H.A.T.-Boys bliesen den Regen weg

Sie zauberten mit ihrer Musik wieder die Sonne an den Himmel: Die H.A.T.-Boys mit Silvia Günther. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Kinder und Jugendliche waren die Nutznießer des jüngsten Benefizkonzertes, das der Rotaryclub Trier-Porta am Samstag im Brunnenhof ausrichtete. Zum wiederholten Mal in Folge hatten sich die H.A.T.-Boys mit Sängerin Silvia Günther in den Dienst der guten Sache gestellt.

Von Rolf Lorig

Manchmal könnte man schier verzweifeln. Es war ein Traumtag, dieser Samstag. Und das, obwohl die Wetterfrösche im Vorfeld keine große Hoffnung gemacht hatten. Noch am  Nachmittag hatte es so ausgesehen, als ob man bei bestem Wetter und angenehmen Temperaturen einen lauschigen Abend im Brunnenhof verbringen könnte. Doch dann kam gegen 17 Uhr die Ernüchterung. Graue und schwarze Wolken am Himmel, gegen 17:30 Uhr öffnete der Himmel seine Schleusen. Spätestens jetzt wussten Andreas Ammer, Präsident des Rotaryclubs Trier-Porta, und Karl Schardon, spiritus rector des Benefizabends, dass ihr Konzept nicht wie gewünscht aufgehen würde. Denn die beiden Rotarier hatten auf sehr viele Besucher gehofft, die mit ihren Eintrittsgeldern zwei Projekte im Bereich der Kinder- und Jugendförderung unterstützen wurden.

Als dann Andreas Ammer kurz nach 18 Uhr die zunächst noch spärlichen Besucher begrüßte, zeigte er sich in jeder Beziehung optimistisch. Dass die H.A.T.-Boys trotzdem ein tolles Konzert abliefern würden, dessen war er sich sicher. Aber auch, dass das Wetter sich wieder beruhigen würde. In beiden Punkten sollte er Recht behalten. Und noch in einem dritten Punkt, der aber mehr der Hoffnung entsprang: Mehr Gäste.

Sie engagieren sich gemeinsam für Kinder und Jugendliche: Doris Kugel, Andreas Ammer, Jutta Limburg und Manuela Zupan.

In Theo Kugel, Sänger, Gitarrist, Moderator und Mitbegründer der Band, fand Ammer den passenden Mitstreiter. Auch er ist ein Optimist, für den das Glas niemals halbleer sondern immer halbvoll ist. Zusammen mit den übrigen Bandmitgliedern heizte er in der Folge nicht nur dem Wetter gewaltig ein. Und das mit Erfolg. Fast schien es so, als ob Petrus sich bei den Musikern und Rotariern für den verpatzten Auftakt entschuldigen wollte. Der Regen hörte auf und es klarte minütlich mehr und mehr auf, bis dann sogar wieder die Sonne rauskam. Und mit ihr kamen neue zahlende Besucher in den Brunnenhof…

Eine Ferienwoche im Kunsthaus ‟Alte Druckerei‟

Was die Modedesignerin und Kauffrau Doris Kugel sowie die freischaffende Malerin Jutta Limburg natürlich freute. Vor sieben Jahren riefen die beiden Frauen die Trierer Dependance des Vereins KRASS e.V. ins Leben gerufen. Dieser Verein, 2010 in Düsseldorf gegründet, unterstützt  durch Kulturprojekte KRASS e.V. deshalb insbesondere sozioökonomisch benachteiligte Kinder und Jugendliche auf den verschiedenen Ebenen ihres Weges. Der Erlös des Abends sollte zu gleichen Teilen dem Verein KRASS aber auch der Rotarier-Aktion LLLL (“Lesen lernen – Leben lernen”), mit dem das Leseverständnis vor allem an Grundschulen gefördert werden soll, zugute kommen.

