Schröer’chen Redefluss zwischendurch immer wieder mal zu Wort kommen konnte. Ein Rededuell das dazu führte, dass die Zuschauer im Laufe des Abends einen einzigartigen Cocktail aus vergnüglich-unterhaltsamer Information erhielten.”

Eine Fundgrube für jeden Heimatinteressierten

Der dritte Teil gilt als gesetzt

Am Ende des Abends gab es dann von Seiten der Besucher erste Anstöße für die Fortsetzung der “Trierer Geschichten”, die nun erneut unter der Mitwirkung von Universitätspräsident Michael Jäckel präsentiert werden. Frei nach dem Motto “Never change a winning team.” Man darf bereits jetzt sicher sein, dass auch dieser Abend bei den Besuchern in dauerhafter Erinnerung bleiben wird…

Bringt der zweite Band nun das Ende der “Trierer Geschichten”? Vermutlich eher nein. Denn Helmut Schröer hat noch eine ganze Menge weiterer Geschichten zu erzählen. Wie zum Beweis greift er nach einem Ordner, in dem sich bereits erste Manuskripte befinden. Noch nicht gesetzt, doch durchaus vorstellbar, sind Geschichten über den großen Maler Jakob Schwarzkopf oder den Mundartdichter und Humoristen Werner Becker. Was aber wohl ein Thema werden wird, ist die Wandlung der Stadtwerke Trier vom regionalen Monopolisten hin zum Teilnehmer des öffentlichen Wettbewerbs. Gerne würde er sich auch den ersten drei Städtepartnerschaften Metz, Gloucester und Herzogenbusch zuwenden: “Metz, das war 1956. Nach dem Krieg ein revolutionärer Gedanke, eine Städtepartnerschaft mit den Franzosen. Und heute wird das schon wieder mit dem Satz abgetan: ‘Brauchen wir das denn überhaupt?’ Dabei zeigt sich aktuell ganz deutlich, dass diese Partnerschaften vor einem sich wandelnden Europas erst recht Sinn machen.”

Handakten und das Stadtarchiv lieferten die Grundlage

Auch dass es noch keinen umfassenden Bericht über die 2000-Jahr-Feier gibt, schmerzt Schröer. “Ich habe zu diesen Feierlichkeiten noch vier dicke Ordner, Fotos und Dokumente. Darin findet sich alles – bis hin zu der Frage, wie das Festbankett im Hotel Porta Nigra ausgesehen hat.” Der aktuelle Band beleuchtet zumindest eine weitere Facette, hier erzählt der Autor, wie es zum Festplakat und der Festschrift kam und welche Diskussionen dabei geführt wurden…

Doch woher kommen diese umfangreichen Erinnerungen? Aus eigenen Akten? Schröer schmunzelt: “Teil, teils.” Ja, räumt er ein, er habe sich über die Jahre hinweg auch “Handakten” angefertigt. Damit folgte er einem Rat des damaligen Kulturdezernenten Walter Blankenburg. Diese Handakten waren gewissermaßen das Konzentrat eines Vorganges, brachten den Nutzer binnen kürzester Zeit auf den Stand der Dinge. Weitere wichtige Informationen lieferte das Stadtarchiv. “Den Wert dieser Einrichtung habe ich nicht immer richtig gewürdigt”, zeigt sich Schröer reumütig. Heute wisse er, “ein solches Stadtarchiv ist ein besonderer Schatz.” Was er deshalb denn auch gleich im Vorwort des neuen Buches klargestellt habe.

Am Ende des Gespräches taucht dann noch die Frage auf, wann die Leser mit Band 3 der “Trierer Geschichten” rechnen können. Wenn man dem bisherigen Tempo folgt, wäre das 2020. Auf ein festes Datum will er sich aber nicht festlegen lassen. “Ich schreibe, wie ich dazu komme”, meint er und verweist darauf, dass ein Ruheständler auch noch einiges andere zu tun hat. Was jedoch wiederum die allerletzte Frage bei diesem Gespräch provoziert: Ist er wirklich ein Ruheständler, auch in der Parteiarbeit? Wieder ein klares Ja. Natürlich komme es schon mal vor, dass man ihn um seine Meinung frage. Und die tue er im internen Gespräch auch kund. Aber Einfluss nehmen oder gar die Politik seiner Nachfolger kommentieren? Jetzt liegt dann doch eine gewisse Schärfe in der Stimme. “Nein, so etwas gehört sich einfach nicht.”

 

 

Trierer Geschichten, Band 2

Stolze 173 Seiten ist das Werk stark, das am Donnerstag, 20. September, 18 Uhr, in der Stadtbibliothek (Eintritt frei) vorgestellt wird und ab dann auch für 14,90 Euro im Buchhandel erhältlich ist.

In insgesamt neun Kapiteln erinnert der Autor zu Beginn an das Jahr 1976, als eine große Trockenheit die Trinkwasserversorgung in Trier gefährdete. Er blickt unter anderem zurück auf die 2000-Jahr-Feier im Jahr 1984, klärt auf, wie das Flutlicht ins Moselstadion kam, würdigt Triers großen Sänger Franz Grundheber, der 2002 das Ehrensiegel der Stadt erhielt oder erinnert auch an das Ende des Dornröschenschlafes von Schloss Monaise im Jahr 1997.

Ein ebenso interessantes wie informatives Buch, das sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf so manchem Gabentisch finden wird. (-flo-)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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