Feuerzauber über Zurlauben – Proppenvolle Partymeile

Feuerzauber über Zurlauben!

Feuerzauber über Zurlauben! Alle Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Das Zurlaubener Moselfest hat auch bei seiner 61. Auflage nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Zehntausende Besucher – der Trierer sagt schon bei viel kleineren Zahlen “Milliunen Leit” – drängten sich am Samstag auf drei Ebenen am Moselufer um und im ehemaligen Fischerdorf Zurlauben. Der alljährliche Höhepunkt des viertägigen Festes lockte: das Feuerwerk.

Von Willi Rausch und Rolf Lorig (Fotos)

“Wer zu spät kommt,…” Na, Sie wissen schon. Zu spät waren die Besucher, die mit dem Auto möglichst nahe an das Festgelände wollten, schon lange bevor es dunkel wurde. Am Martinskloster war Schluss mit lustig, für alle die aus Richtung Konz kamen. Sie wurden in die Innenstadt abgeleitet. Auch von der anderen Einfallseite war alles dicht. Und über die Kaiser-Wilhelm-Brücke ging ebenfalls nichts. Die war von Tausenden Zuschauern belagert, die sich einen der schönsten Plätze gesichert hatten, um das Feuerwerk zu bestaunen. Auf dem Weg zum Fest hörte ich einen Insider sagen: “Das ist das größte Feuerwerk Deutschlands.” Nein, ist es nicht, aber es ist ein sehr großes und ein sehr schönes.

Beim Eintritt auf das Festgelände: Personenkontrolle. Unbeschwert feiern – gerne. Aber Sicherheit geht vor – gut so. Schon vor dem Betreten der abgesperrte Zone weht dem Feierwilligen der Duft von Gebratenem entgegen. Ein riesiger Grillstand lädt vor dem Eintauchen ins Getümmel zur Stärkung ein. Und Getümmel gibt es schon am frühen Abend. Zunächst ballt sich die Masse des Publikums noch in der Nähe der großen Musikbühne, wo Nico Mono und später Wallstreet ganz unten auf dem Moselradweg, im Souterrain des Festes spielen. Der gesamten Hang bis zur Deichkrone ist schon im Belagerungszustand. Oben auf dem Deich geht kaum noch etwas vorwärts. Stände, Partyzelte, Pagoden und die Biergärten beschallen nicht nur mit den unterschiedlichsten Musikrichtungen, die sich zu einem undefinierbaren Mix vereinen, sondern bremsen den Vorwärtsdrang – der Durst sorgt für ein gemächliches Tempo. Hinter dem Deich, in der engen Straße an der längsten Theke Triers dasselbe Bild.

Von überall sind sie gekommen – das fast schon babylonische Stimmengewirr beweist, dass das Moselfest natürlich längst über das Stadium eines lokalen Ereignisse hinaus ist. Und es ist offensichtlich auch Begegnungsstätte für flüchtige und auch besser Bekannte, die sich nach längerer Zeit wieder begegnen.



Kurz vor 23 Uhr. Die Masse der Besucher wird mehr und mehr komprimiert. Auf allen Ebenen drängen immer noch Tausende Menschen ans Moselufer. Die Böschung des Deiches ist inzwischen über die gesamte Länge des Festgeländes fast lückenlos gefüllt. An allen Ausgabestellen für Getränke, ob Bier, Wein oder Cocktails haben sich lange Schlangen gebildet. Da ist Geduld und Durchsetzungsvermögen gefragt – am besten beides.

Punkt 23 Uhr. Begrüßt von einem lang gezogenen “Jaaa” aus Tausenden Kehlen ertönt der erste Kanonenschlag. Für erfahrene Festbesucher ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, sich mit Getränken einzudecken. Da die überwältigende Mehrheit der Menschen in den Himmel schaut, ist an den Ständen etwas Entspannung angesagt. Noch zwei Mal vibriert die Luft nach zwei weiteren Detonationen, an allen Ständen wird die Musik ausgeschaltet – und dann kann es losgehen.