Dass sich die beiden Projekte sehr gut ergänzen, darauf wies Andreas Ammer bei einem kurzen Gespräch mit den beiden Frauen hin. Und die hatten in der Person von Manuela Zupan auch gleich noch eine Frau aus der Praxis mitgebracht. Zupan ist Erzieherin im ‟Ruländer Hof‟, eine Einrichtung der Vereinigten Hospitien, die Kinder im Alter von wenigen Monaten bis hin zu 16-Jährigen, in drei unterschiedlichen Einrichtungen betreut. Zehn Kinder vom Ruländer Hof werden dank dieses Benefizkonzertes im Juni eine Ferienwoche im Kunsthaus ‟Alte Druckerei‟ verbringen können, wo sie angeleitet von drei Künstlern und betreut von drei Fachkräften eine unbeschwerte kreative Zeit verbringen werden. ‟Ohne diese Hilfe von KRASS hätten diese Kinder, die aus sozial benachteiligten Familien stammen, vermutlich sonst keinen Zugang zur Kunstszene hätten‟, sagt Manuela Zupan. Wobei sie sich mit auf Anhieb mit Andreas Ammer einig ist, der bei dem Begriff zur Herkunft sofort interveniert: ‟Finanziell benachteiligt – ja. Aber was die Sozialkompetenz angeht, da kann sich so manches Kind aus der Mittel- und Oberschicht eine Scheibe abschneiden.”

So informativ und interessant das Gespräch auch war – die Besucher waren aber wegen der Musik gekommen. Und sie sollten nicht enttäuscht werden. Fast vier Stunden lang spielte die sechsköpfige Band, gönnte sich für die Dauer des gesamten Auftritts lediglich drei kurze, maximal zehnminütige Pausen. Es war nicht zuletzt dank der stimmgewaltigen Silvia Günther ein musikalisches Prachtfeuerwerk, das Gästen und Musikern beste Laune bescherte. Die Spanne reichte weit in die Vergangenheit zurück: Gespielt wurden die Hits von Elvis Presley, Bill Haley, den Hollies, Elton John, den Shadows und, und, und…

Zwei, die stimmlich perfekt harmonieren: Werner Heinz und Silvia Günther

Gänsehaut pur

Alle aufzuzählen wäre zum einen nicht möglich, zum anderen würde es an dieser Stelle auch den Rahmen sprengen. Weshalb sich der Berichterstatter lieber der Band zuwendet. Dass Musik keine Frage des Alters ist, machen nicht zuletzt die Rolling Stones deutlich, die bei Live-Auftritten Menschen aller Altersklassen elektrisieren. Ähnlich ergeht es den H.A.T.-Boys. Auch hier sind Konzertbesucher jeden Alters fasziniert vom Einsatz und der Spielfreude der älteren Herrschaften. Wobei das jetzt beileibe nicht abwertend gemeint ist, bewegen sich die fünf Männer doch alle um die Pensionsgrenze herum. Was man ihnen auf der Bühne aber nicht anmerkt. Großartig der Groove von Heinz Oberbilig (Saxophon) und Harry Oehms (Bass), federnd Klaus Wenner am Schlagzeug, begeisternd die Riffs von Theo Kugel und Werner Herz an den Gitarren.

Weit von der Pensionsgrenze entfernt aber ist Sängerin Silvia Günter. Altersmäßig ist die zierliche Sängerin das Küken der Band, stimmlich jedoch ein ganz großes Aushängeschild. Wobei die Band in der Person von Gitarrist Werner Heinz bereits einen veritablen Sänger hat. Und sich damit in einer äußerst kommoden Situation befindet. Denn zwei Sänger, dazu noch eine Frau und ein Mann, das eröffnet viele Möglichkeiten. Und die werden auch genutzt. Beispielsweise in Duetten, wo alte Songs von Ike & Tina Turner wieder aufleben. Ganz großes Kino aber ist Summer Wine. Lee Hazelwood schrieb 1966 diesen Hit, den er im Duett mit Nancy Sinatra zu Weltruhm führte. Viele haben diesen Song in ihr Repertoire aufgenommen, darunter Bono und auch Lana Del Rey. Doch was Werner Herz und Silvia Günther an diesem Abend zum Besten gaben, bescherte den Zuhörern Gänsehaut pur. Gerade dieses Lied macht deutlich, wie perfekt die Stimmen von Herz und Günther miteinander harmonieren.

Als dann kurz vor 22 Uhr das Konzert zu Ende ging, waren sich alle einig, dass sie trotz des Regens am Anfang einen außergewöhnlichen und lange in Erinnerung bleibenden Abend miterlebt hatten.

 


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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