Illuminale – Eine Visitenkarte für Trier

Eine Lichtorgie empfängt die Besucher in der Neustraße. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Viele Tausend Menschen waren am Freitag in der Innenstadt, um sich vom Glanz der Lichter verzaubern zu lassen. Auch die diesjährige Illuminale war dank der erneuten Teilnahme von Universität und Hochschule wieder weit mehr als ein Lichterfest, von etlichen Besuchern wurde sie gar als “eine Visitenkarte für Trier” gesehen. Dank der engen Verzahnung mit den beiden Trierer  Hochschulen wurde die Veranstaltung durch den Untertitel ‟Wissen schafft Licht‟ mehr als treffend charakterisiert.

Von Rolf Lorig

Die AMG-Combo eröffnet den musikalischen Reigen auf dem Viehmarktplatz.

Die Combo des Angela Merici-Gamnasiums (AMG) hatte ihrem Publikum auf der Bühne am Viehmarkt derart eingeheizt, dass sie Zugabe um Zugabe spielen musste. Weshalb dann auch der Zeitplan für die offizielle Eröffnung sich etwas verschob. Was aber niemanden, Minister Konrad Wolf eingeschlossen, wirklich zu stören schien. Die Stimmung war völlig relaxt, als AMG-Schulleiter Mario Zeck zusammen mit dem Minister und den übrigen Repräsentanten die Bühne betrat, um hier die Veranstaltung nun auch offiziell zu eröffnen. Zeck oblag es, in der Folge als Moderator durch das Gespräch zu führen. Was ihm auch recht gut gelang, wenngleich es ihm von der Dauer her dann doch etwas aus dem Ruder lief.

Minister Wolf (Vordergrund, links) sucht das Gespräch mit den Wissnschaftlern. Links Unipräsident Jackel und Hochschul-Vizepräsident Andreas Künkler (2. von links).

Drei Rektoren auf der Bühne

Aus dem Publikum zählte ttm-Chef Norbert Käthler mit einem schelmischen Grinsen drei Rektoren auf der Bühne. Womit er gar nicht so unrecht hatte, war Minister Konrad Wolf vor seiner Berufung zum Wissenschaftsminister doch Präsident der Hochschule Kaiserslautern gewesen. Kein Wunder, dass er sich blendend mit Unipräsident Michael Jäckel und Hochschul-Vizepräsident Andreas Künkler verstand. Wolf vertrat an diesem Abend Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die als Bundesratspräsidentin einige Tage auf Staatsbesuch in Kanada war.

“Wir wollen die Welt verstehen, die uns umgibt”

Mit ihrem Beitrag zur Illuminale macht Hebamme Anja Lehnertz auf die Situation der Hebammen in Deutschland aufmerksam.

Für den Minister hat eine soche Veranstaltung eine zentrale Rolle für die Wissenschaft: ‟Wir wollen die Welt verstehen, die uns umgibt.” Was insbesondere die technologischen Hilfsmittel betreffe, derer sich alle täglich bedienten. Hier könne die Wissenschaft wertvolle Hilfestellungen geben, denn “die Technik hat eine Komplexität erreicht, in der sie sich nicht mehr selbst erklärt”. Transportmittel wie diese Veranstaltung trügen dazu bei, die Neugierde zu wecken.

Das sieht auch Unipräsident Michael Jäckel so, der die Zusammenarbeit mit der Illuminale gerne fortführen möchte. Der Wettbewerb in der Wissenschaft sei sehr hart geworden, stellte er fest und unterstrich die Bedeutung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Dass es an dem derzeit an der Uni Trier nicht mangelt, verdeutlichte die Teilnahme von Studierenden aus 30 Nationen, die Jäckel von der Bühne aus herzlich willkommen hieß.

Stoffbahnen am Anfang und Ende der Neustraße schaffen einen klar definierten Raum.

Ohne Studierende keine 108.000 Einwohner

Hochschul-Vize Andreas Künkler erinnerte daran, dass die Großstadt Trier ohne die beiden Hochschulen keine 108.000 Einwohner hätte. Die Kooperation der beiden Hochschulen bringe immer wieder neue Projekte hervor. Über eines davon, den Nachbau eines römischen Schiffes, konnten sich die Besucher gleich vor Ort informieren. Warum man sich derart mit der Vergangenheit auseinandersetzt, begründete Künkler so: ‟Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden…‟

Die Kulturkarawane präsentiert Feuerkünstler Christian Dirr im AMG-Pausenhof.