18 Minuten lang werden Raketensalven in den Nachthimmel gejagt. Das reflektierende Wasser der Mosel und die roten Felsen von Pallien auf der gegenüber liegenden Flussseite sorgen für eine einzigartige Atmosphäre. “Jetzt ist Schluss”, sagt ein neben mir stehender Herr zu seinem Sohn im Teenageralter, als irgendwann ein Pause von drei Sekunden entsteht. Weit gefehlt – das Beste kommt noch. In immer kürzeren Abständen schießen die Feuerwerkskörper in unterschiedliche Höhen. Am beeindruckendsten dabei vielleicht die Bombletten, die irrlichternde Kreise in den schwarzen Himmel zeichnen. Dann ein letztes Stakkato, begleitet von weiteren Detonationen. Und dann ist wirklich Schluss. Begeisterter Beifall als Dank an die KG M’r wieweln noch en Zalawen und den Männergesangverein Zurlauben beschließt den Höhepunkt des Samstags.



Tausende verlassen das Festgelände, aber der Nachschub ist bereits unterwegs. Die frei gewordenen Plätze der “Nur-Gucker” werden sofort von der Feiergemeinde eingenommen. Wenige Minuten nach dem Feuerzauber ist die Partymeile wieder so voll wie zuvor. Nur die Friedrich-Wilhelm-Brücke leert sich langsam. Klar – jetzt gibt es auch nix mehr zu gucken.

“Weitgehend friedlicher Verlauf”

Mehrere Tausend Besucher sorgten am Samstagabend für großen Andrang auf dem Zurlaubener Heimatfest. Gegen 22.30 Uhr war der Veranstaltungsraum mit der zulässigen Besucherzahl gefüllt, sodass die Mitarbeiter des eingesetzten Sicherheitsdienstes zeitweise keine weiteren Gäste einlassen konnten. Es kam dennoch zu keinen nennenswerten Störungen, und die Gesamtveranstaltung verlief weitgehend friedlich, meldet die Trierer Polizei am Sonntagmorgen. Die Polizeiinspektion Trier habe insgesamt sieben Platzverweise aussprechen müssen, drei Personen wurden in Gewahrsam genommen, fünf Strafanzeigen eingeleitet − unter anderem wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung, Diebstahl und Beleidigung. (tr)

Ein Text unseres Kooperationspartners

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Erstellt am Autor trier reporter in Featured, Gesellschaft 3 Kommentare

3 Kommentare zu Feuerzauber über Zurlauben – Proppenvolle Partymeile

  1. Jutta Albrecht

    Sehr guter Bericht und tolle Photos von Rolf Lorig.
    Ich konnte gestern Abend wg. einer privaten Einladung nicht am Moselufer sein und Rolf Lorig hat mir die Stimmung des gestrigen Abends in mein Arbeitszimmer gezaubert. Danke!

     
  2. Johannes Schölch-Mundorf

    @Jutta: Die Fotos von Rolf Lorig sind der Hammer. Ich war gestern Abend vor unserem Haus dabei und kann nur sagen: Das echte Feuerwerk kommt lange nicht an die schönen Fotos ran 😉

     
  3. Giesela Seutter

    es war ein wunderbares Fest – wie immer .Das Wetter dieses Mal durchgängig herrlich , tolle Bands , gute Stimmung , ein prächtiges Feuerwerk ( man steigert sich jedes Jahr ) in dieser herrlichen Kulisse am Wasser – endlich Leben am Fluß . Sogar die Kaiser Wilhelmbrücke erstrahlte im Licht – wunderbar – so sollte es immer sein . Schon lange wartet Trier auf die illuminierten Brücken – endlich abendliche Highlights . Wunderkerzen , Grablichter in den Fenstern von Pallien und ein Riesenrad und schwups würde man fast an Koblenz und Köln kratzen . Die Stadt muß endlich lernen sich zu inszenieren , damit durch den Tourismus endlich auch Investoren angezogen werden . Da muß man noch viel lernen , wagen ,zusammen an Stricken ziehen und schneller sein als die anderen. Dieses Zurlauben ist auf dem besten Weg.

     

Reply to Johannes Schölch-Mundorf

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