Fischers Mathes und die Revolution

Hinter dem Loch in dieser Mauer wohnte Fischers Mathes. Durch diese Maueröffnung – sie trennt das Fischer-Anwesen in der Brotstraße ab zum heutigen Priesterseminar – verkaufte er Hefte an die Schüler des Gymnasiums. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Bereits 14 Fälle hat der Trierer Kommissar Walde erfolgreich gelöst und damit die Trierer Mordkommission über die Grenzen der Stadt bekannt gemacht. Wesentlichen Anteil an diesem Erfolg hat der Trierer Autor Mischa Martini, der den Kommissar als Titelhelden für seine flott geschriebenen Mosel-Krimis erfand. Rechtzeitig vor Weihnachten meldet sich Mischa Martini mit seinem neuesten Werk bei seiner Fangemeinde zurück. Dieses Mal aber nicht mit Kommissar Walde, sondern mit dem Trierer Original Mathias Josef Fischer, besser bekannt als Fischers Mathes.

Von Rolf Lorig

Ein gelungener Roman

Mischa Martini ist das Pseudonym des Trierer Verlegers Michael Weyand. Schon lange habe er einen Roman mit historischem Hintergrund schreiben wollen, erzählt er im Gespräch. Das 19. Jahrhundert schien ihm besonders geeignet, “denn das ist eine Zeit, die ist noch nicht gar so lange her, da kann sich jeder noch hineindenken”.

“Er war bei allem Schalk ein ernsthafter Mann”

Also machte Mischa Martini sich auf die Suche nach der geeigneten Romanfigur. Und die fand er in der Person von Fischers Mathes. Um dieses Original, das in der Tat nicht fiktiv ist, sondern von 1822 bis 1879 in Trier lebte, ranken sich viele Geschichten und Erzählungen. “In den Archiven habe ich sehr viele Informationen gefunden”, berichtet der Autor, der im Anhang des Buches auf drei Seiten sein Quellenverzeichnis offenlegt. Ganz besonders habe ihn überrascht, “welch ein ernsthafter Mensch bei allem Schalk dieser Matthias Fischer war”.

Kein Wunder, vermitteln die zahllosen Witze über und von Fischers Mathes doch eher das Bild eines respektlosen Spaßmachers: “Ähnlich wie Tünnes und Schäl im Kölner Raum.” Je tiefer Mischa Martini in seine Quellen eintauchte, desto deutlicher wurde, “dass der wahre Mathias Fischer sehr ernst genommen werden konnte”.

Doch woher rührt das Image des Spaßmachers? “Spaß war damals vermutlich ein anderes Wort für Respektlosigkeit, die man in der damaligen Zeit auch haben musste.” Vielleicht lag das aber zum Teil auch daran, dass Mathias Fischer beruflich nicht das machen konnte, was er gerne getan hätte: “Er wollte eigentlich Wissenschaftler werden, hat sich mit Botanik beschäftigt und wäre gerne der Assistent von Alexander von Humboldt geworden.” Dem stand jedoch eine gewisse mangelnde Schulbildung gegenüber: Mathes musste mit dem ‘Quarta-Abitur’ das Gymnasium verlassen und in den Betrieb des Vaters wechseln. Der war Buchbinder, und das sei nicht unbedingt der Traumberuf von Mathias Fischer gewesen, weiß Mischa Martini.

In diesem Haus in der Brotstraße lebte Fischers Mathes. Eine Tafel, links vom Eingang, erinnert an das Trierer Original.

Karl Marx und Jenny von Westfalen

Das Binden der Bücher war eine Sache, “der Verkauf aber hat ihm viel mehr gelegen”. Als kommunikativer Mensch habe Mathes in der Folge seine Krämerseele entdeckt. Sein beruflicher Aufstieg kam mit seiner Heirat: “Seine Frau hatte auch einen Laden. Mathias Fischer hat sich dann ‘hochgeheiratet’ und in der Folge zusammen mit seiner Frau einen Kolonialwarenladen betrieben.” Das passte dann auch gut zu eine seiner Leidenschaften, dem Rauchen. “Trier war damals mit seiner Zigarrenfabrikation eine Hochburg.”

Gut drei Jahre lang beschäftigte sich Mischa Martini mit seinen Recherchen, verfolgte den Weg von Fischers Mathes und dessen Protesten gegen Armut, Standesunterschiede und die preußische Regierung. So ergab es sich, dass beim Schreiben des Buches tatsächliche Ereignisse die Handlung bestimmten. “Und auch die Namen der Personen sowie die Orte stimmen mit der Historie überein”, versichert der Autor.

So tauchen auf kurzweiligen 257 Seiten denn auch Menschen auf, die Welt-Geschichte geschrieben haben: Der Philosoph und Revolutionär Karl Marx und seine Ehefrau Jenny von Westfalen…

Sehr einfühlsam beschreibt Mischa Martini die Entwicklung des jungen “Mäthi” hin zum Mathes und lässt den Leser teilhaben an dessen Hoffnungen, Sehnsüchten und Erlebnissen. Entstanden ist so ein ebenso informatives wie unterhaltsames Stück Heimatkunde, das mit Sicherheit seinen Weg auf den Gabentisch finden wird.

Extra

Mischa Martini, “Fischers Mathes und die Revolution”, Taschenbuch, Verlag Michael Weyand, 10,50 Euro.

Der Autor gibt am Samstag, 9. Dezember, von 11.30 bis 12.30 Uhr, in der Mayerschen Buchhandlung am Kornmarkt eine Signierstunde. Dabei stellt er auch seinen neuesten, noch druckfrischen historischen Roman “Fischers Mathes und die Revolution“ vor.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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