Neustraße ist ein Glücksgriff

Auch Kulturdezernent Thomas Schmitt befand sich auf der Bühne. Für ihn war es die erste Veranstaltung dieser Art in offizieller Funktion. Die Überlegung, die Neustraße mit einzubeziehen, bezeichnete er als Glücksgriff. Zum einen sei es für ihn eine der schönsten Straßen der Stadt, zum anderen ergebe sich so eine mit dem Viehmarkt zusammenhängende Ausstellungsfläche, die alleine schon aus Sicherheitsgründen − im vergangenen Jahr musste zum Augustinerhof immer die Straße überquert werden − eine optimale Lösung darstelle.

Projektionen auf das Gebäude der Jesuiten-Apotheke laden zum Verweilen ein.

Menschentrauben an den Pavillons

Während auf der Bühne das Gespräch noch weiter dahin plätscherte, hatte die einbrechende Dunkelheit die meisten Menschen längst auf dem Viehmarktplatz und in Richtung Neustraße verteilt. Dichte Menschentrauben an den Pavillons an den Wissenschaftspavillons auf dem Viehmarkt bescherten den Hochschullehrern und Studenten den gewünschten Zulauf. Noch dichter war der Menschenstrom, der sich in die Neustraße ergoss. Hier ging es eng an eng zu, trotzdem blieb die Stimmung friedlich und entspannt.

Der Kuppelbau Geodesic Sound kommt von der Hochschule und sorgt dank Berührungen für ein kollektives Licht- und Ton-Erlebnis.

Wer wegen der Illuminale gekommen war, erlebte in diesem Jahr vor allem ein Hightech-Spektakel, bei dem das auf Anstrahlungen spezialisierte Trierer Unternehmen ‟Pro Musik‟ eindrucksvoll unter Beweis stellte, was hier Stand der Technik ist. Die Anstrahlung der Häuser, die liebevoll dekorierte Straße − all das wurde in ein teils surrealistisches Licht getaucht, das vor allem bei jüngeren Besuchern wahre Entzückungsschreie hervorrief. Weniger positiv kam dagegen bei einigen Besuchern an, dass die eingesetzten Laser teilweise so tief eingestellt waren, dass sie den Menschen auch in die Augen strahlten.

Der Nachtwächter darf bei der Illuminale nicht fehlen.

Romantik im AMG-Pausenhof

Wer es lieber etwas romantischer wollte, war im Pausenhof des Angela-Merici-Gymnasiums bestens aufgehoben. Hier fanden sich die vielen selbst gebastelten Lampions, die eigentlich die Keimzelle der Illuminale darstellen. Hier hatte aber auch die Kulturkarawane ihr Lager und ihre Liegestühle aufgeschlagen. Das junge Trierer Unternehmen ist bekannt für seine von Romantik geprägten Veranstaltungen, wie beispielsweise die ‟Moselschätze‟ am Moselufer oder der ‟Sterntalermarkt‟ im Brunnenhof während der Vorweihnachtszeit. An diesem Abend begeisterte die Kulturkarawane mit einer musikalischen Lounge-Atmosphäre und Feuer-Akrobatik.

In der Schule selbst hatte die Wissenschaft ihr zweites Basislager aufgeschlagen. In den Klassenräumen sowie in der Aula drehte sich alles um die Geisteswissenschaften. Und wer noch mehr wissen wollte, konnte mit dem Bus auf den Petrisberg zum Uni-Campus 2 fahren, um dort den Kunstraum ‟generator‟ zu besuchen. Ober aber in die Südallee, wo sich die Polizei ebenfalls den Fragen der Besucher stellte.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft, Kultur 2 Kommentare

2 Kommentare zu Illuminale – Eine Visitenkarte für Trier

  1. Alexandra

    Super Bilder! Die Illuminale 2017 war meiner Meinung nach bisher die schönste! 🙂

     
  2. Gisela S.

    Nachdem das letzte Jahr eigentlich nichts mehr mit Illuminale zutun hatte ( wir haben ja auch kein Geld ..) , war es dieses Jahr um so schöner ! Es wurde Zeit endlich solch ein Spektakel in der Stadt zu etablieren und weiter touristisch zu vermarkten – wie es längst viele andere tun .Sogar der grausame Leerstand der Läden in der Neustrasse fiel an diesem Abend nicht auf .Es war ein Fest ! das Wetter spielte mit und so wurde es ein ´´neues , junges Altstadtfest ´´ für die ganze Familie – ein Hightlight für den Herbst. Dank an alle Beteiligten .Freuen wir uns dann wohl alle aufs nächste Jahr in der Brücken – und Karl- Marx- Strasse – im Rahmen des Karl Marx Jahres ? !

     

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