Fachtagung Cybermobbing stieß auf großes Interesse

Die Veranstaltung der Polizei in den Thermen am Viehmarkt war schnell ausgebucht. Foto: Polizei Trier

TRIER. Eine große Zahl an Eltern, Erzieher, Lehrer, Sozialpädagogen, Psychotherapeuten, Polizisten und grundsätzlich am Thema Cybermobbing Interessierte folgte der Einladung der Polizei Trier in die Trierer Viehmarktthermen.

Polizeipräsident Rudolf Berg begrüßte die 190 Teilnehmer der Veranstaltung. “Auf einem Gebiet voller rechtlicher Grauzonen und Leid für die Opfer, möchte die Polizei ein verlässlicher Partner im Netzwerk vieler Kümmerer sein“, sagte der Polizeipräsident und verwies auf die Kompetenz der polizeilichen Jugendsachbearbeitung und der Beratungsstelle.

Was steht hinter dem Begriff “Cybermobbing”? Darüber informierte Brigitte Fischer, Leiterin der Abteilung Kultur und Schule bei der ADD Trier, die Zuhörer in ihrem Grußwort. Demzufolge sind insbesondere junge Menschen, wenn sie zum Opfer werden, täglich 24 Stunden an jedem Ort der Welt einem permanenten Psychoterror ausgesetzt. In diese Situation kämen sie, weil sie “anders“ seien.

Während das Thema Mobbing ein schon altbekanntes Phänomen darstelle, sei das Cybermobbing relativ jung und gewinne zunehmend an Bedeutung. Die Opfer von Schul- oder Arbeitsplatzmobbing haben in der Regel zuhause einen Fluchtpunkt, Cybermobbingopfer seien ihren Peinigern jedoch 24 Stunden an sieben Tagen aufgesetzt. Möglich mache das die  permanente Verfügbarkeit des Internets, sei es auf dem Computer, Laptop oder Tablet. In Form des Smartphones bahne es sich seinen Weg, bespielt mit sogenannten “Sozialen Medien“, über die Hosentasche bis in die Schlafzimmer.

Als erster Referent informierte Peter Sommerhalter, Leiter Prävention beim Bündnis gegen Cybermobbing e.V. in Karlsruhe, grundsätzlich über das Phänomen Cybermobbing. In seinem Vortrag berichtete er über seine Erfahrungen anlässlich von Präventionsveranstaltungen an Schulen und unmittelbar mit Opfern von Cybermobbing. Sehr nachvollziehbar beschrieb er die Mechanismen, die zur Viktimisierung der Betroffenen führen. Dabei handelt es sich nach seiner Darstellung nicht um neue Vorgehensweisen der Täter. Neu sei das Tatmittel Internet, das aufgrund seiner Omnipräsenz alle bisherigen Grenzen sprenge. Als Schlüssel zum Erfolg beschrieb er weniger die Vermittlung von Medienkompetenz. Vielmehr sei die Stärkung von Sozialkompetenz und Empathie Grundvoraussetzung dafür, dass moderne Medien nicht miss- sondern gebraucht werden. Medienkompetenz könne sich auf diesem Fundament sehr leicht entwickeln. Darauf gründend stellte er sein schulisches Präventionsprojekt vor, dass sich um das “soziale Dreieck“ Eltern – Schüler – Schule aufbaut.

Eine Mutter berichtet über den Freitod ihres 13-jährigen Sohnes

Besonders beeindruckend und eindringlich empfanden die Teilnehmer den Vortrag von Michaela Horn, die dazu eigens aus der österreichischen Hauptstadt Wien angereist war. Sie ist die Mutter eines Jungen, der ein Opfer von Cybermobbing war. Vor sieben Jahren, im Alter von 13, wusste er aufgrund der Attacken, denen er in den sozialen Netzwerken ausgesetzt war, keinen anderen Ausweg, als sich das Leben zu nehmen.

Aufgrund der Anonymität des Internets und fehlender rechtlicher Voraussetzungen war es nicht möglich, Verantwortliche für den Tod des 13-Jährigen zu ermitteln. Die Schmerzen über den Verlust ihres Kindes und die Hilflosigkeit, der sie und ihre gesamte Familie infolge dessen ausgesetzt war, bewogen sie, den Kampf gegen Cybermobbing aufzunehmen. Sie wandte sich an die Öffentlichkeit, nutzt die Medien und letztlich auch die Politik ihres Heimatlandes, um das Phänomen aus der Anonymität zu holen.

In dem berührenden Video “Setze ein Zeichen“ und ihrem anschließenden Vortrag beschrieb die Österreicherin sehr authentisch die Leiden, die Opfern und ihren Familien angetan werden. Sie empfahl die verpflichtende Einführung eines “Internet-Führerscheins“, bevor man Kinder in die Welt des WorldWideWeb entlässt. Ansonsten könne das Internet eine Waffe in Kinderhänden werden. Nicht zuletzt der Initiative von Michaela Horn ist es zuzuschreiben, dass es im österreichischen Strafgesetzbuch seit 2016 den sogenannten Cybermobbing-Paragraphen 107 c gibt (“Fortgesetzte Belästigung im Wege einer Telekommunikation oder eines Computersystems“).

“Bis die Erwachsenen mitbekommen, dass es einen akuten Mobbingfall in einer Klasse oder Gruppe gibt, ist meistens schon sehr viel passiert. Cybermobbing ist Mobbing ist Gewalt und macht Menschen krank.“ Mit diesen Kernaussagen informierte Michaela Brauburger, Referentin der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland Pfalz (LMK), die Tagungsteilnehmer über Netzwerke, Hilfsangebote und schulische Programme zur Verhinderung von und Intervention bei Cybermobbing.

Sie forderte das genaue Hinsehen jedes einzelnen an seiner Stelle – in der Familie, der Schule, im Verein, in der Gesellschaft. Opfer senden Zeichen und Hilferufe. Diese zu erkennen, nicht zu banalisieren und echte Hilfe zu leisten sei die Herausforderung, um Cybermobbing wirkungsvoll zu begegnen. Dabei und skizzierte sie die Entstehung von Gewalt unter jungen Menschen und wie sie sich in dem Phänomen des Cybermobbings Bahn bricht. Auch sie betonte, wie elementar soziale Kompetenzen und Einfühlungsvermögen für die Vermeidung von Gewalt und missbräuchlicher Nutzung des Internets seien. Sie verwies auf die von ihr mitentwickelten Inhalte, die Interessierten kostenfrei im Internet zur Verfügung stehen. (tr)

 


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Erstellt am Autor trier reporter in Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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