Feurige Hüte und flammende Vogelbauer

Keine Angst vor brennenden Blumen oder einer feurigen Kamera hat diese junge Frau. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Den Menschen, die am späten Freitagmorgen durch die Simeonstraße bummelten, bot sich ein merkwürdiges Bild. Junge Leute kehrten Feuerbälle zusammen, hatten einen in Flammen stehenden Vogelbauer in der Hand oder spazierten mit einem brennenden Hut durch die Stadt. Des Rätsels Lösung war einfach: es handelte sich um Schüler der IGS Trier, die mit ihrer Aktion auf die Ende September stattfindende Illuminale aufmerksam machen wollten.

Von Rolf Lorig

Ihren brennenden Blumenstrauß hat Sarah Quaré mittlerweile gut im Griff. Sie weiß genau, wo sie die Brennpaste anbringen muss, damit der bunte Sommergruß kaum Schaden nimmt. So ganz lässt sich das trotz des auf die Blumen aufgesprühten Wassers nicht vermeiden – doch der Kollateralschaden hält sich in Grenzen. Die verblüfften Blicke der Zuschauer sind ihr ebenso sicher wie ihrem Mitschüler Thiuigan Subakiaran, dem es nach einer bestimmten Zeit ziemlich warm unter seinem Hut wird. Ursächlich dafür sind keine heißen Ideen, sondern das Feuer oben auf dem Hut, das so manchen Mitbürger fassungslos den Kopf schütteln lässt.

Eine Gruppe Touristen vermutet gar ein Feuer in der Nähe: “Hat es da gerade irgendwo gebrannt?” fragt eine Frau ihren Begleiter irritiert, als sie einen jungen Mann beobachtet, der mit einem Besen kleine Feuerbälle durch die Fußgängerzone treibt. Konstantin Erschens, Azubi bei der ttm, klärt die Dame auf und hält ihr einen Flyer hin, der über die Illuminale informiert. Aufmerksam studiert das Paar die Informationsschrift, dann stellt sich Enttäuschung auf dem Gesicht der Frau ein. “Schade”, bedauert sie, “wenn das stattfindet, ist unser Urlaub schon wieder zu Ende und wir sind dann wieder zu Hause.” Konstantin Erschens nickt, das hört er an diesem Tag nicht zum ersten Mal. “Es ist halt typisch für diese Zeit, dass man mehr Touristen als Einheimische trifft.”

Unterwegs mit einem “flammneuen” Hut…

Zu fremd ist dieses Bild

Und noch etwas hat er beobachtet: “Manche denken, ich wolle ihnen was verkaufen und verhalten sich dann erst einmal abweisend. Doch wenn einer der Akteure mit seinen Flammen dazu kommt, werden die Leute sofort neugierig und wollen mehr über die Aktion wissen.”

Doch das gilt nicht unbedingt für alle. Oft, wenn Sarah Quaré mit ihrem brennenden Blumenstrauß Menschen anspricht, reagieren diese verschreckt oder ablehnend. Zu fremd ist dieses Bild, für einige vielleicht gar zu verstörend. Wobei es keinen Unterschied macht, ob diese Menschen jung oder schon älter sind. Feuerkünstler Kain Karawahn, der die Schüler betreut, beobachtet aus dem Hintergrund die Szene, studiert das Verhalten der Menschen. Immer wieder bespricht er sich mit den jungen Akteuren, macht ihnen Mut, wenn mal wieder alle Passanten so tun, als würden sie das feurige Treiben nicht bemerken.

Gut eineinhalb Stunden werben die Schülerinnen und Schüler derart mit ihrer Show für die kommende Illuminale. Am Ende haben sie dann doch deutlich mehr Zuspruch als Ablehnung erfahren. Die Generalprobe ist vorbei, jetzt kann die Illuminale kommen.


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