Große Komponisten, wie man sie noch nie erlebt hat

Der ebenso brillante wie perfekte Schlusspunkt eines mehr als bemerkenswerten Abends: Das Brillantfeuerwerk im Palastgarten. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Sommer, Sonne, Musik – dieser Dreiklang scheint in diesem Jahr beim Mosel Musikfestival ausgezeichnet zu funktionieren. Tolle Konzertveranstaltungen unter freiem Himmel, das verspricht Erholung pur. Und wenn dann, wie am Samstag beim fulminanten Auftritt von Spark noch ein Pracht-Feuerwerk im Palastgarten dazu kommt, dann lässt sich das kaum noch toppen.

Ein Eindruck von Rolf Lorig

Spark. Mal ehrlich, wer kannte diesen Namen schon im Vorfeld? Klassik-Liebhaber, die alljährlich die Echo-Verleihung verfolgen, waren da im Vorteil. 2011 erhielt die Formation die begehrte Audio-Trophäe. Und da gibt es noch Hermann Lewen, noch amtierender Intendant des Mosel Musikfestivals. Bereits 2009 sei er auf das Quintett aufmerksam geworden und habe sie dann auch für 2011 erstmals engagieren können, berichtete Lewen den rund 800 Konzertbesuchern im ‟schönsten Konzertsaal Triers ohne Dach‟, dem Innenhof des Kurfürstlichen Palais. Kurz nach dem Auftritt hätte Spark dann den Echo erhalten. Das habe ihn damals schon mit Stolz erfüllt, schließlich sei die Suche nach jungen Künstlern, die das Talent zum Vorstoß in die Weltspitze hätten, Teil des Mosel Musikfestival-Konzepts.

Dass Lewen hier nicht übertreibt, beweist der Blick zurück: Exemplarisch seien an dieser Stelle der Pianist Martin Stadtfeld oder aber auch die Sopranistin Diana Damrau genannt.

Spark liefert klangliche Eindrücke, die noch lange im Gedächnis haften bleiben

Bevor Spark die Bühne betraten, nutzte Hermann Lewen die Gelegenheit zu einem kurzen Rückblick, schließlich ist das das letzte Jahr seiner Verantwortung. Zum 1. Januar geht die Intendanz auf seinen selbst ausgesuchten Nachfolger Tobias Scharfenberger über, der ihm auch an diesem Abend zur Seite stand. Lewen erinnerte daran, dass das Klassikfestival seit 25 Jahren auch in Trier zu Gast und dass die Stadt Trier mittlerweile der Hauptgesellschafter der 1985 in Bernkastel ins Leben gerufene Veranstaltungsreihe ist. Mit einem Schmunzeln rief der Intendant in Erinnerung, dass längst nicht alle Open Air-Veranstaltungen bei derart gutem Wetter stattgefunden haben. ‟Wir hatten Regen, sogar Hagel – und wir haben deshalb schon mal halbe Konzerte im Treppenhaus stattfinden lassen.”

Junge Wilde in der Klassik

Und dabei ließ es der scheidende Intendant bewenden, gab die Bühne frei für Spark. Hierbei handelt es sich um fünf junge Künstler, die in der Klassikszene gerne auch als ‟junge Wilde‟ apostrophiert werden. Ein Etikett, das sie sich mit Nigel Kennedy oder aber auch mit Vanessa Mae teilen dürfen. Im Gegensatz zu den zuletzt genannten Künstlern haben die Musiker von Spark aber keine britischen Wurzeln; wohl aber die Band, die 2007 von den beiden Flötisten Andrea Ritter (Erlangen) und dem in Heilbronn geborenen Daniel Koschitzki gegründet wurde. Koschitzkis internationale Karriere hatte im Jahr 2001 begonnen, als er beim International Solo Recorder Playing Competition in London den 1. Preis gewann. Dass auch seine Kollegin Ritter sich auf das Gewinnen von Wettbewerben versteht, verdeutlicht der 1. Preis beim International Recorder Competition 2007 in Montreal. Dem steht der slowenische Geiger Stefan Balazsovics nicht nach. Auch er kann auf zahlreiche Preise beim National Conservatory Viola Competition verweisen. Cellist Victor Plumettaz, er hat schweizerisch-ungarische Wurzeln, und der russische Pianist Arseni Sadykov müssten bei all diesen Aufzählungen nicht im Hintergrund bleiben. Auch sie können jeder für sich auf zahlreiche Preise und Auszeichnungen verweisen.

Wie gut die multinationale Formation harmoniert und klingt, das durften die Festivalbesucher in den folgenden zweieinhalb Stunden erleben. Jeder, der glaubte Mozart, Beethoven oder Bach zu kennen, wird seine Einstellung vermutlich gründlich überdacht haben. In einem Potpourri näherten sich die fünf Musiker auf ihre Weise den großen Komponisten, die vermutlich über die unprätentiöse Herangehensweise ihre helle Freude gehabt hätten. Und genau diese Vorgehensweise führte Spark auch bei modernen Komponisten wie Cole Porter fort. Alle diese Genies hatten zwar mit ihren Kompositionen die Vorlagen geliefert. Die Umsetzung aber lag bei jeder einzelnen Aufführung bei Spark. Und die war in jedem Fall ebenso eigenständig wie unverwechselbar: kraftvoll, atmosphärisch-dicht, dabei immer handwerklich sauber und zuweilen auch träumerisch-verspielt. Niemals aber langweilig, weil man die einzelnen Werke so oder so ähnlich schon mal gehört hatte. Für den Zuhörer ein höchst inspirierender Genuss – entstehen dabei im Kopf doch ständig neue Bilder, die man so oder so ähnlich nicht erwartet hätte.

Kein Wunder, dass am Ende des Abends das Publikum begeistert applaudierte und stehend Zugaben einforderte. Die natürlich auch gewährt wurden.

An dem Punkt, an dem normalerweise ein solcher Konzertabend endet, gab es am Samstag aber eine Fortführung. Denn nach der Eröffnung des Olewiger Weinfestes gab es für die Konzertbesucher im Palastgarten ein weiteres Brillantfeuerwerk. Zu den Klängen von Modest Mussorgskys ‟Bilder einer Ausstellung‟ brannten Mitarbeiter von Feuerwerks-Weltmeister Helmut Reuter ein feuriges Spektakel ab, das den perfekten Schlusspunkt unter einen äußerst bemerkenswerten Abend setzte.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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