Jede Spende wird vom Bischof verdoppelt

Sie engagieren sich gemeinsam: Monika Berger, Dominik Flesch, Sharin Petry und Andrea Steyven (von links) Foto: Rolf Lorig

Sie engagieren sich gemeinsam: Monika Berger, Dominik Flesch, Sharin Petry und Andrea Steyven (von links) Foto: Rolf Lorig

TRIER. Seit mehr als 30 Jahren sammelt die Aktion Arbeit im Bistum Trier Spenden zur Unterstützung von arbeitsmarktpolitischen Projekten im Bistum Trier. In diesem Jahr sollen 27 Maßnahmen mit insgesamt 250.000 Euro gefördert werden. Dazu werden bis zum Ende des Jahres 125.000 Euro an Spenden benötigt, bislang sind schon 35.000 Euro Spendengelder eingegangen. Sobald das Spendenziel erreicht ist, will Bischof Ackermann  die fehlenden 125.000 Euro aus Mitteln des Bischöflichen Stuhls ergänzen.

Von Rolf Lorig

1983 gab es in Deutschland über zwei Millionen Arbeitslose. Das Schicksal arbeitsloser Menschen dürfe Christen nicht egal sein, sagte der damalige Trierer Bischof Hermann-Josef Spital und rief am 1. Mai die “Aktion Arbeit“ ins Leben. Wobei der Bischof davon ausging, dass die Zahl der Arbeitslosen schon bald rückläufig sein würde. Eine Fehleinschätzung, waren doch im Januar dieses Jahres laut der Agentur für Arbeit 2,92 Mio. Menschen arbeitslos gemeldet. Damit ist knapp 33 Jahre, nachdem das Bistum die Aktion Arbeit ins Leben rief, keine Entwarnung angesagt: “Die Situation der betroffenen Menschen hat sich durch keine der Reformen verbessert, sondern eher verschlechtert“, konstatiert Andrea Steyven, Geschäftsführerin der Aktion Arbeit im Bistum Trier.

Laut ihren Ausführungen gibt es über eine Million Menschen, die häufig schon mehrere Jahre arbeitslos sind oder waren. Für diese Gruppe sei es besonders schwer, eine Arbeit zu finden. Die Gründe seien mannigfaltig: Oft gebe es weder einen Schul- noch Berufsabschluss, in anderen Fällen fehle der Führerschein, andere wiederum würden die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrschen, oder aber es seien Menschen, die aufgrund einer Behinderung eingeschränkt seien. Zusätzlich gebe es noch eine Gruppe, die Kinder oder Angehörige betreuen und für die es ebenfalls wenig geeignete Arbeitsplätze gebe. Hier setze nun die Aktion Arbeit an, die mit den erhaltenen Spenden die betroffenen Menschen ohne Abzüge fördere, sagte die Geschäftsführerin.aktionarbeit_logo

Als sozialorientiertes Unternehmen mit aktuell rund 280 Beschäftigten gehört der Trierer Bürgerservice zu der Gruppe, die von der Aktion Arbeit unterstützt wird, sagt die Psychologin Monika Berger, die beim Bürgerservice auch Mitglied der Geschäftsleitung ist. Eine der von der Aktion Arbeit geförderten Maßnahmen betrifft den Bereich des Übergangs von der Schule in den Beruf. Aktuell gibt es eine Gruppe von knapp 50 Jugendlichen, die hier an berufsvorbereitenden Maßnahmen teilnehmen. Dominik Flesch (16) und Sharin Petry (18) gehören dazu.

Sharin Petry nimmt seit dem vergangenen September an der berufsvorbreitenden Maßnahme teil, sie möchte gerne den Beruf Maler/Lackierer erlernen. In der Lehrwerkstatt des Bürgerservice konnte sie bereits erste berufliche Erfahrungen sammeln. Einen Praktikumsplatz hatte sie bisher noch nicht, da die Saison in diesem Gewerbe erst im Frühjahr beginnt. Eine Erfahrung aber musste sie schon leider machen: “In dem Beruf werden Frauen nicht so gerne ausgebildet.“ Doch weil sie nach wie vor auf eine Chance hofft, will sie nicht aufgeben. Für alle Fälle hat sie aber schon einen Plan B, falls alle Stricke reißen: “Dann werde ich Altenpflegerin.”

Jeder Euro zählt durch das Engagement des Bischofs doppelt.

Dominik Flesch ist erst seit zwei Monaten beim Bürgerservice. Ursprünglich wollte er in den Einzelhandelsbereich. Dann aber entdeckte er den Beruf des Schreiners, der ihm gut gefällt. In der Werkstatt des Bürgerservice fertigt er aktuell Bilderrahmen und hofft nun darauf, möglichst bald einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Beide Jugendliche wissen um ihre Situation: “Wenn wir hier nicht dabei sein könnten, hätten wir kaum eine Perspektive.”

Der Bedarf an Unterstützung wachse von Jahr zu Jahr, sagt Monika Berger. Die Finanzierung der Maßnahmen und Projekte sei oft knapp bemessen und decke dann nur die notwendigsten Kosten. Deshalb sei man für das Engagement der Aktion Arbeit sehr dankbar. Steyven und Berger hoffen nun gemeinsam darauf, dass möglichst viele Bürger und Firmen den aktuellen Spendenaufruf unterstützen werden: “Jeder Euro zählt durch das Engagement des Bischofs doppelt.”


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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